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Dieser Artikel behandelt die biblischen Schriften; zum gleichnamigen Film siehe Die Bibel (Film).
Die Bibel Christians III. von DĂ€nemark, Kopenhagen, 1550 – die erste dĂ€nische Übersetzung – in 3000-facher Auflage

Als Bibel (auch Buch der BĂŒcher) bezeichnen das Judentum und das Christentum jeweils eine eigene Sammlung von Schriften, die fĂŒr sie das Wort Gottes enthalten und als Heilige Schrift Urkunden ihres Glaubens sind.

Es handelt sich um verschiedene redaktionelle Zusammenstellungen von „BĂŒchern“ (griechisch: biblia) aus dem Kulturraum der Levante und dem Vorderen Orient, die im Verlauf von etwa 1200 Jahren entstanden sind und bis zum 2. Jahrhundert zuerst von Juden, dann auch von Christen kanonisiert wurden.

Die hebrĂ€ische Bibel, der Tanach, besteht aus den drei Hauptteilen Tora (Weisung), Nevi'im (Propheten) und Ketuvim (Schriften). Diese BĂŒcher bilden in anderer Anordnung und geringfĂŒgig anderem Umfang als Altes Testament auch den ersten Hauptteil der christlichen Bibel, ergĂ€nzt durch das Neue Testament. In dieser Form ist die Bibel das am weitesten verbreitete und hĂ€ufigsten publizierte schriftliche Werk der Welt.

Auch der Islam erkennt prinzipiell die ganze Bibel und mit ihr seine beiden VorgĂ€ngerreligionen als gĂŒltiges, wenn auch von Menschen teilweise verfĂ€lschtes Offenbarungszeugnis Allahs an.

Inhaltsverzeichnis

Begriffe

Das Wort „Bibel“ stammt vom griechischen Neutrum ÎČÎčÎČÎ»ÎŻÎżÎœ, das „Papyrusrolle“ bedeutet. Dieser Wortstamm ist von bĂ­blos oder bĂœblos abgeleitet und bedeutet „Papyrusstaude“ oder „Papyrusbast“: So hieß auch die phönizische Hafenstadt Byblos, die in der Antike ein Hauptumschlagplatz fĂŒr Bast war, dem Rohstoff zur Herstellung der Papierrollen.

Der Plural biblia („Schriftrollen, BĂŒcher“) wurde spĂ€ter irrtĂŒmlich als Singular eines lateinischen Femininums aufgefasst. Zugleich wurde das Wort synonym mit dem ebenfalls weiblichen Ausdruck „Heilige Schrift“ (griech. hagia graphae) verstanden. Insofern trifft die populĂ€re Bezeichnung „Buch der BĂŒcher“ zu.

Im Judentum wie im Christentum gilt diese Schriftsammlung als Offenbarungszeugnis Gottes und hat daher fĂŒr die gesamte ReligionsausĂŒbung normativen Charakter. Dies zeigen die bei ihrer Zusammenstellung wirkenden Redaktionen und spĂ€teren Kanonisierungen ebenso wie ihre Bezeichnungen als „Wort Gottes“ oder „Heilige Schrift“.

Von Ausnahmen wie der zeitweise im Katholizismus und lutherischer Orthodoxie gĂŒltigen Theorie der Verbalinspiration abgesehen, wird die Bibel in den meisten Religionsgemeinschaften, die sich auf sie beziehen, nicht direkt und vollstĂ€ndig als Ergebnis göttlicher Eingebung oder göttlichen Diktats aufgefasst, sondern als menschliches Zeugnis, das Gottes Offenbarungen enthĂ€lt, reflektiert und weitergibt. Diese schriftliche Überlieferung ist jedoch gegenĂŒber ihrem Inhalt nicht beliebig und wurde daher auf verschiedene Weise vor VerfĂ€lschung und Erweiterung zu schĂŒtzen versucht. Die meisten christlichen Konfessionen lehren, dass die Bibel von Gott inspiriert ist, ihre Schreiber also „vom Heiligen Geist getrieben“ bzw. bewegt und vor schwerwiegenden Fehlern bewahrt wurden.

FĂŒr das Judentum ist primĂ€r die Tora, darin vor allem der Bundesschluss am Sinai „Wort Gottes“ und damit der „Kanon im Kanon“. FĂŒr Christen ist Jesus Christus das eigentliche, maßgebende, alle Ă€ußeren Worte erhellende Zentrum der ganzen Bibel. Mit der Kanonisierung des Neuen Testaments entschied die Kirche zugleich, grundsĂ€tzlich auch die heiligen Schriften des Judentums bleibend als „Wort Gottes“ anzuerkennen und aufzunehmen. Die Interpretation beider „Testamente“ ist hier wechselseitig aufeinander angewiesen, wobei Kreuzigung und Auferstehung Jesu Christi das Hauptkriterium bleiben. Aber auch dessen VerstĂ€ndnis unterscheidet sich zwischen den christlichen Konfessionen.

FĂŒr Katholiken ist die Überwindung der ErbsĂŒnde durch Jesu stellvertretendes SĂŒhneopfer, daraufhin das Zusammenwirken von menschlicher BemĂŒhung und Gottes Gnadenangebot (Synergismus) zentraler Inhalt der biblischen Zeugnisse von Gott. Protestanten finden die Mitte der Schrift im Anschluss an Martin Luther dagegen im reinen Gnadengeschenk Jesu Christi ohne jedes eigene Zutun. FĂŒr die Liberale Theologie ist dagegen meist das menschliche Vorbild des historischen Jesus und die eigene religiöse Erfahrung Maßstab der Schriftauslegung.

Manche Evangelikalen und Freikirchen vor allem in den USA schreiben der Bibel auch heute noch eine „Irrtumsfreiheit“ (Inerrancy) zu und reagieren damit auf die als Angriff auf die Glaubensgrundlagen empfundene historische Bibelkritik seit der AufklĂ€rung. Dabei wird der Bibeltext unmittelbar mit der Offenbarung Gottes gleichgesetzt. Diese Auffassung wird oft als Biblizismus oder christlicher Fundamentalismus bezeichnet.

Die jĂŒdische Bibel

Der Tenakh oder Tanach ist nach den drei Anfangsbuchstaben seiner Hauptteile benannt und wurde zuerst ĂŒberwiegend in HebrĂ€isch, kurze Passagen auch in AramĂ€isch verfasst. Die Sammlung, schriftliche Fixierung und redaktionelle Überarbeitung seiner EinzelbĂŒcher verlief ĂŒber mehr als tausend Jahre bis zum Abschluss des jĂŒdischen Kanons um 135.

