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Dieser Artikel erlÀutert die ImmunschwÀchekrankheit Aids; andere Bedeutungen sind unter Aids (BegriffsklÀrung) zu finden.
Sich aus einer Immunzelle herauslösendes HI-Virus.
Die Rote Schleife als Symbol der SolidaritÀt mit HIV-positiven und AIDS-kranken Menschen.

Acquired Immune Deficiency Syndrome oder Acquired Immunodeficiency Syndrome (engl. fĂŒr erworbenes Immundefektsyndrom, zumeist als AIDS oder Aids abgekĂŒrzt) bezeichnet eine spezifische Kombination von Symptomen, die beim Menschen in Folge der durch Infektion mit dem HI-Virus induzierten Zerstörung des Immunsystems auftreten.[1] Bei den Erkrankten kommt es zu lebensbedrohlichen opportunistischen Infektionen und Tumoren. Bereits wĂ€hrend der mehrjĂ€hrigen, symptomfreien Latenzphase können antiretrovirale Medikamente eingesetzt werden, die die Lebenserwartung von Infizierten steigern. Eine Heilung ist jedoch nicht möglich, da die HI-Viren nicht vollstĂ€ndig aus dem Körper entfernt werden können.

Aids wurde am 1. Dezember 1981 als eigenstĂ€ndige Krankheit erkannt und tritt in Gestalt einer Pandemie auf. Die Weltgesundheitsorganisation schĂ€tzt die Anzahl der 2006 an Aids Verstorbenen auf etwa 2,9 Millionen Menschen, mit 39,5 Millionen lebenden Infizierten und 4,3 Millionen Neuinfektionen im Jahr. Der Anteil der HIV-Infizierten liegt weltweit durchschnittlich bei etwa 1 % der 15- bis 49-jĂ€hrigen, erreicht in einzelnen afrikanischen Staaten jedoch Werte um zwanzig Prozent.[2]

Inhaltsverzeichnis

Definition und Klassifikation

Klassifikation im ICD-10

Klassifikation nach ICD-10
B20 Infektiöse und parasitÀre Krankheiten infolge HIV-Krankheit
B21 Bösartige Neubildungen infolge HIV-Krankheit
B22 Sonstige nÀher bezeichnete Krankheiten infolge HIV-Krankheit
B23 Sonstige KrankheitszustÀnde infolge HIV-Krankheit
B24 Nicht nÀher bezeichnete HIV-Krankheit
Z21 Asymptomatische HIV-Infektion
ICD-10 online (WHO-Version 2006)

Im ICD-10 können zahlreiche Krankheiten als Folge einer HIV-Infektion codiert werden, beziehungsweise auch die HIV-Infektion ohne Symptome. Die genaue Art der Folgeerkrankung wird in der zuletzt 2006 von der Weltgesundheitsorganisation aktualisierten Version des ICD-10 in einer vierten Stelle verschlĂŒsselt, zum Beispiel: B20.6 Pneumocystis-Pneumonie infolge HIV-Krankheit.

Der ICD wurde ursprĂŒnglich geschaffen, um die weltweite Erforschung von MorbiditĂ€t und MortalitĂ€t mit einer international einheitlichen Systematik zu ermöglichen. In vielen LĂ€ndern dient der ICD-10 – zum Teil in nationaler Anpassung – zusĂ€tzlich als Grundlage fĂŒr die VergĂŒtung von medizinischen Leistungen.

CDC-Definition

Die international anerkannteste und am weitesten verbreitete Definition von Aids ist die Klassifikation der Centers for Disease Control and Prevention. Sie berĂŒcksichtigt klinische Befunde und Laborparameter.

HIV Infektionen werden hiernach in drei Kategorien unterteilt, A bis C. Die Kategorien A und B enthalten asymptomatische HIV Infektionen bzw. HIV assoziierte, jedoch nicht Aids-definierende Krankheitsbilder. Die Kategorie C enthÀlt die Aids-definierenden Erkrankungen. Es handelt sich um opportunistische und maligne Erkrankungen, die bei einem gesunden Immunsystem nicht oder nicht in der vorliegenden Weise auftreten.

Aids-definierende Erkrankungen sind:

Daneben gibt es eine Einteilung von Laborwerten nach CD4-Zellen/”l:

  • Kategorie 1: >= 500 CD4-Zellen/”l
  • Kategorie 2: 200 – 499 CD4-Zellen/”l
  • Kategorie 3: < 200 CD4-Zellen/”l

Nach CDC-Definition mĂŒssen immer ein positiver HIV-Test und ein BestĂ€tigungs-Test vorliegen.

In der CDC-Definition werden einige opportunistische Infektionen nicht berĂŒcksichtigt. In SĂŒdostasien ist beispielsweise eine Infektion mit Penicillium marneffei bei HIV Patienten hĂ€ufig. Auch andere Erkrankungen (Aspergillosen, Mikrosporidiosen, Leishmaniosen, Morbus Hodgkin, ...) sind bislang unberĂŒcksichtigt. Dagegen sind Histoplasmosen oder Isosporidiosen in unseren Breiten RaritĂ€ten. Ein großes Problem der eng gefassten Definition ist, dass in vielen LĂ€ndern der Zugang zu Medikamenten nur mit einer Aids-Diagnose nach CDC-Klassifikation möglich ist.

Bangui-Definition

Punktesystem der Bangui-Definition
Symptome / Erkrankungen Punktzahl
Wichtige Symptome
Ungewollter Gewichtsverlust ĂŒber 10% 4
Asthenie (Kraftlosigkeit) 4
HĂ€ufige Symptome
Fieber fĂŒr mehr als einen Monat (durchgĂ€ngig oder unterbrochen) 3
Durchfall fĂŒr mehr als einen Monat 3
Andere Symptome
Husten 2
Lungenerkrankungen 2
Juckende Dermatitis 4
Ösophageale Candidose 4
Chronische oder generalisierte Herpes simplex Infektion 4
Herpes Zoster 4
Generalisierte Lymphadenopathie 2
Neurologische Symptome 2
Kaposi Sarkom 12
Kryptokokkenmeningitis 12

Im Gegensatz zur CDC-Definition basierte die afrikanische Bangui-Definition der WHO aus dem Jahr 1985 ausschließlich auf einer klinischen Diagnose.[3]

In Afrika ist bis heute ein HIV-Test in der Regel weder bezahlbar, noch allumfassend durchfĂŒhrbar. In der ersten Fassung der Bangui-Definition wurde der positive HIV-Test als notwendige Bedingung deshalb weggelassen. Statt dessen wurden mehrere nach einem Punktesystem bewertete klinische Symptome herangezogen. Ausschlusskriterien fĂŒr eine Diagnose nach der Bangui-Definition waren starke UnterernĂ€hrung, Krebs oder eine immunsuppressive Behandlung. Sobald 12 oder mehr Punkte erreicht waren und kein Ausschlusskriterium vorlag, galt die Diagnose Aids als gesichert.[4] FĂŒr Kinder galt eine leicht angepasste Definition.

Die WHO gab 1994 eine erweiterte Aids-Definition fĂŒr Afrika heraus.[5] Es wurde nun empfohlen einen HIV-Test zu machen. ZusĂ€tzlich wurde die Liste der Symptome gekĂŒrzt und spezifiziert. Gleichzeitig wurde festgelegt, dass immer dann, wenn kein HIV-Test durchgefĂŒhrt werden kann, weiterhin die Bangui-Definition gelten soll.

Übertragung

Das HI-Virus wird mit den KörperflĂŒssigkeiten Blut, Sperma, Vaginalsekret, Liquor cerebrospinalis und Muttermilch ĂŒbertragen. Potentielle Eintrittspforten sind frische, noch blutende Wunden in SchleimhĂ€uten (Bindehaut, Mund-, Nasen-, Vaginal- und Analschleimhaut) bzw. nicht ausreichend verhornte, leicht verletzliche Stellen der Außenhaut (Eichel, Innenseite der Vorhaut). Die hĂ€ufigsten Infektionswege sind der Vaginal- oder Analverkehr ohne Verwendung von Kondomen, der aufnehmende Oralverkehr (Schleimhautkontakt mit Sperma bzw. Menstruationsblut; bei unverletzter Mundschleimhaut stellt der Kontakt mit PrĂ€ejakulat oder Vaginalsekret ein vernachlĂ€ssigbares Infektionsrisiko dar, ebenso der passive Oralverkehr) und die Benutzung kontaminierter Spritzen bei intravenösem Drogenkonsum. Homosexuelle MĂ€nner gelten als Risikogruppe, da hĂ€ufige Partnerwechsel und Analverkehr in der Szene weit verbreitet sind. Wie hoch das Risiko beim Geschlechtsverkehr ist, hĂ€ngt vor allem von der Viruslast in der SamenflĂŒssigkeit, im Scheidensekret und im Blut ab. Diese ist unmittelbar nach der Infektion, bevor sich Antikörper gebildet haben, besonders hoch, nimmt dann aber zunĂ€chst ab und steigt in spĂ€ten Stadien der Erkrankung wieder an.

Bluttransfusionen bergen ebenfalls das Risiko einer HIV-Infektion, RoutineĂŒberwachung der Blutspender â€“ wie sie in Deutschland seit 1985 durchgefĂŒhrt wird â€“ reduziert dieses jedoch stark. Aufgrund des durchschnittlich etwa 25 Tage andauernden Zeitfensters, wĂ€hrend dessen eine Neuinfektion noch nicht durch einen Test nachgewiesen werden kann, verbleibt jedoch eine Restgefahr.[6]

Das Risiko einer Infektion eines Kindes durch eine HIV-infizierte Mutter wĂ€hrend der Schwangerschaft oder wĂ€hrend der Geburt wird auf 10 bis 30 Prozent[7] geschĂ€tzt. Bei bekannter HIV-Infektion der Mutter kann das Risiko einer Übertragung auf das Kind durch die Gabe antiretroviraler Medikamente und die Geburt durch Kaiserschnitt auf ca. zwei Prozent vermindert werden.

Vor allem in der Anfangszeit der Epidemie infizierten sich viele intravenös-DrogenabhĂ€ngige durch die gemeinsame Nutzung von Injektionsnadeln. Auch Ärzte und pflegerisches Personal haben ein gewisses Risiko der Ansteckung bei Nadelstichverletzungen im OP oder nach Punktionen an infizierten Patienten.

