Friedrich Wilhelm Heinrich Alexander von Humboldt (* 14. September 1769 in Berlin; â 6. Mai 1859 ebenda) war ein deutscher Naturforscher von Weltgeltung und MitbegrĂŒnder der Geographie als empirischer Wissenschaft.
Seine Forschungsreisen fĂŒhrten ihn ĂŒber Europa hinaus nach Lateinamerika, in die USA sowie nach Zentralasien. Wissenschaftliche Feldforschung betrieb er persönlich u. a. in den Bereichen Physik, Chemie, Geologie, Mineralogie, Vulkanologie (Ăberwindung des Neptunismus), Botanik (er begrĂŒndete die Pflanzengeographie), Zoologie, Klimatologie (Isothermen), Ozeanographie und Astronomie, aber auch zu Fragen der Wirtschaftsgeographie, der Ethnologie und der Demographie. Zudem korrespondierte er bei der Erstellung seines grandiosen publizistischen Werkes mit ungezĂ€hlten internationalen Spezialisten der verschiedenen Fachrichtungen und schuf so ein wissenschaftliches Netzwerk eigener PrĂ€gung.
In Deutschland erlangte er vor allem mit den Ansichten der Natur und dem Kosmos auĂerordentliche PopularitĂ€t. Sein bereits bei Lebzeiten legendĂ€res Ansehen spiegelt sich in Bezeichnungen wie âder zweite Kolumbusâ, âwissenschaftlicher Wiederentdecker Amerikasâ, âWissenschaftsfĂŒrstâ und âder neue Aristotelesâ (GedenkmĂŒnze der Pariser Akademie der Wissenschaften). Er wurde in zahlreiche Akademien aufgenommen, so etwa der Leopoldinisch-Karolinischen Akademie der Naturforscher, der PreuĂischen Akademie der Wissenschaften, der Bayerischen Akademie der Wissenschaften sowie in die Akademie gemeinnĂŒtziger Wissenschaften berufen.
Bearbeiten AnfĂ€nge (1769â1790)
Alexander von Humboldts aus Pommern stammender Vater Alexander Georg war preuĂischer Offizier und wurde wegen seiner Verdienste im SiebenjĂ€hrigen Krieg zum Kammerherrn der Kronprinzessin ernannt. Als solcher heiratete er 1766 die Witwe Marie Elizabeth von Holwede, geb. Colomb, Tochter einer wohlhabenden Hugenottenfamilie. Aus dieser Ehe gingen zwei Söhne hervor, Wilhelm (* 1767 in Potsdam) und Alexander, der am 14. September 1769 in Berlin geboren wurde.
Die Stellung des Vaters begrĂŒndete ein spezifisches VerhĂ€ltnis der Humboldt-BrĂŒder zum preuĂischen Königshaus, zumal der Kronprinz, der nachmalige Friedrich Wilhelm II., einer der Taufpaten Alexanders war. Die Ehe des Thronfolgers aber wurde 1769 geschieden, so dass der nun seiner bisherigen Aufgaben ledige Kammerherr von Humboldt sich ins Privatleben auf Gut und Schloss Tegel zurĂŒckziehen konnte. Sein Hauptaugenmerk galt nun der bestmöglichen Erziehung und Ausbildung der Söhne, fĂŒr die er sich als Mitglied einer Freimaurerloge um Hauslehrer bemĂŒhte, die aufklĂ€rerischem Denken nahe standen. So hat in zwei Phasen bis 1775 der von Rousseau pĂ€dagogisch inspirierte Joachim Heinrich Campe wesentlichen erzieherischen Einfluss auf die BrĂŒder ausgeĂŒbt, ab 1777 dann Gottlob Johann Christian Kunth, der alsbald zum engsten Vertrauten des Hausherrn und nach dessen plötzlichem Tod 1779 auch seiner Witwe wurde.
Alexander galt seinen Erziehern lange Zeit als eher wenig befĂ€higter, lernunwilliger Kopf. Dennoch mutete man ihm zu, denselben in zeittypischer Weise groĂteils abstrakt aufbereiteten Lernstoff zu verarbeiten, den sein zwei Jahre Ă€lterer Bruder Wilhelm vergleichsweise mĂŒhelos erfasste. FrĂŒh schon zeigte Alexander jedoch besonderes Interesse an NaturgegenstĂ€nden im erreichbaren Umfeld und galt seinen Leuten â da er Insekten, Steine und Pflanzen sammelte â bald als âder kleine Apothekerâ (Scurla). Diesen Interessen ging er aber zusĂ€tzlich zu dem Unterricht der Hauslehrer nach, so dass er im Vergleich zu Wilhelm ein noch ausgeweitetes Stoffpensum absolvierte und damit einen in eigener Weise profilierten Horizont ausbildete. Dazu gehörte auch sein Zeichen- und Maltalent, das unter Anleitung Chodowieckis im Kupferstechen und Radieren geschult wurde und sich bereits 1786 in der ersten Kunstausstellung der Berliner Akademie mit mehreren Proben der Ăffentlichkeit vorstellte. Die staunenswerte QualitĂ€t des spĂ€teren Reisewerks auch in den Illustrationen mag in dieser frĂŒhen Kenner- und Könnerschaft Alexander von Humboldts ihren Ursprung gehabt haben.
Auf die optimale Ausbildung der Söhne fĂŒr bedeutende Posten im Staatsdienst war der ganze Erziehungsplan der nun zweifach verwitweten Frau von Humboldt ausgerichtet, die bei verhĂ€ltnismĂ€Ăig bescheidener eigener LebensfĂŒhrung zu diesem Zweck bedeutende Mittel aufwandte. So haben die BrĂŒder nicht allein eine grĂŒndliche Unterweisung in alten und neuen Sprachen â mit oft quĂ€lenden Vokabel- und Grammatikpensen â erhalten, sondern wurden unter Kunths umsichtiger FĂŒhrung von einer ganzen Reihe Spezialisten oft bereits auf universitĂ€tsĂ€hnlichem Niveau unterrichtet. Dazu gehörten u. a. Geheimrat Wilhelm von Dohm, der Nationalökonomie mit einem geographischen Schwerpunkt lehrte, Kammergerichtsrat Klein fĂŒr Naturrecht und Professor Engel fĂŒr Philosophie. Auch zu den experimentell gestĂŒtzten philosophisch-physikalischen VortrĂ€gen des von Kant beeinflussten Arztes Marcus Herz schickte Kunth seine SchĂŒtzlinge. Infolgedessen gelangten diese auch in den Salon von Henriette Herz und traten so mit der von Moses Mendelssohn geprĂ€gten jĂŒdischen Berliner AufklĂ€rung in engen Kontakt.
Mit Blick auf die vorgesehenen Karrieren im Staatsdienst schickte die Mutter 1787 ihre Söhne zum Studium nach Frankfurt (Oder) an die Viadrina. Wilhelm sollte dort Jura studieren, Alexander die weniger renommierte Kameralwissenschaft (Staatswirtschaftslehre). Nebenbei hörte Alexander Altertumswissenschaften, Medizin, Physik und Mathematik. Mit dem Theologiestudenten Wilhelm Gabriel Wegener schloss er im Februar 1788 einen âewigen Freundschaftsbundâ. In einem Teil der Forschungsliteratur wird deshalb die Ansicht vertreten, dass Alexander von Humboldt homosexuell gewesen sei. So sieht z. B. Bernd-Ulrich Hergemöller Anhaltspunkte fĂŒr Liebesbeziehungen nicht nur mit Wegener, sondern auch mit Israel (Johannes) Stieglitz, Johann Carl Freiesleben, dem Offizier Reinhard von Haeften, sowie in Paris mit dem Chemiker Louis Joseph Gay-Lussac, mit dem er vier Jahre in einer Wohnung lebte, und mit dem Maler Carl von Steuben.[1]
Sowohl Alexander als auch sein Bruder Wilhelm waren in Frankfurt offenbar akademisch unterfordert und verlieĂen die UniversitĂ€t nach einem Semester wieder. Alexander ging anschlieĂend in Berlin hauptsĂ€chlich seinen botanischen Interessen nach. Am 25. April 1789 immatrikulierte er sich, seinem Bruder folgend, an der UniversitĂ€t Göttingen, dem damaligen Zentrum aufklĂ€rerischer Wissenschaft in Deutschland. Neben dem Physiker Georg Christoph Lichtenberg war hier fĂŒr Alexander vor allem der Anatom und Zoologe Johann Friedrich Blumenbach wegweisend, der die Forschungsreise als bedeutende Erkenntnisquelle fĂŒr Anthropologie und Biologie schĂ€tzte und einen interdisziplinĂ€ren Kreis ambitionierter Nachwuchswissenschaftler um sich scharte. Humboldt aber drĂ€ngte es nun vor allem, die Bekanntschaft Georg Forsters zu machen, der als Naturforscher mit Weltumsegelungserfahrung anscheinend den von ihm selber angestrebten Typus verkörperte. Geologische Forschungsfragen stellten den Kontakt zwischen beiden her, der dann (Humboldt hatte im Februar 1790 das Manuskript seiner ersten gröĂeren Publikation: âMineralogische Beobachtungen ĂŒber einige Basalte am Rheinâ abgeschlossen) in das Projekt einer gemeinsamen Forschungsreise von Ende MĂ€rz bis Juli 1790 mĂŒndete. Sie fĂŒhrte von Mainz ĂŒber den Niederrhein nach England und ĂŒber das in revolutionĂ€rer GĂ€rung angetroffene Paris zurĂŒck. WĂ€hrend Forster in der Folge sein Schicksal mit dem Fortgang des Revolutionsprozesses verknĂŒpfen sollte, setzte der ebenfalls beeindruckte und fortan fĂŒr die Ideale der Französischen Revolution und die allgemeinen Menschenrechte eintretende Humboldt seine kameralistische Ausbildung in Handelswissenschaften sowie in Volks- und Weltwirtschaft an der Hamburger BĂŒsch-Akademie fort, die ihm auch zu Geographie und Reiseliteratur vielerlei Vertiefungsmöglichkeiten bot.
