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Die Erde: regional vorherrschende Religionen. LÀnder, in denen das Christentum die vorherrschende Religion ist, sind violett (kath.), blau (prot.) oder rötlich (orth.) gekennzeichnet

Das Christentum ist mit ĂŒber 2,2 Milliarden AnhĂ€ngern vor dem Islam (rund 1,4 Milliarden) und dem Hinduismus (rund 889 Millionen) die grĂ¶ĂŸte Religion der Erde.[1] Gelegentlich wird mit dem Begriff auch die Christenheit – die Gesamtheit der AnhĂ€nger dieser Religion – bezeichnet. Das Christentum ist die Religion der sakramentalen Taufe und der darin begrĂŒndeten Kirche.

Der Begriff „Christentum“ (v. griech. christianismĂłs) wird erstmals in einem Brief des syrischen Bischofs Ignatius von Antiochia erwĂ€hnt. Die AnhĂ€nger des Christentums nennen sich selbst Christen, nach Jesus Christus. Die Apostelgeschichte 11,26 EU erzĂ€hlt, dass die Nachfolger Christi den Namen Christen zuerst von den Nichtchristen der zum Römischen Reich gehörenden syrischen Stadt Antiochia am Orontes erhielten, in welche sie nach den ersten Verfolgungen in PalĂ€stina geflohen waren.

Das Christentum ist eine gestiftete, monotheistische und missionierende Religion. Seine Wurzeln liegen im Judentum, in PalĂ€stina, zur Zeit der römischen Herrschaft zu Beginn des 1. Jahrhunderts. Das Christentum geht zurĂŒck auf die AnhĂ€nger des jĂŒdischen Wanderpredigers Jesus von Nazaret. Jesus wird von den Christen als der Christus (der Gesalbte), also der jĂŒdische Messias, verehrt sowie als der Mensch gewordene Sohn Gottes.

Der Kern der christlichen Religion rĂŒhrt nach ihrem SelbstverstĂ€ndnis aus der bedingungslosen Liebe Gottes gegenĂŒber den Menschen. In dieser Liebe, in der sich Gott offenbart bzw. sich selbst erschließt, wird die Beziehung Mensch-Welt-Gott geklĂ€rt. Wie alle Religionen mit ExklusivitĂ€tsanspruch versteht sich das Christentum selbst entweder als der alleinige Ort, an dem sich Gott den Menschen zugewandt hat oder zumindest als der Ort, an dem er dies in angemessenster, geklĂ€rtester und unĂŒberholbarer Weise getan hat. Nach der ersten Position werden alle anderen Religionen als Versuche des Menschen angesehen, mit seinen Anstrengungen und „Werken“ Gott, oder dem, was er dafĂŒr hĂ€lt, zu gefallen und sich ihm zu nĂ€hern; die andere Position sieht diese Versuche als unzureichend geklĂ€rte. Diese KlĂ€rung, die in Gottes Offenbarung geschieht, ist jedoch fĂŒr beide dieser Positionen ein Geschenk (Gnade) Gottes und nicht durch tĂ€tiges Mitwirken des Menschen zu erreichen.

Christlicher Lehre zufolge, die wiederum auf dem biblischen Zeugnis basiert, hat sich Gott in Jesus Christus der sĂŒndigen Menschheit zugewandt. Der Tod Jesu Christi am Kreuz wird dabei als dienende Erlösertat Gottes angesehen. In Jesus sei somit die Schuld und SĂŒnde der gesamten Menschheit aufgehoben, wobei diese SĂŒndenvergebung fĂŒr den einzelnen in der von Gott geschenkten glaubender Annahme abhĂ€nge. Als InitialzĂŒndung des christlichen Glaubens gilt die Erschließung dieser Gewissheit zu Ostern, dem dritten Tag nach Jesu Kreuzigung, an dem Gott an Jesus die Auferstehung bzw. Auferweckung als erstem von allen Menschen gewirkt und somit die Botschaft („Reich Gottes“) dieses Jesus von Nazareth bestĂ€tigt haben soll. Auf diesen Oster- bzw. Auferstehungsglauben grĂŒndet sich die christliche Gemeinschaft („Kirche“). Diesen Glauben versuchte man, zusammen mit der Erinnerung an Jesus von Nazareth als dem VerkĂŒnder der Botschaft Gottes im historisch gewachsenen und in mehreren Konsensbewegungen festgelegten neutestamentlichen Kanon authentisch festzuhalten und zu bewahren (WeiterfĂŒhrendes siehe „Christliche Lehre“). Ein wesentliches Kennzeichen dieses Kanons sind die - durch die anfĂ€ngliche Gemeinde - auf Jesus von Nazareth ĂŒbertragenen alttestamentlichen Hoheitstitel wie „Christus/Messias“, „Sohn Gottes“ und andere (vgl. "erneuerte jĂŒdische Tora" (Benedikt XVI.)). Vom Wesenskern her könnte man das Christentum als ein von Jesus von Nazareth reformiertes Judentum bezeichnen. Jesus selbst wird zuweilen auch die erneuerte Tora oder der dritte, nicht von Menschenhand erbaute Tempel genannt.