Die HIV-Konzentration in TrĂ€nen, Schweiß, Speichel und Urin reicht fĂŒr eine Ansteckung nach heutigem Erkenntnisstand nicht aus. Zudem erscheint aufgrund der Aids-Epidemiologie eine Infektion ĂŒber Insekten oder Tröpfcheninfektion als unwahrscheinlich. [8]

Mittels postexpositioneller Prophylaxe (PEP) kann nach einem Vorfall einer möglichen Infektion entgegengewirkt werden. Die 28 Tage andauernde, medikamentöse PEP bietet nur dann vollstĂ€ndigen Schutz, wenn die Behandlung innerhalb von zwei Stunden nach Exposition begonnen wird und kann bis zu 24 nach intravenöser und bis zu 72 Stunden nach Exposition ĂŒber die SchleimhĂ€ute noch immer wirksam sein.[7]

Des Weiteren besteht ein Ansteckungsrisiko (bei Patienten mit AIDS-Vollbild, also bei einer CD4-Konzentration <200 mlU/ml) mit den typischen opportunistischen Erregern: Viren der Herpes-Gruppe, Candida, Streptokokken, Pneumokokken. Partner von Patienten mit AIDS-Vollbild sollten sich auch ĂŒber diese Erreger und deren Infektionswege informieren.

Ansteckungswahrscheinlichkeit

Hauptquelle dieses Abschnitts: Leitlinie „Postexpositionelle Prophylaxe der HIV-Infektion“ der AWMF[9] (hierbei ist die Grundlage aus neun Studien: drei amerikanische Studien aus der Schwulen-Szene, drei aus heterosexuellen Infektionsstudien aus Afrika, zwei Wahrscheinlichkeitsstudien und diese Studie).[10]

Übertragung Mutter/Kind

Die Infektionswahrscheinlichkeit von der unbehandelten Mutter auf das Kind wĂ€hrend der natĂŒrlichen Geburt wird, je nach Studie, mit zehn bis vierig Prozent angegeben[11]. Die Wahrscheinlichkeit solch einer vertikalen Transmission wĂ€hrend und nach der Geburt lĂ€sst sich durch antiretrovirale Therapie der Mutter ab dem 3. Trimester, Kaiserschnitt und Verzicht aufs Stillen auf unter zwei Prozent senken.

Übertragung durch Bluttransfusionen

95 Prozent betrĂ€gt das Infektionsrisiko beim Erhalt einer verseuchten Bluttransfusion. Das Risiko fĂŒr eine HIV-Übertragung durch eine Bluttransfusion im Allgemeinen wird derzeit in Deutschland auf unter 1 auf 3 Millionen Transfusionen geschĂ€tzt.[12]

Übertragung durch Nadeln/KanĂŒlen/Nadelstiche

Das Infektionsrisiko durch Nadelstiche hĂ€ngt sehr von der Situation ab. Das Infektionsrisiko wird durchschnittlich mit 0,3 Prozent angegeben und steigt mit folgenden Faktoren: sehr tiefe Verletzungen (16-fach erhöht), sichtbare Blutspuren auf der Nadel oder Nadel war vorher in einer Vene oder Arterie des ÜbertrĂ€gers (jeweils 5-fach erhöht), bei hoher Viruslast des ÜbertrĂ€gers (6-fach erhöht). Das Risiko bei Hohlnadeln ist höher als bei geschlossenen Nadeln.

Das Risiko, sich bei gemeinsamer Benutzung einer KanĂŒle, meist beim Spritzen von Heroin, zu infizieren, liegt um 0,7 Prozent und sinkt mit dem zeitlichen Abstand zwischen den Injektionen, allerdings nur langsam, da in der KanĂŒle eingeschlossene Viren lange infektiös bleiben können, teilweise auch noch nach Tagen. Ein Auskochen der Nadeln ist zwar generell möglich, wenn es lange genug durchgefĂŒhrt wird, allerdings sind handelsĂŒbliche Nadeln nicht dafĂŒr geeignet, weil die verwendeten Kunststoffe nicht entsprechend hitzefest sind. Eine chemische Desinfektion (Alkohol oder andere Desinfektionsmittel) ist nicht ausreichend, weil nicht gewĂ€hrleistet ist, dass die Substanzen ganz in die KanĂŒle eindringen.

Übertragung durch Geschlechtsverkehr

Das individuelle Risiko einer Infektion mit HIV durch Geschlechtsverkehr ist sehr variabel und hĂ€ngt von vielen Faktoren ab. Eine Infektion ist nach einmaligem Geschlechtsverkehr möglich, es sind jedoch auch FĂ€lle bekannt, in denen trotz mehrjĂ€hrigen Sexualkontaktes mit einem infizierten Partner keine Ansteckung erfolgte. Eine gleichzeitig vorliegende andere Geschlechtserkrankung erhöht das Infektionsrisiko um das 5- bis 10-fache, eine hohe Viruslast des ÜbertrĂ€gers sogar um das 10- bis 30-fache. Frischinfizierte weisen eine hohe Viruslast auf, da der Körper in diesem Stadium ĂŒber keine spezifischen Antikörper verfĂŒgt. Geschlechtsverkehr wĂ€hrend der Regelblutung der Frau ist mit einem erhöhten Infektionsrisiko fĂŒr beide Partner verbunden, beschnittene MĂ€nner haben ein geringeres Infektionsrisiko. Insgesamt scheint das Infektionsrisiko nicht konstant ĂŒber die Anzahl der Kontakte zu sein, so dass das Risiko einzelner Kontakte womöglich erheblich zu niedrig angegeben ist. Mit besseren Medikamenten sinkt möglicherweise das Übertragungsrisiko durch die sinkende Viruslast in Blut und Sekreten.

  • Vaginalverkehr: UngeschĂŒtzter vaginaler Geschlechtsverkehr ist mit hohem Risiko behaftet.
  • Bei Analverkehr treten hĂ€ufig kleine Risse an der Schleimhaut auf, daher ist das Risiko im Vergleich zum Vaginalverkehr nochmals signifikant erhöht.
  • Eine Infektion durch VorflĂŒssigkeit (PrĂ€ejakulat) ist eher unwahrscheinlich.
  • Cunnilingus, Oralverkehr bei der Frau: Das Risiko wird ebenfalls Ă€ußerst gering eingeschĂ€tzt, solange kein Kontakt mit Menstruationsblut stattfindet.
  • Rimming: Das Risiko wird als Ă€ußerst gering eingeschĂ€tzt.
  • Andere Sexualpraktiken, bei denen kein Kontakt zu SchleimhĂ€uten, Blut, Sperma oder Vaginalsekret besteht, haben ein extrem geringes Infektionsrisiko.

Postexpositionelle Prophylaxe

Teilweise besteht die Möglichkeit einer Postexpositionsprophylaxe. Diese besteht aus allgemeinen Maßnahmen (Waschen des Penis nach dem Verkehr, AusdrĂŒcken der Stichwunden und Behandlung mit Desinfektionsmittel) und spezifischen Maßnahmen wie der Gabe von antiretroviralen Medikamenten.

Nach einem Ansteckungsverdacht sollte immer sofort ein Arzt aufgesucht werden, der ĂŒber mögliche Maßnahmen informiert und diese auch einleiten kann. Im Idealfall sollte mit der Postexpositionsprophylaxe bereits zwei Stunden nach der Risikosituation begonnen werden. Die Medikation entspricht im Wesentlichen der antiretroviralen Tritherapie eines HIV-positiven Patienten.

HIV-Tests

Siehe auch Hauptartikel: HIV-Test

HIV-Tests unterteilen sich in Suchtests und BestĂ€tigungstests. Ziel eines Suchtests (z. B. ELISA-Suchtest) ist es, möglichst alle infizierten Personen zu erkennen â€“ um den Preis, dass auch einige nicht-infizierte fĂ€lschlicherweise positiv getestet werden. Wird eine Person im Suchtest positiv getestet, so ist in vielen LĂ€ndern ein BestĂ€tigungstest (in Deutschland und den USA: Western-Blot-BestĂ€tigungstest) vorgeschrieben, um eine falsch positive Diagnose zu verhindern. HIV-Tests werden meist in einem Labor durchgefĂŒhrt. Es existieren jedoch auch Schnelltests, die ohne technische Hilfsmittel teilweise bereits nach fĂŒnf Minuten ein Ergebnis anzeigen können. [13]


Ein HIV-Test darf nur mit ausdrĂŒcklicher Zustimmung des Betroffenen durchgefĂŒhrt werden, eine Testung ohne Wissen des Patienten ist rechtlich unzulĂ€ssig und kann dementsprechend geahndet werden. In Deutschland muss ein positiver HIV-Test gemĂ€ĂŸ Infektionsschutzgesetz in anonymisierter Form an das Robert-Koch-Institut in Berlin gemeldet werden. In Österreich ist nur die Aids-Erkrankung, nicht aber die bloße HIV-Infektion meldepflichtig.

Krankheitsverlauf

Verlauf einer HIV-Infektion/AIDS (Lymphzytenzahl, Viruslast)

Eine HIV-Infektion verlÀuft in vier Phasen:

Akute Phase (vier bis sechs Wochen)

Zwei bis sechs Wochen nach einer Infektion können grippeĂ€hnliche Symptome wie Fieber, Nachtschweiß, geschwollene Lymphknoten, Übelkeit usw. auftreten.

Die hÀufigsten Symptome einer akuten HIV-Infektion sind (angegeben nach der Wahrscheinlichkeit des Auftretens)[14]

  • 80 % Fieber
  • 78 % Abgeschlagenheit, MĂŒdigkeit
  • 68 % Unwohlsein, KrankheitsgefĂŒhl
  • 54 % Kopfschmerzen
  • 54 % Appetitverlust
  • 54 % Arthralgien (Gelenkschmerzen)
  • 51 % Hautausschlag
  • 51 % Nachtschweiß
  • 49 % Myalgien (Muskelschmerzen)
  • 49 % Übelkeit
  • 46 % Diarrhoe (Durchfall)
  • 46 % Fieber und Ausschlag (als Kombination)
  • 44 % Pharyngitis oder Schluckschmerzen
  • 37 % orale Ulzerationen (GeschwĂŒre im Mund)
  • 34 % Steifer Nacken (vermutlich aufgrund der auch dort befindlichen und angeschwollenen Lymphknoten)
  • 32 % Gewichtsverlust grĂ¶ĂŸer als 2,5 kg
  • 24 % Lichtempfindlichkeit

Manche Patienten bemerken obige Symptome jedoch nicht oder sie haben keine.