Tora

Der erste Hauptteil besteht aus den fĂŒnf BĂŒchern Moses, die auch Pentateuch („fĂŒnf Buchrollen“) genannt werden. Die Einteilung beruhte darauf, dass der Umfang unmöglich auf einer antiken Buchrolle Platz fand, erfolgte aber auch nach inhaltlichen Gesichtspunkten: Jedes der BĂŒcher hat einen klaren Anfang und eine deutliche ZĂ€sur am Ende.

Der Begriff „Tora“ bedeutet „Weisung“ und bezieht sich nicht nur auf die jĂŒdischen religiösen und profanen Gesetze im engeren Sinn – diese sind Hauptinhalte des 2. und 3. Buchs Mose –, sondern auf die gesamte, seit der Schöpfung geoffenbarte Lebensordnung fĂŒr das erwĂ€hlte Volk Gottes. Die EinzelbĂŒcher heißen im HebrĂ€ischen nach ihren ersten Worten; in der Kirchensprache Latein, die darin der griechischen BibelĂŒbersetzung folgte, bezeichnen sie das Hauptthema des jeweiligen Buchs:

  • Bereshit („Im Anfang“) / Genesis („Schöpfung, Ursprung“)
  • Schemot („Die Namen“) / Exodus („Auszug“)
  • Wajikra („Und er rief“) / Levitikus („Priesterschrift“)
  • Bemidbar („In der WĂŒste“) / Numeri („Zahlen“)
  • Devarim („Die Worte“) / Deuteronomium („Zweites Gesetz“).

Die Tora umfasst demnach die Geschichte der Welt und des Gottesvolks Israel als Heilsgeschichte, beginnend mit der Schöpfung und den Geschichten der ErzvĂ€ter, Israels Auszug aus Ägypten, der Gesetzgebung unter Mose und dem Zug ins verheißene Land. Sie wurde wohl schon im 6. vorchristlichen Jahrhundert kanonisiert.

Ihre Ă€ltesten Stoffe entstanden im Verlauf von Wanderungsbewegungen von Nomaden im Zweistromland und aus Ägypten, die seit etwa 1200 v. Chr. in das Kulturland Kanaan einsickerten und dort sesshaft wurden. Sie wurden ĂŒber Jahrhunderte zunĂ€chst mĂŒndlich tradiert. Ihre Verschriftung und Zusammenstellung begann um 1000 v. Chr., nachdem aus dem losen StĂ€mmebund verschiedener HebrĂ€er ein Staatswesen nach dem Vorbild antiker Monarchien geworden war.

Propheten

Als Propheten gelten im Judentum die angenommenen Autoren folgender BĂŒcher:

Die ersten vier dieser BĂŒcher erzĂ€hlen die Geschichte Israels vom Tod des Mose, der Landverteilung an die StĂ€mme bis zum Ende der beiden Staaten Israel und Juda und der Zerstörung des ersten Jerusalemer Tempels (586 v. Chr.). Sie werden im Christentum nicht zu den Propheten gezĂ€hlt, sondern als GeschichtsbĂŒcher betrachtet.

Die folgenden drei großen Propheten sind nach Analogie der drei ErzvĂ€ter jeweils einem Buch zugeteilt; die ĂŒbrigen kleinen Propheten sind als Analogie zu den zwölf Söhnen Jakobs, den angenommenen StammvĂ€tern der StĂ€mme Israels, in zwölf BĂŒcher eingeteilt.

Das erste Prophetenbuch betont gleich zu Beginn (Jos 1,5) die Unterordnung des Josua unter die AutoritĂ€t des Mose; Maleachi schließt als letzter der zwölf kleinen Propheten mit der erneuten RĂŒckbindung an das mosaische Gesetz. Diese Hierarchie gilt also fĂŒr alle Propheten, die demgemĂ€ĂŸ erst recht spĂ€t kanonisiert wurden: frĂŒhestens im 4. Jahrhundert v. Chr. nach der Abspaltung der Samaritaner, fĂŒr die allein die Tora Wort Gottes blieb.

Andererseits betont die ganze Prophetie die Offenheit der Geschichte Israels fĂŒr eine ganz neue, noch nicht offenbar gewordene Zukunft. Das PhĂ€nomen der prophetischen Zukunftsverheißung, die die ganze Schöpfung in Gottes Geschichte mit dem erwĂ€hlten Volk einbezieht und ihre radikale Erneuerung thematisiert, ist ein Hauptmerkmal des Judentums im Unterschied zu anderen antiken Religionen. Sie setzte sich in der Zeit Jesu von Nazarets mit dem Auftreten Johannes des TĂ€ufers fort.

Schriften

Zu den „Schriften“ (Ketuvim) des Tanach gehören:

In diesen Werken ist eher wörtliche Rede von Menschen als von Gott ĂŒberliefert. Sie sind alle nach dem Exil und spĂ€ter entstanden als die vorherigen „klassischen“ Propheten, ĂŒberwiegend ab 200 v. Chr. Einige sind vor oder parallel zu den zwölf kleinen Propheten entstanden. Dennoch ist ihre theologische Bedeutung diesen nachgeordnet. Ihre Kanonisierung geschah spĂ€t, fĂŒr das Buch Daniel erst 135 n. Chr. mit dem Abschluss des Tanach.

Nur fĂŒnf dieser BĂŒcher werden als „Festrollen“ (Megillot) im Synagogengottesdienst verlesen und sind wichtigen Festen des Judentums zugeordnet:

Psalm 1,1–2 nach dem Text der BHS

Auch dieser dritte Hauptteil bezieht sich betont am Anfang auf die Tora (Ps 1,1a-2 LUT):

„Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen, 
 sondern hat Lust am Gesetz des Herrn und sinnt ĂŒber seinem Gesetz Tag und Nacht!“

Das zweite Chronikbuch endet mit dem Ausblick auf den Neubau des Tempels und die Anerkennung JHWHs als Herrn der ganzen Erde: Auch hier ist Israels Zukunftsperspektive untrennbar mit der Weltgeschichte verknĂŒpft.

