| Београд Beograd |
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| Basisdaten | ||||
|---|---|---|---|---|
| Staat: | Serbien | |||
| Okrug: | Belgrad | |||
| Koordinaten: | 44° 49′ N, 20° 28′ O44.82055555555620.462222222222131Koordinaten: 44° 49′ 14″ N, 20° 27′ 44″ O | |||
| Höhe: | 131 m ü. A. | |||
| Fläche: | 359,96 km² | |||
| Einwohner: | 1.576.124 (2002) | |||
| Agglomeration: | 1.9 Mio, Einwohner (2002) | |||
| Bevölkerungsdichte: | 4.379 Einwohner je km² | |||
| Telefonvorwahl: | (+381) 011 | |||
| Postleitzahl: | 11000 | |||
| Kfz-Kennzeichen: | BG | |||
| Struktur und Verwaltung (Stand: 2008) | ||||
| Gemeindeart: | Stadt | |||
| Gliederung: | 17 Stadtbezirke | |||
| Bürgermeister: | Dragan Đilas (DS) | |||
| Postanschrift: | Grad Beograd Masarikova 5/XVII 11000 Beograd |
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| Webpräsenz: | ||||
| Sonstiges | ||||
| Schutzpatron: | Maria (Mutter Jesu) | |||
| Stadtfest: | Christi Himmelfahrt | |||
Belgrad (serbisch Београд/Beograd,
anhören ?/i), übersetzt soviel wie Weiße (beo-) Stadt (-grad), ist mit 1,57 Millionen Einwohnern die Hauptstadt der Republik Serbien und zudem gleich die bevölkerungsreichste, politische, kulturelle und wirtschaftliche Metropole des Landes. Sie ist durch ihre Universitäten, Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen, die internationale Anerkennung genießen, das überragende Bildungszentrum und durch zahlreiche Verlage, Rundfunk- und Fernsehanstalten sowie Tages- und Monatszeitungen auch das dominierende Medienzentrum des Landes. Belgrad bildet mit seinen zehn Stadt- und sieben Vorstadtgemeinden einen der 30 Okruzi Serbiens. Dank der Lage an der Mündung der Save in die Donau am südöstlichen Rand der Pannonischen Tiefebene und an der Nordgrenze der Balkanhalbinsel ist die Stadt Dreh- und Angelpunkt für den Verkehr zwischen Mittel- und Südosteuropa sowie dem Vorderen Orient. Das Wahrzeichen Belgrads ist die über der Mündung der Save in die Donau thronende Festung von Belgrad.
Archäologische Funde menschlicher Siedlungen reichen bis ins 5. Jahrtausend v. Chr. zurück. Belgrad war im 19. Jahrhundert Residenzstadt des Königreichs Serbien und im 20. Jahrhundert Hauptstadt des Königreichs Jugoslawien und der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien. In der Zeit des Kalten Krieges hatte die Stadt durch Titos Ablehnung der sowjetischen Hegemonie und des Stalinismus als Versammlungsort der Blockfreien Bewegung auch international Gewicht.
Bearbeiten Geographie
Bearbeiten Lage
Die historische Altstadt und die stark bewehrte Festung von Belgrad erheben sich auf einem Sattel in 125 m ü. NN 50 m über der Flussterrasse im Savetal an der Mündung in die Donau. Mit Ausnahme des im Mittelalter besiedelten Donaubetts in der Unterstadt (Donji grad) der Belgrader Festung wuchs die Stadt erst in jüngster Zeit über das im 19 und 20 Jh. in den Hängen und Plateaus der hügeligen Šumadija gewachsene Siedlungsgebiet in die Ebenen des Srem hinaus.
Am Ende der, dem antiken Cardo folgenden, altbelgrader Prachtstraße Knez Mihailova ulica (Fürst-Michael-Straße), ist, von der Festung kommend, bei der Einmündung in den langgezogenen Platz Terazije, bei 44°49'14" Nord und 20°27'44" Ost, der geografische Mittelpunkt Belgrads festgelegt. Am Terazije beginnen die zwei in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts als Hauptstraßen ausgebauten Alleen, Bulevar Kralja Milana mit dem wichtigsten Verkehrsknoten Belgrads, der Slavija und Bulevar Kralja Aleksandra. Von diesen südwestlich in die Šumadija führenden, eben auf dem Plateau verlaufenden Hauptstraßen, fallen die zum Teil sehr steilen Querstraßen am Save- und Donauhang ab (Brankova ulica, Kamenička ulica, Balkanska ulica, Nemanjina ulica, Ulica Kneza Miloša, Bulevar Despota Stefana, Takovska ulica und Ruzveltova ulica). Drei Savebrücken (Brankov most, Savski most, Most Gazella) und eine Donaubrücke (Pančevački most) verbinden die Altstadt mit den gegenüberliegenden Stadtteilen. Auf der linken Saveseite kontrastiert das im Flussdelta erst seit 1945 errichtete moderne Novi Beograd mit dem alten Stadtzentrum.
Im Südosten Europas gelegen und an die Landschaftsräume der äolisch und fluvial geformten Pannonischen Tiefebene und jungalpidischen Faltengebirgssysteme der Balkanhalbinsel angrenzend, trugen die geografische Begünstigung und strategische Topographie Belgrads, hoch über der weiten Sremer und Banater Niederung und der Kreuzung der Handels-, und Wanderungswege, den Titel „Pforte“ des Balkans und „Tor“ Mitteleuropas ein.