Bearbeiten Blitzkarriere im Staatsdienst und frĂŒher Abschied (1791â1798)
Im Mai 1791 schlug Humboldt mit einem Anstellungsgesuch beim preuĂischen Oberberghauptmann von Heinitz den Weg in den Staatsdienst ein, dem zunĂ€chst ein Studium an der Bergakademie Freiberg vorangehen sollte. Seinem BetĂ€tigungsdrang entgegen kam der praktische Bergmannsdienst, zu dem tĂ€glich um 6 Uhr das Einfahren mit den anderen Bergleuten in die Gruben gehörte; nachmittags nahm er an bis zu sechs Studienkollegs teil. Nebenbei befasste er sich mit der Pflanzenwelt untertage (daraus entstand spĂ€ter seine viel beachtete Publikation âFlorae Fribergensis Specimenâ) sowie mit aktuellen chemischen Problemen der Verbrennung. Das fĂŒr den Regelstudenten in drei Jahren zu absolvierende Pensum nahm er in acht Monaten auf. Am 6. MĂ€rz 1792 erhielt er ein Assessor-Patent und wurde wenig spĂ€ter mit der Untersuchung des gerade zu PreuĂen gekommenen frĂ€nkischen Bergbaus betraut. Auf seinem Weg dorthin inspizierte er den Kamsdorf-Könitzer Bergbau und revolutionierte die Abbauverfahren von Alaunschiefergestein im Schmiedefelder Vitriolwerk am Schwefelloch (das heutige Schaubergwerk Morassina). Aufgrund seines beispielhaft erhellenden Berichtes erfolgte bereits nach einem halben Dienstjahr die Beförderung zum Oberbergmeister mit dem Auftrag der Sanierung des Bergbaues im Fichtelgebirge und Frankenwald. Binnen kurzem gelang es ihm, die jĂ€hrlichen ErtrĂ€ge um ein Vielfaches zu steigern â nicht zum Schaden der Bergarbeiter, im Gegenteil: Auf der Basis seiner chemischen Analysen der Grubenwetter entwickelte er einen VorlĂ€ufer der Gasmaske fĂŒr die Bergleute. Humboldts Wohnorte waren 1792 bis 1795 Steben, Arzberg und Goldkronach. Aus eigenen Mitteln grĂŒndete er ohne RĂŒcksprache mit den vorgesetzten Behörden zuerst in Steben eine Bergschule, die erste Arbeiter-Berufsschule in Deutschland, offen fĂŒr die Altersstufen von 12 bis 30 Jahren. Gelehrt wurden nach der Schicht und bis 23 Uhr u. a. Mineralienkunde, bergmĂ€nnisches Rechnen und Bergrecht, Maschinen- und Kompasskunde. Die LehrbĂŒcher dafĂŒr schrieb Humboldt selber.
Bei der Erprobung einer von ihm entwickelten verbesserten Grubenlampe im Selbstversuch fiel er wegen giftiger Grubengase in Ohnmacht, die Lampe aber hielt durch und half, ihn zu retten. Auch seine parallel zur DiensttĂ€tigkeit fortgefĂŒhrten wissenschaftlichen Experimente fĂŒhrte er bei Bedarf als Selbstversuche durch. So machte er auf der â letztlich vergeblichen â Suche nach einer besonderen âLebenskraftâ (in diesen Zusammenhang gehört auch seine philosophische Allegorie âDie Lebenskraft, oder der rhodische Geniusâ, 1795 fĂŒr Friedrich Schillers Zeitschrift âDie Horenâ verfasst) zahlreiche galvanische Experimente fĂŒr seine Studie âVersuche ĂŒber die gereizte Muskel- und Nervenfaserâ, bei denen er kĂŒnstlich erzeugte Wunden auf seinem RĂŒcken mit Metallen wie Zink und Silber in BerĂŒhrung brachte. Sein Wissensdrang war ebenso universell wie unermĂŒdlich; fĂŒr Forschung, Aufzeichnungen und Korrespondenz machte er die Nacht zum Tage und schlief selten lĂ€nger als vier Stunden.
WĂ€hrend seiner TĂ€tigkeit im Staatsdienst kam er in Kontakt mit gleichfalls in der Bergverwaltung hochrangig beschĂ€ftigten und bei den spĂ€teren preuĂischen Reformen fĂŒhrenden Persönlichkeiten, dem Freiherrn vom Stein und Hardenberg, die seine FĂ€higkeiten ebenso erkannten und fĂŒr ihre Zwecke dienstbar zu machen suchten wie sein Ressortminister von Heinitz, der ihn 1794 zum Bergrat und 1795 zum Oberbergrat befördert hat, auf die höchstmögliche Position unterhalb des Ministeriums. Doch weder dies noch ungewöhnliche Gehalts- und Freistellungsangebote vermochten Humboldt im Amt zu halten.
âJeder Mann hat die Pflicht, in seinem Leben den Platz zu suchen, von dem aus er seiner Generation am besten dienen kannâ, heiĂt es in einem Schreiben Humboldts an den französischen Astronomen Delambre. Sobald Alexander von Humboldt durch den Tod der Mutter 1796 zum vermögenden Erben geworden war, schied er aus dem Staatsdienst aus, um sich als Naturforscher und Wissenschaftler ganz und gar unabhĂ€ngig zu machen. Als Ziel schwebte ihm eine âphysique du mondeâ vor, eine Darstellung des gesamten physisch-geographischen Wissens der Zeit, zu dem er auf Forschungsreisen selber entscheidend beitragen wollte. Bereits am Jahresende 1796 entwickelte er brieflich seine, trotz mancher Widrigkeiten, mehrfacher AnlĂ€ufe und Umwege konsequent verfolgten PlĂ€ne: âMeine Reise ist unerschĂŒtterlich gewiĂ. Ich prĂ€pariere mich noch einige Jahre und sammle Instrumente, ein bis anderthalb Jahr bleibe ich in Italien, um mich mit Vulkanen genau bekannt zu machen, dann geht es ĂŒber Paris nach England, wo ich leicht auch wieder ein Jahr bleiben könnte (âŠ), und dann mit englischen Schiffen nach Westindien.â Das umfasste im damaligen VerstĂ€ndnis den ganzen Raum von Mexiko bis zum Amazonas.
Schon durch Campe war Alexander die Faszination der Welt in Ăbersee vermittelt worden. Johann Gottfried von Herder hatte auf die kontrastierend miteinander verbundenen NaturrĂ€ume der Anden und des Amazonasbecken hingewiesen und zu deren Erforschung aufgerufen, indem u. a. die Höhe der (damals als höchste der Welt geltenden) Berge ermittelt, die Bodenbeschaffenheit bestimmt sowie die örtlichen Abweichungen der Magnetnadel und die je lokalen Temperaturen gemessen werden sollten â alles Bestandteile des dann von Humboldt noch ausgeweiteten Forschungsprogramms. In den Jahren der Vorbereitung nutzte er jede Möglichkeit zu systematischer Ausweitung und Vertiefung seiner Kenntnisse nicht nur durch das Studium der einschlĂ€gigen Reiseberichte und neuesten Forschungsergebnisse, sondern auch durch persönlichen Kontakt mit den fĂŒhrenden Zoologen, Botanikern und Astronomen der Zeit sowie durch stĂ€ndige praktische Erprobung von Messinstrumenten in den verschiedenen Landschaften und NaturrĂ€umen, so z. B. in den Alpen. Zudem entwickelte er ein spezifisches Aufzeichnungsverfahren zur Erfassung seiner jeweiligen Forschungsergebnisse, die âPasigraphieâ, eine Schriftzeichensprache, die die geographischen Erscheinungen durch Buchstaben, Richtungspfeile, Symbole und AbkĂŒrzungen fĂŒr Formationen und Gesteine festhielt. (Sein offizielles botanisches AutorenkĂŒrzel lautet âHumb.â)
Im Mai 1798 begab sich Alexander von Humboldt in die seinerzeitige Weltwissenschaftsmetropole Paris, wo er in VortrĂ€gen und Debatten sein bereits beachtliches Renommee als Wissenschaftler festigte und seine Ausstattung mit Messinstrumenten vervollstĂ€ndigte. Hier fand er schlieĂlich auch in dem Botaniker AimĂ© Bonpland jenen fachkundigen ReisegefĂ€hrten, dessen Mitarbeit ihm die DurchfĂŒhrung seiner komplexen Forschungsvorhaben erst ermöglichen sollte.
Bearbeiten Amerikanische Forschungsreise (1799â1804)
Mehrfach wĂ€hrend der Vorbereitungszeit hatte Humboldt seine PlĂ€ne wegen politischer und kriegerischer Verwicklungen im Zeichen des aufstrebenden Generals NapolĂ©on Bonaparte Ă€ndern und ReiseaktivitĂ€ten abbrechen mĂŒssen, zuletzt im Dezember 1798 den Versuch, von SĂŒdfrankreich aus auf ein Schiff zu gelangen, das Bonpland und ihm den Anschluss an die Ă€gyptische Expedition Napoleons hĂ€tte ermöglichen sollen. Stattdessen machten sich nun beide mit sĂ€mtlichen fĂŒr die Forschungsreise vorgesehenen Instrumenten auf den Weg nach Madrid â meist zu FuĂ neben dem Wagen einhergehend â, um fĂŒr das amerikanische Forschungsunternehmen womöglich die UnterstĂŒtzung der spanischen Krone zu erlangen. Die Vielzahl der unterwegs erhobenen Messdaten brachte erstmals geographischen Aufschluss ĂŒber die Gestalt der innerspanischen Hochebene.
Sein Ruf als Wissenschaftler und Bergminenexperte (diese Privatexpedition konnte sich fĂŒr Spanien u. U. lohnen; tatsĂ€chlich fĂŒhrten spĂ€ter seine Beschreibungen der mexikanischen Silberminen in dem âVersuch ĂŒber den politischen Zustand des Königreichs Neu-Spanienâ zu massiven auslĂ€ndischen Investitionen), sein diplomatisches Geschick und sein von der exzellenten Beherrschung des Spanischen unterstĂŒtztes Auftreten bei Hofe verschafften Alexander von Humboldt schon bald Empfehlungen und einen so privilegierten Forscher-Reisepass, wie ihn nach seiner eigenen EinschĂ€tzung kein AuslĂ€nder je erhalten hatte. Er sicherte ihm volle Handlungsfreiheit und das Entgegenkommen aller Gouverneure und Beamten im ganzen spanischen Kolonialgebiet. Abreisedatum mit der spanischen Fregatte âPizarroâ von La Coruña war der 5. Juni 1799. Humboldt schreibt in einem Brief vom selben Tag: âIch werde Pflanzen und Fossilien sammeln, mit vortrefflichen Instrumenten astronomische Beobachtungen machen können (...) Das alles ist aber nicht Hauptzweck meiner Reise. Und auf das Zusammenwirken der KrĂ€fte, den EinfluĂ der unbelebten Schöpfung auf die belebte Tier- und Pflanzenwelt, auf diese Harmonie sollen stets meine Augen gerichtet sein!â
Mit an Bord nahm Humboldt rund 50 der modernsten Instrumente, darunter Sextanten, Quadranten, Teleskope, diverse Fernrohre, eine LĂ€ngenuhr, ein Inklinatorium, ein Deklinatorium, ein Cyanometer, Eudiometer, ArĂ€ometer, ein Hyetometer, Elektrometer, Hygrometer, Barometer und Thermometer. Bereits den Zwischenaufenthalt auf der Kanareninsel Teneriffa nutzten Humboldt und Bonpland zu AktivitĂ€ten, die sie dann in der Neuen Welt vielfach wiederholen sollten: Sie bestiegen den Pico del Teide, registrierten die Vegetationszonen, ĂŒbernachteten in einer Höhle unterhalb des Gipfels und untersuchten tags darauf den Krater des Vulkans. Nach der anschlieĂenden 22-tĂ€gigen Ăberfahrt landeten sie am 16. Juli 1799 in CumanĂĄ (Venezuela). Dort beobachtete Humboldt in der Nacht vom 11. auf den 12. November 1799 einen Meteorschauer der Leoniden â seine Beschreibung legte spĂ€ter den Grundstein fĂŒr die Erkenntnis, dass solche Himmelsereignisse periodisch auftreten. Von CumanĂĄ aus reisten Humboldt und Bonpland nach grĂŒndlicher Erforschung der Umgebung und einer Reihe von Exkursionen weiter nach Caracas.