Zur Diagnostik einer akuten HIV-Infektion dient ein positiver HIV-RNA-Test durch eine RT-PCR und ein negativer oder „grenzwertiger“ BestĂ€tigungstest.[14]

Latenzphase

In dieser Zeit vermehrt sich das Virus im Körper. Betroffene, sofern sie von ihrer Infektion wissen, leiden allenfalls psychisch darunter, körperliche Symptome treten hingegen keine auf. Die Latenzzeit dauert im Durchschnitt 9-11 Jahre. Es gibt sowohl Patienten, die innerhalb von Monaten nach der Ansteckung AIDS entwickeln, als auch solche, bei denen trotz Ansteckung in den 80er Jahren und ohne HAART bis heute keine Progression zu AIDS festzustellen ist. [15]

(A)ids (R)elated (C)omplex

Es treten die gleichen Beschwerden wie in der Akutphase auf. Sie gehen jedoch nicht mehr zurĂŒck.

Krankheitsphase

Die Diagnose Aids wird gestellt, wenn bei einem HIV-Positiven bestimmte Infektionen oder bösartige Tumoren, die sogenannten Aids definierenden Erkrankungen, festgestellt werden. Die Infektionen werden als opportunistische Infektionen bezeichnet. FĂŒr das (intakte) Immunsystem eines gesunden Menschen sind sie oft harmlos. Durch das kompromittierte Immunsystem eines HIV-Positiven kann sich der Organismus jedoch nicht ausreichend wehren; es treten die oben genannten Infektionen auf. Als Maß fĂŒr die Zerstörung des Immunsystems dient die T-Helfer-Zellen-Zahl im Blut eines HIV-Infizierten. Unter der Schwelle von 200–400 / Â”l Blut ist die Therapie indiziert.

Therapie

Highly Active Antiretroviral Therapy (HAART)

Mit Highly active antiretroviral therapy (HAART) wird die medikamentöse Kombinationstherapie aus mindestens drei antiretroviralen Wirkstoffen bezeichnet. Ziel von HAART ist, den Ausbruch des Krankheitsbildes AIDS hinauszuzögern. Eine erfolgreiche HAART drĂŒckt die Viruslast (Konzentration des HI-Virus im Blut) unter die Nachweisgrenze und erhöht die CD4-Zellwerte, d.h. das Immunsystem wird gegen opportunistische Infektionen und andere AIDS-definierende Erkrankungen gestĂ€rkt. Es ist nicht möglich, das HI-Virus durch HAART aus dem Körper zu eliminieren.

Aufgrund neuer medizinischer Studienergebnisse sowie der Entwicklung und Zulassung neuer antiretroviraler Arzneistoffe und Substanzklassen befindet sich HAART in einem kontinuierlichen Entwicklungsprozess. Dennoch gibt es eindeutige Leitlinien auf nationaler [16] [17] [18], europÀischer [19] und internationaler [20] Ebene zu den verschiedenen Aspekten der antiretroviralen Therapie.


Startzeitpunkt einer HAART

Die Kriterien fĂŒr den besten Startzeitpunkt einer HAART sind in den jeweiligen nationalen Leitlinien definiert. Diese wĂ€gen die Gefahr an Aids zu erkranken gegen die Risiken der LangzeittoxizitĂ€t und Resistenzbildung ab. WĂ€hrend Mitte der 1990er Jahre die Mutationsgeschwindigkeit des Virus und die Annahme einer möglichen Eradikation zu einer „Hit hard and early!“-Strategie bei der Behandlung verleiteten, fĂŒhrte die Entdeckung mitochondrialer ToxizitĂ€t zur ZurĂŒckhaltung. Heute beginnt eine HAART erst bei deutlicher SchwĂ€chung des Immunsystems.

Die EuropĂ€ische Empfehlung zum Therapiebeginn berĂŒcksichtigt drei Faktoren: Das klinische Bild des Patienten, seinen CD4-Wert und die Viruslast.

Patienten, die bereits Aids-definierende Erkrankungen haben (CDC C), wird eine HAART dringend empfohlen. Auch beim Auftreten von Erkrankungen, die auf ein geschwĂ€chtes Immunsystem hindeuten, jedoch nicht Aids-definierend sind (CDC B), wird eine HAART empfohlen. Dies gilt auch fĂŒr Patienten, die symptomfrei sind, aber einen CD4+ Wert unter 200 haben, da es dann meist eine Frage der Zeit ist, bis Aids auftritt. Als im Allgemeinen ratsam wird eine Therapie bei Patienten angesehen, die einen CD4+ Wert zwischen 200 und 350 haben. Ebenso angeraten ist der Beginn der HAART laut der Empfehlung bei Patienten mit einem CD4+ Wert zwischen 350 und 500, wenn eine hohe Viruslast vorliegt (> 100.000).

Aufgrund der fĂŒr den Patienten weitreichenden Konsequenzen, wird die Entscheidung individuell getroffen, so dass der Patient zuvor ĂŒber Risiken und Nebenwirkungen ausreichend informiert und psychisch auf diese Therapie eingestellt ist.

Durch eine antiretrovirale Therapie (ART), das heißt, die Einnahme von HIV-unterdrĂŒckenden Medikamenten, und Behandlung von SekundĂ€rinfektionen kann der Krankheitsverlauf verlangsamt werden. Da das Virus schnell Resistenzen gegenĂŒber einzelnen Medikamenten entwickelt, hat sich die Therapie durch gleichzeitige Einnahme mehrerer Medikamente durchgesetzt, die so genannte „Highly Active Antiretroviral Treatment“ (HAART).

Antiretrovirale Therapie kann die Lebenserwartung HIV-Infizierter deutlich verlĂ€ngern, jedoch keine vollstĂ€ndige Eradikation des Virus â€“ und damit eine Heilung â€“ bewirken. Zudem können schwerwiegende Nebenwirkungen auftreten. Eine einmal begonnene ART sollte nicht mehr abgesetzt werden, um Resistenzbildung zu verhindern. Aus dem selben Grund ist eine regelmĂ€ĂŸige Tabletteneinnahme unumgĂ€nglich (siehe Adherence). Daraus ergibt sich eine hohe Belastung fĂŒr den Patienten.

Zur Zeit werden drei Wirkstoffklassen angewandt: Nukleosid- und Nukleotidanaloga (NRTI), Nichtnukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NNRTI) und Protease-Inhibitoren (PI). Eine weitere Wirkstoffklasse stellen Fusionsinhibitoren wie die Substanz T-20 dar.

Wirkstoffe

Nukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NRTI)

Nukleosid-Analoga, auch Nukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NRTI, umgangssprachlich „Nukes“) genannt, setzen an der reversen Transkriptase an, einem Enzym des HI-Virus, das das virale RNA-Genom in doppelstrĂ€ngige DNA â€žĂŒbersetzt“. Anschließend baut ein weiteres virales Enzym, die Integrase, diese Virus-DNA in die DNA der Wirtszelle ein. Die NRTI stellen hierbei ein alternatives Substrat dar, die mit den physiologischen Nukleosiden konkurrieren, sich von diesen jedoch durch ein verĂ€ndertes ZuckermolekĂŒl unterscheiden. Der Einbau der NRTI behindert die Struktur der Doppelstrangbindung und fĂŒhrt daher zu KettenabbrĂŒchen in der Virus-DNA.

Hierbei entsprechen die Wirkstoffe Zidovudin (Azidothymidin, AZT) und Stavudin (d4T) dem DNA-Baustein Thymidin, Lamivudin (3TC) dem Cytidin, wÀhrend Didanosin (DDI) analog zu Inosin und Abacavir ein Guanosin-Anologon ist. Eine Kombination von Analoga mit gleichem Ansatzpunkt (etwa AZT und d4T) ist nicht sinnvoll.

Zahlreiche Nebenwirkungen können bei der Therapie mit NRTI auftreten. HĂ€ufig sind Kopfschmerzen, gastrointestinale Beschwerden, VöllegefĂŒhl oder Übelkeit, Erbrechen und Diarrhoeen sowie allgemeine MĂŒdigkeit. Als Folge lĂ€ngerer Anwendung kann es zur Laktatazidose (Ansammlung von MilchsĂ€ure im Blut), MyelotoxizitĂ€t (KnochenmarksschĂ€digung), SchĂ€digung peripherer Nerven und BauchspeicheldrĂŒsenentzĂŒndungen kommen. Auch eine Lipodystrophie, eine auch bei Therapie mit Protease-Inhibitoren zu beobachtende Umlagerung von Körperfett, kann bei lĂ€ngerer Einnahme von NRTI auftreten.

Viele dieser Nebenwirkungen sind eine Folge der mitochondralen ToxizitÀt: Mitochondrien, die lebenswichtigen Kraftwerke der Zellen, benötigen ebenfalls Nukleoside. Durch den Einbau von NRTI statt Nukleosiden kommt es zu Stoffwechselstörungen und zur Degeneration der Mitochondrien.[21] Bei der ToxizitÀt der einzelnen Substrate gibt es erhebliche Unterschiede.

NRTI werden unverĂ€ndert in die Zelle aufgenommen und dort durch Phosphorylierung aktiviert. Sie werden ĂŒberwiegend ĂŒber die Niere (renal) eliminiert und haben daher wenig Wechselwirkung mit Medikamenten, die in der Leber verstoffwechselt werden.

Nicht-Nukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NNRTI)

WĂ€hrend NRTIs als „falsche“ Bausteine die reverse Transkriptase hemmen, binden Nicht-Nukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NNRTI) direkt an dieses Enzym, nahe der Substratbindungsstelle fĂŒr Nukleoside. Zurzeit gibt es drei NNRTIs auf dem Markt: Nevirapin, Delavirdin und Efavirenz. WĂ€hrend Nevirapin und Efavirenz etwa gleich effektiv sind, spielt Delaviridin in der Therapie kaum eine Rolle und ist in Deutschland (noch) nicht zugelassen.