Bearbeiten Topographie
Belgrad breitet sich über die am linken Ufer der Save und Donau gelegenen Ebenen des Banats und Syrmiens, mit ihren großen Getreide- und Maisfeldern und dem, auf der rechtsseitigen liegenden, waldreichen hügeligen Mittelgebirge der Šumadija, mit ihren Obst- und Weingärten, aus.
Die Altstadt von Belgrad Stari Grad und die Festung liegen auf den 125 müA hohen nordwestlichsten Ausläufern der Šumadija (als amtliche Durchschnittshöhe gilt die Wetterwarte mit 132 müA ) 50 m über der Savemündung (75 müA ). Die Neustadt Novi Beograd, die heute mit dem ein Stück donauaufwärts gelegenen Stadtteil Zemun (deutsch auch Semlin), zur Zeit der Türkenkriege ein habsburgischer Vorposten und heute Vorort von Belgrad, zusammengewachsen ist, entstand erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges im ehemaligen ebenen Überschwemmungsgebiet im Winkel zwischen Donau und Save-Delta.
Der landschaftliche Gegensatz zwischen der Niederung der Überschwemmungsebene der beiden großen Tieflandströme und den, von kleineren Flüssen und Bächen (Topčiderska reka, Željeznička reka, Ostružnička reka, Mirijevski potok, Kummodražki potok, Mokroluški potok, Bolečica) zertalten und in einzelne Hänge zerteilten Bergrücken der Šumadija (Banovo brdo, Lekino brdo, Topčidersko brdo, Kanarevo brdo, Julino brdo, Petlovo brdo, Zvezdara, Vračar und Dedinje), bewirkt, das innerhalb des Stadtgebietes ein abwechslungsreiches Relief mit bedeutender Reliefenergie vorhanden ist. Die höchsten Erhebungen der Šumadija Kosmaj (628 m) und Avala (511 m) und das höchst gelegene Gebäude der Stadt, die Dreifaltigkeitskirche auf dem 303,1 Meter hohen Torlak (Voždovac), erheben sich mehrere hundert Meter über dem tiefstgelegenen Punkt an der Donau, der Ada Huja, mit 70,15 Meter. Der hypsometrische Höhenunterschied beträgt daher im Bezirk maximal 450 m und innerhalb der engeren Stadt noch 175 m.[1] Die einförmigen alluvialen Ebenen der Save und Donauauen werden dagegen nur durch den 30 Meter hoher Steilhang der äolischen Löss-Terrasse der Bežanijska kosa strukturiert.
Die Donau fließt im Gebiet des Bezirks Belgrad auf einer Länge von 60 km von Stari Banovci bis Grocka, und die Save auf einer Länge von 30 km von Obrenovac bis zur Mündung. Auf den 60 Flusskilometern liegen 16 Flussinseln, deren bekanntesten Ada Ciganlija, Veliko ratno ostrvo (Große Kriegsinsel) und Gročanska Ada (Grocka-Insel) sind. An einem abgetrennten Flussarm der Save, 5 km südwestlich des Stadtzentrums, befindet sich der Belgrader Stadtstrand – das sogenannte Kupalište.
Bearbeiten Geologie
Das Stadtgebiet erstreckt sich über drei unterschiedliche alte und auch drei unterschiedlich geologisch evolutionäre Formationen. Neben den jüngeren äolischen und fluvialen Sedimenten des Quartärs der Flusstäler und Niederung, sind die Lehm und Sandsedimente des Neogens an den Terrassenhängen und Plateaus die flächenmäßig ausgeprägtesten. Die geringste Fläche nehmen kreidezeitliche Kalksteine ein, die aber insbesondere im Felsen der Festung von Belgrad und ehemaligen Steinbruch im Park Tasmajdan prominent hervortreten. Die südlichen Belgrader Stadtteile werden dann von kreidezeitlich harten klastischen Sedimenten wie Granit gebildet.[2]
Bearbeiten Hydrologie
Die Hydrologie im Stadtgebiet ist durch sehr gut durchlässige Sedimentakkumulationen im Überschwemmungsbereich der Tieflandströme, den wenig durchlässigen sehr dichten äolischen Lössen und der in Kalksteinen entwickelten unterirdischen Karsthydrologie sehr vielfältig.[3]
Bearbeiten Stadtgliederung
Belgrad bildet mit zehn Stadtgemeinden und sieben Vorstadtgemeinden eine der Regionen Serbiens. Die Stadtgemeinden (gradska opština) sind Einheiten mit lokaler Selbstverwaltung, die Vorstadtgemeinden haben ein noch höheres Niveau der lokalen Selbstverwaltung.[4]
Die meisten Gemeinden liegen südlich der Save und der Donau. Drei Gemeinden (Zemun, Novi Beograd und Surčin) befinden sich auf der nördlichen Seite der Save, während die Gemeinde Palilula sich auf beiden Seiten der Donau befindet.
