| Chicago | ||
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| Spitzname: The Windy City | ||
Siegel |
Flagge |
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| Lage in Illinois | ||
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| Basisdaten | ||
| Gründung: | 12. August 1833 | |
| Staat: | Vereinigte Staaten | |
| Bundesstaat: | Illinois | |
| County: | Cook County DuPage County |
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| Koordinaten: | 41° 53′ N, 87° 38′ W41.881944444444-87.627777777778Koordinaten: 41° 53′ N, 87° 38′ W | |
| Zeitzone: | Central Standard Time (UTC−6) | |
| Einwohner: - Metropolregion: |
2.836.658 (Stand: 2007) 9.524.673 (Stand: 2007) |
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| Bevölkerungsdichte: | 4.821,8 Einwohner je km² | |
| Höhe: | 176 m | |
| Fläche: | 606,1 km² davon 588,3 km² Land |
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| Gliederung: | Lage in der Metropolregion |
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| Postleitzahlen: | 60601–60827 | |
| Vorwahl: | +1 312 (Zentrum), 773 (andere Gebiete) | |
| Webpräsenz: | egov.cityofchicago.org | |
| Bürgermeister: | Richard M. Daley (D) | |
Satellitenbild |
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Chicago ʃɪˈkɑːgoʊ ;
anhören ?/i (deutsch auch: Chikago) ist eine Stadt am Südwestufer des Michigansees im US-Bundesstaat Illinois in den Vereinigten Staaten von Amerika. Mit einer Einwohnerzahl von 2,8 Millionen (2007)[1] ist sie die drittgrößte Stadt der USA. In der Agglomeration leben 8,7, in der Metropolregion 9,5 Millionen Menschen (2007).[2]
Chicago ist seit der Mitte des 19. Jahrhunderts eine wichtige Handelsstadt in den Vereinigten Staaten. Die Lage an der Mündung des Illinois Waterways, der die Großen Seen (die über den Sankt-Lorenz-Seeweg bzw. Eriekanal mit dem Atlantik und New York City verbunden sind) mit dem Mississippi River und dem Golf von Mexiko verbindet, sowie als Knotenpunkt wichtiger Eisenbahnstrecken, auf denen die West- mit der Ostküste verbunden werden, haben diese Funktion begünstigt.
Chicago ist Sitz der Chicago Mercantile Exchange, der größten Warenterminbörse der Vereinigten Staaten, und der Chicago Board of Trade, der größten Rohstoff-, Futures- und Optionsbörse der USA.
Inhaltsverzeichnis |
Bearbeiten Der Name der Stadt
Der Name leitet sich aus dem Wort Checagou ab, mit dem die Potawatomi-Indianer das Marschland beschrieben, wo später die Stadt gegründet wurde. Das indianische Wort bedeutet sowohl wilde Zwiebeln wie auch Stinktier.[3] Der Name bedeutet also so viel wie „Land, das nach Zwiebeln stinkt“.
Im Volksmund wird Chicago auch the windy city genannt. Die früheste bekannte Erwähnung stammt von einem Zeitungsartikel der Chicago Tribune 1858. Wiederholt verwendet wurde der Spitzname im Jahre 1876 und war verbunden mit der Rivalität mit Cincinnati. So lautete etwa am 9. Mai 1876 die Schlagzeile im Cincinnati Enquirer: "THAT WINDY CITY. Some Freaks of the Last Chicago Tornado." Ebenfalls zugeschrieben wird die Bezeichnung dem Redakteur der New York Sun, Clyz loid, nachdem New York City von Chicago bei der Bewerbung um die Weltausstellung geschlagen wurde. Es gibt jedoch kaum Belege, dass dieser den Ausdruck "Windy City" tatsächlich benutzt hat.[4]
Eine weitere Bedeutung liegt im oft starken Wind, der mal kalt aus nordwestlicher Richtung, mal auch vom Michigansee weht, und durch die Wolkenkratzerschluchten kanalisiert und dadurch verstärkt wird. Jedoch ist Chicago nicht bedeutend windiger als andere amerikanische Städte. Zuletzt wird die Bezeichnung auch zurückgeführt auf die Korruption und die historische, insbesondere während der Prohibition, verbreitete organisierte (Schmuggler-)Kriminalität.
Bearbeiten Geographie
Bearbeiten Geographische Lage
Chicago liegt im Nordosten von Illinois. Laut Daten des United States Census Bureau hat die Stadt eine Fläche von 606,1 Quadratkilometern. Gewässer bedecken davon 2,94 Prozent (17,8 Quadratkilometer). In Chicago mündete einst der Chicago River in den Michigansee, einer der fünf Großen Seen Nordamerikas. Allerdings wurde die Fließrichtung des Wassers im Chicago River 1900 umgekehrt, so dass er nicht mehr in den zur Trinkwassergewinnung genutzten Michigansee mündet, sondern über den „Chicago Sanitary & Ship Canal“ in den Illinois River und letztendlich in den Mississippi River abgeleitet wird. Mehr als 20 Zugbrücken wie beispielsweise die State Street Bridge überqueren den Fluss.
Die Metropolregion Chicago hat eine Fläche von 28.163 Quadratkilometern und erstreckt sich über dutzende von Vorstädten in neun verschiedenen Countys, welche mit dem Stadtgebiet von Chicago verflochten sind. Diese Countys sind in Illinois Cook, DuPage, Kane, Kendall, Lake, McHenry und Will County, in Indiana Lake County und in Wisconsin das Kenosha County. Da die Vorstädte politisch unabhängig sind, fließen keine Steuergelder aus diesen Enklaven, um die zentrale Infrastruktur der Großstadt zu finanzieren. Dies ist insbesondere bei den Schulen wichtig, weil ihre Finanzierung zu einem großen Teil aus den lokalen Grundsteuern erfolgt, mit landesweiten Zuschüssen pro Schüler als Ergänzung.
Die Metropolregion Chicago stand bei der Entwicklung des Modells der städtischen Zonen des renommierten Stadtgeographen Ernest Burgess um einen Central Business District (CBD) Pate. Den Kern des CBD bildet der so genannte Loop; dazu zählen ein von den Gleisen der Chicago „L“ umschlossenes Viertel (die Community Area 32) sowie die angrenzenden Gebiete.
Bearbeiten Stadtgliederung
Seit der Stadtgebieterweiterung von 1960, um den großzügigen Ausbau des Flughafens O’Hare zu ermöglichen, gliedert sich die City of Chicago in 77 Community Areas.