Die christliche Bibel

Altes Testament (AT)

Hauptartikel: Altes Testament

Alle kanonischen Schriften des jĂŒdischen Tanach haben – wenn auch in teilweise anderer Reihenfolge – Eingang in das christliche „Alte Testament“ gefunden. DarĂŒber hinaus erkennen die nicht-protestantischen Kirchen noch einige weitere jĂŒdische Schriften, die nur in der Septuaginta, der griechischen Übersetzung des Tanach, enthalten sind, als kanonisch an. So umfasst die Bibel der römisch-katholischen Kirche zusĂ€tzlich folgende Deuterokanonen:

Der Kanon der Orthodoxie umfasst neben dem oben beschriebenen katholischen Kanon:

  • ein so genanntes 1. Buch Esra, so dass das hebrĂ€ische Esra-Buch dann als 2. Buch Esra gilt; (auch bekannt als 3. Esra)
  • 3. MakkabĂ€er
  • Psalm 151,

als Anhang

sowie in den slawischen Kirchen eine

Neues Testament (NT)

Hauptartikel: Neues Testament

Das NT entstand zwischen 50 und ca. 130 n. Chr. im jĂŒdisch-christlichen Umfeld des östlichen Mittelmeerraums. Es ist fast durchgĂ€ngig in einer damals weit verbreiteten umgangssprachlichen Form des Griechischen, der so genannten KoinĂ©, verfasst. Zudem enthĂ€lt es einige aramĂ€ische Begriffe und Zitate. AramĂ€isch war die damalige Umgangssprache im Land Israel und zeitweise lingua franca des antiken Nahen Ostens.

Das NT besteht aus erzÀhlenden Schriften, vor allem den vier Evangelien:

sowie der

und belehrender Briefliteratur:

sowie einem apokalyptischen Visionszyklus:

Die Zugehörigkeit dieser Schriften zum NT ist in allen christlichen Religionsgemeinschaften unumstritten. Nur die Syrisch-Orthodoxen Kirchen erkennen einige davon nicht an. Die Johannesoffenbarung wird auch bei den anderen Orthodoxen nicht öffentlich verlesen.

Das NT erzĂ€hlt in den Evangelien von Jesus von Nazaret, der als Christus bezeichnet wird, und in der Apostelgeschichte von den AnfĂ€ngen der Kirche. Dabei wird der ĂŒberwiegende Teil des ErzĂ€hlstoffes unter Aufnahme und in Auseinandersetzung mit den Erfahrungen des Volkes Israel und unter Verwendung alttestamentlicher Themen und Bilder dargestellt. In den Briefen versuchen die Autoren, Antworten auf Glaubensfragen zu geben, das Leben in den neuen Gemeinden zu organisieren, auf dort anstehende Probleme zu reagieren und den Christen ihrer Zeit mit mahnenden und tröstenden Worten zur Seite zu stehen.

Das VerhÀltnis von AT und NT zueinander

Das Christentum nennt die bereits lange vor seiner Entstehung vorliegende jĂŒdische Sammlung heiliger Schriften „Altes“ Testament im GegenĂŒber zum „Neuen“ Testament. Der lateinische Begriff testamentum ĂŒbersetzt den griechischen Ausdruck diatheke, der seinerseits das hebrĂ€ische berith (Bund, VerfĂŒgung) ĂŒbersetzt. Er steht nicht wie in der antiken Umwelt fĂŒr ein zweiseitiges VertragsverhĂ€ltnis, sondern fĂŒr eine einseitige unbedingte WillenserklĂ€rung. Dies bezieht sich im Tanach auf Gottes heilsstiftende Taten und Bekundungen in der menschlichen Geschichte, besonders auf seinen Bundesschluss mit dem ganzen Volk Israel am Berg Sinai nach der Offenbarung der Gebote (Ex 24). Ihm gehen Gottes Schöpfungsbund mit Noach (Gen 9), die Berufung Abrahams zum „Vater vieler Völker“ (Gen 12) und der Bund mit Mose zur Befreiung des Volkes Israel aus der Sklaverei voraus (Ex 3). Zudem wird in der Prophetie ein „neuer Bund“ verheißen (Jer 31), der alle Völker einbeziehen werde (Joel 4).

FĂŒr Christen hat sich diese Verheißung in Jesus Christus als dem sterblicher Mensch gewordenen Wort Gottes erfĂŒllt. In seinem Tod und seiner Auferstehung wurde fĂŒr sie Gottes „letzter Wille“ offenbar. Damit wurde Gottes Bund mit dem erwĂ€hlten jĂŒdischen Gottesvolk fĂŒr die Urchristen aber nicht ersetzt, sondern erfĂŒllt und so endgĂŒltig bekrĂ€ftigt. Beide Testamente liegen als Gottes endgĂŒltige Offenbarung in verbindlicher Schriftform vor und beanspruchen ĂŒber Jesu Tod hinaus unbedingte Geltung. Die GegenĂŒberstellung von „altem“ und „neuem“ Bund ist besonders auf die Zentraldaten beider Religionen bezogen: den Exodus Israels, die Kreuzigung und Auferstehung Jesu. Sie werden gemeinsam als jene Taten Gottes aufgefasst, in denen er sein volles Wesen zeigt. Sein letzter Wille widerspricht seinem ersten Willen nicht, sondern bestĂ€tigt und erneuert ihn fĂŒr die ganze Welt.

In der Christentumsgeschichte wurde der Begriff „Altes Testament“ jedoch bis 1945 meist als Herabsetzung gedeutet: Das Judentum galt als veraltete, ĂŒberholte, von der Kirche abgelöste und zum Untergang bestimmte Religion. Die Gesetzesoffenbarung Gottes am Sinai sei vom Selbstopfer Jesu Christi auf dem HĂŒgel Golgota abgelöst worden. Gott habe Israel „enterbt“ und den Christen die Verheißungen ĂŒbergeben, so dass Heil nur noch in der Kirche liege (siehe Substitutionstheologie).

Wegen der fatalen Folgen dieses Antijudaismus bis hin zum Holocaust wird der Begriff „Altes Testament“ heute von den Großkirchen und vielen Theologen zwar nicht aufgegeben, aber oft als „Erstes Testament“ ĂŒbersetzt. Um Vorrang und Weitergeltung des lebendigen Bundes Gottes mit seinem Volk Israel zu betonen und die traditionelle religiöse Diskriminierung des Judentums zu ĂŒberwinden, verwenden viele Christen auch die Bezeichnung „HebrĂ€ische“ oder „JĂŒdische Bibel“ oder „HebrĂ€isch-AramĂ€ische Schriften“.