| Gemeinde | Verwaltungssitz | Fläche (km²) | Einwohner (1991) | Einwohner (2002) | Stadt/Vorstadtgemeinde |
|---|---|---|---|---|---|
| Barajevo | Barajevo | 213 | 20.846 | 24.641 | Vorstadtgemeinde |
| Voždovac | Voždovac | 148 | 156.373 | 160.768 | Stadtgemeinde |
| Vračar | Vračar | 3 | 67.438 | 58.386 | Stadtgemeinde |
| Grocka | Grocka | 289 | 65.735 | 75.466 | Vorstadtgemeinde |
| Zvezdara | Zvezdara | 32 | 135.694 | 132.621 | Stadtgemeinde |
| Zemun | Zemun | 138 | 176.158 | 191.645 | Stadtgemeinde |
| Lazarevac | Lazarevac | 384 | 57.848 | 58.511 | Vorstadtgemeinde |
| Mladenovac | Mladenovac | 339 | 54.517 | 52.490 | Vorstadtgemeinde |
| Novi Beograd | Novi Beograd | 41 | 218.633 | 217.773 | Stadtgemeinde |
| Obrenovac | Obrenovac | 411 | 67.654 | 70.975 | Vorstadtgemeinde |
| Palilula | Palilula | 451 | 150.208 | 155.902 | Stadtgemeinde |
| Rakovica | Rakovica | 31 | 96.300 | 99.000 | Stadtgemeinde |
| Savski venac | Savski venac | 14 | 45.961 | 42.505 | Stadtgemeinde |
| Sopot | Sopot | 271 | 19.977 | 20.390 | Vorstadtgemeinde |
| Stari grad | Stari grad | 5 | 68.552 | 55.543 | Stadtgemeinde |
| Surčin | Surčin | 285 | war bis 2004 Teil von Zemun |
14.292 | Vorstadtgemeinde |
| Čukarica | Čukarica | 156 | 150.257 | 168.508 | Stadtgemeinde |
| Total | / | 3.227 | 1.552.151 | 1.576.124 | - |
| Quelle: Stadt Belgrad[5] | |||||
Bearbeiten Klima
Belgrad liegt direkt am 45. Grad nördlicher Breite. Es herrscht ein gemäßigtes kontinentales Klima mit den für Europa üblichen vier Jahreszeiten. Der Herbst stellt sich als typischer Altweibersommer ein und hat längere Sonnentage und wärmere Zeitabschnitte als der Frühling. Für die aerologische Situation im Winter ist ein kalter Nordost-Wind, die Košava, charakteristisch. Sie stellt sich immer nur an zwei bis drei Tage mit Durchschnittsgeschwindigkeiten von 25 bis 43 km/h ein, doch es können in Böen auch maximale Geschwindigkeiten bis zu 130 km/h vorkommen. Als größter „Luftreiniger“ Belgrads hat sie eine besondere bioklimatische Funktion.
In der derzeit gültigen CLINO-Periode 1961 bis 1990 betrug die jährliche Durchschnittstemperatur 11,9 °C. Die wärmsten Monate sind Juli (21,7 °C) und August (21,3 °C).[6] Als kältester Monat verzeichnet der Januar eine Durchschnittstemperatur von 0,4 °C. 62 Tage im Jahr sind Frost- und 25 tropische Tage.[7] Der Frühling ist kurz und regnerisch. Der Übergang zum heißen Sommer erfolgt plötzlich, denn schon im März werden positive Einstrahlungswerte erreicht.[8]
Im Mittel scheint an 2.025 Stunden im Jahr die Sonne. Die tägliche Sonneneinstrahlung beträgt im Juli 9,2 Stunden, 8,2 im Juni und 8,6 im August, während das Minimum im Dezember 2 Stunden aufweist. Schneefalltage sind an 33,7 Tagen bei einer Schneedeckendauer von 42,7 Tagen zu verzeichnen. Die Höhe der Schneedecke beträgt dabei zwischen 14 und 25 Zentimetern.[9]
Als Extremwerte der seit 1888 erfolgenden meteorologischen Aufzeichnung wurden -26,2 °C am 10. Januar 1893 sowie 42 °C am 12. August 1921 und am 9. September 1946 gemessen. Im Messzeitraum 1888 bis 2003 wurden nur zwölf Tage mit Temperaturen über 40 °C registriert.
Die Niederschläge haben im Frühsommer ihr Maximum. Im Jahresdurchschnitt fallen 685 mm/m².