Humboldts amerikanische Forschungsreise lĂ€sst im Ganzen drei Phasen dynamisch vorwĂ€rts gerichteter GelĂ€ndeexploration unterscheiden, die jeweils eingebettet waren in eher stationĂ€re Phasen der Materialsichtung, -auswertung und -sicherung. Die erste groĂe Expedition fĂŒhrte im Februar 1800 von Caracas zum Fluss Apure und auf diesem in das Strombett des Orinoko, das stromaufwĂ€rts so weit wie möglich in sĂŒdlicher Richtung befahren, dann aber verlassen wurde, um ĂŒber den Rio Atabapo weiter sĂŒdlich zum Rio Negro, dem Amazonaszufluss, vorzustoĂen. Man befuhr die FlĂŒsse auf einer Piroge, einem mit Axt und Feuer ausgehöhlten Baumstamm von ca. 13 Metern LĂ€nge und knapp einem Meter Breite. Sie wurde von einem Steuermann und vier indianischen Ruderern betrieben. Im Bereich des Hecks war ein niedriges BlĂ€tterdach installiert, an dessen tragfĂ€higen Teilen KĂ€fige mit eingefangenen Vögeln und Affen hingen. Die mitgefĂŒhrten gröĂeren Messinstrumente schrĂ€nkten die Bewegungsfreiheit zusĂ€tzlich ein.
Auf dem Rio Negro konnte dann die EinmĂŒndung des nordöstlich vom Orinoko direkt zuflieĂenden Rio Casiquiare erreicht und mit dessen Befahrung in ganzer LĂ€nge flussaufwĂ€rts der Nachweis gefĂŒhrt werden, dass entgegen der verbreiteten Lehrmeinung, wonach zwischen den groĂen Stromgebieten der Erde nirgendwo natĂŒrliche Verbindungen existierten, eine solche zwischen Orinoco und Amazonas eben doch vorhanden war und ist, der Cassiquiare nĂ€mlich. Am 20. Mai 1800 erreichte die Piroge wie erwartet die Stelle, an der sich der Orinoco in zwei Arme gabelt. Damit war das wichtigste Forschungsziel dieser Expedition erreicht, und die Reisenden konnten sich fĂŒr den RĂŒckweg nun flussabwĂ€rts auf dem Orinoco fortbewegen. Sie folgten seinem Lauf bis Angostura (Ciudad BolĂvar) und schlugen sich dann in der quĂ€lenden Hitze der Llanos nordwĂ€rts zur KĂŒstenstadt Nueva Barcelona durch, die sie am 23. Juli 1800 erreichten.
Allein, dass sie dieses 2.775 Kilometer lange Unternehmen heil ĂŒberstanden haben (Bonpland war allerdings noch zuletzt in Angostura dem Fiebertod nahegekommen), war erstaunlich genug. Dazu trugen auĂer der glĂŒcklichen Wendung mancher Gefahrensituation ihre Entschlossenheit und strapazierfĂ€hige Physis bei. Der in jungen Jahren oft krĂ€nkelnde Alexander vermeldete nach Hause: âDie Tropenwelt ist mein Element, und ich bin nie so ununterbrochen gesund gewesen als in den letzten zwei Jahren. (âŠ) Am Atabapo, wo die Wilden stets am Faulfieber leiden, widerstand meine Gesundheit unbegreiflich gut.â Den Gesamterfolg der amerikanischen Reise ermöglichte zudem ein unerschĂŒtterliches Durchhaltevermögen â stĂ€ndig war Humboldt mit Ortsbestimmungen und Messungen aller Art beschĂ€ftigt, Bonpland mit dem Botanisieren, beide zusammen mit Skizzen und Aufzeichnungen â auch unter widrigsten Bedingungen: âVier Monate hindurch schliefen wir in WĂ€ldern, umgeben von Krokodilen, Boas und Jaguaren (âŠ), nichts genieĂend als Reis, Ameisen, Manioc, Pisang, Orenocowasser und bisweilen Affen. (âŠ) In Guayana, wo man wegen der Mosquiten, die die Luft verfinstern, Kopf und HĂ€nde stets verdeckt haben muĂ, ist es fast unmöglich am Tageslicht zu schreiben; man kann die Feder nicht ruhig halten, so wĂŒtend schmerzt das Gift der Insekten. Alle unsere Arbeit muĂte daher beim Feuer, in einer indianischen HĂŒtte, vorgenommen werden, wo kein Sonnenstrahl eindringt, und in welcher man auf dem Bauche kriechen muĂ. Hier aber erstickt man wieder von Rauch, wenn man auch weniger von den Mosquiten leidet.â
Die zweite groĂe SĂŒdamerika-Expedition begann nach einem Zwischenaufenthalt in Havanna â wo Humboldt das Material fĂŒr sein geographisches Werk ĂŒber Kuba (âEssai politique sur lâČĂźle de Cubaâ) erarbeitete â am 30. MĂ€rz 1801 in Cartagena an der kolumbianischen Karibik-KĂŒste. Humboldt hatte erfahren, dass er sich der französischen Weltumsegelungsexpedition unter KapitĂ€n Nicolas Baudin an der peruanischen KĂŒste wĂŒrde anschlieĂen können. Auf dem Wege dahin drĂ€ngte sich die Umsetzung des lang erwogenen Anden-Forschungsprojekts geradezu auf. Von Barancas Nuevas ab befuhren Humboldt und Bonpland den Rio Magdalena flussaufwĂ€rts: âUnsere Magdalena-Reise bildete eine schreckliche Tragödie; von den zwanzig dunklen Ruderknechten lieĂen wir acht auf dem Wege zurĂŒck, ebensoviel langten gleich und mit stinkenden GeschwĂŒren in Honda an.â Nach viertĂ€gigem steilen Aufstieg erreichten sie die Anden-Hochebene und konnten in BogotĂĄ in regen wissenschaftlichen Austausch mit dem sie aufwendig empfangenden Botaniker Jose Celestino Mutis (Kolumbianer) treten. FĂŒr den spanischen Vizekönig erstellte Humboldt u.a. ein Gutachten ĂŒber die Silbergruben und die Goldproduktion Kolumbiens. Die Fortsetzung des Weges ĂŒber die Anden gestaltete sich Ă€uĂerst beschwerlich: âDicke WĂ€lder liegen zwischen MorĂ€sten; die Maultiere sinken bis auf den halben Leib ein; und man muĂ durch so tiefe und enge SchlĂŒchte, daĂ man in Stollen eines Bergwerks zu kommen glaubt. Auch sind die Wege mit den Knochen der Maultiere bepflastert, die hier vor KĂ€lte oder Mattigkeit umfielen.â Um von BogotĂĄ nach Quito zu gelangen, benötigten die Reisenden vom 19. September 1801 â mit einem Zwischenaufenthalt in PopayĂĄn â bis zum 6. Januar 1802. In Quito kamen sie im Hause des Herzogs Juan PĂo MontĂșfar y Larrea unter; dessen Sohn Carlos MontĂșfar sollte fortan an der amerikanischen Expedition Humboldts teilnehmen, um danach in Spanien die Offiziersausbildung zu vollenden. Sowohl er, als auch SimĂłn BolĂvar, den Humboldt nach seiner RĂŒckkehr 1804 in Paris und 1805 in Rom traf, dĂŒrften Humboldts kritische Haltung zu Kolonialregimen aller Art eingehend kennengelernt haben, die er offiziellen Stellen gegenĂŒber nach Lage der Dinge nicht Ă€uĂern konnte.
Zum Forschungsschwerpunkt wurden nun neuerlich Vulkane in einem Gebiet Ecuadors, das Humboldt wegen deren Vielzahl als âAllee der Vulkaneâ bezeichnete. Der Nachweis der vulkanischen Herkunft von Gestein, das bislang fĂŒr eine Unterwasserablagerung gehalten worden war, widerlegte die Hypothese des sogenannten Neptunismus. Den Pichincha bestieg Humboldt nach einem ersten abgebrochenen Versuch gleich zweimal, zuletzt begleitet von einem heftigen Erdbeben, dessen StöĂe er sorgfĂ€ltig protokollierte. Nicht ganz bis zum Gipfel gelangten Humboldt, Bonpland und MontĂșfar am 23. Juni 1802 bei der Besteigung des Chimborazo (6.310 m) wegen einer unpassierbaren Felsspalte 400 bis 800 m unterhalb des Kraters. Gleichwohl blieb dies auf 30 Jahre ein Höhenweltrekord fĂŒr Bergsteiger, eine in Anbetracht der UnzulĂ€nglichkeiten von Schuhwerk, Bekleidung und AusrĂŒstung nach wie vor kaum zu glaubende Leistung. Dabei litten sie unter den Symptomen der Höhenkrankheit: Schwindel und Brechreiz, Blutungen aus Lippen und Zahnfleisch.
Bald darauf erforschte die Expedition nach rasantem Abstieg den Oberlauf des Marañon im Quellgebiet des Amazonas und nach neuerlichem Aufstieg in die Anden die Ăberreste der InkastĂ€tten in der Umgebung von Cajamarca. Wie die Messungen ergaben, entdeckten und ĂŒberquerten sie dabei den magnetischen Ăquator. Als sie nach ihrer vierten AndenĂŒberquerung am 23. Oktober 1802 in Lima ankamen, war auch dieses zweite groĂe Forschungsunternehmen erfolgreich beendet. Zwischen 10° nördlicher und 10° sĂŒdlicher Breite waren die Klima- und Vegetationsstufen des tropischen Hochgebirges in mannigfaltiger Weise durchmessen und erfasst worden. Indem Humboldt in Limas Hafen Callao am 9. November 1802 den Durchgang des Merkur observierte, gelang es ihm, den LĂ€ngengrad, auf dem Lima sich befindet, genauer als bis dahin zu bestimmen, in der Folge ein Richtwert fĂŒr den ganzen sĂŒdwestlichen Teil des neuen Kontinents. Auch studierte er die DĂŒngeeigenschaften von Guano, was die Einfuhr von Guano nach Europa einleitete.
Bereits vor dem Aufbruch von Quito war die Information eingetroffen, dass der geplante Anschluss an die französische Weltumsegelungsexpedition des KapitĂ€ns Baudin wegen dessen RoutenĂ€nderung nicht mehr möglich war. Erneut musste also umdisponiert werden. Nach einem Zwischenaufenthalt in Guayaquil, bei dem Humboldt durch Temperaturmessungen die nach ihm benannte Meeresströmung nachwies, begann am 23. MĂ€rz 1803 in Acapulco der letzte groĂe Abschnitt von Humboldts amerikanischer Forschungsreise, wĂ€hrend der er mit Bonpland und MontĂșfar ein Jahr in Mexiko verbrachte. Dabei wurde der Reiseweg von Acapulco ĂŒber Mexiko-Stadt â mit gut neunmonatigem Erkundungsaufenthalt â bis Veracruz an der AtlantikkĂŒste barometrisch vermessen und so ein Höhenquerschnittsprofil Mexikos fĂŒr diesen wichtigen Bereich angelegt. In Mexiko-Stadt sammelte Humboldt Material fĂŒr sein landeskundliches Werk ĂŒber das Königreich Neu-Spanien (mit Beschreibungen der politischen, sozialen und ökonomischen Bedingungen sowie weitreichenden Bevölkerungsstatistiken), das dann ebenso zu einem Grundstein der modernen wissenschaftlichen Geographie werden sollte, wie das ĂŒber Kuba, fĂŒr das die Vorstudien im MĂ€rz/April 1804 in Havanna zu Ende gefĂŒhrt wurden.