Das Zentrum der Stadt bilden die Stadtteile Chicago Loop (32) und Near North Side (8), welche durch den Chicago River voneinander getrennt sind. In der Loop befinden sich u.a. das AON Center, der Sears Tower und das Rathaus. Der mit Hochhäusern stark bebaute Teil von Near North Side wird im wesentlichen durch den North Lake Shore Drive die North LaSalle Street abgegrenzt. Das höchste Gebäude der Near North Side ist das John Hancock Center.
| 01 | Rogers Park | 21 | Avondale | 41 | Hyde Park | 61 | New City |
| 02 | West Ridge | 22 | Logan Square | 42 | Woodlawn | 62 | West Elsdon |
| 03 | Uptown | 23 | Humboldt Park | 43 | South Shore | 63 | Gage Park |
| 04 | Lincoln Square | 24 | West Town | 44 | Chatham | 64 | Clearing |
| 05 | North Center | 25 | Austin | 45 | Avalon Park | 65 | West Lawn |
| 06 | Lakeview | 26 | West Garfield Park | 46 | South Chicago | 66 | Chicago Lawn |
| 07 | Lincoln Park | 27 | East Garfield Park | 47 | Burnside | 67 | West Englewood |
| 08 | Near North Side | 28 | Near West Side | 48 | Calumet Heights | 68 | Englewood |
| 09 | Edison Park | 29 | North Lawndale | 49 | Roseland | 69 | Greater Grand Crossing |
| 10 | Norwood Park | 30 | South Lawndale | 50 | Pullman | 70 | Ashburn |
| 11 | Jefferson Park | 31 | Lower West Side | 51 | South Deering | 71 | Auburn Gresham |
| 12 | Forest Glen | 32 | Chicago Loop | 52 | East Side | 72 | Beverly |
| 13 | North Park | 33 | Near South Side | 53 | West Pullman | 73 | Washington Heights |
| 14 | Albany Park | 34 | Armour Square | 54 | Riverdale | 74 | Mount Greenwood |
| 15 | Portage Park | 35 | Douglas | 55 | Hegewisch | 75 | Morgan Park |
| 16 | Irving Park | 36 | Oakland | 56 | Garfield Ridge | 76 | O'Hare |
| 17 | Dunning | 37 | Fuller Park | 57 | Archer Heights | 77 | Edgewater |
| 18 | Montclare | 38 | Grand Boulevard | 58 | Brighton Park | ||
| 19 | Belmont Cragin | 39 | Kenwood | 59 | McKinley Park | ||
| 20 | Hermosa | 40 | Washington Park | 60 | Bridgeport |
Bearbeiten Klima
Das Klima in Chicago ist kontinental mit heißen Sommern und kalten Wintern. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 10,5 Grad Celsius, die jährliche Niederschlagsmenge 910 Millimeter im Mittel. Der kälteste Monat ist der Januar mit durchschnittlich -3,3 Grad Celsius, der wärmste der Monat Juli mit 24,3 Grad Celsius im Mittel.
Der meiste Niederschlag fällt im August mit durchschnittlich 107 Millimetern, der wenigste im Februar mit 35 Millimetern im Mittel. Insgesamt gilt das Wetter in Chicago als wechselhaft. Vor allem im Frühjahr und Herbst weht oft ein starker Wind, zudem herrscht ganzjährig eine hohe Luftfeuchtigkeit.
Die höchste Temperatur wurde offiziell am 24. Juli 1934 an der Wetterstation am Flughafen Midway mit 41 Grad Celsius gemessen, die tiefste am 20. Januar 1985 an der Wetterstation der Universität von Chicago (Rosenwald Hall, 58th St. and University Ave) mit −33 Grad Celsius. Der meiste Niederschlag fiel am 14. August 1987 an der Wetterstation am Flughafen O'Hare mit 165 Millimeter. Der schneereichste Winter war 1978/79 (27. November bis 4. März) mit 2278 Millimeter Niederschlag.[5][6]
| Jan | Feb | Mär | Apr | Mai | Jun | Jul | Aug | Sep | Okt | Nov | Dez | Jahr | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Durchschnittliche Höchsttemperatur (°C) |
-1,7 | 0,8 | 7,7 | 14,8 | 21,2 | 26,4 | 28,7 | 27,7 | 23,8 | 17,4 | 9,1 | 1,1 | 14,8 |
| Durchschnittliche Tiefsttemperatur (°C) |
-10,6 | -8,1 | -1,9 | 3,7 | 8,7 | 14,2 | 17,0 | 16,4 | 12,2 | 5,7 | -0,2 | -7,2 | 4,2 |
| Durchschnittlicher Niederschlag (mm) |
38,9 | 34,5 | 68,3 | 92,5 | 84,3 | 96,0 | 93,0 | 107,2 | 97,0 | 61,2 | 74,2 | 62,7 | 909,8 |
| Durchschnittliche Regentage |
7,3 | 6,2 | 9,0 | 9,5 | 8,9 | 8,0 | 8,0 | 7,5 | 7,7 | 6,6 | 7,9 | 7,8 | 94,4 |
Bearbeiten Geschichte
Bearbeiten Vom Handelsposten zur Stadt (1673-1837)
1673 befuhren die französischen Forscher Jacques Marquette und Louis Joliet das Gebiet des heutigen Chicago, das von der dort lebenden indianischen Bevölkerung „Checagou“ genannt wurde. In den 1770er Jahren errichtete Jean Baptiste Point du Sable – Sohn eines Québecer Kaufmanns und einer schwarzen Sklavin – einen Handelsposten am Tauschplatz der ortsansässigen Indianerstämme Miami, Fox, Sac und Potawatomi. „Der erste weiße Mann der sich hier niederließ, war ein Schwarzer“, werden sie zitiert.
Dank der verkehrsgünstigen Lage an den Wassertransportwegen des Michigansees, einem der Großen Seen, und des Chicago Rivers, gewann der Handelsposten bis Anfang des 19. Jahrhunderts zusehends an Bedeutung. Als Illinois 1818 den USA beitrat und deshalb verkehrstechnisch besser erschlossen werden sollte, erlangte Chicago, nach dem Bau der Ost-West Eisenbahnstrecke, daher schnell den Ruf als „Tor zum Westen“. Es war nun der wichtigste Handelsplatz für Rohstoffe und landwirtschaftliche Produkte weit und breit.