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Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Beograd Vračar auf 132 m Höhe
Quelle: Quelle: « Klima Belgrads (1960–1991)», Seite des (RHMZ) Hydrometeorologischen Instituts Serbien
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Bearbeiten Bevölkerung
Bearbeiten Einwohnerentwicklung
| Bevölkerungsentwicklung | |
|---|---|
| Jahr | Einwohner |
| 1284 | 25.000 |
| 1426 | 50.000[10] |
| 1660 | 98.000[11] |
| 1683 | 100.000[12] |
| 1878 | 50.000 |
| 1900 | 69.100[13] |
| 1914 | 100.000[14] |
| 1941 | 340.000[15] |
| 1965 | 1.000.000[16] |
| 1981 | 1.480.000[17] |
| 1991 | 1.552.151 |
| 2002 | 1.576.124[18] |
Die Einwohnerentwicklung in Belgrad war insbesondere durch den sehr dynamischen Verlauf nach dem Zweiten Weltkrieg geprägt. Die Transformation des Agrarlandes zu einem Industrieland in der Periode der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien war aber auch am Ende des Bestehens des Staates Jugoslawien nicht abgeschlossen. So war noch Anfang der 1990er nur ein Urbanisierungsgrad von 53 % erreicht. [19] Für die Industrialisierung des Staates war der Zuzug von ruraler Arbeitskraft notwendig, ein schneller Bevölkerungsanstieg um mehr als das zweieinhalbfache (in der Agglomeration) von 1948 634.000 auf 1999 1.621.000 verdeutlicht diese Entwicklung in Belgrad. [20] Die Land-Stadt Migration war noch bis in die 1980er sehr hoch, fiel danach aber merklich ab. Während der 1980er nahm dagegen insbesondere der tägliche Pendelverkehr zu, was sich durch die nicht adäquate Verkehrsinfrastruktur und die Überdimensionierung der Stadt als nachteilige Entwicklung des schnellen Bevölkerungswachstums herausstellte. [21]
Die starke Bevölkerungsmigration vom Land nach Belgrad führte zu einer Ruralisierung der Stadt, die in der Morphologie und Sozioprofession sichtbar ist (zahlreiche Schwarzbauten, Gettoisierung vor allem der Roma, Schwarzmarkt, Armut großer Bevölkerungsschichten). Die Urbane Krise durch die Diskontinuität der urbanen Entwicklung der Stadt, nur ein kleiner Bevölkerungsanteil von Belgrad lebt hier schon in der Zweiten und Dritten Generation, hat sich insbesondere in den 1990ern durch Zuzug von Flüchtlingen der im Bürgerkrieg vertriebenen und der Emigration der Hochgebildeten Stadtbevölkerung noch verstärkt. [22]
Zum Zeitpunkt der letzten Volkszählung 2002 waren etwa 1,57 Millionen Bürger in Belgrad registriert.
Bearbeiten Bevölkerungsstruktur
Die Serben stellen mit 1.417.187 Einwohnern die klare Mehrheit in Belgrad. Es folgen Jugoslawen (22.161), Montenegriner (21.190), Roma (19.191), Kroaten (10.382), Mazedonier (8.372) und Bosniaken (4.617).[23]
Die größten Gruppen der melderechtlich in Belgrad registrierten Ausländer kommen aus dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens. Die größte außereuropäische Ethnie stellen die Chinesen, die in den 1990er Jahren nach Belgrad kamen. Der Neu-Belgrader Block 70 ist unter den Belgradern als Chinatown bekannt.[24] [25]
Durch die exponierte Stellung des ehemaligen Jugoslawien in der Bewegung der Blockfreien und den guten Beziehungen zu den arabischen Staaten, kamen in den 1970er Jahren zahlreiche arabische Studenten nach Belgrad. .[26] [27] Der größte Teil der Araber in Belgrad lebt ist syrischer, jordanischer oder irakischer Abstammung.
Bearbeiten Religionen
Gemäß der Volkszählung von 2002[28] gehören 90,68 % der Belgrader der christlich-orthodoxen Konfession an, rund 1,03 % der römisch-katholischen und circa 0,24 % der evangelischen. Etwa 1,29 % bekennen sich zum Islam, 0,03 % zum Judentum, 2,02 % zu anderen Konfessionen und 3 % erklären sich als Nichtgläubige.
Belgrad ist Sitz eines orthodoxen Patriarchen (Serbisch-Orthodoxe Kirche), eines römisch-katholischen Erzbischofs und verschiedener evangelischer Landeskirchen.
Bearbeiten Stadtfest und Schutzpatron
Das Stadtfest beruht auf dem Erlass von Stefan Lazarevićs, der nach der glücklichen Rückkehr vom Schlachtfeld bei Ankara von König Sigismund 1403 Belgrad erhielt und in der neuen Residenzstadt seines Despotats den Himmelfahrtstag als Tag des Schutzpatronenfestes bestimmte.[29][30] Zugleich wählte er die Muttergottes als Schutzherrin der Stadt.
„Vom Amselfeld (Kosovo) den Osmanen (Ismailern) Untertan, bis der Zar der Perser und Tartaren ankommend sie niederschmetterte und mit göttlicher Milde mich aus ihrem Griff frei ließ. Von dort, also, kommend, fand ich bei meiner Rückkehr den berückendsten Platz, wo jeher die große Stadt Belgrad stand und ich sie jetzt zerstört und verlassen fand. Ich entschied sie neu aufzubauen und der Mutter Gottes zu weihen und ihren Bewohnern Freiheit zu schenken.“
– Stefan Lazarević: Charta von Belgrad (Povelja grada Beograda), 1405, erhalten in der Vita des Despoten von Konstantin Philosph[31][32]
Der Festtag ist mit weiteren wichtigen Ereignissen verbunden. Das Gesetzbuch Dušans (Dušanov zakonik), wurde am Himmelfahrtstag 1349 veröffentlicht und am Himmelfahrtstag 1354 ergänzt. An diesem Tag erhielt Belgrad 1939 den Karađorđes-Stern mit Schwertern vierten Grades als Kriegsauszeichnung verliehen und in der Himmelfahrtskirche wird die Fahne der Stadtverwaltung aufbewahrt. Sie besteht aus rotem Brokat mit der Ikone Christi Himmelfahrt und eine goldgestickte Inschrift: „Gemeinde der Stadt Belgrad 1938“; und auf Rückseite die Ikone der Heiligen Parascheva (Petka Paraskeva) mit der Inschrift: „Wer das Schutzpatronenfest feiert, dem steht Gott bei“. Der symbolträchtige Ort war 1992 Ausgangspunkt des ersten Prozessionzuges durch die Stadt nach 1945, der von Patriarch Pavle angeführt wurde.