Als Einzelsubstanz zeigen NNRTIs nur eine begrenzte Wirkung, in Kombinationstherapie mit zwei NRTIs sind sie aus immunologisch-virologischer Sicht mit Proteaseinhibitoren gleichwertig. Bisher konnte keine Studie nachweisen, dass die Überlebenszeit verbessert wurde und die Krankheit langsamer fortschreitet als mit HAART.[22] Jedoch wurde eine Verbesserung der LebensqualitĂ€t beschrieben.[23] Zur Zulassung wurden ausschließlich Studien zu verbesserten CD4+ Zellzahlen und zur niedrigeren Viruslast benutzt (Surrogat-Marker-Studien). Durch ihre gute VertrĂ€glichkeit und die geringere Pillenzahl werden sie hĂ€ufig den Proteaseinhibitoren vorgezogen. NNRTIs sind recht empfindlich: Schon eine Punktmutation genĂŒgt, um eine Resistenz des Virus gegen den Wirkstoff zu erzeugen. Zudem bestehen Kreuzresistenzen: Zeigt ein Virus Resistenzen gegen einen NNRTI, so sind meist alle NNRTIs wirkungslos. NNRTIs werden in der Leber verstoffwechselt (Cytochrom P450-System).

Die Nebenwirkungsprofile der einzelnen Wirkstoffe unterscheiden sich erheblich. Bei der Therapie mit Nevirapin stehen vor allem allergische Reaktionen und LebertoxizitĂ€t im Vordergrund. Ein Ausschlag tritt bei bis zu zwanzig Prozent der Patienten auf und fĂŒhrt bei sieben Prozent zum Abbruch der Nevirapineinnahme. Um die Gefahr von Allergien zu mindern, wird Nevirapin zu Beginn der Therapie in niedriger Dosierung gegeben. Anschließend wird die Dosis schrittweise erhöht. LebertoxizitĂ€t ist eine seltene, aber unter UmstĂ€nden lebensbedrohliche Nebenwirkung von Nevirapin. Daher sollten zu Beginn der Therapie die Leberwerte (vor allem die Transaminasen) engmaschig kontrolliert werden.

Die Nebenwirkungen von Efavirenz betreffen hingegen vor allem das zentrale Nervensystem. Sie treten meist zur Beginn der Therapie auf und schwĂ€chen sich danach ab. In den ersten vier Wochen in einer Studie traten bei zwei Drittel der Patienten Schwindel, nahezu der HĂ€lfte AlbtrĂ€ume und bei etwa einem Drittel der Patienten Benommenheit und Schlafstörungen auf. Diese nahmen aber meist nach einiger Zeit ab. WĂ€hrend Nevirapin zur Vorbeugung einer Mutter-zu-Kind-Übertragung (PMTCT = Prevention of Mother to Child Transmission) eingesetzt wird, ist Efivarenz in der Schwangerschaft kontraindiziert. Angesichts der Wirkung auf das zentrale Nervensystem ist die Verkehrstauglichkeit fraglich. Ein Vorteil von Efavirenz gegenĂŒber Nevirapin ist die geringere LebertoxizitĂ€t.

Delavirdin ist wegen der hohen Pillenzahl und der dreimal tÀglichen Einnahme den anderen Wirkstoffen unterlegen. Zudem ist es zurzeit nicht auf dem deutschen Markt zugelassen.

Proteaseinhibitoren (PI)

Kann das HIV-Enzym Protease das virale MakromolekĂŒl gag-pol-Polyprotein nicht spalten, so werden nicht-infektiöse Viruspartikel produziert. Protease-Inhibitoren wurden mit dem Wissen ĂŒber die molekulare Struktur des Enzyms so modelliert, dass sie direkt im aktiven Zentrum der Protease binden können. Die gute Wirksamkeit von Proteaseinhibitoren wurde anhand von klinischen Endpunkten nachgewiesen. Sie haben zu einer deutlichen Verbesserung der Therapie beigetragen.[24] Bei der Langzeitbehandlung zeigen sich jedoch einige Probleme, die zu Störungen im Fettstoffwechsel fĂŒhren und in der Folge Lipodystrophie (Fettverteilungsstörungen) und DyslipidĂ€mie (erhöhte Blutfettwerte) auslösen können. Der Grund liegt wahrscheinlich in der mitochondrialen ToxizitĂ€t, da Proteaseinhibitoren offenbar Ă€hnlich den NRTI die Mitochondrien schĂ€digen.[21] Weitere Nebenwirkungen sind gastrointestinale Beschwerden.

Proteaseinhibitoren haben relativ kurze Halbwertszeiten im Blutplasma. Schon nach acht Stunden ist die minimale Hemmkonzentration erreicht. Daher mĂŒssen die meisten Proteaseinhibitoren dreimal tĂ€glich eingenommen werden.

Der Abbau der Proteaseinhibitoren geschieht in der Leber durch das Cytochrom-P450-Enzymsystem. Der Proteaseinhibitor Ritonavir hemmt dieses System. Man ging daher dazu ĂŒber, andere Proteaseinhibitoren zusammen mit Ritonavir zu verabreichen, um den Abbau zu verlangsamen und die Plasma-Halbwertszeit zu verlĂ€ngern. Dies wird als „Booster“ bezeichnet. Mittlerweile gibt es den Proteaseinhibitor Lopinavir kombiniert mit einer Boosterdosis Ritonavir (Kaletra).[25] Dies fĂŒhrt zu einer fast 100-fach grĂ¶ĂŸeren Plasma-Konzentration von Lopinavir und zu einer grĂ¶ĂŸeren Barriere gegen Resistenzen. Daher wird Lopinavir/Ritonavir (Kaletra) zumeist nach Therapieversagen anderer Medikamente benutzt („Salvage-Bereich“).

Ein weiteres Problem ist die Wechselwirkung von Proteaseinhibitoren mit vielen anderen Substanzen: Zum einen ĂŒber das Cythochrom-P450 Enzym-System mit den Alkaloiden von Grapefruit, zum anderen besteht eine gegenseitige Wechselwirkung (sowohl gegenseitige AbschwĂ€chung als auch gegenseitige VerstĂ€rkung) zu Östrogen, was den gleichzeitigen Einsatz von Proteasehemmern und hormonellen Kontrazeptiva verhindert.[26]

Entry-Inhibitoren

Entry-Inhibitoren unterbrechen den Eintritt des Virus in die Wirtszelle.

Fusions-Inhibitoren (FI)

Anfang 2003 wurde der erste Fusionsinhibitor Enfuvirtid (entwickelt unter der Bezeichnung T-20) auf den Markt gebracht. T-20 bindet an das fĂŒr die Fusion des Virus mit der Zellmembran der T-Helferzellen wichtige Transmembranprotein gp41 und blockiert so den Eintritt des Virus in die Zelle. Besonders interessant wird die Substanz dadurch, dass sie keine mitochondriale ToxizitĂ€t und damit kein Lipodystrophiesyndrom auslöst.

T-20 ist mit seinen 36 AminosĂ€uren zu groß fĂŒr eine orale Einnahme. In seiner jetzigen Form muss T-20 tĂ€glich subkutan gespritzt oder ĂŒber eine Infusionspumpe verabreicht werden. Als Nebenwirkung treten hĂ€ufig Hautirritationen an der Einstichstelle auf.

Erste Studien ergaben, dass die eine bloße Hinzugabe von T-20 zu einer klassischen antiretroviralen Therapie nur einen begrenzten Erfolg mit sich bringt. Zwei große Studien, die T-20 zu einer optimierten HAART gegen eine optimierte HAART ohne T-20 verglichen, zeigte jedoch signifikant bessere Werte im T-20-Arm der Studie. Das lĂ€sst darauf schließen, dass besonders diejenigen Patienten von T-20 profitieren, die gleichzeitig auch noch andere medikamentöse Optionen haben.[27]

T-20 kann offenbar zu Interaktionen mit Granulozyten fĂŒhren, die bei einigen Patienten zu vermehrten Infektionen fĂŒhrten.

Eine rasche Resistenzbildung des Virus ist zudem recht wahrscheinlich. Jedoch scheint die virale Angepasstheit an den menschlichen Wirt der resistenten StÀmme vermindert zu sein.

Dennoch ermöglicht T-20 Patienten eine Option, die auf Grund von Nebenwirkungen oder Resistenzen ihre Therapie umstellen mĂŒssen. Erste Wahl zu Therapiebeginn ist T-20 derzeit jedoch nicht, und das nicht nur auf Grund der Studienlage. T-20 ist nach Aussage der Herstellerfirma F. Hoffmann-La Roche AG einer der am aufwĂ€ndigsten zu produzierenden Substanzen der Firmengeschichte. Dies macht sich im Preis deutlich, der mit ĂŒber 24.000 Euro pro Jahr höher als einige Dreifachkombinationen herkömmlicher antiretroviraler Medikamente liegt.

Weiterhin gibt es seit FrĂŒhjahr 2007 Maraviroc (MVC) im Extended Acces-Programm zur Letztbehandlung von HIV-Patienten, die sonst keine Therapieoption mehr haben.

An anderen Fusionsinhibitoren und an einer wöchentlich zu verabreichenden T-20-Injektion wird geforscht.