Abgeschlossen wurde die groĂe Amerika-Expedition mit einem Besuch in den USA, wo Humboldt auch aufgrund seiner intensiven Reisekorrespondenz bereits höchste Anerkennung als Forscher und Wissenschaftler genoss und unter anderem drei Wochen als Gast des PrĂ€sidenten Thomas Jefferson in Washington D. C. und Philadelphia verbrachte.
Bearbeiten Naturforscher zwischen Bilanz und neuem Aufbruch (1805â1828)
Am 3. August 1804 betraten Humboldt und Bonpland in Bordeaux wieder europĂ€ischen Boden. Dass ein Privatmann eine solche Forschungsreise gĂ€nzlich aus eigenen Mitteln bestritten hatte, war beispiellos. Humboldts Vermögen war dadurch naturgemÀà stark angegriffen, und es sollte in den drei folgenden Jahrzehnten, in denen er sein Reisewerk in 30 BĂ€nden verfasste und in Druck gab â das gröĂte je erschienene private Reisewerk ĂŒberhaupt â gĂ€nzlich aufgebraucht werden. In Paris, wo er den Anschluss an die wissenschaftliche Entwicklung der vergangenen fĂŒnf Jahre suchte und fand, wurde ihm von seinen Forscherkollegen ein grandioser Empfang bereitet und jede UnterstĂŒtzung bei der KlĂ€rung fachwissenschaftlicher Probleme zugesagt. Humboldt nutzte fĂŒr die Erstellung seines Reiseberichts ein ganzes Wissensnetzwerk; denn sein Darstellungsansatz sah, wie sich nachlesen lĂ€sst, mehr vor, als nur die Schilderung eigener Erlebnisse, EindrĂŒcke und Messergebnisse. Wo er z. B. auf Getreideanbau, Kakao- und Kaffeeernte in der Ereignischronologie der Orinoco-Expedition einging, war dies meist verbunden mit einer Einordnung der angetroffenen VerhĂ€ltnisse in die geographischen und wirtschaftlichen VerhĂ€ltnisse der ganzen bekannten Welt, in KenntniszusammenhĂ€nge also, die er ĂŒberhaupt nur mit Hilfe anderer herstellen konnte. DafĂŒr und auch fĂŒr die bestmögliche verlegerische QualitĂ€t des Reisewerks war Paris der geeigneteste Ort (und deshalb auch ist es vollstĂ€ndig nur in französischer Sprache erschienen).
Obwohl Humboldt also im Grunde wenig Neigung verspĂŒrte, âdie TĂŒrme Berlins wiederzusehenâ, folgte er letztlich doch den Mahnungen des Bruders, den er im Sommer 1805 in Rom besuchte, und dem werbenden Druck des preuĂischen Königshauses: Bereits wĂ€hrend seiner Amerika-Reise war er zum auĂerordentlichen Mitglied der Akademie der Wissenschaften ernannt worden, unmittelbar nach seiner RĂŒckkehr mit einer zu nichts verpflichtenden Pension von 2.500 Talern bedacht und bald darauf zum königlichen Kammerherrn ernannt worden, ebenfalls ohne konkrete Verwendung. Von November 1805 an setzte er seine wissenschaftliche Arbeit in Berlin fort, mitverfolgend den militĂ€rischen Zusammenbruch PreuĂens bei Jena und Auerstedt 1806, die nachfolgende Besetzung Berlins durch die Franzosen und die PlĂŒnderung von Schloss Tegel, das im Zuge der Erbteilung dem Bruder Wilhelm zugefallen war. Gute Kontakte zur französischen Seite nutzte Alexander sowohl zur Schadensbegrenzung fĂŒr eigene familiĂ€re Besitzungen als auch zur Abmilderung mancher HĂ€rten der Besatzungspolitik im öffentlichen Raum. Gleichwohl drohten die französischen Forderungen nach KriegsentschĂ€digung PreuĂen in den Ruin zu treiben. Der als Reformer an die Regierungsspitze berufene Freiherr vom Stein veranlasste daher im November 1807 eine diplomatische Gesandtschaft nach Paris, unter FĂŒhrung des Prinzen Wilhelm, Bruder Friedrich Wilhelms III. Zum Berater des Prinzen bei dieser Mission wurde Alexander von Humboldt berufen, der so Gelegenheit erhielt, die Arbeit an seinem Reisewerk am bestgeeigneten Ort wieder aufzunehmen. Und er erhielt fĂŒr eben diesen Zweck nach dem endgĂŒltigen Scheitern der diplomatischen BemĂŒhungen des Prinzen sogar die Erlaubnis, in Paris zu bleiben, die er mit Konsequenz und Geschick ĂŒber fast 20 Jahre verteidigte. So schlug er z. B. eine durch Hardenberg veranlasste Berufung zum preuĂischen Kultusminister 1809 aus, erhielt sich aber die Gunst des Königs, indem er diesem als glĂ€nzender Gesellschafter und kundiger FĂŒhrer bei Auslandsaufenthalten gelegentlich zu dienen wusste, so 1814 im Zuge eines Paris-Besuchs des Monarchen nach dem Sieg der Koalition ĂŒber Napoleon I. oder 1822 anlĂ€sslich eines Kongresses in Verona, verbunden mit Besichtigungen Venedigs und Roms.
Parallel zu den Arbeiten am amerikanischen Reisewerk ventilierte Humboldt bestĂ€ndig Möglichkeiten, seinen naturkundlichen Forschungen in der westlichen HemisphĂ€re durch eine asiatische Expedition ein östliches Pendant folgen zu lassen, um dann im Vergleichen und Differenzieren ein ganzheitliches Bild aus der Vielgestaltigkeit der Erde und ihrer Bewohner zu gewinnen. HauptsĂ€chlich interessierten ihn Indien, der Himalaya und Tibet. Als er 1811 bereits das zweite Angebot zur Beteiligung an einer russischen Expedition bekam, antwortete er: âEs kostet mir viel, die Hoffnung aufzugeben, die Ufer des Ganges mit ihren BananenbĂ€umen und Palmen zu sehen; ich bin jetzt 42 Jahre alt und wĂŒnsche eine Expedition zu unternehmen, welche 7â8 Jahre dauert; aber um die Aequinoctialgegenden Asiens zu opfern, ist es nötig, daĂ der Plan, den man mir vorzeichnen wird, ausgedehnt und breit sei. Der Kaukasus zieht mich weniger an, als der Baikalsee und die Vulkane der Halbinsel Kamtschatka. Kann man nach Kabul, Samarkand und Kaschmir eindringen?â
Napoleons Russland-Feldzug machte die Weiterverfolgung solcher PlĂ€ne hinfĂ€llig. Eine neue vielversprechende Möglichkeit auf der Linie von Alexanders PrimĂ€rinteressen eröffnete sich 1817/18, als sein Bruder Wilhelm preuĂischer Gesandter in London war. Bei mehreren England-Aufenthalten erreichte Alexander die UnterstĂŒtzung des Prinzregenten (des spĂ€teren Georg IV.) und der Direktoren der Ostindischen Kompanie fĂŒr seine PlĂ€ne, dazu eine Finanzierungszusage Friedrich Wilhelms III. in gewĂŒnschter GröĂenordnung. Mehr als zweijĂ€hrige intensive Vorbereitungen schlossen sich an diese Zusagen an, ehe auch dieses Projekt scheiterte, vermutlich an WiderstĂ€nden innerhalb der britischen Ostindienkompanie, die Humboldts kritischen Blick auf die VerhĂ€ltnisse fĂŒrchten mochte.
Unterdessen war das amerikanische Reisewerk weit ĂŒber die ursprĂŒngliche Konzeption hinaus angewachsen, vielleicht sogar wegen des Nichtzustandekommens der Asien-Expedition. Neben einer bedeutenden Anzahl Gelehrter der verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen, die Humboldt inhaltlich zuarbeiteten, waren an die 50 Spezialisten mit bildlichen Darstellungen (davon allein 1.452 Kupferstiche) beschĂ€ftigt, darunter Maler, Zeichner, Kartographen und SchriftkĂŒnstler. Was seinen QualitĂ€tsansprĂŒchen nicht genĂŒgte, lieĂ Humboldt auf eigene Kosten neu fertigen, darunter bereits vollendete Kupferplatten, fertige Textdrucke bis hin zu einem ganzen Band. 1827 schlieĂlich, da sich die Vorarbeiten fĂŒr die Gesamtpublikation dem Ende neigten, entfiel aus Berliner Sicht der Grund fĂŒr den Daueraufenthalt Humboldts in Paris: Der König beorderte seinen Kammerherrn nach Berlin zurĂŒck.
Daheim wurde er sogleich zum Motor und Kristallisationskern einer aufstrebenden Wissenschaftsszene. Seine an der UniversitĂ€t begonnenen Vorlesungen im Rahmen eines sehr weit gefassten geographischen Horizonts waren so stark besucht und nachgefragt, dass er sie alsbald in der tausend Zuhörer fassenden Sing-Akademie als freie VortrĂ€ge fortsetzte. Unter seinen Hörern war hier vom König bis zum Handwerker ein breites gesellschaftliches Spektrum vertreten, Damenbeteiligung inklusive. Wie in seinen 20 Jahre zuvor erschienenen âAnsichten der Naturâ gelang es ihm, sein deutsches Publikum in allgemein verstĂ€ndlicher, bildreicher Sprache zu faszinieren und das Interesse fĂŒr erdkundliche und naturwissenschaftliche Fragen anzufachen. Ăhnliche Ausstrahlung auf anderer Ebene entwickelte Humboldt als Organisator und PrĂ€sident des hochkarĂ€tig zusammengesetzten Naturforscherkongresses 1828 in Berlin, der u. a. mit seinem Tagungsmodus in Fachabteilungen fĂŒr kĂŒnftige derartige Veranstaltungen MaĂstĂ€be setzte.