Bearbeiten Geschichte
→ Hauptartikel: Geschichte Belgrads
Bearbeiten Frühgeschichte und Römisches Castrum
→ Hauptartikel: Belgrad in der Antike
Das Gebiet am Zusammenfluss von Save und Donau war seit der Mitte bis zum späten Paläolithikum besiedelt. Die neolithische Vinča-Kultur, die zwischen dem sechsten und dritten Jahrtausend vor Christus im Bereich der mittleren Donau ansässig war, wurde nach einem Belgrader Vorort benannt.[33]
Vom 6. bis zum 4. Jahrhundert v. Chr. wanderten thrakische und skythische Stämme in die Balkanregion ein, die eine erste Befestigung im 3. Jahrhundert v. Chr. durch keltische oder thrako-keltische Stämme, den Skordiskern, die durch die römische Erwähnung einer wahrscheinlich ursprünglich größeren Ansiedlung um 279 v. Chr. belegt ist. Die Römer bezeichneten die Siedlung als Singidunum, was wahrscheinlich runde Festung oder runde Stadt bedeutet und sich wohl aus dem Keltischen ableitet.
Die Römer begannen im 1. Jahrhundert v. Chr. die Gebiete bis zur Donau zu erobern. Trotz militärischer Erfolge etablierten sich die Römer erst unter Octavian (Augustus), der ab 29 v. Chr. die Provinz Moesia einrichten ließ. Der Name Singidun wurde dabei zu Singidunum latinisiert. Neben Sirmium und Viminacium ist sie ein wichtiger strategischer Punkt an der Via Militaris und dem danubischen Limes. Durch die 86 n. Chr. zur Verstärkung der Reichsgrenzen nach Singidunum verlegte Legio IV. Flavia Felix erlebte die Römerstadt ihre Blütezeit, die durch Kaiser Hadrian in der Ernennung zum Municipium und später auch im Rang einer Colonia durch die Ansiedlung von Veteranen noch an Bedeutung gewann. Die heutigen Straßenzüge in der Altstadt Belgrads zwischen den Straßen Uzun Mirkova, Dušanova, and Kralja Petra I zeigen das rechtwinkelige Straßenbild der römischen Stadt. Das Forum stand am heutigen Studentski Trg.
Bearbeiten Spätantike, Völkerwanderung und Byzanz
Im 3. Jahrhundert n. Chr. begann die Macht des römischen Imperiums an seinen Grenzen zu bröckeln. Singidunum war nach der Reichsteilung 395 nordöstlicher Grenzposten des östlichen Imperiums und wurde während der Völkerwanderung häufig durch die Barbarischen Völker heimgesucht. Die Stadt viel erstmalig 441 an die Hunnen und wurde noch durch die Züge der Sarmaten, Ostgoten und Gepiden verwüstet. Nach 510 war Singidunum in das konsolidierte Byzantinische Reich eingegliedert, das mit der von Justinian I. betriebenen Restauratio imperii, den Donaulimes absichert. Die im Brennpunkt stehende Stadt Singidunum wurde dabei in Form eines wesentlich verkleinerten, aber mit starken Mauern befestigten byzantinischen Kastrons innerhalb des alten aufgegebenen Legions-Standlagers (Castra) erneuert. Die awaro-slawische Eroberung von Sirmium bedeutete für Singidunum die Einbindung in die Abwehrkämpfe der Balkanfeldzüge des Maurikios und war zentrale Operationsbasis der römischen Armee.[34] Letztlich konnte die Landnahme der Slawen auf dem Balkan ab 612 nicht verhindert werden, wenngleich Singidunum bis 625 einen römischen Festungskommandanten hatte.[35] Die nachfolgenden 200 Jahre vergingen ohne jegliche geschichtliche Erwähnung und erst mit der Ausdehnung des Ersten Bulgarischen Reiches tauchte in lateinischen Quellen der Name Alba Bulgarica auf. Der Name Beograd (štokavisch seit ca. 1400, zuvor mit silbenschließendem -l: Bel-grad) war seit der Wanderung der Slawen Anfang des 7. Jahrhunderts etabliert. Zum ersten Mal 878 dokumentiert ist er in einem Brief des Papstes Johannes VIII. an den ersten christlichen Knjaz der Bulgaren Boris I.: episcopus Belogradensis. In byzantinischen Quellen heißt die Stadt Βελιγράδον – Veligradon. Eine gelehrte Form war Alba Graeca, was als Griechisch Weißenburg noch im 16 Jh. der gebräuchliche Name Belgrads bleibt. [36] Durch die Grenzlage blieb Belgrad auch im Mittelalter zwischen Byzanz, dem Königreich Ungarn und dem Ersten Bulgarischen Reich umstritten. Kaiser Manuel I. verstärkt die Befestigungsstellung im 12 Jh. und festigte die Nordgrenzen des Byzantinischen Reiches kurzzeitig gegen Ungarn.[37] Mit dem beginnenden Niedergang der byzantinischen Vormacht am Ende des 12. Jahrhunderts nehmen die Ungarn Belgrad 1184 ein.