Gleichwohl weicht deren inhaltliche Deutung in beiden Religionen, aber auch teilweise zwischen den verschiedenen christlichen Konfessionen voneinander ab. So haben nicht alle Teile der Tora fĂŒr Christen denselben Rang und die gleiche GĂŒltigkeit wie fĂŒr Juden, da sie in ihrem Glauben durch Jesus Christus bereits erfĂŒllt, auf die Gottes- und NĂ€chstenliebe konzentriert und so in gewisser Weise relativiert wurden. FĂŒr Christen spielt auch die mĂŒndliche Tora-Auslegung (Halacha) keine Rolle, die im Talmud fixiert wurde und im Judentum nahezu gleichrangig mit der Tora tradiert wird.

Erst in neuerer Zeit hat die von der Judaistik lernende neutestamentliche Forschung wiederentdeckt, dass Jesu eigene VerkĂŒndigung zu weiten Teilen eine Form der Halacha im Dialog mit anderen damaligen jĂŒdischen Gruppen war. Dabei wird die traditionelle Deutung etwa der Bergpredigt als „Aufhebung“ der Tora, die jĂŒdische Gebote wie das Ius talionis („Auge fĂŒr Auge“) außer Kraft setze bzw. auf allgemein gĂŒltige Normen hin transzendiere, heute vielfach als von christlichen Vorurteilen bestimmte Fehldeutung angesehen (siehe dazu Feindesliebe).

Heute stimmen fast alle christlichen Konfessionen darin ĂŒberein, dass beide Teile gleichberechtigt die christliche Bibel ausmachen und ihre Deutung wechselseitig aufeinander angewiesen ist. Die christliche Exegese interpretiert das Alte und das Neue Testament daher unabhĂ€ngig voneinander, um die eigenstĂ€ndige Bedeutung des Alten Testament hervorzuheben und vor einer voreiligen Deutung aus neutestamentlicher Perspektive vorzubeugen. So sprechen Alttestamentler wie Walther Zimmerli von einem auch durch das NT nicht abgegoltenen „VerheißungsĂŒberschuss“ des AT. FĂŒr die christliche Theologie ist jedoch Jesus Christus die endgĂŒltige ErfĂŒllung des Bundes mit Israel und damit auch der Maßstab dafĂŒr, dass und inwiefern das Alte Testament wahr ist und bleibt.[1]

Textgeschichte

Älteste Handschriften

Antike Handschriften waren Papyrus- oder Leder-Rollen, die mit ruß- und harzhaltiger Olivenöl-Tinte beschrieben wurden. Eine Rolle konnte wegen der Handhabbarkeit nur begrenzte Inhalte aufnehmen. Die Ă€lteste noch erhaltene vollstĂ€ndige Rolle eines biblischen Buches ist die in Qumran aufgefundene, 7,34 Meter lange Jesajarolle aus Schafsleder, die um 180 v. Chr. entstand. Von weiteren BĂŒchern des Tanach aus dieser Zeit existieren vielfach nur noch Fragmente.

Im 1. Jahrhundert n. Chr. entstand mit dem Kodex eine Handschriftenform, die auch lĂ€ngere Texte und Zusammenstellungen mehrerer Schriften aufnehmen konnte. Kodices konnten ebenfalls aus Papyrus oder Pergament gefertigt sein. Reste von Papyruskodices mit griechischen alt- und neutestamentlichen Texten stammen aus dem 2. und 3. Jahrhundert: Der Ă€lteste existierende Text des NT ĂŒberhaupt ist der Papyrus \mathfrak{P}52, ein Kodex-Fragment mit einem Text aus dem Johannesevangelium, entstanden etwa um 125. Neutestamentliche Texte in Rollenform sind bisher nicht gefunden worden.

Der hebrĂ€ische Tanach war in Teilen bereits seit etwa 250 v. Chr. in Alexandria in die griechische Verkehrssprache, die KoinĂ©, ĂŒbersetzt worden und wurde um 100 n. Chr. abgeschlossen. Die Ausbreitung des Christentums trug entscheidend zur Bewahrung dieser griechischen BibelĂŒbersetzung, der Septuaginta, bei. Ihre Ă€ltesten vollstĂ€ndigen Texte, die zugleich auch das ganze NT enthalten, sind der Codex Sinaiticus und der Codex Vaticanus aus dem 4. Jahrhundert, dicht gefolgt vom Codex Alexandrinus aus dem 5. Jahrhundert. Auf sie geht auch die lateinische Übersetzung des Hieronymus zurĂŒck. Dieser bildet seinerseits die Grundlage der Vulgata als der in der römisch-katholischen Kirche gĂŒltigen BibelĂŒbersetzung.

Mit der endgĂŒltigen Kanonisierung des Tanach um 135 ergab sich die Notwendigkeit einer einheitlichen Fassung und Vokalisierung der hebrĂ€ischen Konsonantenschrift. Damit begann die tausendjĂ€hrige Arbeit der Masoreten. Auf ihrer Textvereinheitlichung beruhen die ersten vollstĂ€ndigen hebrĂ€ischen Bibelhandschriften des Mittelalters, allen voran der Codex Petropolitanus von 1008. Diese hebrĂ€ische Version des Tanach galt seit der Renaissance als gemeinsame Urform all seiner spĂ€teren Übersetzungen, darunter der des Erasmus von Rotterdam und damit auch dem Alten Testament der Lutherbibel.

Die Auffindung ausrangierter Bibelfragmente in der Synagoge von Kairo um 1850, vor allem aber der Schriftrollen vom Toten Meer (1947–1956 und 1961) brachte die Annahme eines einheitlichen hebrĂ€ischen „Urtextes“ teilweise zum Einsturz: Vor und nach seiner Kanonisierung existierten mehrere voneinander abweichende Textvarianten des Tanach parallel zueinander, neben der Septuaginta vor allem der Samaritanische Pentateuch aus dem 4. Jahrhundert v. Chr.

Die neuen Schriftfunde bestĂ€tigten aber auch die große Übereinstimmung der masoretischen Versionen mit den Ă€lteren hebrĂ€ischen Bibeltexten. Diese Disziplin bei der TextĂŒberlieferung geht auf ein Gebot in der Tora selbst zurĂŒck: In Dtn 4,2 EU wird streng untersagt, Gottes Wort etwas hinzuzufĂŒgen oder wegzunehmen. Die Annahme eines PrimĂ€rtextes hat historische Textkritik jedoch unwiderruflich widerlegt: Hinter allen bekannten Textfassungen der Bibel und den meisten ihrer Einzelschriften stehen eine Vielzahl von Verfassern und Redaktoren, die an der Überlieferung mitwirkten. Die gemeinsame Version der Masoreten stand erst am Ende, nicht am Anfang dieses Traditionsprozesses.