Holz kam mit Schiffen aus dem Norden und wurde vor Ort weiterverkauft oder mit der Bahn weitertransportiert, und Lebensmittel brachten die Farmer auf die Märkte, von wo sie dann wiederum auf Schiffe oder Züge umgeladen und verfrachtet werden konnten. Werkzeuge und sonstige Materialien, die (vorerst) nicht oder in unzureichender Menge vor Ort produziert wurden, kamen wiederum aus dem Osten. So wurde aus dem Handelsposten ein Dorf. Am 12. August 1833 wurde Chicago offiziell gegründet und bereits vier Jahre später, am 4. März 1837, mit seinen 4.200 Einwohnern zur Stadt erhoben.
Bearbeiten Rasante Expansion (1837-1885)
Immer mehr Menschen zogen in die Stadt, und der ohnehin bereits ausgeprägte Handel wurde weiter angetrieben, was noch mehr Zuwanderer anlockte. Von nur 100 Einwohnern im Jahre 1830 stieg die Einwohnerzahl Chicagos bis 1860 auf 100.000. Die Grundstückspreise stiegen rasant an. Als der 1836 begonnene Bau des „Illinois & Michigan Canals“ zwischen dem Chicago River und dem in den Mississippi mündenden Illinois River 1848 fertig gestellt wurde, gab es eine weitere äußerst attraktive Verkehrsroute. Sechs Staaten südlich entlang des Mississippi, sowie drei nördlich, und Regionen entlang des in den Mississippi mündenden Missouri River waren nun zusätzlich durch eine breite Wasserstraße erschlossen.
Ebenfalls 1848 erfolgte die Eröffnung der ersten Eisenbahnstrecke, die auch Chicago anfuhr – die „Galena & Chicago Union Railroad“. Seit der Fertigstellung des „Chicago Sanitary Canals“ im Jahr 1900 mündet der Chicago River nicht mehr in den Michigansee, sondern durch den „Illinois & Michigan Canal“ und in weiterer Folge den Illinois River in den Mississippi.
1850 hatte Chicago bereits 30.000 Einwohner, und ein Ende des Zustroms war nicht absehbar – zu günstig waren die Rahmenbedingungen am Verkehrsknotenpunkt der USA. 1855 kam es zum „Lager Beer Riot“. Deutsche Siedler kämpften in diesem Aufstand um ihr Recht, auch am Sonntag Bier ausschenken zu dürfen.
Zwischen dem 8. und dem 10. Oktober 1871 wütete der Große Brand von Chicago, der den Großteil der Stadt zerstörte. Nach dem Feuer wurden 125 Leichen geborgen. Schätzungen kamen letztendlich auf 300 Tote und 18.000 zerstörte Häuser. Etwa 100.000 Menschen wurden obdachlos.[8] Doch rasch wurde die Stadt wieder aufgebaut. Architekten wie Louis Sullivan und später auch Frank Lloyd Wright kamen in die Stadt, die nun als Experimentierfeld für urbane Innovationen diente. 1880 zählte die „wiedergeborene“ Stadt bereits 500.000 Einwohner.
Zwischen 1880 und 1890 verdoppelte sich die Einwohnerzahl und Chicago zählte nun über eine Million Einwohner. Zwar erlebten die Grundstückspreise in der Innenstadt schon seit der Ernennung zur Stadt immer wieder extreme Anstiege, doch dieses Mal drang man in eine neue Preisdimension vor. Kostete ein Quadratmeter im Jahre 1880 noch 130 US-Dollar, versiebenfachte sich der Preis bis zum Jahr 1890 bis auf fast 900 US-Dollar pro Quadratmeter. Um rentabel zu wirtschaften, begannen Grundstückseigner, ihre Grundfläche maximal zu nutzen – das heißt, es musste höher gebaut werden. Dank neuer Erfindungen wie elektrischer Aufzüge, feuerfesterer Baustoffe, aber vor allem durch die Verwendung von Stahlskeletten im Gebäudebau, wurde dies möglich.
Das Home Insurance Building von 1885 (1931 abgerissen), war das erste Bauwerk, das die neuen technischen Errungenschaften vereinte, und gilt mit seinen zehn Etagen als das erste Hochhaus der Welt. Das 1889 von Dankmar Adler und Louis Sullivan errichtete Auditorium Building wies zudem – neben seiner fast perfekten Akustik – als Neuheit eine Klimaanlage auf. Zwischen 1890 und 1894 wurde das Reliance Building erbaut, welches als Vorläufer der gläsernen Vorhangwandkonstruktion gilt, die später den „internationalen Stil“ bestimmen sollte. Es gilt als Meisterwerk der Ersten Chicagoer Schule.
Bearbeiten Industrielle Großmacht (1885-1918)
Am 1. Mai 1886 organisierten die Gewerkschaften Chicagos einen Streik, um die Arbeitszeiten von täglich zwölf auf acht Stunden zu reduzieren. Als die Polizei am 3. Mai hart durchzugreifen begann, und Streikende getötet wurden, kam es zu einem Aufstand, der als Haymarket Riot in die Geschichte einging. Das Ende des 19. Jahrhunderts war auch ansonsten keine ruhige Phase. Die Korruption erlebte ihre erste Blütezeit. Viele Politiker der Stadt waren käuflich. Etwa ein Viertel der Stadträte besaßen Saloons und galten als „boodlers“ („Geschmierte“). Hempstead Washburne, Bürgermeister von 1891 bis 1893, warb für seine Wiederwahl mit dem Hinweis, es sei „klüger, für einen Mann zu votieren, der bereits genug gestohlen hat, als für einen neuen”. Auch Wahlbetrug stand an der Tagesordnung. Washburne gelang seine Wiederwahl jedenfalls nicht.
Vom 1. Mai bis zum 30. Oktober 1893 fand die als „World Columbian Exposition” bezeichnete Weltausstellung in Chicago statt. Sie hatte großen Einfluss auf die Entwicklung der Kunst und Architektur dieser Zeit. Die Veranstaltung prägte Chicagos Selbstwahrnehmung und stärkte die Bevölkerung in ihrer optimistischen Sichtweise des industriellen Fortschritts.