Bearbeiten Hauptstadt des Serbischen Despotats
Der erste serbische König, der die Stadt regierte, war Stefan Dragutin, der von 1282 bis 1316 eine eigene Regentschaft in Konkurrenz zu seinen jüngeren Bruder Stefan Uroš II. Milutin aufbaute. Nach seinem Tod fiel Belgrad Milutin zu, doch entrissen sie ihm die Ungarn unter Karl I. 1319. Nach den Ereignissen auf dem Amselfeld verlagerte sich das serbische Kernland nach Norden und Stefan Lazarević (1389–1427) wich, den osmanisch-mongolischen Hegemonialstreit ausnutzend, mit der Residenz 1403 von Kruševac nach Belgrad aus.[38] Mit den Einnahmen aus dem Handel mit Venedig und Ragusa prosperierte das erstarkte Despotat, so dass Stefan Lazarević seine Residenz großzügig gestalten ließ. Die nach westlichem Charakter erneuerte Stadt wurde in den 23 Jahren als Residenzstadt ein kulturelles Zentrum, in dem sich Händler und Handwerker wie gelehrte und wohlhabende Bürger verschiedener Nationalitäten (Ungarn, Venezianer, Ragusaner) durch Edikte des Despoten (die Bürger, die ein Siegelbrief des Despoten besaßen, waren von vielen Abgaben befreit) ansiedelten.[39] Die Kolonien der Griechen, Zinzaren, Armenier und Ragusaner befanden sich auf einem eigenen Gebiet, dem heutigen Dorćol. Die Neubauten des Schlosses, der Bibliothek, der Belgrader Mitropolija mit der Kathedrale der entschlafenen Muttergottes (Uspenija prečiste Vladičice), die Kirche der Heiligen Petka Paraskeva, der Donauhafen, ein Krankenhaus und eine für Reisende bestimmte Herberge wurden durch die Erweiterung der Belgrader Stadtmauern und durch Trennung von Ober- (Residenz) und Unterstadt (Zivilstadt) möglich.[40] Der Hof des literarisch aktiven Stefan Lazarević erlebte eine nachdrückliche kulturelle Blüte (Palaiologische Renaissance) und war wichtige Zuflucht- und Sammelstätte orthodoxer Gelehrter die zur Etablierung einer bedeutenden spätmittelalterlichen Schreibschule (Belgrader Schreibschule) beitrug.[41] In dieser Zeit lebten in Belgrad 40.000 bis 50.000 Einwohner.
Bearbeiten Zwischen Orient und Okzident
Der Stefan Lazarević nachfolgende Despot, Đurađ Brankovićs musste Belgrad an den ungarischen König Sigismund zurückgegeben. Für Sultan Mehmed II. war nach dem Fall von Konstantinopel, Belgrad und der Abschluss der Eroberung Serbiens, das Tor zum Griff nach Mitteleuropa und am 4. Juli 1456 befehligt er die erste große Belagerung Belgrads eigenhändig an. Die christlichen Verteidiger, geführt von Johann Hunyadi, konnten diesen Angriff der neuen osmanischen Weltmacht, vor allem durch die von Stefan Lazarevic zuvor nach Erkenntnissen Orientalischer- und Kreuzfahrerburgen ausgeführte, aufwendige Neukonstruktion der Burg, mit einer turmreichen und wassergrabenbewährten Kastellburg, mit mächtigem Donjon und einer äußeren grabenumgebenen großen Doppelmauer, mit stark geschützten Toren, nicht nur erfolgreich abwehren, sondern vielmehr den im Kampf verwundeten Sultan und das osmanische Heer in panikartiger Flucht vertreiben.[42] [43] Nach dem Sieg, der, nach damaliger Ansicht, das Schicksal der Christen entschied, ordnete Kalixt III. (Calictus III) das Mittagsläuten, das bis heute in allen Kirchen der Welt ertönt, an. Erst unter Süleyman I. kann Belgrad schließlich, am 28. August 1521, von einem jetzt weit überlegenen Gegner, eingenommen werden.