Inhaltsverzeichnis

Verbreitung

Die christliche Religion, alle Glaubensrichtungen zusammengenommen, ist die zahlenmĂ€ĂŸig bedeutendste Weltreligion; es wird geschĂ€tzt, dass ungefĂ€hr ein Drittel aller Menschen auf der Welt einer der christlichen Kirchen angehören. Diese Zahlen beruhen jedoch nur auf SchĂ€tzungen, da die Definitionen, wer als Christ mitzuzĂ€hlen sei und wer nicht, auseinandergehen. Die meisten staatlichen Statistiken werden auf Selbstbezeichnungen der einzelnen StaatsbĂŒrger oder Hochrechnungen zurĂŒckzufĂŒhren sein, manchmal auch auf amtliche Listen. Inwieweit andere Christen aufgrund dieser Merkmale in den dort gezĂ€hlten Personen Christen sehen, kann auf statistischer Basis nicht geschĂ€tzt werden, da es meistens auf sehr individuelle Geisteshaltungen geprĂ€gt wird. In vielen LĂ€ndern der Erde werden Christen auch heute verfolgt, so dass von dort auch nur sehr ungewisse Zahlen vorliegen.

Christentum weltweit in Zahlen (2000)

Region Bevölkerung Christen
in Mio. Wachstum in Prozent in Mio. Wachstum
Europa 730 0,05 % 71,0 % 519,1 −0,4 %
Deutschland 82 0,1 % 69,4 % 57,1 −1,0 %
Schweiz 7 0,67 % 86,6 % 6,4 0,4 %
Österreich 8 0,52 % 89,7 % 7,3 0,2 %
Asien 3.691 1,41 % 8,5 % 316,5 3,7 %
Afrika 784 2,41 % 48,3 % 379,4 2,8 %
Angloamerika 309,6 0,85 % 81,5 % 259,0 0,7 %
Lateinamerika 519 1,59 % 91,6 % 476,6 1,5 %
Pazifik 31 1,59 % 73,3 % 22,9 0,74 %
Weltweit 6.065 1,59 % 32,5 % 1.973,0 1,4 %

Bevölkerungszahlen der UNO von 1998. Zahlen ĂŒber Religionszugehörigkeit aus Gebet fĂŒr die Welt, Ausgabe 2003 (siehe unten). Die Daten stammen aus den Jahren 1998-2000. Die Wachstumsraten betreffen das durchschnittliche Wachstum von 1995 bis 2000, beruhen jedoch zum Teil auf einem Wechsel der Datenbasis.

Zusammenhalt, Organisation und Richtungen

Das Christusmonogramm mit den griechischen Buchstaben Alpha und Omega Das „X“ und das „P“ sind die beiden griechischen Buchstaben Chi und Rho und die beiden Anfangsbuchstaben von Christus

Die gesamte Christenheit wird als „die Kirche“ angesehen, als Leib Christi mit Christus als Kirchenoberhaupt, und jeder einzelne Christ stellt ein Glied dieses mystischen Leibes dar. Manche christlichen Theologen unterscheiden zwischen der „unsichtbaren Kirche“, die alle glĂ€ubigen Christen aller Konfessionen umfasst, und der oder den sichtbaren Kirchen, deren Mitglieder mehr oder weniger glĂ€ubig sein können. Alle christlichen Kirchen und Gemeinden fĂŒhlen sich dem Leib Christi zugehörig. Die Meinungen darĂŒber, wer außer der spezifischen Kirche auch noch dem Leib Christi zugehört, sind jedoch sehr unterschiedlich: das Spektrum geht von „alle getauften Mitglieder aller christlichen Kirchen“ ĂŒber „wir wissen es nicht“ bis zu „nur wer so wie wir glaubt und in unserer Gemeinschaft getauft ist“.