Bearbeiten Russlandexpedition 1829 â ein spĂ€tes GegenstĂŒck
Nicht lange nach seiner RĂŒckkehr aus Paris, fĂŒr das er auch kĂŒnftig pro Jahr einen viermonatigen Aufenthalt bewilligt bekam, und zur Zeit seiner glĂ€nzenden Erfolge als Kommunikator der Naturforschung in Berlin ergriff Humboldt die Chance, doch noch zu seiner östlichen Forschungsreise zu kommen. Ausgangspunkt war eine Bitte des russischen Finanzministers Cancrin, Humboldt möge zur geplanten EinfĂŒhrung einer Platin-WĂ€hrung in Russland Stellung nehmen, die dann trotz Humboldts Warnung tatsĂ€chlich bis zu ihrem Scheitern 1845 verwirklicht wurde. Cancrin war aber auch an dem Geognosten und Bergbauexperten Humboldt interessiert und stellte ihm eine Forschungsreise zum Ural und darĂŒber hinaus in Aussicht, um AufschlĂŒsse ĂŒber ausbeutbare Minenvorkommen zu erhalten. Obwohl er hier Interessen der russischen Regierung zu berĂŒcksichtigen haben wĂŒrde und sich der Charakter dieser Expedition schon dadurch wesentlich von der amerikanischen unterscheiden musste, bei der Humboldt gĂ€nzlich frei hatte disponieren können, zögerte er nicht lange. Die Beziehungen zwischen den gekrönten HĂ€uptern PreuĂens und Russlands waren gerade besser denn je, und auf eigene Mittel fĂŒr eine solche Unternehmung konnte Alexander von Humboldt nicht mehr rechnen. In diese Expedition sollte sein 60. Geburtstag fallen; er war also etwa doppelt so alt wie zu Beginn der Amerika-Reise. Zu Begleitern, die fĂŒr ihre Fachdisziplin auch jeweils die wissenschaftliche Auswertung der Expedition vornehmen sollten, wĂ€hlte er den Mediziner, Zoologen und Botaniker Christian Gottfried Ehrenberg und den Chemiker und Mineralogen Gustav Rose. So konnte Humboldt sich vorwiegend geomagnetischen und astronomischen Beobachtungen widmen und die physische Geographie im Ăberblick studieren.
Am Anfang der Forschungsreise stand ein dreiwöchiger Aufenthalt bei Hofe in St. Petersburg, wo Humboldt die Zarin u. a. mit Vorhersagen ĂŒber zu erwartende â und noch wĂ€hrend der Reise tatsĂ€chlich eingetretene â Diamantfunde im Ural fesselte. Die Fortbewegung im GelĂ€nde vom 20. Mai 1829 an fand in drei gefederten Wagen statt, die von 16 Pferden gezogen wurden. Mit von der Partie waren hier â in deutlichem Kontrast zu den drei amerikanischen Erkundungsreisen â ein Koch und Humboldts Diener Seifert. Die abgesprochene Expeditionsroute sollte ĂŒber Moskau, Kasan und Perm zunĂ€chst Jekaterinburg am Ural erreichen; auf einer nördlichen Schleife sollten hier nĂ€here Untersuchungen stattfinden, die zu einer reichhaltigen geologischen Materialsammlung fĂŒhrten. Tobolsk an der EinmĂŒndung des Tobol in den Irtysch hĂ€tte nach den Vorfestlegungen der östliche Umkehrpunkt der Expedition werden sollen. Humboldt wollte aber weiter zum Altai-Gebirge und zur chinesischen Grenze. Er lieĂ Cancrin wissen, dass die Expedition der Zeitplanung weit voraus sei und stellte ihn mit einer betrĂ€chtlichen Ausweitung der Reiseroute hier â und dann spĂ€ter noch einmal beim VorstoĂ die Wolga entlang zum Kaspischen Meer â vor vollendete Tatsachen.
Einen Humboldt wegen seines Forschungsdrangs zu rĂŒgen, die BlöĂe mochte sich aber wohl auch das autoritĂ€re zaristische Regime (Humboldts inoffizieller Kommentar zu der lĂ€stigen Ăberwachungspraxis: âKein Schritt, ohne dass man ganz wie ein Kranker unter der Achsel gefĂŒhrt wirdâ) nicht geben. TatsĂ€chlicher Umkehrpunkt der Reise wurde daher nach Inspektion der Silbergruben im Altai und Kontaktaufnahme mit chinesischen Grenzposten der Ort Baty. Der RĂŒckweg fĂŒhrte von Semipalatinsk ĂŒber Omsk und Miask nach Orenburg am sĂŒdlichen Ausgang des Ural-Gebirges und â nach dem zweiten programmwidrigen Abstecher â von Astrachan ĂŒber Woronesch und Moskau zurĂŒck nach St. Petersburg, das am 13. November 1829 erreicht wurde.
WĂ€hrend eines knappen halben Jahres hatten die Forschungsreisenden mehr als 15.000 Kilometer zurĂŒckgelegt, gezogen von ĂŒber 12.000 Pferden. Zar Nikolaus I. und sein Finanzminister hatten Humboldt in diskreter Kenntnis seiner unterdessen prekĂ€ren Finanzsituation fĂŒr die Expedition mit 20.000 Rubeln groĂzĂŒgig ausgestattet, ohne dass der darĂŒber hĂ€tte Rechenschaft ablegen sollen. Gleichwohl hat Humboldt das gute Drittel dieser Mittel, das nicht verbraucht worden war, zurĂŒckgegeben und die dann auch befolgte Anregung damit verknĂŒpft, das Geld fĂŒr weitere Forschungsunternehmen zu verwenden. In die gleiche Richtung zielte der die Expeditionserfahrungen zusammenfassende Vortrag Humboldts am 28. November 1829 vor der russischen Wirtschaftselite in Gegenwart des Königs und anderer Honoratioren, in dem er u. a. appellierte: âEin Land, das sich ĂŒber mehr als 135 LĂ€ngengrade erstreckt, von der fruchtbaren Zone der OlivenbĂ€ume bis zu den Landstrichen, wo der Boden nur noch mit flechtenartigen Pflanzen bedeckt ist, kann mehr als jedes andere das Studium der AtmosphĂ€re, die Erkenntnisse ĂŒber die durchschnittliche Jahrestemperatur und, was noch wichtiger fĂŒr den Zyklus der Vegetation ist, das Studium der Verteilung der JahreswĂ€rme auf die verschiedenen Jahreszeiten vorantreiben. (âŠ) Wenn die variierenden Isothermen oder Linien gleicher WĂ€rme auf Grund prĂ€ziser Beobachtungen aufgezeichnet werden und dies mindestens fĂŒnf Jahre lang im europĂ€ischen Russland und in Sibirien fortgefĂŒhrt wird, wenn sie verlĂ€ngert werden bis zu den westlichen KĂŒsten Amerikas (âŠ), dann wird die Wissenschaft von der Verteilung der WĂ€rme auf der ErdoberflĂ€che und in den Schichten, die unserer Forschung zugĂ€nglich sind, auf soliden Grundlagen basieren.â
TatsĂ€chlich lieĂ die russische Regierung in der Folge ein Netz von Messstationen anlegen, die u. a. Luftdruck, Temperatur, Windrichtung und Niederschlagsmengen erfassten. Die so ermittelten Daten dienten Humboldt dann wiederum als empirische Grundlage fĂŒr die einschlĂ€gigen Betrachtungen in seinem 1843 erschienenen Werk ĂŒber Zentralasien.
Bearbeiten Gratwanderer zwischen Hofdienst und Wissenschaftsbetrieb (1830â1859)
Die RĂŒckkehr von der russischen Expedition nach Berlin dĂŒrfte Alexander von Humboldt erneut nicht leichtgefallen sein. Das Lebenswerk als reisender Feldforscher lag nun hinter ihm; vor ihm die Perspektive, neben seiner wissenschaftlichen Arbeit die höfische Gesellschaft, die Tafel des Königs mit seinen Kenntnissen und Anekdoten geistvoll unterhalten zu sollen. Als aufklĂ€rerischer Liberaler stieĂ er in solcher Gesellschaft auf mancherlei politisch und religiös bedingte Anfeindung und Engstirnigkeit, die ihm ungeachtet seiner stets gewahrten Contenance und rhetorischen Brillanz schwer ertrĂ€glich waren. Jahrzehntelang hatte der königliche Kammerherr diese Lage in Paris meiden können. 1822 hatte er dem Bruder sogar von PlĂ€nen geschrieben, seine spĂ€ten Jahre in einem dann republikanisch gewordenen Mexiko als Leiter eines transamerikanischen Forschungsinstituts zu gestalten. Nun war dies alles hinfĂ€llig; Alexander von Humboldt musste sich mit Berlin abfinden, was ihm noch schwerer fiel, als 1835 der ihm doch wohl am nĂ€chsten stehende Bruder Wilhelm starb. Bei Hofe beruhte Alexanders Stellung allein darauf, dass er die Gunst sowohl Friedrich Wilhelms III. als auch Friedrich Wilhelms IV. besaĂ. Seine politischen Ansichten wurden zwar auch von ihnen belĂ€chelt (immerhin erreichte Humboldt noch, dass auf preuĂischem Boden jeglicher Sklavenstatus erlosch), seine Leistungen und sein Renommee als Vorzeigewissenschaftler aber hochgeschĂ€tzt.
Humboldt machte aus seiner Lage weiterhin das Beste â unterdessen bereits fĂŒr die nachfolgenden Generationen â, indem er nicht nur seine wissenschaftliche und publizistische Arbeit fortsetzte, sondern aufgrund seines enorm verzweigten Beziehungsgeflechts weit ĂŒber PreuĂen und Deutschland hinaus zum wichtigsten Koordinator wissenschaftlichen MĂ€zenatentums und der Förderung von Nachwuchsforschern wurde; so unterstĂŒtzte er z. B. seinen Kollegen Hermann Burmeister auf dessen SĂŒdamerika-Reisen finanziell. FĂŒr diese Funktion war die NĂ€he des Königs von ausschlaggebender Bedeutung. 1827 ernannte Friedrich Wilhelm III. Alexander von Humboldt zum PrĂ€sidenten einer Kommission zur PrĂŒfung der UnterstĂŒtzungsgesuche von Gelehrten und KĂŒnstlern. Als Friedrich Wilhelm IV. 1842 den Orden âPour le mĂ©riteâ fĂŒr Kunst und Wissenschaft stiftete, machte er Humboldt zu dessen Kanzler und folgte bei der Berufung der 30 deutschen und fĂŒnfundzwanzig auslĂ€ndischen Mitglieder zumeist seinen VorschlĂ€gen. Und so zeigte sich Humboldts fördernder Einfluss im GroĂen wie im Kleinen; es konnte den Anschein haben, als bekleide er das Amt eines âeuropĂ€ischen Kultusministersâ (Hanno Beck).
Nicht nur 1807/08, sondern insgesamt acht Mal bis 1848 wurde Alexander von Humboldt von seinen Königen auch zu diplomatischen Missionen herangezogen und wĂ€re, wenn er denn gewollt und sich dadurch nicht von seinen selbstgesetzten Zielen abgelenkt gesehen hĂ€tte, schon 1815 preuĂischer Botschafter in Paris geworden. Sein bekannt weltmĂ€nnisches und verbindliches Auftreten, seine SprachmĂ€chtigkeit und fesselnde ErzĂ€hlkunst lieĂen ihn rasch zum Mittelpunkt jeder Gesellschaft werden, in die er sich begab. Sein Wissenshorizont und die FĂ€higkeit, ihn zu kommunizieren, mĂŒssen in höchstem MaĂe faszinierend gewesen sein, wenn Goethe seinem Herzog schrieb: âMan könnte in 8 Tagen nicht aus BĂŒchern herauslesen, was er einem in einer Stunde vortrĂ€gt.â Dass er das Instrument seiner Schlagfertigkeit, seines phĂ€nomenalen GedĂ€chtnisses und einer unverwĂŒstlichen Frische (Werner RĂŒbe) nicht nur in blendenden Komplimenten spielen lieĂ, sondern teilweise ĂŒber dieselben Personen anderwĂ€rts deftig-ironisch oder sarkastisch-abschĂ€tzig urteilte, wird nur befremdlich finden, wer seine politisch und menschlich prekĂ€re Situation bei Hofe auĂer Acht lĂ€sst. Nicht etwa, dass er Selbstmitleid kultiviert hĂ€tte; aber AnflĂŒge von Bitterkeit ĂŒber das Los seiner spĂ€ten Jahre hat er dann und wann eben doch erkennen lassen.