Siehe auch Textgeschichte des Neuen Testaments

Kanonisierungen

Das lateinische Wort „Kanon“ bedeutet „Richtschnur“ oder „Richtmaß“ und meint hier die festgelegte Anzahl der BĂŒcher, die in einer bestimmten religiösen Gemeinschaft als heiliges Wort Gottes gelten. Mit einer gewissen Eigendynamik tendierte die Sammlung von Schriften mit autoritativem theologischen Anspruch zu einem verbindlichen Abschluss ihres Umfangs und ihrer Inhalte. Diesen Prozess nennt man „Kanonisierung“.

Deren AnfĂ€nge lagen in der vorexilischen Königszeit der Reiche Israel und Juda: So berichtet 1. Kön 22 von der Auffindung eines „Gesetzbuchs“ im Jerusalemer Tempel, das den judĂ€ischen König Josia 621 v. Chr. zu einer jahwistischen Kultreform und Abschaffung des Synkretismus veranlasst haben soll. Gemeint war das 5. Buch Mose (lat. „Deuteronomium“), das seinerseits in vieler Hinsicht die Gebotsoffenbarung am Sinai (2.–3. Buch Mose) aktualisierend wiederholt. SpĂ€testens seit dem Wiederaufbau des Tempels 539 v. Chr. war die Tora als erster und wichtigster Teil des Tanach kanonisch; fĂŒr die Samaritaner bildete sie bei ihrer Abspaltung im 4. Jahrhundert v. Chr. das einzige, maßgebende Gotteswort.

Das Neue Testament setzt bereits den ganzen Tanach als verbindliche Basis des jĂŒdischen Gottesdienstes voraus, etwa bei Jesu Antrittspredigt in Nazaret, die nach Lk 4,14–21 EU mit einer Lesung der „Schrift“ begann. Vom „Gesetz“ ist oft im Zusammenhang mit Tora-Auslegungen Jesu die Rede, etwa zu Beginn der Bergpredigt. Mt 5,18 EU bekrĂ€ftigt die kanonische Geltung der Tora bis zur Parusie:

„Wahrlich ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein TĂŒpfelchen vom Gesetz, bis alles geschieht.“

HĂ€ufig stehen „Gesetz und Propheten“ als KĂŒrzel fĂŒr die Gesamtheit der biblischen Überlieferung vom Bundeswillen Gottes. Auch eine dreigliedrige Form des Tanach wird im Mund des Auferstandenen fĂŒr die Christen verbindlich gemacht (Lk 24,44 EU):

„Es muss alles erfĂŒllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose, in den Propheten und in den Psalmen.“

Der Tanach wurde nach der Zerstörung des zweiten Jerusalemer Tempels im Jahr 70 und der Niederlage im letzten jĂŒdischen Krieg gegen die Römer 135 endgĂŒltig kanonisiert. Er umfasste laut Flavius Josephus 22 BĂŒcher wie das hebrĂ€ische Alphabet, laut des außerkanonischen 4. Esrabuchs dagegen 24 BĂŒcher (die doppelte Zahl der Zwölf StĂ€mme Israels). Dabei wurden aber nur dieselben Schriften verschieden eingeteilt.

Der Kanon der Septuaginta enthielt zudem die BĂŒcher Judit, Tobit, Erweiterungen der BĂŒcher Ester und Daniel, die beiden ersten MakkabĂ€erbĂŒcher, den Propheten Baruch, die Weisheit Salomos und das Buch Jesus Sirach. Diese zusĂ€tzlichen Schriften nennt man heute besonders im evangelischen Raum oft „deuterokanonisch“. Sie gelangten nicht in den Kanon des Tanach, wanderten aber durch ihre lateinische Übersetzung in die lateinische Vulgata ein. Der katholische AT-Kanon enthĂ€lt demnach 46 BĂŒcher, der orthodoxe noch mehr. Sein Umfang ist dennoch zu 90 Prozent deckungsgleich mit der HebrĂ€ischen Bibel.

Das Neue Testament umfasste zur Zeit seiner Kanonisierung (um 180) 27 griechische Einzelschriften, davon vier Evangelien und 21 Briefe. Alle zusammen erreichen insgesamt nur ein Viertel des Umfangs des Alten Testaments.

Martin Luther ĂŒbernahm mit seiner Übersetzung des Tanach auch dessen Kanon, den er in 39 BĂŒcher einteilte. So erlangte dieser auch im Protestantismus GĂŒltigkeit. Die evangelische Gesamtbibel umfasst also 66 BĂŒcher, wobei sich das evangelische AT nur nach Anordnung und Aufteilung vom Tanach unterscheidet. Zwar ĂŒbersetzte Luther auch die weiteren Schriften der Septuaginta und hĂ€ngte sie seiner BibelĂŒbersetzung an, bewertete sie aber als geheime „Apokryphen“ und menschliche „BĂŒcher: so der Heiligen Schrift nicht gleich gehalten und doch nĂŒtzlich und gut zu lesen sind“. Den Begriff „Apokryphen“ reserviert man heute dagegen meist fĂŒr die aus dem NT-Kanon ausgegrenzten christlichen, von fast keiner Kirche anerkannten Schriften.

Die katholischen, orthodoxen und evangelischen Konfessionen betrachten die ganze Bibel als alleinigen Maßstab ihres Glaubens, als norma normans. Der Theologe Dietrich Kuessner formuliert:[2]

„Das Bekenntnis ist im VerhĂ€ltnis zur Bibel nachgeordnet, eine bereits von der Schrift geprĂ€gte Norm (norma normata).“

Demnach haben sich alle GlaubensĂ€ußerungen, Bekenntnisschriften und Dogmen an der Bibel zu messen. In ihnen darf theoretisch nichts geregelt sein, was dem biblischen Zeugnis widerspricht. Dennoch bestimmen die christlichen Konfessionen das VerhĂ€ltnis der Bibel zur folgenden kirchlichen Tradition verschieden: In der katholischen Kirche ist das pĂ€pstliche Lehramt die maßgebende, letztlich alleinige AutoritĂ€t zur Schriftauslegung. Die evangelische Kirche lehnt dieses ĂŒbergeordnete Amt ab, da es nicht biblisch begrĂŒndet sei. Hier gibt es faktisch keine einheitliche Lehre, da die Schriftauslegung nach den lutherischen und reformierten Bekenntnisschriften letztlich Sache des Heiligen Geistes bleibt. Dieser offenbare die Wahrheit des Wortes Gottes dem einzelnen Gewissen des GlĂ€ubigen. Nach katholischer Auffassung erlangte die Bibel selbst ihre AutoritĂ€t jedoch erst durch die Kirche, die ja auch Ă€lter ist als die Bibel. Das kirchliche Lehramt legte den Kanon der Bibel fest, was ebenfalls die AutoritĂ€t der Kirche ĂŒber die Bibel zeigt.