Die Stadt wurde schnell zum Verwaltungszentrum des Sandschaks Smederevo [44] und diente danach als wichtiger Stützpunkt für die Feldzüge gegen Ungarn. 1594 wurde ein serbischer Aufstand gewaltsam unterdrückt und als Rache dafür, die Reliquie des serbischen Nationalheiligen Sveti Savas auf dem Vračar, wo zur Erinnerung die Gedenkkathedrale des Heiligen im 20 Jh. errichtet wurde, verbrannt.[45] In osmanischer Zeit war Belgrad eine wichtige Handelsstadt an der Karawanenstraße zwischen Buda und Konstantinopel in der Kaufleute und Händler unterschiedlicher Herkunft (Türken, Armenier, Griechen und Romas) lebten. Nach Evliya Çelebi hatte Belgrad 1660 98.000 Einwohner, von denen 21.000 nicht islamischen Glaubens waren.[46] Durch die lange osmanische Herrschaft prägte das orientalische Bild die Stadt noch zu Anfang des 20. Jahrhunderts.[47]
Nach der erfolgreichen Abwehr der Türken vor Wien 1683 konnte die Heilige Liga im Großen Türkenkrieg die Osmanen bis hinter Belgrad zurückdrängen. Unter dem Kommando von Max Emanuel, des Kurfürsten von Bayern, begann die Belagerung Belgrads Anfang August 1688 und am 6. September 1688 wurde die Stadt eingenommen. Die Österreicher können Belgrad insgesamt drei Mal einnehmen (1688–1690, 1719–1739, 1789–1791) jedoch nie dauerhaft halten. Durch die ständigen Kämpfe beginnen die Osmanen Belgrad Dar Ul Jihad, was soviel bedeutet wie Haus des Krieges, zu nennen.[48]
Bearbeiten Nationale Befreiungskriege und Aufbruch in die Moderne
1804 begannen die Serben unter Führung von Karađorđe den ersten Aufstand gegen die Osmanen, der sich insbesondere gegen die einflussreichen Janitscharen richtete. Die Aufständischen hielten Belgrad vom 8. Januar 1806 bis 1813.[49] 1815 erfolgte unter Miloš Obrenović die zweite Rebellion, die zu einer Anerkennung eines autonomen Fürstentums führte. Belgrad wurde mit Ausnahme der Festung, wo ein osmanisches Regiment noch bis 1867 verblieb, Bestandteil des neuentstandenen Fürstentums Serbien. Erst am 18. April 1867 verließ der letzte osmanische Festungskommandant das Fürstentum; die Hauptstadt wurde von Kragujevac nach Belgrad verlegt, was die 346-jährige Herrschaft der Osmanen in Belgrad besiegelte. Mit den Ergebnissen des Berliner Kongresses 1878 entwickelte sich Belgrad zu einer Schlüsselstadt des Balkans, die insbesondere von einer schnellen, auch industriellen, Modernisierung der Hauptstadt im agrarisch geprägten Serbien begleitet wurde.[49][50] Die Einwohnerzahl stieg bis 1900 auf 69.100, doch schon 1905 waren es über 80.000 Einwohner und vor dem Ersten Weltkrieg um die 100.000.[51] [52] [53]
Bearbeiten Weltkriege
Nach dem Sturz der Dynastie Obrenović 1903 veränderte sich die politische Situation, die zu den Krisen der Balkankriege führte und aus einem latenten einen enthemmten Konflikt um die Vormacht der Südslawen zwischen Österreich-Ungarn und dem Königreich Serbien machte. Mit Gavrilo Princips Attentat auf den österreichisch-ungarischen Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau Sophie Chotek in Sarajevo am 28. Juni 1914 und der folgenden Julikrise erwuchs aus dem Regionalkonflikt der Erste Weltkrieg. Belgrad wurde am 29. Juli 1914, einen Tag nach der Kriegserklärung, von Oskar Potiorek angegriffen. Die serbischen Truppen unter Marschall Radomir Putnik verteidigten die Stadt letztlich erfolgreich, die zweimal von Österreich-Ungarn eingenommen wurde, aber nicht gehalten werden konnte. Durch Eingreifen des Deutschen Reiches fiel Belgrad am 9. Oktober 1915 in die Hand der Mittelmächte, die sich bis zum 5. November 1918 dort hielten.
Nach dem Krieg war Belgrad Hauptstadt des neu gegründeten Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen. In der Zwischenkriegszeit erlebte die Stadt ein schnelles Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum mit einer raschen Modernisierung, die für die Stadtentwicklung schon 1923 einen urbanen Masterplan erforderlich machte.[54] Die Bevölkerung wuchs von 1931 mit 239.000 Einwohnern (mit Zemun, das früher zu Österreich-Ungarn gehörte) bis 1940 auf 320.000 Einwohner. Das Bevölkerungswachstum zwischen 1921 und 1948 lag bei durchschnittlich 4,08 % pro Jahr.[53] 1927 wurde in Belgrad der erste Flughafen eröffnet und 1929 nahm die erste Radiostation ihren Betrieb auf.[55]
Am 25. März 1941 unterzeichnete Prinzregent Paul von Jugoslawien den Dreimächtepakt, was zu einer Revolte führte und als Reaktion Adolf Hitlers zum deutschen Angriff am 6. April 1941 auf das Königreich Jugoslawien auslöste. Das Bombardement der deutschen Luftwaffe fügte Belgrad schwere Schäden zu, u. a. wurde die Nationalbibliothek durch einen Brand zerstört. Schätzungsweise 1700 Belgrader waren als Opfer des Bombardements zu beklagen.[56] Im Jahr 1941 fand eine Anti-Freimaurer-Ausstellung statt. Die Okkupatoren setzten die Marionettenregierung Milan Nedić ein. Im Sommer und Herbst 1941 begannen Übergriffe auf die zivile Bevölkerung. Zur Ermordung der Juden wurde mitten in der Stadt im Messegelände das KZ Sajmište sowie am Stadtrand das KZ Banjica errichtet, in denen bis Kriegsende über 100.000 Menschen umkamen. Die jüdische Gemeinschaft, die seit der Pestseuche 1643 am Donauhang in Dorčol im Stadtteil Stari Grad siedelte, zählten vor dem Zweiten Weltkrieg 12.000 Einwohner, von denen nur 1115 die Okkupation überlebten. An den Holocaust an den Juden erinnert in Belgrad ein Mahnmal beim ehemaligen jüdischen Viertel am Donauufer.[57]Der Terror an der Bevölkerung fand mit dem Erschießungsbefehl von General Franz Böhme, der deutsche Militärgouverneur in Serbien, für jeden getöteten deutschen Soldaten 100 Serben oder Juden zu erschießen, einen Höhepunkt.[58]
Im Zuge der alliierten Angriffe auf die rumänischen Ölfelder bei Ploiesti wurde Belgrad als Ausweichziel am 16. April 1944 bombardiert, was 1600 Menschen das Leben kostete. Die Rote Armee und die Jugoslawische Volksbefreiungsarmee befreiten Belgrad mit der Belgrader Operation am 20. Oktober 1944 und Marschall Josip Broz Tito proklamierte dort am 29. November 1945 die Föderative Volksrepublik Jugoslawien.