Im Jahre 1890 lebten in der Stadt eine Million Menschen, bis 1910 verdoppelte sich diese Zahl auf zwei Millionen. 1900 hatte die Stadt bereits 1,7 Millionen Einwohner, darunter viele irische und osteuropäische Einwanderer. Zu dieser Zeit festigte sich der Ruf Chicagos als Ort der scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten, der zahlreiche Jobs für jeden bereithielt, der bereit war zu arbeiten. Am meisten fühlten sich von diesem Versprechen die Einwohner schwarzer Hautfarbe aus den Südstaaten angezogen. Allein im Zeitraum 1916 bis 1919 zogen zwischen 50.000 und 75.000 Afroamerikaner in die Stadt.[9]
In dieser Zeit wurde Chicago auch als "hog butcher for the world" bekannt. Die Schlachthöfe auf den sogenannten Union Stock Yards hatten sich innerhalb weniger Jahrzehnte zu den bedeutendsten weltweit entwickelt. Besonders die Fließbandproduktion von Fleisch war weltweit richtungsweisend. Um die Jahrhundertwende wurden auf den Stock Yards ca. 82 Prozent des amerikanischen Fleisches produziert und jährlich bis zu 12 Millionen Tiere geschlachtet. Die schlechten Arbeitsbedingungen und die mangelnde Hygiene wurde unter anderem durch Upton Sinclairs Der Dschungel bekannt.
Lange Arbeitszeiten, geringer Lohn und unmenschliche Arbeitsbedingungen, vor allem aber die von den Einwanderern mitgebrachten Traditionen der Selbstorganisation führten dazu, dass Chicago die Wiege der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung wurde. Um 1900 hatten sich die meisten Arbeiter in der „American Federation of Labor“ organisiert. Auch die noch heute existente revolutionäre Gewerkschaft „Industrial Workers of the World“ (IWW) wurde hier im Jahre 1905 gegründet. Das Theaterstück „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ von Bertolt Brecht spielt im Chicago der späten 1920er Jahre und thematisiert die schlechten Arbeitsbedingungen und den Kampf der Arbeiter dagegen. Als im Juli 1918 weiße Polizisten sich weigerten, bei einer Steinigung eines im See schwimmenden Schwarzen einzuschreiten, folgte ein sechstägiger Aufstand mit 38 Toten.
Die Stadt ist auch seit langem ein Zentrum schwarzer Organisationen – sowohl die von Reverend Jesse Jackson gegründete PUSH (People United to Save Humanity) als auch die militantere „Nation of Islam“ (eigentlich „The Lost-Found Nation of Islam“, auch bekannt als „Black Muslims“) , von Elijah Muhammad 1930 ins Leben gerufen, haben ihren Hauptsitz auf der South Side in Chicago.
Bearbeiten Stadt von Jazz und Gangstern (1918-1945)
Ab 1922 wurde Chicago zur Jazzmetropole. Größen wie Louis Armstrong, Earl Hines oder Jelly Roll Morton belebten die „schwarzen Clubs” und prägten den „Chicago Jazz”.
Während der Roaring Twenties erprobte aber auch ein neuer Typ Glücksjäger die große Freiheit Chicagos bis an die Grenzen des Erträglichen. Kriminelle Syndikate unter skrupellosen Gangsterbossen wie Bugs Moran, Johnny Torrio und Al Capone machten sich die Prohibition zunutze und verkauften illegal hergestellten Alkohol. Feuergefechte zwischen Polizei und Gangstern waren zwar nicht so sehr an der Tagesordnung wie viele Filme glauben machen möchten, aber das mafiöse System funktionierte.
1942 gelang dem Physiker Enrico Fermi an der University of Chicago die erste kontrollierte nukleare Kettenreaktion als Teil des Manhattan-Projekts, dessen Ziel der Bau von Kernwaffen war.
Bearbeiten Abschwung und Erholung (1945−heute)
Die Einwohnerzahl erreichte ihren Höhepunkt 1950 mit 3,62 Millionen Einwohnern. Danach ging die Einwohnerzahl aufgrund des in die Vorstädte abwandernden Mittelstandes bis 1990 stetig und stark um insgesamt rund 840.000 Einwohner zurück. Erst seit Beginn der 1990er Jahre erholte sich die Einwohnerzahl wieder.
Zwischen 1955 und 1976 prägte Richard J. Daley als Bürgermeister nicht nur maßgeblich die Politik der Großstadt, sondern spielte auch in der Demokratischen Partei eine bedeutende Rolle, etwa bei der Unterstützung der Präsidentschaftskandidaturen von John F. Kennedy 1960 und Hubert Humphrey 1969. In seine Regierungszeit fällt das brutale Vorgehen gegen Antikriegsdemonstranten 1968. Während der Democratic National Convention im August 1968 kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen gegen den Vietnam-Krieg. 1969 wurden die Chicago Seven dafür angeklagt.
1979 wurde Jane Byrne erste weibliche Bürgermeisterin Chicagos und 1983 Harold Washington erster Bürgermeister schwarzer Hautfarbe. Der Herausforderer des Demokraten Washington bei der Bürgermeisterwahl 1983 war der Republikaner Bernard Epton, der von vielen weißen Demokraten und Basisorganisationen unterstützt wurde. Die Wahlen selbst zeigten sich als Abstimmung nach ethnischer Herkunft. Während Epton 90 Prozent aller Stimmen in den Stadtbezirken mit vorwiegend weißer Bevölkerung bekam, waren es nur drei Prozent in denen mit überwiegend schwarzer Bevölkerung. Bei Washington waren die Zahlen umgekehrt. Insgesamt siegte Harold Washington mit vier Prozentpunkten Vorsprung. Die Wiederwahl im Frühjahr 1987 gewann er sicher. Er regierte Chicago bis zu seinem Tod im November 1987.
Anfang des 21. Jahrhunderts ist der Status der Stadt als kulturelles und wirtschaftliches Zentrum der Region unumstritten.
Bearbeiten Demografie
2005 lebten in der Stadt 2,84 Millionen Menschen. Das war gegenüber 2000 ein Rückgang um 1,8 Prozent. Die Metropolregion Chicago, die auch „Chicagoland“ genannt wird, lag 2008 mit 9,5 Millionen Einwohnern an 30. Stelle der Liste der größten Metropolregionen der Welt.
Laut der Volkszählung aus dem Jahr 2000 gab es im Stadtgebiet 2.896.016 Einwohner, 1.061.928 Haushalte und 632.909 Familien, die in der Stadt ansässig waren. Die Bevölkerungsdichte betrug 4.923 Einwohner pro Quadratkilometer. Die Bevölkerung bestand zu 41,97 Prozent aus Weißen und zu 36,77 Prozent aus Afroamerikanern; 4,35 Prozent sind asiatischer Herkunft. Der Median des Einkommen je Haushalt lag bei 38.625 US-Dollar, der Median des Einkommens einer Familie bei 42.724 US-Dollar. 19,6 Prozent der Bevölkerung lebten unter der Armutsgrenze. Die größten Gruppen nach ethnischer Herkunft im Stadtgebiet waren: Polen 210.421 (7,3 Prozent), Iren 191.998 (6,6 Prozent), Deutsche 189.618 (6,5 Prozent), Italiener 101.903 (3,5 Prozent) und Engländer 57.579 (2,0 Prozent).[10]
Die ethnische Herkunft nimmt für nachfolgende Generationen an Bedeutung ab, besonders bei Kindern aus gemischten Ehen. Dies gilt auch für die zahlreichen Nachkommen deutscher Einwanderer, die in und um Chicago wohnen. Da viele Einwohner irischstämmig sind, findet jedes Jahr im März eine riesige St. Patrick's Day Parade statt. Zur Feier dieses Tages wird auch der Chicago River grün gefärbt. Derzeit gibt es auch ein sehr großes Gebiet im Nordwesten der Stadt, das dadurch auffällt, dass die Schilder auf Geschäften koreanisch beschriftet sind.
Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen der eigentlichen Stadt nach dem jeweiligen Gebietsstand. Von 1830 bis 2000 handelt es sich um Volkszählungsergebnisse und 2005 um eine Schätzung des United States Census Bureau.
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Bearbeiten Politik
Bearbeiten Stadtregierung
An der Spitze der Stadtverwaltung von Chicago steht der Bürgermeister (Mayor), der von der Bevölkerung für eine Amtszeit von vier Jahren gewählt wird. Er ernennt Leiter der verschiedenen Ressorts der Stadtverwaltung und andere Beamte, in einigen Fällen auch mit Zustimmung des Stadtrats. Der Bürgermeister besitzt das Recht gegen Verordnungen sein Veto einzulegen.
Die Stadtverordnetenversammlung (City Council) besteht aus 50 Mitgliedern und wird ebenfalls alle vier Jahre gewählt. Sie vertritt die verschiedenen Stadtteile Chicagos. Die Stadtverordnetenversammlung verabschiedet Gesetze, legt die Grundsteuer fest und teilt den einzelnen Ressorts der Stadtverwaltung ihre finanziellen Mittel zu.
Chicago ist seit langer Zeit eine Hochburg der Demokratischen Partei. Seit 1931 stellten die Demokraten alle Bürgermeister von Chicago. Der derzeitige Bürgermeister Richard M. Daley regiert die Stadt seit 1989. 1983 kandidierte er erstmals für das Bürgermeisteramt, unterlag jedoch. 1989 konnte er sich schließlich behaupten. Eines seiner Ziele war die Umwandlung des Uferbereiches des Michigansees in einen Park. Wegen einer umstrittenen Aktion zur Schließung des Meigs-Field-Flugfeldes kurz nach seiner Wiederwahl im Jahre 2003 wurde er heftig kritisiert. In dieser Wahl erhielt er dennoch 79 Prozent aller Stimmen und ließ die anderen drei Kandidaten somit weit hinter sich. Auch bei den Kommunalwahlen am 27. Februar 2007 wurde er mit 71,05 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt.[11]
Siehe auch: Liste der Bürgermeister von Chicago
Bearbeiten Städtepartnerschaften
Chicago hat 27 Schwesterstädte, zu denen es eine Partnerschaft unterhält.[12] Die meisten Schwesterstädte von Chicago befinden sich in Europa (14), gefolgt von acht in Asien und drei in Afrika. In Amerika unterhält Chicago zwei Partnerschaften. In Australien gibt es keine Partnerstädte.
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Bearbeiten Kultur und Sehenswürdigkeiten
Bearbeiten Theater
Chicago hat eine bedeutende Theaterkultur und gilt als Geburtsort des modernen Improvisationstheaters. Die im Jahre 1955 gegründete studentische Schauspielgruppe The Compass erweckte die Prinzipien der Commedia dell'arte zu neuem Leben und führte – inspiriert durch Bertolt Brechts Theatertheorien – nach so genannten Szenarios gesellschaftskritische, satirische Improvisationen auf. Darüber hinaus wurden nach Vorgaben des Publikums kurze Szenen improvisiert.
In der South Michigan Avenue befindet sich das 1889 erbaute Auditorium Theatre. Es war von einigen engagierten Chicagoer Bürgern gegründet worden, um mit diesem reichhaltig mit Gold, Mosaiken und Wandgemälden ausgestatteten Gebäude der Stadt zu einem kultivierten Image zu verhelfen.
In der Lincoln Avenue steht das Biograph Theater. Am 22. Juli 1934 wurde dort John Dillinger von FBI-Agenten umzingelt und erschossen, nachdem seine Geliebte, die legendäre Lady in Red (Ana Cumpanas), ihnen einen Tipp gegeben hatte. Weitere bekannte Theater sind das Court Theatre, das Goodman Theatre und das Merle Reskin Theatre (ehemaliges Blackstone Theatre).
Am 30. Dezember 1903 starben bei einem Brand im Iroquois Theater 602 Menschen. Das Unglück führte im ganzen Land zur Einführung strenger Richtlinien bei der Feuerbekämpfung. Das Gebäude wurde ein Jahr später als Colonial Theater wiedereröffnet und 1925 abgerissen. An seiner Stelle entstand 1926 das Oriental Theatre.
The Second City ist eine Theatergruppe in Chicago. Sie ist außerhalb Chicagos die bekannteste in der Stadt beheimatete Theatergruppe. Zahlreiche ehemalige Mitglieder haben später in der Fernseh-Comedy-Show Saturday Night Live mitgespielt. Bekannte ehemalige Mitglieder sind unter anderem: Alan Alda, Ed Asner, Dan Aykroyd, John Belushi, Bonnie Hunt, Bill Murray und Mike Nichols. Einen landesweiten Ruf hat auch die Steppenwolf Theatre Company, die frühere Gruppe von John Malkovich.
Bearbeiten Museen
Zu den zahlreichen bedeutenden Museen der Stadt gehört unter anderem das 1930 fertiggestellte Adler-Planetarium und Astronomiemuseum. Es zeigt auf mehreren Ebenen zahlreiche Exponate zum Thema Weltraum, Planetensystem und deren historische und aktuelle Erforschung. Die Sammlung historischer Instrumente ist weltberühmt. Darüber hinaus besitzt es zwei Theater für astronomische Vorführungen, eines mit einem Zeiss-Projektor und eines mit einer modernen digitalen Lasershow, die insbesondere Flugsimulationen ermöglicht.