In allen jĂŒdischen oder christlichen Konfessionen und Denominationen haben Glaubensbekenntnisse, Liturgie und andere mĂŒndliche oder schriftliche Traditionen eine wichtige Bedeutung neben der kanonisierten Bibel: etwa Halacha, Mischnah und Talmud in der jĂŒdischen, die Apostolischen VĂ€ter in der katholischen, die reformatorischen Bekenntnisschriften in der evangelischen Tradition. Aber nur einige christliche Gruppen wie die Mormonen und die Christliche Wissenschaft ordnen ihre Sondertradition als „Offenbarung“ oder Bekenntnis der Bibel gleich oder ĂŒber.

Im Judentum wird das VerhÀltnis zwischen Tanach und Tradition, vor allem in Gestalt von Mischna und Talmud, Àhnlich betrachtet wie im Katholizismus, obwohl es auch hier wie im Protestantismus kein autoritatives Lehramt, sondern faktisch Pluralismus der Bibelauslegung gibt.

Übersetzungen

WĂ€hrend die Orthodoxen Kirchen schon frĂŒh Bibeln in der Landessprache verwendeten, war fĂŒr die katholische Kirche praktisch seit dem Altertum die lateinische BibelĂŒbersetzung des Hieronymus, die so genannte Vulgata, maßgebend, auch wenn immer wieder Bibeln in die jeweilige Volkssprache ĂŒbersetzt wurden. Allerdings war die Vulgata selbst ursprĂŒnglich auch eine Übersetzung in die Volkssprache, denn als sie entstand, war Latein ja noch Umgangssprache. Die Wandlung des Lateinischen zu den romanischen Sprachen machte die westliche Bibel dann nicht mehr mit, und auch in den germanischen und keltischen Gebieten Westeuropas wurde die Bibel fast nur auf Lateinisch verbreitet.

Bereits im 4. Jahrhundert ĂŒbersetzte der gotische Bischof Wulfila die Bibel ins Gotische, die nach ihm benannte Wulfilabibel. Wulfila war allerdings nicht katholisch, sondern Arianer.

Im SpĂ€tmittelalter entstand eine Reihe von BibelĂŒbersetzungen. Besonders die Reformatoren, aber auch schon einige ihrer VorlĂ€ufer (Petrus Waldes, John Wycliff und Jan Hus) sahen den direkten Zugang zur Bibel in der Landessprache als wesentlich fĂŒr den christlichen Glauben an. Durch die Übersetzungen der Reformatoren Luther und Zwingli in den Jahren 1522 bis 1534 wurde die Bibel zum ersten Mal einer grĂ¶ĂŸeren Leserschaft im deutschen Sprachraum zugĂ€nglich. Maßgeblichen Beitrag dazu leistete die Erfindung des Buchdrucks. Die Lutherbibel wurde Grundlage einerseits fĂŒr die weite Verbreitung der Bibel in Deutschland, andererseits fĂŒr ihre kritische LektĂŒre vor allem seit der AufklĂ€rung und hatte auch eine große Bedeutung fĂŒr die Entwicklung der deutschen Schriftsprache. Gedruckt wurde sie in der Schwabacher Schrift.

Heute gibt es eine gute und vor allem große Auswahl an BibelĂŒbersetzungen in deutscher Sprache. Neben der klassischen (inzwischen mehrfach ĂŒberarbeiteten) Lutherbibel sind erwĂ€hnenswert: die sehr wortgetreue, tendenziell wortkonkordante Elberfelder Übersetzung, die ebenfalls recht wortgetreue und etwas besser lesbare ZĂŒrcher Bibel, die katholische (bzw. fĂŒr die Psalmen und das Neue Testament katholisch-evangelische) EinheitsĂŒbersetzung, die eine verstĂ€ndliche Sprache und gute Brauchbarkeit fĂŒr liturgische Zwecke aufweist, und die modernen Übertragungen „Gute Nachricht“ und „Hoffnung fĂŒr Alle“, die die alten Texte durch eine freiere Übersetzung in eine zeitgemĂ€ĂŸe und sehr gut verstĂ€ndliche Sprache ĂŒbertragen haben. Eine Sonderrolle nimmt die Schlachter-Bibel ein, die Genauigkeit mit einer gut verstĂ€ndlichen Sprache vereint, teilweise aber eine sehr umstrittene Wortwahl bietet.

Die heute in allen christlichen Bibelausgaben ĂŒbliche und weitestgehend einheitliche Einteilung des Textes in Kapitel und Verse ist spĂ€t entstanden. Die Kapiteleinteilung fĂŒhrte Stephen Langton, Erzbischof von Canterbury, 1205 in die Vulgata ein. Die Verseinteilung des Neuen Testaments wurde 1551 in Genf erstmals von dem Pariser Buchdrucker Robert Estienne (dt: Stephanus) an einer griechischen und lateinischen Bibelausgabe durchgefĂŒhrt.

Ohne die sieben deuterokanonischen BĂŒcher umfasst die Bibel 66 BĂŒcher mit 1189 Kapiteln und mehr als 31150 Versen.[3]

(siehe dazu BibelĂŒbersetzung)

Bibelkritik

In der Diskussion, inwiefern die biblischen ErzÀhlungen als historische Berichte gelten können, treffen verschiedene Auffassungen aufeinander.