Integrase-Inhibitoren

Nach vielen FehlschlÀgen und Schwierigkeiten in den 1990ern begann ab 2000 die Entwicklung der Integrase-Inhibitoren an Fahrt aufzunehmen. Damals wurde das Prinzip der Strangtransfer-Inhibition aufgedeckt.[28] Seit 2005 geht es nun auch in klinischen Studien rasant voran, spÀtestens nach den ersten Daten der Phase-III Studien zu Raltegravir (MK-0518) sind die Integrasehemmer die nÀchste neue Substanzgruppe in der HIV-Therapie. MK-0518 ist mittlerweile im Expanded Access Programm, also zur Letztbehandlung von HIV-Patienten, die sonst keine Therapieoption mehr haben, zugelassen.[29]

Experimentelle Therapien

Maturations-Inhibitoren

Maturations-Inhibitoren („Reifungshemmer“) hemmen die Knospung neuer Virionen. Wie bei den Integrasehemmern wurde 2005 erstmals in vivo eine antiretrovirale Wirkung nachgewiesen. Bevirimat (PA-457) ist ein Derivat der BetulinsĂ€ure, die als Triterpen-CarbonsĂ€ure aus Birken- oder Platanenrinde isolierbar ist und als Zytostatikum gegen Melanome eingesetzt wird. PA-457 hemmt die Knospung bzw. Reifung neuer Virionen.[30] Studien der Phase-IIa sind bereits veröffentlicht.[31] Studien der Phase-IIb verlaufen aufgrund unerwarteter Schwierigkeiten in der Dosisfindung schleppend.[32]

Tre-Rekombinase

Am 29. Juni 2007 stellten Wissenschaftler des Hamburger Heinrich-Pette-Instituts fĂŒr Experimentelle Virologie und Immunologie sowie des Max-Planck-Instituts fĂŒr Molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden im US-Wissenschaftsjournal Science den Grundstein fĂŒr eine neue Aids-Therapie vor.[33] Ihnen gelang es nach eigenen Angaben erstmals, aus menschlichen Zellen das Erbgut des Aids-Erregers gezielt zu entfernen. FĂŒr ihr erfolgreiches Experiment entwickelten die vier Forscher ein spezielles Enzym â€“ Tre-Rekombinase genannt â€“, das als molekulare Schere fungiert. Es trennt das HI-Virus aus der DNA der Zelle heraus und macht es auf diese Weise unschĂ€dlich. Joachim Hauber, einer der Wissenschaftler, erklĂ€rte der Presse gegenĂŒber: „Wir sind das Virus in den Zellen wieder losgeworden. Das hat bislang noch niemand geschafft.“[34] Die Untersuchungen fanden bislang lediglich in Zellkulturen statt, nicht jedoch in Tierversuchen oder im Rahmen von klinischen Studien am Menschen. Ob mit Hilfe der Tre-Rekombinase eine effiziente Therapie gegen HIV-Infektionen entwickelt werden kann, kann derzeit noch nicht abgeschĂ€tzt werden.

Vorbeugung

PrĂ€vention ist die effektivste Maßnahme gegen HIV. Durch den Gebrauch von Kondomen, sterilen Nadeln bei der Einnahme von Drogen und bei Impfungen sowie Blutspenden kann man einer Infektion sehr sicher entgehen. Nach einem Ereignis mit Ansteckungsrisiko kann die Wahrscheinlichkeit einer Infektion vermindert werden, wenn eine so genannte Postexpositions-Prophylaxe durchgefĂŒhrt wird.

Eine HIV-Impfung existiert nicht. An der hohen Mutationsrate des HI-Virus scheiterten bisher die langjĂ€hrigen Forschungen um Impfstoffe, die die Bildung von schĂŒtzenden Antikörpern gegen das OberflĂ€chenprotein gp120 fördern sollten. Als das Mittel gegen das sehr Ă€hnliche SIV (SI-Virus, simian Immunodeficiency virus) der Affen erfolgreich getestet worden war, hatte das HI-Virus in freier Wildbahn die Struktur seines gp120 OberflĂ€chenproteins verĂ€ndert.

Epidemiologie

Die PrĂ€valenzratio betrĂ€gt weltweit 0.0059, in Deutschland 0.0007, in Österreich 0.0011 (Stand 2006).

Allgemein

Internationaler Vergleich âˆ’ Anteil der HIV-Infizierten und Aidskranken an der Bevölkerung, 2005

Aus epidemiologischer Sicht ist das weltweite Verteilungsmuster von HIV interessant: WĂ€hrend sich die meisten Viren gleichmĂ€ĂŸig schnell ausbreiten, war dies bei HIV anders.

Der erste entdeckte Aids-Erreger ist ein HI-Virus 1 vom Subtyp B aus der Hauptgruppe M. Dieses Virus tauchte erstmals um 1930 in Zentralafrika auf. Ein internationales Forscherteam kommt nach Gen-Analysen zahlreicher HIV-Subtypen aus aller Welt zu dem Schluss, dass dieses Aidsvirus um das Jahr 1966 herum von Afrika nach Haiti gelangte. Die Untersuchungen belegen ferner, dass sich das Virus mit hoher Wahrscheinlichkeit zunĂ€chst innerhalb von Haiti und dann von dort ĂŒber die ganze Welt ausbreitete. So erreichte es von Haiti aus 1969 die USA. Zu diesem Schluss gelangten Forscher um Michael Worobey an der UniversitĂ€t Arizona nach der eingehenden Analyse von Virusproben der ersten bekannten Aids-Patienten aus Haiti.[35] In den USA habe sich das Virus zunĂ€chst sehr langsam in der heterosexuellen Bevölkerung ausgebreitet, bevor es sich dann wenig spĂ€ter innerhalb der Hochrisiko-Gruppe homosexueller MĂ€nner stĂ€rker verbreitete.

WĂ€hrend die HIV-Epidemie in den USA bereits in den 1980er Jahren begann, gab es einige LĂ€nder, die von HIV verschont zu sein schienen, dann aber mit großer Geschwindigkeit vom Virus erobert wurden. So geschah es vor allem in Osteuropa und Asien Mitte der 1990er Jahre. In anderen LĂ€ndern, zum Beispiel Kamerun, blieb die PrĂ€valenz von HIV Jahre lang stabil, um dann sprunghaft anzusteigen. Auch eine Obergrenze in der HIV-PrĂ€valenz scheint es nicht zu geben. So stieg die Quote der schwangeren Frauen mit HIV in stĂ€dtischen Zentren in Botswana nach 1997 in vier Jahren von 38,5 % auf 55,6 %.

Eine nachhaltig erfolgreiche BekĂ€mpfung von HIV/AIDS in afrikanischen HochprĂ€valenzlĂ€ndern muss die Reduktion sowohl von AIDS-bedingten TodesfĂ€llen als auch von Neuinfektionen umfassen. Daten aus einigen schwer von der HIV-Epidemie getroffenen LĂ€ndern wie Kenia, Ruanda, Uganda und Simbabwe zeigen, dass sich die Rate der Neuinfektionen durch Änderungen im Sexualverhalten verringern lĂ€ĂŸt. Als Grundlagen dieses Erfolges gelten die landesweite EinfĂŒhrung von Sexualkundeunterricht, die zunehmende EinfĂŒhrung der antiretroviralen Therapie, flĂ€chendeckende Kampagnen zur Steigerung der Akzeptanz von Kondomen, HIV-Tests, deren Ergebnisse noch am selben Tag bekannt gegeben wurden und Selbsthilfe-Kits fĂŒr sexuell ĂŒbertragbare Krankheiten. Diese Erfolge sind jedoch nur mit finanziellen Mitteln durchfĂŒhrbar, die viele der Hochendemie-LĂ€nder in Afrika nicht allein aufbringen können. Unabdingbar ist ferner ebenso ein politischer Wille, diese Seuche aktiv zu bekĂ€mpfen. Laut Daten aus Uganda konnte die PrĂ€valenz von HIV bei schwangeren Frauen von fast 30 % im Jahr 1992 auf 5,4 % im Jahr 2007 gesenkt werden [2]. Das Erfolgsmodell Uganda ist nicht unumstritten: Zur Reduktion der HIV-PrĂ€valenz haben auch eine verbesserte Datenerhebung und die dramatische Sterblichkeitsrate von Menschen mt HIV/AIDS beigetragen.


Weltweit

Jahr Mit HIV/Aids lebende Personen Neuinfektionen TodesfÀlle TodesfÀlle aufsummiert Quelle
1980 (~ 2.000.000)1 — — — —
1993 (12.900.000)1 — — (2.500.000)1 —
1999 — 4.000.000 — — —
2000 — 3.800.000 — — —
2001 34.900.000 (40.000.000)1 3.400.000 2.500.000 20–22 Mio —
2002 — (42.000.000)1 3.500.000 3.100.000 ~ 21.1 Mio —
2003 37.800.000 4.800.000 2.900.000 ~ 24.0 Mio —
2004 39.400.000 4.900.000 3.100.000 ~ 27.1 Mio —
2005 40.300.000 4.900.000 3.100.000 > 25 Mio Aids epidemic update December 2005 (UNAIDS)
2006 38.600.000 4.100.000 3.100.000 > 25 Mio Aids epidemic update December 2005 (UNAIDS), Tagesschau-Meldung

1 Bei der Berechnung der Gesamtzahl aller Infektionen wandte UNAIDS ab 2004 eine neue Methodik an, die eine relative Korrektur der Zahlen nach unten nach sich zog. Nach alter Methodik ermittelte Zahlen sind zur Unterscheidung kursiv gesetzt, fĂŒr 2001 finden sich zum Vergleich beide Werte angegeben, ein korrigierter Wert fĂŒr 2002 ist nicht bekannt.

Globale Verteilung 2001 2002 2003 2004 2005
Subsahara-Afrika 23,8 Millionen 24,4 Millionen 25,0 Millionen 25,4 Millionen 25,8 Millionen
SĂŒd- und SĂŒdostasien 5,9 Millionen 6,4 Millionen 6,5 Millionen 7,1 Millionen 7,4 Millionen
Latein-Amerika 1,4 Millionen 1,5 Millionen 1,6 Millionen 1,7 Millionen 1,8 Millionen
Osteuropa und Zentralasien 890.000 1,0 Millionen 1,3 Millionen 1,4 Millionen 1,6 Millionen
Ostasien 680.000 760.000 900.000 1,1 Millionen 870.000
Nordamerika 950.000 970.000 1 Million 1 Million 1,2 Million
West- und Zentraleuropa 540.000 600.000 580.000 610.000 720.000
Nordafrika und Naher Osten 340.000 430.000 480.000 540.000 510.000
Karibik 400.000 420.000 430.000 440.000 300.000
Ozeanien 24.000 28.000 32.000 35.000 74.000

Alle Zahlen von UNAIDS.

Im sĂŒdlichen Afrika ist die Rate am höchsten. Die Rate der schwangeren HIV-Infizierten unter 20 Jahren ist in SĂŒdafrika auf 15,4 % gesunken (1998: 21 %); dies bedeutet, dass AufklĂ€rungsprogramme langsam Erfolge zeigen. Jedoch sind die Aids-Raten bei Ă€lteren Frauen immer noch sehr hoch. 32 % der Frauen zwischen 24 und 29 Jahren sind derzeitig mit der Krankheit infiziert. Insgesamt sind 20 % der Bevölkerung SĂŒdafrikas mit HIV infiziert. Das Land mit der weltweit höchsten Aids-Rate ist das benachbarte Swasiland, wo 2005 42 % der Bevölkerung infiziert waren.