Das Art Institute of Chicago ist ein 1866 gegründetes Kunstmuseum und eine Kunsthochschule. Es zeigt Schätze und Meisterwerke aus der ganzen Welt, darunter insbesondere impressionistische, postimpressionistische und amerikanische Kunst. Im Museum sind bekannte Werke wie beispielsweise Claude Monets Heuschober, Georges Seurats Ein Sommersonntag auf der Insel Grande Jatte, Grant Woods American Gothic und Edward Hoppers Nighthawks zu sehen. Es beherbergt auch das Lebenswerk des Fotografen Irving Penn.
Das Field Museum of Natural History wurde 1893 als Columbian Museum of Chicago gegründet. Nachdem anfänglich sogar Kunst zu seinen Sammelgebieten zählte, fokussierte man das Aufgabengebiet mit der 1905 erfolgten Umbenennung auf Naturwissenschaften und Völkerkunde. Dabei sorgte der Namenspatron Marshall Field für ein noch heute bedeutendes Stiftungsvermögen. 1921 konnte das heutige Haus am Ufer des Michigansees bezogen werden. Das Field Museum beherbergt mehr als 22 Millionen konservierte Organismen und sonstige Sammlungsobjekte.[13] Es gehört auch auf diesem Sektor zu den größten naturwissenschaftlichen and anthropologischen Sammlungen weltweit.
Das Museum of Contemporary Art (MCA) ist ein 1967 gegründetes Museum für zeitgenössische Kunst. Das MCA war das erste Projekt des deutschen Architekten Josef Paul Kleihues in den USA. Es umfasst eine große Zahl interaktiver Ausstellungsstücke und Videopräsentationen sowie eine Abteilung mit Werken von Alexander Calder, Andy Warhol und anderen; an der Rückseite liegen ein Skulpturengarten und ein Patio.
Das Museum of Science and Industry ist ein Science Center und liegt in Jackson Park, etwas südlich von Downtown Chicago. Das Museumsgebäude wurde 1893 für die World Columbian Exposition gebaut und ist das einzige noch bestehende Gebäude dieser Weltausstellung. Rosenwalds Vorstellungen entsprechend wurden viele Ausstellungen interaktiv gestaltet. Bis heute wurde dieses Konzept beibehalten. So kann der Besucher beispielsweise durch ein Modell des menschlichen Herzens laufen, in der Hall of Communications die Geschichte des Telefons erfahren oder eine nachgebaute Kohlemine besichtigen.
Bearbeiten Musik
Bei der Weiterentwicklung der genuin US-amerikanischen Musikstile von Jazz, Blues und Soul hat die Stadt eine bedeutende Rolle gespielt. Durch eine große wirtschaftlich bedingte Migrationsbewegung zu Beginn der 1920er Jahre sowie die Schließung des Vergnügungsviertels Storyville in New Orleans verlagerte sich das musikalische Zentrum des Jazz zusehends nach Chicago.
Bedeutende Musiker wie Louis Armstrong, King Oliver und Jelly Roll Morton waren in der Stadt tätig. In der Southside, dem Schwarzenviertel der Stadt, entstand ein reges Jazzleben. Es entwickelte sich der so genannte Chicago Jazz, welcher die Soloimprovisation gegenüber der Kollektivimprovisation stärker in den Vordergrund rückte, und eher zu einer kühlen Spielweise neigte.
Der von Gitarre und Mundharmonika geprägte, ländliche Delta-Blues wurde in Chicago elektrifiziert. Es entstand der so genannte Chicago Blues. Die Stadt wurde zu einem bis heute aktiven Zentrum des Blues, geprägt durch Musiker wie Howlin' Wolf, Muddy Waters, Little Walter und Willie Dixon. In den 1960er Jahren entwickelte sich der Chicago Soul, als dessen bekanntester Vertreter Curtis Mayfield gilt. Die Stadt gilt als Geburtsort der House-Music mit ihrer Untergattung Chicago House. Einer der erfolgreichsten RnB-Künstler unserer Zeit, R. Kelly, stammt aus Chicago und referenziert auch in seiner Musik oft auf diese Stadt.
Auch in der Hip-Hop-Musik ist Chicago in den letzten Jahren dank Rappern wie Common, Lupe Fiasco und dem Rapper, Songwriter und Produzenten Kanye West zu einer einflussreichen Stadt geworden.
Das Chicago Symphony Orchestra gehört zu den besten Orchestern der USA. Es konzertiert in der Chicago Orchestra Hall (manchmal auch Theodore Thomas Orchestra Hall nach dem Gründer des Orchesters genannt). Der 1904 erbaute Komplex wurde 1966 einschneidend umgebaut, sodass der außerordentlich runde Klang verloren ging. Aufgrund des nunmehr trockenen und engen Klangbilds fanden Tonaufnahmen in der Folge meist andernorts statt, vor allem im Medinah Temple. 1997 endete eine erneute Umbauphase, die unter anderem das Ziel hatte, das alte Klangbild wieder herzustellen. Der Klang gewann tatsächlich hörbar an Breite und Schönheit, nur beschwerten sich nun die Musiker, dass sie sich untereinander nicht mehr hören konnten. Durch diverse Nachbesserungen ist mittlerweile ein erträglicher Zustand erreicht worden.
Die Association for the Advancement of Creative Musicians (AACM) ist eine Vereinigung von Jazz-Musikern, die sich der Erneuerung der afrikanisch-amerikanischen Musik verpflichtet haben und zugleich in der Musikerziehung an zahlreichen Schulen Chicagos aktiv sind. Weitere bekannte Musiker und Bands der Stadt sind: das Art Ensemble of Chicago („Great Black Music, Ancient to the Future“; es wirkte stilbildend auf den Bereich der ethnisch beeinflussten Jazz-Musik), die Band Chicago, die Rockband Chevelle ('zweites Zuhause' des Jazz, Blues) sowie die Bluesband The Blues Brothers.
Bearbeiten Literaturwesen
Um die Zeit des Ersten Weltkriegs wurde Chicago zu einem Zentrum kultureller Kreativität, insbesondere im Bereich der Literatur. Knotenpunkt dieser Bewegung war die 1912 gegründete Literaturzeitschrift Poetry: A Magazine of Verse. Zu dieser Zeit traten Edgar Lee Masters mit (Spoon River Anthology 1915) und Carl Sandburg mit Werken hervor, die sich eingehend mit Illinois und Chicago auseinandersetzten. Weitere Chicagoer Schriftsteller, die sich ihrer Stadt und Kultur annahmen, waren Eugene Field, George Ade, Henry Blake Fuller, Hamlin Garland, Robert Herrick und William Vaughn Moody.