  • Ein großer Teil der evangelikalen Bewegung begreift die Bibel als Geschichtsbuch und betont, dass „die Bibel absolut irrtumslos und unfehlbar“ sei.[4] Dabei gibt es divergierende Positionen: Die „Chicago ErklĂ€rung zur Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift“ von 1978, betont, „daß die Schrift in ihrer Gesamtheit irrtumslos und damit frei von Fehlern, FĂ€lschungen oder TĂ€uschungen ist“;[5] dies umfasse auch naturwissenschaftliche Aussagen (Biblischer Fundamentalismus). Weitaus verbreiteter ist die Meinung, dass die Bibel als Gottes Wort hinsichtlich ihrer Glaubensaussagen und der Fragen zur LebensfĂŒhrung unfehlbar sei.
  • Die in der Neuzeit entwickelte historisch-kritische Exegese geht davon aus, dass die Texte der Bibel nur vor ihrem historischen Hintergrund und unter BerĂŒcksichtigung ihrer literarischen Form verstĂ€ndlich sind. Die Bibel erzĂ€hle nicht Geschichte, sondern Heilsgeschichte. Der historische Gehalt der biblischen ErzĂ€hlungen wird in ihren verschiedenen Teilen sehr unterschiedlich beurteilt. Speziell die Methoden der (nichttheologischen) Literar- und Formkritik sowie allgemein die Methoden der historischen Forschung dienen hierzu als Hilfsmittel. Insbesondere wird biblischen Texten, die nicht beanspruchen, historische Tatsachen zu berichten, nicht unterstellt, Geschichte erzĂ€hlen zu wollen. Anderen Teilen der Bibel wird hingegen relativ hohe geschichtliche ZuverlĂ€ssigkeit zugeschrieben. Eine Sonderstellung nehmen die Evangelien ein. Sie beanspruchen aus der Sicht der Historisch-Kritischen nicht, Geschichtswerke zu sein oder Fakten aus dem Leben Jesu zusammenzutragen, sondern verstehen sich als „Frohe Botschaft“. Ihr Ziel sei, den Glauben an den „auferstandenen Jesus Christus“ zu bezeugen. Den Evangelien sei zwar historisch zuverlĂ€ssiges Material zu entnehmen, wichtiger aber sei es, die Glaubensbotschaft der Evangelien verstĂ€ndlich und lebendig zu machen.
  • Nichttheologische Historiker verstehen die Bibel hĂ€ufig als ein literarisches Werk. Gattungsgeschichtlich gehören die Texte in die literarischen Kategorien Prolog, Liebeslied, Hymnus, Paradoxon, Monolog, Dialog, RĂ€tsel, Ellipse, Gebet, Gleichnis, Parabel, Gedicht, Brief und Geschichtsschreibung. Die Texte stellen eine wertvolle Quellensammlung fĂŒr die Erforschung ihrer jeweiligen Entstehungszeit dar. Die HistorizitĂ€t der ErzĂ€hlungen selbst wird von einigen als relativ gering eingeschĂ€tzt.
  • Weniger weit verbreitet ist der Glaube, bei der Bibel handele es sich um ein magisches Buch, mit welchem wichtige Ereignisse in der Zukunft vorhergesehen werden könnten. Manche Menschen haben einige Zeit ihres Lebens damit verbracht, den vermuteten Bibelcode zu entschlĂŒsseln, um an die geheimen Botschaften zu gelangen. Bislang ist die Existenz eines solchen Codes nicht bewiesen.

Daneben gibt es eine Bibelkritik, deren Thema unter anderem die in der Bibel vertretenen moralisch-ethischen Auffassungen und die Gewalt in der Bibel sind.

Die Bibel im Islam

Der Koran ĂŒbernimmt und variiert eine Reihe biblischer und apokrypher Geschichten und Lehren, die Mohammed wahrscheinlich mĂŒndlich durch die syrische Kirche ĂŒberliefert wurden. Er nennt die Tora (Taurat), die Psalmen (Zabur) und das Evangelium (Indschil) „Heilige Schriften“, die von Gott stammen, aber spĂ€ter von Menschen verfĂ€lscht worden seien:

„Wir haben die Herzen der Kinder Israel verhĂ€rtet, so dass sie die Worte der Schrift entstellten, und sie vergaßen einen Teil von dem, womit sie erinnert worden waren 

Und von denen, die sagten: ,Wir sind Nasara‘ [Nazarener] habe wir ihre Verpflichtung entgegengenommen. Aber dann vergaßen sie einen Teil von dem, womit sie erinnert worden waren.“

– Sure 5,13f

Daher sind viele Muslime mit wichtigen Inhalten der Bibel vertraut, wenn auch in koranischer Version, die oft den biblischen Wortlaut verkĂŒrzt, verĂ€ndert, paraphrasiert und von seinem Eigenkontext löst. Diese interpretierende Wiedergabe ist fĂŒr sie maßgebend, da der Koran sich als endgĂŒltige Offenbarung Gottes (arabisch Allah) versteht, die alle frĂŒheren Offenbarungen aufnimmt und ihre Wahrheit wiederherstellt.

Der Koran sieht in den biblischen Geschichten, die er nacherzĂ€hlt, Mohammeds Kommen und seine Berufung zum „Siegel der Propheten“ Gottes vorgebildet und prophezeit. Huseyn al-Dschisri deutete 114 Stellen in der Bibel – vor allem den paraklētos („Beistand“, „FĂŒrsprecher“) in Joh 14,26ff; 15,26f; 16,7ff – als Hinweise auf Mohammeds Prophetentum.

Parallelen zur Urgeschichte des Tanach sind im Koran

  • das psalmenartige Lob des Schöpfers, z. B. in Sure 87,1–3
  • die Bestimmung Adams und seiner Frau (Eva wird nie namentlich genannt) zum Stellvertreter (biblisch: Ebenbild Gottes) auf Erden und ihre Vertreibung aus dem Paradies (Sure 2,30–36)
  • ihre Wiederannahme (Sure 20,122; der Koran kennt keinen Schöpfungsfluch und keine ErbsĂŒnde)
  • der Brudermord (Sure 5,27–32)
  • die Sintflut und Noahs Rettung: Dieser ist nach Adam Gottes erster Gesandter, der vergeblich zur Abkehr von falschen Göttern ruft (Sure 40,36f).

Der Koran nennt 20 Figuren der Bibel, die dort nicht alle als Propheten gelten, als VorlĂ€ufer Mohammeds. Besonders Abraham, der „Freund Gottes“, ist fĂŒr den Koran Vorbild des wahren GlĂ€ubigen. Er habe – wie auch nachbiblische jĂŒdische Überlieferung erzĂ€hlt – erkannt, dass Gott mĂ€chtiger als Gestirne ist (Sure 6,78f). Die ihm folgten, ohne Juden oder Christen zu werden (Hanifen), sind den Muslimen gleichwertig (Sure 21,51–70). Ihm wurde auch im Koran ein Sohn verheißen, den er opfern sollte (Sure 37,99–113). Dabei deuten die Muslime diese Geschichte meist nicht auf Isaak, sondern auf Ismael, den von der Magd Hagar geborenen Ă€ltesten Sohn Abrahams, der als Stammvater der Araber gilt. Er soll als Prophet die Kaaba als Gotteshaus in Mekka gegrĂŒndet haben (Sure 2,125).