Deutschland

Die Zahl der Neuinfektionen lag einige Jahre relativ konstant bei knapp 2.000 pro Jahr. In letzter Zeit wird eine Steigerung der Infektionszahlen beobachtet.[36] Im Jahr 2006 betrug die Zahl der Neuinfizierten in Deutschland 2.611; insgesamt lebten ca. 56.000 HIV-infizierte Menschen in der Bundesrepublik, davon 47.000 MĂ€nner und 8.500 Frauen sowie ca. 400 Kinder. 8.700 von ihnen leben mit Aids.

Von den 2.700 Neuinfizierten waren ca. 81 % MĂ€nner; geschĂ€tzte 70 % von ihnen sind MĂ€nner, die Sex mit MĂ€nnern hatten, 20 % waren Übertragungen durch heterosexuellen Sex, 9 % Infektionen durch infizierte Spritzen bei Drogenmissbrauch und 1 % Übertragungen von der Mutter auf das Kind, meist wĂ€hrend der Geburt.

Die Zahl der neu an Aids Erkrankten lag Ende 2006 bei 1.200 (Vorjahr: 850). Von Anfang der 1980er Jahre bis 2006 haben sich in der Bundesrepublik Deutschland etwa 82.000 Menschen mit HIV infiziert, etwa 32.500 Menschen sind an Aids erkrankt und etwa 26.000 sind an den Folgen der HIV-Infektion gestorben.

Die vom Berliner Robert Koch-Institut (RKI) ermittelten Daten zur Verbreitung von HIV und Aids sind nur begrenzt mit frĂŒher publizierten SchĂ€tzungen vergleichbar, da zusĂ€tzliche Daten und Informationen sowie die Anpassung der Erhebungsmethodik die Berechnungen von Jahr zu Jahr verĂ€ndern.

Es gibt BefĂŒrchtungen, dass die Infizierungsrate ansteigt, da zum einen die AufklĂ€rungswelle der 1990er Jahre verebbt sei und sich zum anderen gerade bei Jugendlichen zwischen 13 und 16 Jahren eine erstaunliche Unkenntnis in Bezug auf die latente Ansteckungsgefahr beim ungeschĂŒtzten Sexualakt zeigt. So behauptet erschreckenderweise jeder fĂŒnfte Jugendliche, dass man einem HIV-Positiven „die Krankheit ansehen könne“. Hinzu kommt eine Verharmlosung und gelegentliche Faszination von Gefahren, die bei manchen zu bewusst risikoreicherem Verhalten (Barebacking) fĂŒhrt.

Grund zur Besorgnis gibt weiterhin der kontinuierliche Anstieg von anderen sexuell ĂŒbertragbaren Krankheiten. Nicht nur, dass sich damit das Risiko einer Ansteckung erhöht, es zeigt auch, dass die Akzeptanz von Kondomen rĂŒcklĂ€ufig zu sein scheint. Diese BefĂŒrchtungen werden bestĂ€rkt durch die Tatsache, dass sich nach Angaben des Robert Koch-Institutes in den ersten acht Monaten des Jahres 2005 zwanzig Prozent mehr Menschen mit HIV angesteckt haben als im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres.

Mehr als 80 Prozent sind MĂ€nner und nahezu 70 Prozent der Gesamtzahl sind MĂ€nner, die gleichgeschlechtliche Kontakte hatten. Das Infektionsrisiko fĂŒr diese MĂ€nner ist damit doppelt so groß wie vor fĂŒnf Jahren âˆ’ und so hoch wie seit dreizehn Jahren nicht mehr.

In Deutschland zÀhlt AIDS mit etwa 650 Toten pro Jahr zu den unbedeutendsten Todesursachen. Nach der Statistik des Bundesamts in Wiesbaden erlagen von 2002 bis 2006 jÀhrlich zwischen 518 und 504 Menschen in Deutschland den Folgen der ImmunschwÀche. 83 Prozent der Opfer waren im vergangenen Jahr MÀnner, 17 Prozent waren Frauen. Im Vergleich zu 1996 sank die Zahl der TodesfÀlle 2006 allerdings um 68 Prozent, was auf einen Erfolg der Langzeitmedikationen hinweist. Das durchschnittliche Sterbealter stieg in diesem Zeitraum von 41 auf 48 Jahre und acht Monate. [37]

Österreich

Anfang 2008 leben etwa 12.000 bis 15.000 HIV-Infizierte in Österreich, etwa die HĂ€lfte davon in Wien. Die Zahl der Neuinfizierungen betrĂ€gt seit 2003 etwa 450 pro Jahr (2007: 515). Die niedrigste Rate war 1997 mit 297, die höchste 1993 mit 561 Neuinfektionen. Der Anstieg der Neuinfektionen kann durch das Ende der AufklĂ€rungswelle der 1990er Jahre erklĂ€rt werden, sie bleibt mittlerweile aber relativ konstant. Zwischen 1983 und 5.Mai 2008 sind in Österreich 2.608 Menschen an Aids erkrankt und 1.468 gestorben. Von 2003, mit 50 neuen Erkrankungen, stiegen sie im Jahr 2004 auf 65 an.

2006 erfolgten fast 42 Prozent der Neuinfektionen ĂŒber heterosexuelle Kontakte (1998 waren es 27%!), 28,6 Prozent ĂŒber homosexuelle Kontakte und 20,5 Prozent ĂŒber intravernösen Drogenkonsum.

Pro Jahr werden in Österreich rund 1 Mio. HIV-Antikörper-Tests durchgefĂŒhrt (500.000 davon durch Spenden finanziert). Ein Problem ist, dass die Tests oft in der falschen Zielgruppe durchgefĂŒhrt werden (PensionistInnen). Einerseits wird sehr viel getestet, andererseits wird bei vielen der Betroffenen die HIV-Infektion erst im Zuge der tatsĂ€chlichen Erkrankung bekannt.

Schweiz

In der Schweiz wurden im Jahr 2005 702 positive HIV-Tests gemeldet. Seit 2002 hat die Anzahl der Neuansteckungen von 791 leicht abgenommen. Besonders stark betroffen sind die Kantone ZĂŒrich, Waadt und Genf.

Bei den MĂ€nnern sind 2005 die meisten Ansteckungen mit 49,1 % nach homosexuellem Geschlechtsverkehr zu verzeichnen. Seit 2003 zeigt sich in dieser Gruppe eine Zunahme von 13,9 % und bewegt sich damit ĂŒber dem Höchststand von 1994. Die Anzahl der Ansteckungen nach heterosexuellem Kontakt folgt mit 38,1 %. Diese Gruppe stieg nach 2002 wieder an, sank aber 2005 wieder und scheint sich auf gleichbleibend hohem Niveau zu halten. Die Ansteckungen nach Drogenkonsum sinken seit 2003 weiter auf 9,7 %.

Bei den Frauen ist das Ansteckungsrisiko bei heterosexuellem Kontakt mit 80,6 % am grĂ¶ĂŸten und stieg seit 2002 um 10,7 %. Die Infizierungen nach Drogenkonsum bleiben mit 11,1 % auf konstantem Niveau.

Bei Ansteckungen nach homosexuellen Kontakten sind hauptsĂ€chlich BĂŒrger aus der Schweiz mit etwa 72 % betroffen, gefolgt mit 15 % von Personen aus der EU. Das VerhĂ€ltnis bewegt sich bei Ansteckungen nach Drogenkonsum etwa im gleichen VerhĂ€ltnis (63 % aus der Schweiz und 20,4 % EU). Bei den heterosexuellen Beziehungen zeigt sich jedoch ein stark grĂ¶ĂŸerer Anteil an auslĂ€ndischen Personen. Besonders stark betroffen sind Personen aus der Subsahara mit 41 %.

Aids in Afrika

Siehe Hauptartikel: Aids in Afrika

Ausbreitung

AufklĂ€rungsplakate in Abidjan/ElfenbeinkĂŒste

Die Aids-Pandemie hat ihre schlimmsten Ausmaße sĂŒdlich der Sahara. Hier leben 26 Millionen Menschen mit einer HIV-Infektion. In einigen LĂ€ndern hat sich durch die ImmunschwĂ€cheerkrankung die Lebenserwartung um mehr als zehn Jahre gesenkt. Warum sich die Erkrankung hier so viel schneller verbreitet, ist nicht ganz geklĂ€rt.

Es scheint einige Faktoren zu geben, die die Ausbreitung des HI-Virus begĂŒnstigen: wĂ€hrend in Europa und Nordamerika schon kurz nach der Entdeckung des HI-Virus die Massenmedien große Teile der Bevölkerung mit Informationskampagnen ĂŒber die tödlichen Gefahren einer HIV-Infektion und PrĂ€vention informierten, blieb Aids in vielen Teilen Afrikas ein Tabuthema. So hatte das HI-Virus fast zwanzig Jahre mehr Zeit, sich ungehindert auszubreiten.

Aids in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion

Die ersten HIV-Infektionen in der Sowjetunion wurden erst Ende der 1980er Jahre registriert. Eine epidemische Ausbreitung begann Anfang der 1990er Jahre, und zwar zunĂ€chst fast ausschließlich unter Benutzern von Injektionsdrogen. Der Hauptansteckungsweg war der gemeinsame Gebrauch von Spritzen. Mit der sich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ausbreitenden Drogensucht stieg auch die Zahl der Infektionen mit HIV.

Bis heute, wo je nach Region bereits bis zu 60 Prozent der Neuinfektionen auf sexuellem Weg stattfinden, prÀgt ihre Entstehung im Drogenmillieu das Erscheinungsbild der HIV-Epidemie in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion.

Am stĂ€rksten betroffen und im Hinblick auf die Charakteristika der Epidemie beispielhaft fĂŒr viele Regionen der ehemaligen Sowjetunion ist die Ukraine.