Die Autoren Theodore Dreiser, Vachel Lindsey und Ring Lardner hoben sich von ihnen mit einem spitzzüngig mokanten Stil ab. Am bekanntesten wurde jedoch Upton Sinclair mit seinen sozialkritischen Büchern, vor allem über die Schlachthöfe von Chicago. Damit hatte er einen großen Einfluss auf die europäische Literatur und vor allem auf Schriftsteller, die der Arbeiterbewegung nahestanden wie etwa Bert Brecht. Sinclair lebte jedoch nur vorübergehend in Chicago. Spätere namhafte Literaten der Stadt waren James T. Farrell, Richard Wright, Nelson Algren, Gwendolyn Brooks und Saul Bellow. Die Kriminalautorin Sara Paretsky lässt ihre Detektivin V. I. Warshawski regelmäßig in Chicago ermitteln.
Bearbeiten Bauwerke
Bearbeiten Die höchsten Gebäude
Die Innenstadt von Chicago bietet eine Ansammlung moderner Architektur. Dies fängt bei den typischen Wolkenkratzern um 1900 an und führt über die Meisterwerke Mies van der Rohes bis hin zum 1974 fertiggestellten Sears Tower. Chicago gilt auch als Geburtsort der Wolkenkratzer, da hier mit dem zehnstöckigen Home Insurance Building 1885 das erste Haus mit Stahlskelett errichtet wurde.
Am South Wacker Drive, Ecke Adams Street, steht das höchste Gebäude Chicagos, der Sears Tower. Im 103. Stock beherbergt es das Skydeck Observatory, wo man an klaren Tagen bis weit hinein nach Illinois, Michigan, Wisconsin und Indiana sehen kann. Das Hochhaus hat eine Höhe von 442 m und war bis 1998 das höchste Gebäude der Welt. Obwohl es dann von den Petronas Towers (452 m) in Kuala Lumpur übertroffen wurde, besaß es bis 2003, als der Taipei 101 (508 m) eröffnet wurde, das höchste nutzbare Stockwerk und das höchste Dach. Mit Antenne misst es sogar 527 m und ist bis heute der insgesamt höchste fertiggestellte Wolkenkratzer sowie das vierthöchste freistehende Bauwerk der Welt.
Das zur Zeit noch zweithöchste Gebäude, das Aon Center, misst bis zum Dach 346 m und das dritthöchste, das John Hancock Center 343 m – mit Antenne sogar 457 m, womit es das siebthöchste freistehende Bauwerk der Welt ist, fünf Meter höher als die Petronas Towers mit Spitze. Zur Zeit wird noch am Trump International Hotel & Tower gebaut, das 2009 mit 357 m (415 m inklusive Antenne) den Rang des zweithöchsten Gebäudes übernehmen wird.
Chicago besitzt noch einige Gebäude um die 280 m Höhe, beispielsweise das AT&T Corporate Center (Dachhöhe 270 m, 307 m mit Antennen, Fertigstellung 1989), Two Prudential Plaza (279 m bzw. 303 m mit Antenne, 1990), 311 South Wacker Drive (293 m, 1990), 900 North Michigan (265,5 m, 1989), Water Tower Place (262 m, 1976) und den Chase Tower (259 m, im Jahre der Fertigstellung 1969 das fünfthöchste Gebäude der Welt).
Für das Jahr 2010 ist die Vollendung des 610 m hohen Chicago Spire am Ufer des Michigansees geplant. Trotz dieser enormen Höhe wäre der von dem spanischen Architekten Santiago Calatrava entworfene Wolkenkratzer nicht das höchste Gebäude der Welt, denn bis zu seiner Fertigstellung wird der Burj Dubai („Turm von Dubai“) in den Vereinigten Arabischen Emiraten, der bereits im Bau ist, mit einer Höhe von 808 m vollendet sein.
Bearbeiten Weitere Bauwerke
Das kompakte Zentrum wird als The Loop bezeichnet, denn es wird umrundet von der „El“ genannten Hochbahn der städtischen Verkehrsgesellschaft CTA. Hier im Geschäftszentrum befinden sich das Art-Déco-Hochhaus der Chicago Board of Trade, wo die Hälfte der weltweiten Weizen- und Maisernte umgeschlagen wird und die Chicago Mercantile Exchange. Dort werden kostbare Metalle, bewegliche und unbewegliche Güter im Wert von ungefähr 50 Milliarden US-Dollar pro Tag gehandelt.
In der näheren Umgebung gibt es einige sehenswerte Gebäude. The Rookery, 209 South LaSalle Street, 1886 von Daniel Hudson Burnham und John Wellborn Root erbaut, zählt zu den berühmtesten und meistfotografierten Bauten der Stadt. Das maurisch-gotische Äußere lässt nicht vermuten, dass sich im Inneren eine lichtdurchflutete Eingangshalle befindet. Eine spiralförmige, freitragende Auslegertreppe, führt vom zweiten Stock nach oben. Nahe steht die Continental Illinois Bank, die mit 28 ionischen Marmorsäulen und Wandgemälden geschmückt ist.
Das Reliance Building, 32 North State Street, könnte während der Art-Déco-Zeit in den 1930er Jahren entstanden sein, wurde jedoch schon 1895 nach einem Entwurf von Daniel Burham fertig gestellt. Burham bestimmte das Gesicht von Chicago ganz entschieden; sein Fisher Building mit maritim inspirierten Terrakottafiguren steht in der 343 South Dearborn Street. Einen Häuserblock weiter südlich befindet sich das Manhattan Building von William LeBaron Jenney aus dem Jahre 1890, das erste Gebäude mit 16 Stockwerken. Von hier aus am Westufer des Flusses entlang erstreckt sich ein neu belebtes Stück Uferpromenade mit Straßencafés und Parks.
An der North Michigan Avenue steht eines der ältesten Gebäude Chicagos, der 1869 erbaute Old Water Tower (Alter Wasserturm). Das an ein Schloss aus dem 13. Jahrhundert erinnernde Kalksteingebäude ist ein Wahrzeichen der Stadt und beherbergt inzwischen Chicagos Tourismus-Information. Das steinerne Schloss wird überragt von einem 30 m hohen Turm. Gegenüber auf der anderen Strassenseite steht die dazugehörige Pump Station. Beide gehören zu den wenigen Gebäuden, die den Großen Brand von 1871 überstanden haben. Nur wenige Schritte vom Old Water Tower entfernt befindet sich der Water Tower Campus der katholischen Loyola University Chicago. Er beherbergt die Fachbereiche für Betriebswirtschaftslehre und Rechtswissenschaft.