Von Joseph, Jakobs zweitjĂŒngstem Sohn, erzĂ€hlt Sure 12. Moses wird in 36 Suren erwĂ€hnt: Er ist auch im Koran der mit Gott unmittelbar redende Prophet (Sure 4,164), der sein Volk Israel aus Ägypten befreite und ihm die Tora vermittelte. Die Zehn Gebote liegen Sure 17,22–39 zugrunde. König David empfĂ€ngt und ĂŒbermittelt als Prophet die Psalmen; Salomos große Weisheit preist Sure 21,78ff.

Von den Figuren des Neuen Testaments stellt der Koran Maryam (Maria - Mutter Jesu), Johannes den TĂ€ufer (Sure 3,38–41; 19,2–15; 21,89f) und Isa bin Maryam („Jesus, der Sohn der Maria“) besonders heraus. Letzterer hat die Aufgabe, das Volk Israel zum Gesetzesgehorsam zurĂŒckzurufen und den Christen das Evangelium als schriftliche Offenbarungsurkunde zu vermitteln. Er verkĂŒndet wie Mohammed Gottes kommendes Endgericht, aber nur als Mensch, der nicht gekreuzigt wurde (Sure 4,157). Seine Auferstehung wird daher nur angedeutet. Die jungfrĂ€uliche Geburt wird im Koran aber ebenso bezeugt, wie Jesus als der verhießene Messias, das Wort Gottes und ein Mensch frei von SĂŒnde.

Als Gesandte Gottes sind diese Propheten im Koran moralische AutoritĂ€ten, so dass er von ihren in der Bibel geschilderten dunklen Seiten (z. B. Davids Ehebruch und Mord) nichts berichtet.

Verbreitung

Die Bibel ist das meistgedruckte und am weitesten verbreitete Buch der Welt. Es existieren GesamtĂŒbersetzungen in 438 Sprachen und TeilĂŒbersetzungen in weiteren 2454 Sprachen.[6]

FĂŒr die Verbreitung der Bibel setzen sich Bibelgesellschaften weltweit ein. In Deutschland sind dies insbesondere:

Bilderbibel

Zur Verbreitung trugen wesentlich auch die Bilderbibeln bei. Als Bilderbibel bezeichnet man eine Folge bildlicher Darstellungen aus der biblischen Geschichte mit oder ohne Text und ErlĂ€uterungen. Sie umfassen sowohl illustrierte Bibeln wie lose oder gebundene Bilderfolgen. Sie richteten sich hĂ€ufig an Ungelehrte und Unwissende bzw. die ‚Armen im Geiste’ (daher auch Armenbibel, lateinisch „biblia pauperum“) sowie an Kinder und dienten der religiösen Erbauung und Unterweisung. Einen Höhepunkt der Bibelillustration bildet das 16. Jahrhundert. Im 19. Jahrhundert kam es zu einem Revival der Bilderbibeln im Umkreis der Nazarener und Romantiker. Besonders populĂ€r wurden die Werke von Julius Schnorr von Carolsfeld und Gustave DorĂ©.

Sammlungen und Museen

Es bestehen unter anderem folgende Bibelsammlungen und Bibelmuseen:

Siehe auch

Portal
 Portal: Bibel – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Bibel

Anmerkungen

  1. ↑ Walther Zimmerli: Grundriß der alttestamentlichen Theologie, Stuttgart 1972, S. 206f
  2. ↑ Dietrich Kuessner 2002
  3. ↑ Statistik in einem Bibel-Abschreibeprojekt
  4. ↑ Johannes Vogel, Breckerfeld; in: idea-Pressedienst 46/2004
  5. ↑ Zitiert nach idea-Pressedienst 25/2003
  6. ↑ Stand 31. Dezember 2007; Statistical Summary of languages with the Scriptures (United Bible Societies)
  7. ↑ Early Printed Bibles at the British Library

Literatur

LeichtverstÀndliche Literatur von Fachwissenschaftlern
  • Klaus Koch u. a. (Hrsg.): Reclams Bibellexikon. Reclam, Leipzig 2004 (7. Aufl.), ISBN 3-15-010555-2
  • Bernhard Lang: Die Bibel. Paderborn, MĂŒnchen u. a.: F. Schöningh Verlag / UTB 1594, 1990, ISBN 3-506-99409-3
  • Gerhard Lohfink: Jetzt verstehe ich die Bibel, Stuttgart: Verlag Katholisches Bibelwerk 1986 in 13. Aufl., ISBN 3-460-30632-7
  • Annemarie Ohler: dtv-Atlas Bibel. ISBN 3-423-03326-6
EinfĂŒhrende Fachliteratur
  • Lukas Bormann: Bibelkunde, Göttingen 2005.
  • Heinrich A. Mertens: Handbuch der Bibelkunde. Literarische, historische, archĂ€ologische, religionsgeschichtliche, kulturkundliche, geographische Aspekte des Alten und Neuen Testaments. DĂŒsseldorf: Patmos, 2. Aufl. 1997.
  • Horst Dietrich Preuß / Klaus Berger: Bibelkunde des Alten und Neuen Testaments. 1.Teil: Altes Testament. Uni-TaschenbĂŒcher, no. 887. Heidelberg: Quelle & Meyer, 1980.
  • Claus Westermann / Ferdinand Ahuis / JĂŒrgen Wehnert: Abriss der Bibelkunde, 14. A., Stuttgart: Calwer 2001.
  • Wolfgang Zwickel: Die Welt des Alten und Neuen Testaments: Ein Sach- und Arbeitsbuch. Calwer: Stuttgart, 1997.
WeiterfĂŒhrende Fachliteratur
  • Herbert Hunger: Geschichte der TextĂŒberlieferung der antiken und mittelalterlichen Literatur. 1961. Nachdrucke als Die TextĂŒberlieferung der antiken Literatur und der Bibel. MĂŒnchen: dtv, 1975, 1988, ISBN 3-423-04485-3
  • Hans-Josef Klauck et al. (Hg.): The Encyclopedia of the Bible and its Reception, Berlin und New York: Walter de Gruyter, erscheint ab 2009, Online-Vorabzug
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