Siehe Hauptartikel: HIV/Aids in der Ukraine

Entstehungstheorien

HIV ist eng mit Viren verwandt, die aidsĂ€hnliche Symptome in Primaten auslösen, und es ist eine derzeit allgemein akzeptierte Annahme, dass einer dieser Virustypen Anfang des 20. Jahrhunderts auf den Menschen ĂŒbertragen wurde, obwohl es Hinweise darauf gibt, dass dies in isolierten FĂ€llen bereits frĂŒher geschah.

Genaue Angaben ĂŒber Zeit, Ort, Wirtstier, Art und Anzahl der Übertragungen sind nicht bekannt.

Das HI-Virus stammt sehr wahrscheinlich von dem bei Schimpansen gefundenen SI-Virus ab

Ein Virus, das fast identisch mit dem menschlichen HI-Virus ist und SIV genannt wird, wurde in Schimpansen gefunden. Nach jĂŒngsten Untersuchungen von Virologen der UniversitĂ€t Birmingham/Alabama löst HIV-1, das von dem im Schimpansen gefundenen SI-Virus abstammt, vermutlich die ImmunschwĂ€chekrankheit aus. Durch eine genetische Analyse konnten die Wissenschaftler zeigen, dass das SI-Virus eine Kombination aus zwei VirusstĂ€mmen ist, die in bestimmten Meerkatzen vorkommen. Da Meerkatzen von Schimpansen gejagt und gefressen werden, mĂŒssen sich die Schimpansen mit den zwei VirusstĂ€mmen infiziert haben, aus denen sich dann in ihrem Körper das SI-Virus gebildet hat. Die Übertragung dieses SI-Virus auf den Menschen erfolgte nach Ansicht der Forscher wohl bereits vor den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts.

Weitere wissenschaftliche Untersuchungen ergaben, dass das HI-Virus zuerst in Westafrika auftrat, aber es ist nicht mit letzter Sicherheit geklĂ€rt, ob es nicht mehrere Virusherde gab. Neue sogenannte phylogenetische Untersuchungen, das heißt, Verwandtschaftsvergleiche zwischen den unterschiedlichen Subtypen von HIV und zwischen HIV und SIV, lassen vermuten, dass mehrere unabhĂ€ngige Übertragungen vom Schimpansen auf den Menschen in Kamerun und/oder dessen NachbarlĂ€ndern stattfanden.

Die Ă€lteste Blutprobe, die nachgewiesenermaßen HIV-Antikörper enthĂ€lt, wurde 1959 im Kongo von einem erwachsenen Menschen genommen. Weitere Proben stammen von einer im Kongo gestorbenen Frau (1960, Lymphknotengewebe), einem US-Amerikaner (1969) und einem norwegischen Matrosen (1976).

Geschichte

Die frĂŒheste dokumentierte Infektion mit HIV-1 wurde anhand 1959 entnommener Blutproben eines Mannes aus Kinshasa (Demokratische Republik Kongo) nachgewiesen. Der Vergleich mit spĂ€teren Proben von einer 1976 an Aids verstorbenen Familie eines norwegischen Seemanns deutet auf Divergenz von einem gemeinsamen Vorfahren aus den 1940er bis frĂŒhen 1950er Jahren hin. Es wird angenommen, dass HIV-1 einige Jahre zuvor auf den Menschen ĂŒbersprang. Der genetische Unterschied zwischen HIV-1 und HIV-2 deutet jedoch auch darauf hin, dass diese Subtypen bereits weitaus frĂŒher divergierten.[38] Die Genetikerin Bette Korber vom Los Alamos National Laboratory datierte im Jahre 2000 anhand der Probe von 1959 die erste Übertragung auf etwa das Jahr 1931. Der Evolutionsbiologe Michael Worobey von der University of Arizona datierte im Jahre 2008 mit Hilfe einer zusĂ€tzlichen Probe aus dem Jahre 1960 die erste Übertragung auf die Zeit zwischen 1884 und 1924. Er vermutet dadurch, dass die GrĂŒndung der KolonialstĂ€dte dem Virus half Fuß zu fassen.[39]

1981 beschrieb Michael Gottlieb in der am 5. Juni erschienenen Ausgabe des Morbidity and Mortality Weekly Report, einem wöchentlichen Bulletin der US-Gesundheitsbehörde CDC, eine HĂ€ufung einer seltenen Form der LungenentzĂŒndung. Diese durch den Pilz Pneumocystis jirovecii ausgelöste Form befĂ€llt nahezu ausschließlich Patienten mit schwerwiegender ImmunschwĂ€che, wurde von Gottlieb jedoch bei fĂŒnf zuvor gesunden, homosexuellen MĂ€nnern in Los Angeles festgestellt.[40] Ähnliche Berichte aus anderen US-amerikanischen StĂ€dten folgten. Zudem wurden verstĂ€rkt auch andere opportunistische Erkrankungen â€“ etwa Kaposi-Sarkome â€“ festgestellt, die ĂŒberwiegend Patienten mit geschwĂ€chtem Immunsystem befallen.[41]

Schon frĂŒh wurde eine erworbene ImmunschwĂ€cheerkrankung als wahrscheinliche Ursache in Betracht gezogen. Im Juni 1982 wurde eine, anfĂ€nglich als Gay Related Immune Deficiency (GRID) oder Gay People's Immuno Defiency Syndrome (GIDS) bezeichnete, sexuell ĂŒbertragene Krankheit vermutet.[42] Weitere epidemiologische Untersuchungen in den USA zeigten jedoch, dass die Krankheit auch unter HĂ€mophilen[43], EmpfĂ€ngern von Blut (z. B. durch Bluttransfusionen) und heterosexuellen DrogenabhĂ€ngigen auftrat, was neben sexueller auch eine parenterale Übertragung nahelegt. Aus diesem Grund wurde die Krankheit ab August 1982 unter ihrem neuen Namen „AIDS“[1] bzw. im französischen Sprachraum „Syndrome d’Immuno-DĂ©ficience Acquise“ (SIDA) referenziert.

In Deutschland wurde die Krankheit erstmalig 1982 bei einem Patienten aus Frankfurt am Main diagnostiziert.

1983 isolierte eine französische Forschergruppe um Luc Montagnier ein zuvor unbekanntes Retrovirus, das Lymphadenopathie-Virus (LAV), das sie als Ursache fĂŒr Aids vermuteten.[44] Eine kausale Beziehung zwischen dem Virus und der ImmunschwĂ€cheerkrankung wurde kurze Zeit spĂ€ter behauptet. Im selben Jahr wurde in Berlin die AIDS-Hilfe gegrĂŒndet. 1984 wurde im US-Krebsinstitut ein bei Aids-Patienten entdecktes Virus Human T-cell Lymphotropic Virus-III (HTLV-III) genannt.[45] Im MĂ€rz 1985 stellte sich aufgrund weiterer Berichte zu LAV und HTLV-III heraus, dass diese identisch sind. 1985 erhielt Robert Gallo das US-Patent fĂŒr den ersten ELISA-Antikörper-Test, der von der US-Zulassungsbehörde zugelassen wurde. Im gleichen Jahr fand in Atlanta (USA) die erste Welt-Aids-Konferenz statt.

Im Jahr 1986 wurde fĂŒr das Virus der Name Humanes ImmunschwĂ€chevirus (HIV) etabliert. Ein Jahr spĂ€ter, 1987, wurde mit AZT (Retrovir) das erste Therapeutikum zugelassen. Im Jahr 1988 wurde von der WHO der 1. Dezember zum Welt-Aids-Tag erklĂ€rt. 1989 wurde bei HIV-Patienten die Pentamidin-Inhalation zur Prophylaxe der Pneumocystis-Pneumonie eingefĂŒhrt.

Im Jahr 1990 wurde aus Protest gegen die Diskriminierung von HIV-Infizierten auf der Aids-Konferenz in San Francisco das Red Ribbon, ein rotes Armband, etabliert. Ein Jahr spĂ€ter wurde die Rote Schleife international zum Symbol fĂŒr den Kampf gegen Aids. 1992 wurde aufgrund der US-Einreisebestimmungen der Welt-Aids-Kongress von Boston nach Amsterdam verlegt. Außerdem wurde im Gedenken an Freddie Mercury von den verbleibenden Queen-Mitgliedern die Stiftung Mercury Phoenix Trust gegrĂŒndet.

1994 wurde die HIV-PCR als wichtiger diagnostischer Test fĂŒr die Therapiekontrolle des Infektionsverlaufes etabliert. Im folgenden Jahr, 1995, kam der erste Protease-Hemmer, Saquinavir, in den USA auf den Markt. Im folgenden Jahr wurde Nevirapin als erster nicht-nukleosidischer Reverse-Transkriptase-Hemmer zugelassen. Durch die intensive Kombinationstherapie nahm die Sterberate in den USA 1997 drastisch ab. 2003 wurde mit Enfuvirtid (Fuzeon) der erste Fusionshemmer in den USA zugelassen. 2004 wurde von der WHO die Initiative 3 by 5 gestartet: Drei Millionen Infizierte sollten im Jahr 2005 mit Medikamenten versorgt werden.

Zu Anfang galt die Erkrankung in der öffentlichen Wahrnehmung als Problem von „Randgruppen“ wie Homosexuellen und DrogenabhĂ€ngigen. Dies Ă€nderte sich jedoch auf dramatische Weise durch das Aufkommen von HIV-Tests. Denn auch Menschen ohne klinische Symptome hatten Antikörper, was auf eine Inkubationszeit von mehreren Jahren hindeutete, in der das Virus möglicherweise auch weitergegeben wurde. 1984 ergaben Untersuchungen, dass Aids in Kinshasa bei MĂ€nnern und Frauen gleich hĂ€ufig auftrat, unabhĂ€ngig von Drogenkonsum und Bluttransfusionen.

In den USA wurde 1985 berichtet, dass bei untersuchten HĂ€mophiliekranken („Blutern“), die sich durch Blutkonserven infiziert hatten, die Ansteckungsrate der Ehefrauen bei 70 % lag. Die Erkenntnis, dass die Ansteckungsgefahr bei heterosexuellem Geschlechtsverkehr deutlich höher zu sein schien als zunĂ€chst angenommen, fĂŒhrte zu einem großen öffentlichen Interesse. Die Kombination aus den nun bekannten Ansteckungswegen und langer Inkubationszeit ließen epidemiologische Hochrechnungen ein pessimistisches Bild zeichnen.