Bearbeiten Im Zeichen des sozialistischen Aufbruchs und der Krise Jugoslawiens
Von 1944 bis 1991 war Belgrad sowohl die Hauptstadt des blockfreien sozialistischen Jugoslawiens als auch der Teilrepublik Serbien. Neu-Belgrad (Novi Beograd), eine moderne Siedlung an der Mündung der Save in die Donau gegenüber der Altstadt, wurde ausgebaut.
Belgrad war vom 1. bis 6. September 1961 Gastgeberin der Gründungskonferenz der Blockfreien Staaten. Im eigens dafür errichteten Sava Centar fand vom Oktober 1977 bis zum März 1978 die erste Nachfolgekonferenz der KSZE statt.
Mit der Verabschiedung einer neuen jugoslawischen Verfassung 1974 und der damit verbundenen Stärkung der der föderativen Elemente wie auch der Bildung der autonomen Provinzen Kosovo und Vojvodina gab es auf den Straßen Belgrads Proteste (das so genannte nationale Moment). Sie gingen von der überwiegend serbischen Bevölkerung in Belgrad aus, die den Führungsstil Titos in dieser Zeit immer mehr hinterfragte.[59] Nach dem Zerfall des Zweiten Jugoslawien 1991 wurde Belgrad Hauptstadt der neu gebildeten Bundesrepublik Jugoslawien.
Am 24. März 1999 begann die NATO im Zuge des Kosovokrieges mit Luftangriffen gegen die Bundesrepublik Jugoslawien, von denen auch Belgrad betroffen war. An einzelnen Stellen sind im Stadtbild nach wie vor Kriegsruinen zu sehen, die weder abgetragen noch wiederaufgebaut wurden.[60]
Am 5. Oktober 2000 stürzten aufgebrachte Bürger, die sich den Protesten der Studentenbewegung Otpor anschlossen, weitgehend gewaltlos das Regime des jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milošević in Belgrad. Dabei wurde das Parlamentsgebäude der Bundesrepublik Jugoslawien von der aufgebrachten Menge in Brand gesetzt.
Vom 4. Februar 2003 bis zum 3. Juni 2006 war Belgrad Hauptverwaltungssitz der Staatenunion Serbien und Montenegro und ist seit der Loslösung Montenegros Hauptstadt der unabhängigen Republik Serbien.[61]
Bearbeiten Politik
Belgrad ist das Verwaltungszentrum und der Regierungssitz der Republik Serbien. Die Stadt bildet eine eigenständige politische Einheit, die von der Stadtregierung verwaltet wird. Der erste demokratisch gewählte Bürgermeister seit dem Zweiten Weltkrieg war 1996–97 Zoran Đinđić. Von 2004 bis zu seinem Tod am 27. September 2007 war Nenad Bogdanović von der Demokratischen Partei (DS) Bürgermeister Belgrads. Die Nachfolge Bogdanovićs nahm Zoran Alimpić bis zum 10. Mai 2008 auf sich.
Am 11. Mai 2008 wurden in ganz Serbien Lokalwahlen durchgeführt. Nach den Lokalwahlen wurden die Sitze in der Stadtverordnetenversammlung Belgrads wie folgt verteilt:
| Partei | Stimmen | % | Sitze |
|---|---|---|---|
| Für ein europäisches Belgrad | 354.462 | 38,87 | 45 |
| Serbische Radikale Partei | 316.357 | 34,69 | 40 |
| Demokratische Partei Serbiens – Neues Serbien | 100.459 | 11,02 | 12 |
| Liberale Demokratische Partei | 62.419 | 6,84 | 7 |
| Sozialistische Partei Serbiens – Partei der vereinigten Pensionäre Serbiens – Einiges Serbien | 47.266 | 5,18 | 6 |
| Die Grünen EKO | 3.738 | 0,41 | - |
| Bewegung der Kraft Serbiens | 2.698 | 0,3 | - |
| Union der Romas Serbiens | 1.452 | 0,16 | - |
| Partei der Romas | 1.404 | 0,15 | - |
| Radikale Volkspartei – Nationale Bewegung für Belgrad | 1.230 | 0,13 | - |
| Total Stimmen (Wahlbeteiligung: 58,74 %) | 891.485 | 100 | 110 |
| Quelle: Civic Electoral Commission of the City of Belgrade | |||
Am 19. Mai 2008 einigte sich eine Koalition Für ein europäisches Belgrad (DS, G17+, SPO, u.a.), der Socijalistička Partija Srbije (SPS) und der Liberalno-demokratska partija (LDP) auf Dragan Đilas (DS) als neuen Bürgermeister.[62]
Bearbeiten Partnerstädte
Belgrad unterhält Städtepartnerschaften mit folgenden Städten[63]:
- Coventry (Vereinigtes Königreich), seit 1957
- Chicago (USA), seit 2005
- Lahore (Pakistan), seit 2007
- Tel Aviv (Israel), seit 1990
- Wien (Österreich), seit 2003
Eine Zusammenarbeit und Freundschaft pflegt Belgrad mit:
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