Im Januar 1848 â also kurz vor Ausbruch der Pariser Februarrevolution â kehrte Humboldt von seiner letzten diplomatischen Mission aus Paris nach Berlin zurĂŒck. Hier wurde er Zeuge der Berliner MĂ€rzrevolution und in sie involviert. Am 21. MĂ€rz, nach den BarrikadenkĂ€mpfen und dem Ritt Friedrich Wilhelms IV. mit einer schwarz-rot-goldenen Armbinde durch die Stadt, war es nach dem König und einigen Ministern, deren Ansprachen blass blieben, Alexander von Humboldt, den das Volk auf dem Balkon des Schlosses zu sehen wĂŒnschte. Humboldt erschien, hielt aber keine Rede, sondern verbeugte sich nur stumm. Am Folgetag reihte sich der bald AchtzigjĂ€hrige ein in den Zug, der die 183 MĂ€rzgefallenen vom Gendarmenmarkt am Schloss vorbei zu ihrer BegrĂ€bnisstĂ€tte geleitete.
Ein reichliches Jahrzehnt spĂ€ter erlebte Berlin einen anderen Tag wirklicher Volkstrauer. Am 10. Mai 1859 fand im Berliner Dom ein Gottesdienst fĂŒr den vier Tage zuvor verstorbenen Alexander von Humboldt, der seit dem 24. Januar 1856 EhrenbĂŒrger von Berlin gewesen war, statt. Die Menge, die dem Leichenzug von Humboldts letzter WohnstĂ€tte in der Oranienburger StraĂe 67 zum Dom folgte, war nach zeitgenössischen Berichten nur mit der zu vergleichen, die die MĂ€rzgefallenen begleitet hatte. Nach der Feier im Dom fand die ĂberfĂŒhrung des Sarges in den Park von Schloss Tegel statt, wo Alexander von Humboldt am Folgetag im Familiengrab beigesetzt wurde. Der Philologe August Böckh dĂŒrfte in seiner Akademie-Gedenkrede das Bewusstsein breiter gesellschaftlicher Schichten artikuliert haben: âEs ist ein glĂ€nzendes Gestirn im Reich des Geistes fĂŒr diese Welt erloschen.â
Bearbeiten Der Kosmos: Lebenssumme â Epochendenkmal â Wegweiser
Die enorme PopularitĂ€t, die Alexander von Humboldt ĂŒber den Tod hinaus auszeichnete, lag nicht zuletzt in dem Werk begrĂŒndet, dem er sich seit 1834 und in den ihm dann bleibenden zweieinhalb Jahrzehnten gewidmet hat: einer Gesamtschau der wissenschaftlichen Welterforschung, die 1845â1862 unter dem Titel Kosmos in fĂŒnf BĂ€nden erschienen ist. Damit gelang es ihm, die Vision zu verwirklichen, die ihm von Beginn seiner Naturforscher-TĂ€tigkeit an vorgeschwebt und als Richtschnur seines Handelns alle wichtigen Entscheidungssituationen bestimmt hatte. An Varnhagen von Ense, der ihn bei der sprachlichen Gestaltung beraten sollte, schrieb er 1834: âIch habe den tollen Einfall, die ganze materielle Welt, alles, was wir heute von den Erscheinungen der HimmelsrĂ€ume und des Erdenlebens, von den Nebelsternen bis zur Geographie der Mose auf den Granitfelsen wissen, alles in einem Werke darzustellen, und in einem Werke, das zugleich in lebendiger Sprache anregt und das GemĂŒt ergötzt.â
Er hatte allerdings fĂŒr dieses Projekt einen so komplexen und ausgiebigen Anlauf genommen, dass z. B. der Ă€ltere Bruder Wilhelm zwar bereits frĂŒh viel von seinen FĂ€higkeiten hielt, ĂŒber lange Zeit aber nicht viel auf seinen Forschungsansatz gab: âMan kommt der Natur darum nicht nĂ€her, wenn man aus der zivilisierten Welt herausgeht.â Er lieĂ sich aber durch Alexander eines Besseren belehren und war schlieĂlich seinerseits Ă€uĂerst beeindruckt von dessen VortrĂ€gen in der Sing-Akademie, denen Wilhelm mit seiner Familie beiwohnte. Der Titel âKosmosâ fĂŒr Alexanders Bilanzierungsvorhaben entsprang dem gemeinsamen Nachdenken beider. In der komplementĂ€ren Breite ihres Wirkens ohnehin, hier aber auch in innerer Ăbereinstimmung hatten sie âdas Jahrhundert brĂŒderlich im Armeâ (RĂŒbe).
LĂ€ngst vor dem Bruder hatte Alexander bei Begegnungen in Jena und Weimar Goethe fĂŒr seine Forschungsmethode gewonnen. Der schrieb ihm 1795: âDa Ihre Beobachtungen vom Element, die meinigen aber von der Gestalt ausgehen, so können wir nicht genug eilen, uns in der Mitte zu begegnen.â Diesen Impuls hat der 20 Jahre JĂŒngere aufgenommen und im âKosmosâ schlieĂlich glĂ€nzend zur Geltung gebracht: âDie Natur ist fĂŒr die denkende Betrachtung Einheit in der Vielheit, Verbindung des Mannigfaltigen in Form und Mischung, Inbegriff der Naturdinge und NaturkrĂ€fte, als ein lebendiges Ganze. Das wichtigste Resultat des sinnigen physischen Forschens ist daher dieses: in der Mannigfaltigkeit die Einheit zu erkennen, von dem Individuellen alles zu umfassen, was die Entdeckungen der letzteren Zeitalter uns darbieten, die Einzelheiten prĂŒfend zu sondern und doch nicht ihrer Masse zu unterliegen, der erhabenen Bestimmung des Menschen eingedenk, den Geist der Natur zu ergreifen, welcher unter der Decke der Erscheinungen verhĂŒllt liegt. Auf diesem Wege reicht unser Bestreben ĂŒber die enge Sinnenwelt hinaus, und es kann uns gelingen, die Natur begreifend, den rohen Stoff empirischer Anschauung gleichsam durch Ideen zu beherrschen.â Die wissenschaftliche Naturforschung wird hier zusammengefĂŒhrt mit dem Denken Goethes und des Bruders Wilhelm. Zugleich wird der Vorstellungshorizont der deutschen Klassik auf ein empirisches Fundament verwiesen: âAus unvollstĂ€ndigen Beobachtungen und noch unvollstĂ€ndigeren Inductionen entstehen irrige Ansichten von dem Wesen der NaturkrĂ€fte, Ansichten, die, durch bedeutsame Sprachformen gleichsam verkörpert und erstarrt, sich, wie ein Gemeingut der Phantasie, durch alle Klassen der Nation verbreiten. Neben der wissenschaftlichen Physik bildet sich dann eine andere, ein System ungeprĂŒfter, zum Theil gĂ€nzlich miĂverstandener Erfahrungskenntnisse. Wenige Einzelheiten umfassend ist diese Art der Empirik um so anmaĂender, als sie keine der Thatsachen kennt, von denen sie erschĂŒttert wird. Sie ist in sich abgeschlossen, unverĂ€nderlich in ihren Axiomen, anmaĂend wie alles BeschrĂ€nkte; wĂ€hrend die wissenschaftliche Naturkunde, untersuchend und darum zweifelnd, das fest ErgrĂŒndete von dem bloĂ Wahrscheinlichen trennt, und sich tĂ€glich durch Erweiterung und Berichtigung ihrer Ansichten vervollkommnet.â
Damit sind die methodischen Grundpfeiler des Humboldtschen Forscherlebens wie seines SpĂ€twerkes Kosmos erfasst, das mit einer damaligen Gesamtauflage von 87.000 Exemplaren auch als Bestseller Epoche machte. Der 5. Band, an dem Humboldt bis in die letzten Lebenswochen gearbeitet hat, blieb ebenso unvollendet wie die Beschreibung der amerikanischen Reise (âReise in die Aequinoctial-Gegenden des neuen Continentsâ) , die er nur hinsichtlich des ersten Abschnitts ausgefĂŒhrt hat. Mitunter hat man das nicht nur bedauert, sondern ihm angekreidet, ĂŒbergeordnete Gesichtspunkte Humboldts dabei aber auĂer Acht gelassen: Das âKosmosâ-Projekt war frĂŒh und blieb immer das angestrebte Ziel und die ausstehende Summe aller seiner ForschungsaktivitĂ€ten und wissenschaftlichen Kontakte. Manches musste er dafĂŒr liegen lassen oder abbrechen, vieles anderen ĂŒbertragen. Dass er mit dem âKosmosâ jenseits der beiden ersten BĂ€nde, die bereits den Umriss des Ganzen enthielten, nicht fertig wurde, hat die innere Logik fĂŒr sich, dass der Autor sich der prinzipiellen UnabschlieĂbarkeit wissenschaftlichen Erkenntniszuwachses nur zu bewusst war.
Nicht nur darin, sondern vor allem in Humboldts transdisziplinĂ€rem WissenschaftsverstĂ€ndnis (Ottmar Ette) mit den entsprechenden praktischen Konsequenzen, liegt das bedeutende aktuelle Orientierungspotential, das von Alexander von Humboldt im Zeitalter eines beschleunigten Wandels der Ăkonomie, der Ăkosysteme und Gesellschaften sowie einer durchgreifenden Globalisierung ausgeht. Sein die Natur- und Geisteswissenschaften sowohl in ihren jeweiligen Forschungsmethoden respektierender als auch gezielt untereinander vernetzender Ansatz dĂŒrfte wohl am ehesten geeignet sein, wissenschaftlichem Arbeiten jene Problemlösungskompetenz und jenes öffentliche Gehör zu erschlieĂen, ohne die es oft fruchtlos bleibt. Humboldts âKosmosâ erwuchs nicht zuletzt aus dem stĂ€ndigen direkten und persönlichen Austausch ĂŒber die Grenzen der Disziplinen hinweg und ermöglichte ihm die Einbeziehung spezialisierter WissensbestĂ€nde gerade auch solcher Fachrichtungen, deren Erkenntnisse ihm wichtig waren, obwohl er sie selbst nicht vertieft betreiben konnte. Manche Einsichten, zu denen Alexander von Humboldt in seinem SpĂ€twerk gelangt ist, sind von geradezu dramatischer AktualitĂ€t: âWissen und Erkennen sind die Freude und die Berechtigung der Menschheit; sie sind Theile des Nationalreichthums, oft ein Ersatz fĂŒr die GĂŒter, welche die Natur in allzu kĂ€rglichem MaaĂe ausgetheilt hat. Diejenigen Völker, welche an der allgemeinen industriellen ThĂ€tigkeit, in Anwendung der Mechanik und technischen Chemie, in sorgfĂ€ltiger Auswahl und Bearbeitung natĂŒrlicher Stoffe zurĂŒckstehen, bei denen die Achtung einer solchen ThĂ€tigkeit nicht alle Classen durchdringt, werden unausbleiblich von ihrem Wohlstande herabsinken. Sie werden es um so mehr, wenn benachbarte Staaten, in denen Wissenschaft und industrielle KĂŒnste in regem Wechselverkehr mit einander stehen, wie in erneuerter Jugendkraft vorwĂ€rts schreiten.â
Bearbeiten Wirkung
Bearbeiten Zitate
Einige nicht reprĂ€sentative Zitate ĂŒber Alexander von Humboldt von berĂŒhmten Persönlichkeiten seiner Zeit.