Die jÀhrliche Verdopplung von Neuerkrankungen hielt in Deutschland nur von 1984 bis 1987 an, danach verlief der Anstieg der Zahl von Erkrankten weniger steil, bis sich die Zahlen im Jahre 1993 auf ca. 2000 einpendelte. Dadurch Ànderte sich auch schnell wieder das öffentliche Interesse an Aids. 2003 steckten sich weltweit ungefÀhr 4,8 Millionen Menschen neu mit dem Virus an, im selben Jahr starben ca. 2,9 Millionen Menschen daran.

Abweichende Sichtweisen

Siehe Hauptartikel: Aids-Leugnung

Trotz gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnisse bestreitet eine sehr geringe Zahl von Wissenschaftlern entweder die Existenz von HIV oder den Zusammenhang von HIV und Aids. Dazu gehören insbesondere der Retrovirologe Peter Duesberg[46] und der Chemiker Kary Mullis. Ihre Thesen beeinflussten den PrĂ€sidenten SĂŒdafrikas, Thabo Mbeki, der Duesberg 2001 zum Mitglied der sĂŒdafrikanischen Aids-Beratungskommission ernannte. In SĂŒdafrika liegt die Verbreitungsrate von HIV/Aids bei ĂŒber 20%, etwa 370.000 Menschen starben 2003 allein in SĂŒdafrika an Aids.[47] Mbeki bestreitet selber vehement den Zusammenhang zwischen HIV und Aids.[48] Kary Mullis ist fĂŒr die Entdeckung des PCR-Verfahrens bekannt, mit dem unter anderem HI-Viren im Körper von Betroffenen nachgewiesen werden. Nachdem er sich aber als mögliches EntfĂŒhrungsopfer von Aliens bezeichnet und seine Vorliebe fĂŒr Astrologie bekundet hat, wird er von den meisten Wissenschaftlern nicht mehr ernst genommen.[49]

Diese Positionen werden von der ĂŒberwĂ€ltigenden Mehrheit der Mediziner als gefĂ€hrliche Verschwörungstheorien eingestuft und scharf kritisiert. In SĂŒdafrika seien die Aids-Leugner fĂŒr den Tod hunderttausender Menschen verantwortlich.[50][51][52][53][54][55]

Sozialethische Beurteilung

Das Krankheitssyndrom Aids hat sich weltweit zu einer ernsten Herausforderung fĂŒr direkt Betroffene, fĂŒr die medizinische Wissenschaft, aber auch fĂŒr all jene, die derartige Patienten zu betreuen haben oder mit ihnen zusammenleben mĂŒssen, entwickelt.

Fernab von jeder Stigmatisierung[56] aidskranker Patienten gilt es, Mittel und Wege zu finden, ihnen besser wirksam zu helfen: Sei es durch immer noch nicht ausreichend verfĂŒgbare therapeutische Maßnahmen, sei es im Sinn der symptomatischen Therapie und palliativen Medizin. Geboten ist zudem umfassende und wirksame PrĂ€vention.

Die Suche nach einer ethisch vertretbaren Aids-BekĂ€mpfungsstrategie fĂŒhrt zu teils gegenteiligen Ergebnissen: Die einen betonen die unbedingte Notwendigkeit eines ausschließlich oder doch primĂ€r „technischen“ Schutzes gegen die Ausbreitung der Krankheit. Andere sehen diese Antwort als nicht ausreichend an bzw. lehnen diese aus GrĂŒnden einer religiösen Ethik ab. Sie betonen den Wert der dauerhaften ehelichen Treue neu bzw. fordern im konkreten Fall auch zeitweise oder völlige Enthaltsamkeit ein. Die Propagierung von Kondomen als Schutz gegen Aids sei vom religiös-christlichen Standpunkt aus bedenklich. Man argumentiert, auf diese Weise werde ein mit PromiskuitĂ€t und gewissen sexuellen Praktiken assoziierter verantwortungsloser Lebensstil gefördert, der die eigene Person sowie andere Menschen einer todbringenden Gefahr aussetze.

Literatur

  • C. Hoffmann, J. Rockstroh, B. Kamps (Hrsg.): HIV.NET 2007. 15. Auflage. SteinhĂ€user Verlag 2007. ISBN 978-3924774561 Text online frei einsehbar, zuletzt eingesehen am 07. Mai 2008
  • UNAIDS: 2004 Report on the Global HIV/AIDS Epidemic: 4th Global Report, Genf, 2004, ISBN 92-9173-355-5
  • Hansjoerg Dilger: Leben mit Aids. Krankheit, Tod und soziale Beziehungen in Afrika. Eine Ethnographie. Campus, Frankfurt am Main, 2005. ISBN 3-593-37716-0
  • Stratton, Allan: WorĂŒber keiner spricht, Deutscher Taschenbuch Verlag, 2005, ISBN 3-423-78204-8
  • Stephan Dressler: HIV/AIDS Taschenlexikon, S. Dressler, Berlin 2008, 161 S., Text online frei einsehbar, zuletzt eingesehen am 10. September 2008
  • Ilse ZĂŒndorf: Entdeckung und Ursprung des HI-Virus. Pharmazie in unserer Zeit 30(3), S. 190–192 (2001), ISSN 0048-3664
  • Ilse ZĂŒndorf, Theo Dingermann: Struktur des HI-Virus. Pharmazie in unserer Zeit 30(3), S. 202–207 (2001), ISSN 0048-3664
  • H. Leisch: Die AIDS-Pandemie - regionale Auswirkungen einer globalen Seuche. Geographische Rundschau 53(2), S. 26–31 (2001), ISSN 0016-7460

TV-Dokumentationen

  • Sindis letzte Chance: Billige AIDS-Medikamente fĂŒr SĂŒdafrika, WDR 2001
  • Tödlicher Ausverkauf: Wie AIDS nach Asien kam, WDR 2004
  • Teboho Edkins: Ask me, I'm positive, 2003, Dokumentation im Rahmen des Projekts steps for the future
  • Karsten Hein: Am Rande. Sechs Kapitel ĂŒber AIDS in der Ukraine. (2006)

Siehe auch

Belege

  1. ↑ a b Marx, J. L.: New disease baffles medical community. In: Science. 217, Nr. 4560, 1982, S. 618–621. PMID 7089584
  2. ↑ a b UNAIDS: 2008 Report on the global AIDS epidemic. ([1] ; Stand: 2008-12-22).
  3. ↑ Keou FX, BĂ©lec L, Esunge PM, Cancre N, Gresenguet G.: World Health Organization clinical case definition for AIDS in Africa: an analysis of evaluations. PMID 1335410.
  4. ↑ Alison D Grant, Kevin M De Cock HIV infection and AIDS in the developing world http://www.bmj.com/cgi/content/full/322/7300/1475.
  5. ↑ Greenberg AE, Coulibaly IM, Kadio A, Coulibaly D, Kassim S, Sassan-Morokro M, Maurice C, Whitaker JP, Wiktor SZ. Impact of the 1994 expanded World Health Organization AIDS case definition on AIDS surveillance in university hospitals and tuberculosis centers in Cîte d'Ivoire. PMID 9412706
  6. ↑ E.M. Lackritz et al.: „Estimated Risk of Transmission of the Human Immunodeficiency Virus by Screened Blood in the United States“. In: New England Journal of Medicine. 333, Nr. 26, 1995, S. 1721-1725. PMID 7491134
  7. ↑ a b A. Plettenberg et al.: „HIV-PEP State of the art“. In: Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz. 43, Nr. 13, 2000, S. 18–25. DOI
  8. ↑ HIV and Its Transmission, CDC.
  9. ↑ Postexpositionelle Prophylaxe der HIV-Infektion.
  10. ↑ PETERMAN TA, STONEBURNER RL, ALLEN JR, JAFFE HW, CURRAN, JW. Risk of human immunodeficiency virus transmission from heterosexual adults with transfusion-associated infections. JAMA 1988; 259: 55–58 http://archderm.ama-assn.org/cgi/content/abstract/135/11/1393
  11. ↑ De Cock KM et al. Prevention of mother-to-child-transmission in resource-poor countries. Jama 2000; 283: 1175-82
  12. ↑ http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/aids/?sid=519086 Ärzte Zeitung Extra, 01.12.2008
  13. ↑ Rapid HIV Testing, AboutCom.
  14. ↑ a b Hecht, F. M. et al.: Use of laboratory tests and clinical symptoms for identification of primary HIV infection.. In: AIDS. 16, Nr. 8, 2002, S. 1119-1129. PMID 12004270
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  16. ↑ http://www.daignet.de/site-content/hiv-therapie/leitlinien-1
  17. ↑ http://www.rki.de/cln_091/nn_196034/DE/Content/InfAZ/H/HIVAIDS/Therapie/Leitlinien/leitlinien__node.html?__nnn=true
  18. ↑ http://www.aidsinfo.nih.gov/Guidelines/)
  19. ↑ http://www.eacs.eu/guide/index.htm
  20. ↑ http://www.who.int/hiv/pub/guidelines/en/
  21. ↑ a b Brinkman, K. et al: Mitochondrial toxicity induced by nucleoside-analogue reverse-transcriptase inhibitors is a key factor in the pathogenesis of antiretroviral-therapy-related lipodystrophy.. In: Lancet. 354, Nr. 9184, 1999, S. 1112-1115. PMID 10509516
  22. ↑ Torre, D. et al: Nevirapine or efavirenz combined with two nucleoside reverse transcriptase inhibitors compared to HAART: a meta-analysis of randomized clinical trials.. In: HIV Clinical Trials. 2, Nr. 2, 2001, S. 113-121. PMID 11590519
  23. ↑ Fumaz, C. R. et al.: Quality of life, emotional status, and adherence of HIV-1-infected patients treated with efavirenz versus protease inhibitor-containing regimens.. In: Journal of acquired immune deficiency syndromes. 29, Nr. 3, 2002, S. 244-253. PMID 11873073
  24. ↑ Dauer, B.: Protease inhibitors: the current status.. In: Journal of HIV Therapy. 10, Nr. 4, 2005, S. 72-74. PMID 16519246
  25. ↑ Oldfield, V. Plosker, G. L.: Lopinavir/Ritonavir: a review of its use in the management of HIV infection.. In: Drugs. 66, Nr. 9, 2006, S. 1275-1299.