Auch Ludwig Mies van der Rohe prägte die Architektur der Stadt. Am Ufer des Chicago River steht ein Gebäude, das allgemein als sein Meisterwerk angesehen wird, das IBM Building von 1971. An seinem sanften Licht- und Schattenspiel zwischen Bronze und Rauchglas haben sich weltweit unzählige Architekten orientiert. Weitere Gebäude Mies van der Rohes sind unter anderem die Lake Shore Drive Apartments (zwei identische Türme mit außenseitiger Stahlrahmenkonstruktion), das Federal Center (drei Gebäude mit großem Platz und roter Skulptur) und mehrere Gebäude für das Illinois Institute of Technology, beispielsweise die Crown Hall, eine Kombination aus Stahl und Glas.
Frank Lloyd Wright ist für seine so genannten Präriehäuser bekannt. Viele dieser Häuser entstanden außerhalb von Chicago, jedoch eins befindet sich auch innerhalb der Stadtgrenzen und zwar das zwischen 1907 und 1909 auf dem Campus der University of Chicago gebaute Robie House. Typisch für diese freistehenden Gebäude sind ausgreifende Dächer, horizontale Fensterbänder und eine freie Grundrissgestaltung um einen zentral gelegenen Kamin.
Nach Plänen Helmut Jahns entstand zwischen 1979 und 1983 das State of Illinois Center. Das 94 Meter hohe Regierungsgebäude aus Granit und Stahl beherbergt um die zentrale Rotunde angeordnet Büros, Geschäfte, Restaurants und Galerien. Am 10. Mai 1993 wurde es nach dem ehemaligen Gouverneur James Thompson benannt.
Sehenswert sind auch das Wrigley Building (im Auftrag des gleichnamigen Wrigley-Kaugummikonzerns erbaut), der Tribune Tower, die Green Mills (Stammkneipe des Gangsters Al Capone, noch immer im Stil der 1920er Jahre eingerichtet), das 1920 am Lincoln Park eröffnete Drake Hotel und die Zwillingstürme der Marina City, die später als Vorlage des Augsburger Hotelturms dienten. In Old Town, westlich der LaSalle Street, steht die 1873 erbaute St Michaels Church. Sie bildete ursprünglich den Mittelpunkt einer deutschen Gemeinde. Heute leben dort Menschen verschiedener Herkunftsländer.
Im Zentrum der Stadt befindet sich die im Jahr 1922 erbaute Al-Sadiq-Moschee.
Bearbeiten Parks
Der Grant Park erstreckt sich östlich des Art Institutes bis zum Lake Michigan und wird von Schnellstraßen und Eisenbahnschienen durchzogen. Im Zentrum der nördlichen Parkhälfte befindet sich der Clarence Buckingham Memorial Fountain and Garden (gestaltet von Marcel Francois Loyau), wo täglich von Sonnenuntergang bis 23 Uhr die Licht- und Wassershows veranstaltet werden. Fast an jedem Wochenende wird in der Gegend um die Petrillo Music Shell, gleich hinter dem Art Institute, ein Musikfestival abgehalten, sei es Gospel, Blues, Country, Jazz oder Klassik. Die größten Sehenswürdigkeiten konzentrieren sich um die landschaftlich neu gestaltete Südhälfte des Grant Park, den so genannten Museum Campus.
Südlich vom Art Institute steht der marmorverkleidete, von Daniel Burham entworfene griechische Tempel, der das Field Museum of Natural History beherbergt. Auf der gegenüberliegenden Seite des verkehrsreichen Lake Shore Drive, am Ufer des Lake Michigan befindet sich das Shedd Aquarium, eines der größten überdachten Aquarien der Welt. Das angeschlossene Oceanum bildet einen enormen Kontrast zum Aquarium. Die Anlage soll eine Felsenküste in Alaska darstellen – eine aufwendige Inszenierung, bei der die „natürlichen Verhaltensweisen“ der Tiere vorgeführt werden.
Im Lincoln Park, einer ausgedehnten Grünfläche Chicagos, befindet sich auch der städtische Zoologische Garten (Lincoln Park Zoo). Vom Lake Michigan landeinwärts liegt das Lincoln-Park-Viertel: Es konzentriert sich entlang der Lincoln Avenue und der Clark Street. Die Halsted Street, an der viele Blues-Lokale und Nachtklubs liegen, verläuft in Nord-Süd-Richtung mitten durch das Viertel.
Der 2004 eröffnete Millennium-Park am Ufer des Michigansees ist die erste Kultureinrichtung der USA die Audio-Führungen im digitalen MP3-Format anbietet. Der Jay-Pritzer-Musikpavillon mit seiner herausragenden Akustik und die Fußgängerbrücke sind ein Entwurf des Architekten Frank Gehry. Beim Crown Fountain (Kronen-Brunnen) von Jaume Plensa fließt das Wasser begleitet von wechselnden Video- und Lichteffekten an zwei Glastürmen herab. 2006 wurde vom indischen Bildhauer Anish Kapoor die Skulptur Cloud Gate errichtet. Die 110 Tonnen schwere, rostfreie Stahlkonstruktion reflektiert die Skyline von Chicagos Loop.
Der Brookfield Zoo ist ein Tierpark in Brookfield, einem Vorort von Chicago. Er nimmt eine Fläche von 57,4 Hektar ein. Der Tierbestand umfasst 3100 Tiere aus 450 Arten. Der Zoo öffnete am 1. Juli 1934 seine Tore und gewann schnell internationale Anerkennung, weil er anstelle vieler Gitter großzügige Schluchten und Wassergräben verwendete, um die Tiere von den Besuchern zu trennen. Der Tierpark war auch der erste in den USA, der Große Pandas zur Schau stellte, von denen ein Exemplar präpariert und an das Field Museum of Natural History in Chicago abgegeben wurde.[14]
Bearbeiten Sport
Ein bekanntes Team der Stadt sind die Chicago Bears, eine American Football Mannschaft, welche in der National Football League (NFL), der bedeutendsten amerikanischen Profiliga, spielt. Die Bears spielen dort in der National Football Conference (NFC), in der Northern Division. Sie gewannen 1986 den Super Bowl. Ihre Heimstätte ist das Soldier Field.
Die Chicago Blackhawks sind eine Eishockeymannschaft in der National Hockey League. Das Team wurde 1926 gegründet und gehört zu den Original Six Teams der NHL. Sie konnten den Stanley Cup bisher dreimal gewinnen, zuletzt 1960/61. Die Heimspiele werden im United Center ausgetragen. Die Vereinsfarben sind rot, weiß und schwarz.
Die Chicago Bulls sind eine Mannschaft der amerikanischen