- Wilhelm von Humboldt: âAlexander ist gemacht, Ideen zu verbinden, Ketten von Dingen zu erblicken, die Menschenalter hindurch, ohne ihn, unentdeckt geblieben wĂ€ren. Ungeheure Tiefe des Denkens, unerreichbarer Scharfblick, und die seltenste Schnelligkeit der Kombination.â
- Charles Darwin: âEr war der gröĂte reisende Wissenschaftler, der jemals gelebt hat.â â âIch habe ihn immer bewundert; jetzt bete ich ihn an.â
- Johann Wolfgang von Goethe: âHumboldt ĂŒberschĂŒttet uns mit geistigen SchĂ€tzen.â
- Friedrich von Schiller: âAlexander imponiert sehr vielen und gewinnt im Vergleich mit seinem Bruder meistens, weil er ein Maul hat und sich geltend machen kann.â
- SimĂłn BolĂvar: âAlexander von Humboldt hat Amerika mehr Wohltaten erwiesen als alle seine Eroberer, er ist der wahre Entdecker Amerikas.â
- NapolĂ©on Bonaparte: âSie beschĂ€ftigen sich mit Botanik? Genau wie meine Frau!â
- Claude Louis Berthollet: âDieser Mann vereint in sich eine ganze Akademie.â
- Thomas Jefferson: âIch sehe in ihm den bedeutendsten Wissenschaftler, den ich je getroffen habe.â
- Emil Du Bois-Reymond: âJeder strebsame Gelehrte ist Humboldts Sohn. Wir alle sind seine Familie.â
Bearbeiten Humboldt als Namensstifter
- siehe dazu eine Auswahl unter Liste Humboldt als Namensstifter
Bearbeiten Statuen und DenkmÀler
- Denkmal zu Ehren von Alexander von Humboldt nach Entwurf Gustav BlĂ€ser, 1869 fĂŒr den Central Park von New York ausgefĂŒhrt von Georg Ferdinand Howaldt
Bearbeiten Werke
Bearbeiten Einzelausgaben
- Kosmos â Entwurf einer physischen Weltbeschreibung. 1845â1862
- Im Internet: Posner Memorial Collection, Französische Nationalbibliothek
- Bei biolib.de: Band 1, Band 2, Band 3, Band 4, Band 5
- Reprint: KOSMOS â Entwurf einer physischen Weltbeschreibung. Mit Berghaus-Atlas. Hrsg. von Ottmar Ette und Oliver Lubrich. (= Die Andere Bibliothek). Eichborn, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-8218-4549-X
- Vues des CordillĂšres et Monuments des Peuples IndigĂšnes de lâAmĂ©rique. 1810â1813
- Im Internet: Französische Nationalbibliothek
- Deutsche Ăbersetzungen:
- Pittoreske Ansichten der Cordilleren und Monumente americanischer Völker. Cotta, TĂŒbingen, 1810. Text- und Bildband. Im Internet: Bildband bei MPIZ Köln
- Ansichten der Kordilleren und Monumente der eingeborenen Völker Amerikas, ĂŒbersetzt von Claudia Kalscheuer. (= Die Andere Bibliothek). Eichborn, Frankfurt am Main 2004, ISBN ISBN 3-8218-4538-4
- Ansichten der Natur. 1808
- Im Internet: Projekt Gutenberg-DE (Projekt Gutenberg-DE)
- Reprint: Ansichten der Natur. (= Die Andere Bibliothek; 17). Eichborn, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-8218-4741-7
- Voyage aux régions équinoxiales du Nouveau Continent: fait en 1799, 1800, 1801, 1803 et 1804. (zusammen mit Aimé Bonpland)
- Im Internet: Französische Nationalbibliothek
- Deutsche Ăbersetzungen:
- Reise in die Aequinoctial-Gegenden des neuen Continents. (Ăbers. Hermann Hauff). Die einzige von Humboldt autorisierte Ăbersetzung; bei J.G. Cotta, Stuttgart 1859. Im Internet bei Google Books: Erster Band, Zweiter Band, Dritter Band, Vierter Band
- Reise in die Ăquinoktial-Gegenden des Neuen Kontinents. Hrsg. von Ottmar Ette. 2 BĂ€nde. Insel, Frankfurt am Main und Leipzig 1991, ISBN 3-458-16947-4
- Fahrt auf dem Orinoko. Reisebericht in AuszĂŒgen, Hörbuch, gelesen von Frank Arnold. Audiobuch Verlag, Freiburg im Breisgau 2007, ISBN 978-3-89964-233-9
- Examen critique de l'histoire de la gĂ©ographie du Nouveau continent. â1. ptie., 4. sectionâ der Voyage de Humboldt et Bonpland.
- Deutsche Ăbersetzung: Kritische Untersuchungen ĂŒber die historische Entwickelung der geographischen Kenntnisse von der Neuen Welt und die Fortschritte der nautischen Astronomie in dem 15ten und 16ten Jahrhundert. Aus dem Franz. ĂŒbers. von Jul. Ludw. Ideler. Berlin, Nicolai, 1836 und 1852.
- Im Internet: Scan bei Google
- Mineralische Beobachtungen ĂŒber einige Basalte am Rhein, Braunschweig 1790
- Im Internet: Digitalisat beim Max-Plank-Institut
- Zentralasien (zusammen mit Wilhelm Mahlmann) 2 Bde. Berlin, Klemann, 1844
- Im Internet: Scans im GDZ
Bearbeiten Studienausgabe
- Hanno Beck (Hrsg.): Studienausgabe. 7 BĂ€nde (erschienen in 10 BĂ€nden). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1987â1997, ISBN 3-534-03100-8 (mit ausfĂŒhrlichen Anmerkungen und Angaben zur Entstehungs- und Editionsgeschichte der einzelnen Werke im Sinne einer historisch-kritischen Ausgabe); enthĂ€lt:
- Bd. 1: Schriften zur Geographie der Pflanzen. 1989, ISBN 3-534-03101-6
- Bd. 2: Die Forschungsreise in die Tropen Amerikas. 3 BĂ€nde, ISBN 3-534-03102-4
- Bd. 3: Cuba-Werk. 1992, ISBN 3-534-03103-2
- Bd. 4: Mexico-Werk. 1991,[1] ISBN 3-534-03104-0
- Bd. 5: Ansichten der Natur. 1987,[2] ISBN 3-534-03105-9
- Bd. 6: Schriften zur Physischen Geographie. 1989, [3] ISBN 3-534-03106-7
- Bd. 7: Kosmos. 2 BĂ€nde, 1993, ISBN 3-534-03107-5
Bearbeiten Briefeditionen
(Auswahl)
- Ludmilla Assing (Hrsg.): Briefe von Alexander von Humboldt an Varnhagen von Ense aus den Jahren 1827 bis 1858. Leipzig 1860
- Ernst Werner Maria von Olfers (Hrsg.): Briefe Alexander v. Humboldt's an Ignaz v. Olfers, Generaldirektor der Kgl. Museen in Berlin. NĂŒrnberg und Leipzig [1913]
- Conrad MĂŒller (Hrsg.): Alexander von Humboldt und das PreuĂische Königshaus. Leipzig 1928
- Ilse Jahn, Fritz G. Lange (Hrsg.): Die Jugendbriefe Alexander von Humboldts. (= BeitrÀge zur Alexander-von-Humboldt-Forschung, 2). Berlin 1973
- Kurt-Reinhard Biermann (Hrsg.): Briefwechsel zwischen Alexander von Humboldt und Carl Friedrich GauĂ. (= BeitrĂ€ge zur Alexander-von-Humboldt-Forschung, 4). Berlin 1977
- Kurt-Reinhard Biermann (Hrsg.): Briefwechsel zwischen Alexander von Humboldt und Heinrich Christian Schumacher. (= BeitrÀge zur Alexander-von-Humboldt-Forschung, 6). Berlin 1979
- Kurt-Reinhard Biermann (Hrsg.): Briefwechsel zwischen Alexander von Humboldt und Peter Gustav Lejeune Dirichlet. (= BeitrÀge zur Alexander-von-Humboldt-Forschung, 7). Berlin 1982
- Kurt-Reinhard Biermann (Hrsg.): Alexander von Humboldt. Vier Jahrzehnte Wissenschaftsförderung. Briefe an das preuĂische Kultusministerium. (= BeitrĂ€ge zur Alexander-von-Humboldt-Forschung, 14). Berlin 1985
- Herbert Pieper (Hrsg.): Briefwechsel zwischen Alexander von Humboldt und C. G. Jacob Jacobi. (= BeitrÀge zur Alexander-von-Humboldt-Forschung, 11). Berlin 1987
- Ulrike Moheit (Hrsg.): Alexander von Humboldt. Briefe aus Amerika, 1799-1804. (= BeitrÀge zur Alexander-von-Humboldt-Forschung, 16). Berlin 1993
- Hans-Joachim Felber (Hrsg.): Briefwechsel zwischen Alexander von Humboldt und Friedrich Wilhelm Bessel. (= BeitrÀge zur Alexander-von-Humboldt-Forschung, 10). Berlin 1994
- Ingo Schwarz, Klaus Wenig (Hrsg.): Briefwechsel zwischen Alexander von Humboldt und Emil du Bois-Reymond. (= BeitrÀge zur Alexander-von-Humboldt-Forschung, 22). Berlin 1997
- Ulrike Moheit (Hrsg.): Das Gute und GroĂe wollen. Alexander v. Humboldts Amerikanische Briefe. Berlin 1999
- Ingo Schwarz (Hrsg.): Alexander von Humboldt und die Vereinigten Staaten von Amerika. Briefwechsel. (= BeitrÀge zur Alexander-von-Humboldt-Forschung, 19). Berlin 2004
- Ingo Schwarz (Hrsg.): Briefe von Alexander von Humboldt an Christian Carl Josias Bunsen Neue Edition. Berlin 2006
- Ingo Schwarz unter Mitarb. v. Eberhard Knobloch (Hrsg.): Alexander von Humboldt â Samuel Heinrich Spiker. Briefwechsel. (= BeitrĂ€ge zur Alexander-von-Humboldt-Forschung, 27). Berlin 2007
Bearbeiten Tagebucheditionen
- Margot Faak (Hrsg.): Alexander von Humboldt. Reise durch Venezuela. Auswahl aus den amerikanischen ReisetagebĂŒchern. (= BeitrĂ€ge zur Alexander-von-Humboldt-Forschung, 12). Berlin 2000
- Margot Faak (Hrsg.): Alexander von Humboldt. Reise auf dem RĂo Magdalena, durch die Anden und Mexico. Aus seinen ReisetagebĂŒchern. 2 Teile. (= BeitrĂ€ge zur Alexander-von-Humboldt-Forschung, 8, 9). 2. Auflage. Berlin 2003
- Ulrike Leitner (Hrsg.): Alexander von Humboldt. Von Mexiko-Stadt nach Veracruz. Tagebuch. (= BeitrÀge zur Alexander-von-Humboldt-Forschung, 25). Berlin 2005
- Bernd Kölbel und Lucie Terken (Hrsg.): Steven Jan van Geuns. Tagebuch einer Reise mit Alexander von Humboldt durch Hessen, die Pfalz, lÀngs des Rheins und durch Westfalen im Herbst 1789. (= BeitrÀge zur Alexander-von-Humboldt-Forschung, 26). Berlin 2007
Bearbeiten Literatur
Bearbeiten Bibliografien
- Horst Fiedler, Ulrike Leitner: Alexander von Humboldts Schriften. Bibliographie der selbstÀndig erschienenen Werke. (= BeitrÀge zur Alexander-von-Humboldt-Forschung; 20). Berlin 2000
- Ulrike Leitner, Ingo Schwarz (Begr.): Alexander von Humboldts unselbstĂ€ndige Schriften â Verzeichnis. (Online-Ausgabe)
- Wikiversity Online Bibliografie
Bearbeiten Biografische Literatur
- Hanno Beck (Hrsg.): GesprÀche Alexander von Humboldts. Berlin 1959
- Hanno Beck: Alexander von Humboldt. 2 BĂ€nde. Wiesbaden 1959-1961
- Kurt-Reinhard Biermann, Ilse Jahn, Fritz G. Lange (Bearb.): Alexander von Humboldt. Chronologische Ăbersicht ĂŒber wichtige Daten seines Lebens. 2. Auflage. (= BeitrĂ€ge zur Alexander-von-Humboldt-Forschung). Berlin 1983 (Onlineausgabe)
- Adolf Meyer-Abich: Alexander von Humboldt. Rowohlt, Reinbek 1967
- Heinrich Pfeiffer (Hrg.): Alexander von Humboldt. Werk und Weltgeltung. MĂŒnchen 1969
- Douglas Botting: Alexander von Humboldt â Biographie eines groĂen Forschungsreisenden. MĂŒnchen 1974 (6. Auflage 2001), ISBN 3-7913-0085-7
- Herbert Scurla: Alexander von Humboldt. Sein Leben und Wirken. 9. Auflage. Berlin 1980
- Herbert Kessler (Hrsg.): Die Dioskuren. Probleme in Leben und Werk der BrĂŒder Humboldt. Mannheim 1986
- Werner RĂŒbe: Alexander von Humboldt. Anatomie eines Ruhms. MĂŒnchen 1988
- Kurt Schleucher: Alexander von Humboldt. Berlin 1988
- Kurt-Reinhard Biermann: Alexander von Humboldt. 4. Auflage. Leipzig 1990
- Otto KrĂ€tz: Alexander von Humboldt â Wissenschaftler WeltbĂŒrger RevolutionĂ€r. Callwey, MĂŒnchen 1997, ISBN 3-7667-1282-9
- Frank Holl (Konzeption): Alexander von Humboldt. Netzwerke des Wissens. Katalog zur Ausstellung im Haus der Kulturen der Welt Berlin und in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland Bonn. Berlin und Bonn 1999 (Onlinedokumentation)
- Detlef Haberland, Wolfgang Hinrichs, Clemens Menze (Hrsg.): Die Dioskuren II. AnnĂ€herungen an Leben und Werk der BrĂŒder Humboldt. Mannheim 2000
- Ottmar Ette: WeltbewuĂtsein. Alexander von Humboldt und das unvollendete Projekt einer anderen Moderne. Weilerswist 2002
- JĂŒrgen Hamel, Eberhard Knobloch, Herbert Pieper (Hrsg.): Alexander von Humboldt in Berlin. Sein EinfluĂ auf die Entwicklung der Wissenschaften. (= Algorismus. Studien zur Geschichte der Mathematik und der Naturwissenschaften; H. 41). Augsburg 2003
- Nicolaas A. Rupke: Alexander von Humboldt. A Metabiography. Lang, Frankfurt am Main u. a. 2005, ISBN 3-631-53932-0
Bearbeiten Weitere Literatur
- Gustav Biedermann: Die speculative Idee in Humboldt's Kosmos, ein Beitrag zur Vermittlung der Philosophie und der Naturforschung. Prag 1849
- Kurt-Reinhard Biermann: Miscellanea Humboldtiana. (BeitrÀge zur Alexander-von-Humboldt-Forschung). Berlin 1990
- Kurt-Reinhard Biermann: BeglĂŒckende Ermunterung durch die akademische Gemeinschaft. Alexander von Humboldt als Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschaften. (BeitrĂ€ge zur Alexander-von-Humboldt-Forschung). Berlin 1991, ISBN 978-3-05-001957-4
- Alfred Dove: Humboldt, Friedrich Wilhelm Heinrich Alexander v.. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 13, Duncker & Humblot, Leipzig 1881, S. 358â383.
- Daniel Kehlmann: Die Vermessung der Welt. Roman. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2005, ISBN 3-498-03528-2 (fiktive, belletristische Darstellung)
- Alexander Kluge, Hans Magnus Enzensberger: Die ganze Welt in einem Buch. In: Die Zeit, Nr. 38, 9. September 2004 (Onlineversion)
- Johannes Paul: Alexander von Humboldt. Ansichten der Natur. In: Abenteuerliche Lebensreise. Sieben biographische Essays. Wilhelm Köhler Verlag, Minden 1954, S. 141â205
- Michael Zeuske und Bernd Schröter (eds.), Alexander von Humboldt und das neue Geschichtsbild von Lateinamerika, Leipzig: UniversitÀtsverlag 1992, ISBN 3-929031-05-1
- Zeuske, Vater der UnabhĂ€ngigkeit? â Humboldt und die Transformation zur Moderne im spanischen Amerika. In: Alexander von Humboldt. Aufbruch in die Moderne, ed. Ette, Ottmar; Hermanns, Ute; Scherer, Bernd M.; Suckow, Christian (BeitrĂ€ge zur Alexander-von-Humboldt-Forschung, Bd. 21), Berlin: Akademie Verlag 2001, S. 179-224.
- Zeuske, âGeschichtsschreiber von Amerikaâ: Alexander von Humboldt, Deutschland, Kuba und die Humboldteanisierung Lateinamerikas. In: Humboldt in Amerika, ed. Zeuske, Leipzig: Leipziger UniversitĂ€tsverlag, 2001 (COMPARATIV. Leipziger BeitrĂ€ge zur Universalgeschichte und zur vergleichenden Gesellschaftsforschung, 11. Jg., Heft 2), S. 30-83.
- Zeuske, âReal timeâ: Humboldt und Kuba 1801 und 1804. In: Zeuske, Schwarze Karibik. Sklaven, Sklavereikulturen und Emanzipation, ZĂŒrich: Rotpunktverlag, 2004, ISBN 3-85869-272-7
- Petra Werner: Himmel und Erde. Alexander von Humboldt und sein Kosmos. (BeitrÀge zur Alexander-von-Humboldt-Forschung). Berlin 2004, ISBN 978-3-05-004025-7
- Krzysztof Zielnica: Polonica bei Alexander von Humboldt. (BeitrÀge zur Alexander-von-Humboldt-Forschung). Berlin 2004, 445 S., 143 s.-w. Abb., ISBN 978-3-05-003867-4
- Studia Fribergensia. VortrÀge des Alexander-von-Humboldt-Kolloquiums in Freiberg 1991. (BeitrÀge zur Alexander-von-Humboldt-Forschung). Berlin 1994
- Aaron Sachs: The Humboldt Current: Nineteenth-Century Exploration and the Roots of American Environmentalism (Viking, 2006). Sachs zeigt welch grossen Einfluss Humboldt auf amerikanische Naturforscher (Clarence King, George Wallace Melville, John Muir, J.N. Reynolds) und Schriftsteller (Emerson, Poe, Thoreau, Whitman) hatte.
- Werner Biermann: Der Traum meines ganzen Lebens. Humboldts amerikanische Reise. Berlin 2008
Bearbeiten Filmografie
- »Giganten.« Humboldt â Ruf der grĂŒnen Hölle. Der wahre Entdecker. GröĂter Forschungsreisender der Neuzeit. Doku-Drama (ZDF), 60 Min., Erstsendung: 8. April 2007
- Alexander von Humboldt â aus seinem Leben â aus seinem Werk. Dokumentation, BR Deutschland, 1969
- Kosmos â Erinnerungen an Alexander von Humboldt. DEFA-Dokumentarfilm, 41 Min., DDR, 1960
Bearbeiten Weblinks
- Alexander von Humboldt-Bibliographie (SekundĂ€rliteratur) der Alexander-von-Humboldt-Forschungsstelle der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften â ĂŒber 5.000 recherchierbare Titel
- Literatur von und ĂŒber Alexander von Humboldt im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Werke von Alexander von Humboldt im Projekt Gutenberg-DE
- Autoreintrag und Liste der beschriebenen Pflanzennamen fĂŒr Alexander von Humboldt bei IPNI.
- [4] Briefwechsel zwischen Alexander von Humboldt und Christian Gottfried Ehrenberg. Edition der Berlin Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften
- A. v. H. Chronologie der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften
- Nachweis von Humboldt-Digitalisaten im Netz
- Alexander von Humboldt im Netz Die Humboldt-Informationsplattform im Netz. Ein Projekt des Instituts fĂŒr Romanistik der UniversitĂ€t Potsdam.
- HiN-Internationale Zeitschrift fĂŒr Humboldt-Studien HiN - Internationale Zeitschrift fĂŒr Humboldt-Studien (ISSN: 1617-5239). Ein Projekt des Instituts fĂŒr Romanistik der UniversitĂ€t Potsdam und der Alexander-von-Humboldt-Forschungsstelle der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.
- Johannes Paul: Alexander von Humboldt: Ansichten der Natur
- Humboldt-Portal des Eichborn-Verlags
- Frank Holl: Alexander von Humboldt â âGeschichtsschreiber der Kolonienâ
- Ein Text zur Wirkung Humboldts auf das heutige Deutschland
- Alexander von Humboldt-Denkmal in New York
- Informationen zu Humboldt, Alexander, von im BAM-Portal
- Digitalisierte Werke von Humboldt (französisch) â SICD der UniversitĂ€ten von Strasbourg
- Kurzbiografie und digitale Quellen im Volltext (englisch) im Virtual Laboratory des Max-Planck-Instituts fĂŒr Wissenschaftsgeschichte
- Digitale Quellen in englischer Ăbersetzung im Projekt Digital Humboldt Library am Max Kade Center der University of Kansas
Bearbeiten Einzelnachweise
- â Bernd-Ulrich Hergemöller, âAlexander von Humboldtâ in Mann fĂŒr Mann. Ein Biographisches Lexikon, Frankfurt/M. 2001
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Humboldt, Alexander von |
| ALTERNATIVNAMEN | Friedrich Heinrich Alexander (Freiherr) von Humboldt |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Naturforscher und Entdecker |
| GEBURTSDATUM | |