Viele Kirchen sind in einer mehr oder weniger lockeren Gemeinschaft mit anderen Kirchen, die in beiderseits anerkannten Lehren begrĂŒndet ist, ohne deshalb ihre spezifischen Lehren und BrĂ€uche aufzugeben. Beispiele fĂŒr solche Gemeinschaften sind der Ökumenische Rat der Kirchen, die Evangelische Allianz und die Leuenberger Konkordie. Daneben gibt es auch Kirchengemeinschaften, die die vollstĂ€ndige gegenseitige Anerkennung von Sakramenten, Kirchenmitgliedschaft und Ämtern beinhalten. Beispiele fĂŒr solche Kirchengemeinschaften sind die anglikanische Kommunion, die östlich-orthodoxen Kirchen und die evangelischen Unierten Kirchen.

Innerhalb des Christentums entstanden bald mehrere Gruppierungen bzw. Strömungen, manchmal durch politische Motive oder geografische Gegebenheiten, aber auch durch abweichende Lehrmeinungen. Grob lassen sich diese Richtungen nach ihren Merkmalen in Konfessionen einteilen. Zu einer Konfession gehören eine oder mehrere Kirchen oder Gemeinden. Der einzelne Christ ist Mitglied einer bestimmten Kirche oder Gemeinde. Neben den Konfessionen gibt es heute auch konfessionsĂŒbergreifende theologische Richtungen, beispielsweise liberal, evangelikal, oder charismatisch.

Historische Entwicklung

In der antiken Welt gab es fĂŒnf christliche Patriarchate, denen jeweils die lokalen Metropoliten, Erzbischöfe und Bischöfe unterstellt waren: Rom, Konstantinopel, Alexandria, Antiochia und Jerusalem. War ĂŒber wesentliche Lehrfragen zu entscheiden, wurde ein Konzil (eine Versammlung von Bischöfen) einberufen. Das höchste Ansehen genossen die ökumenischen Konzile, in denen Bischöfe aus allen Patriarchaten zusammenkamen; allerdings hatten auch diese nicht „das letzte Wort“, denn mehreren Konzilen, die sich selbst als „ökumenisch“ betrachteten, wurde dieser Status wegen mangelnder Zustimmung der Bevölkerung spĂ€ter aberkannt. Insgesamt gab es zwischen 321 und 787 sieben ökumenische Konzile, die bis heute von östlich-orthodoxen, katholischen und den meisten evangelischen Kirchen anerkannt werden; viele evangelische Kirchen erkennen allerdings das siebte Konzil nicht an wegen seiner Ikonenlehre.

Zu einer ersten Spaltung kam es 451 nach dem ökumenischen Konzil von Chalcedon, das die Natur Christi als sowohl menschlich als auch göttlich definierte (siehe auch Arianismus). Die Patriarchate einschließlich Rom akzeptierten den Konzilsentscheid. Die miaphysitischen Kirchen haben dagegen eine Auslegung gewĂ€hlt, die nicht mit der des Konzils vereinbar ist. Die Koptische Kirche hĂ€lt Jesus fĂŒr fleischgewordenes Wort, d.h. er ist göttlich, jedoch in vollkommen fleischlicher Gestalt. Beide spalteten sich von ihren jeweiligen Patriarchaten Antiochia und Alexandria ab. Die Assyrische Kirche des Ostens vertrat eine dem Miaphysitismus entgegengesetzte Position.

In den folgenden Jahrhunderten vertiefte sich in der Reichskirche die Entfremdung zwischen der östlichen und westlichen Tradition bis zum definitiven Bruch. Die westliche Tradition entwickelte sich in der SpĂ€tantike und im frĂŒhen Mittelalter im weströmischen Reich, wĂ€hrend die östliche Tradition in Konstantinopel, Kleinasien, Syrien und Ägypten entstand (Byzantinisches Reich). Die eigentlich dogmatischen Unterschiede bleiben zwar bis heute gering, aber die römische Kirche hatte in dieser Zeit Lehren entwickelt, die nicht von ökumenischen Konzilen abgesegnet worden waren, z. B. bezĂŒglich Primat des Papsttums und Filioque und forderte Jurisdiktion ĂŒber die ĂŒbrigen Patriarchate, was diese verweigerten. Weitere Unterschiede bestanden seit langem bezĂŒglich politischer Umgebung, Sprache und theologischen AnsĂ€tzen. Die Situation eskalierte und 1054 kam es zu einer gegenseitigen Exkommunikation zwischen dem Papst und dem Patriarchen von Konstantinopel. Auf diesen Anlass wird ĂŒblicherweise das MorgenlĂ€ndische Schisma zwischen östlich-orthodoxen Kirchen und der römisch-katholischen Kirche datiert. Trotz einiger Versöhnungsversuche blieben die Traditionen von da an getrennt.

Die westliche Tradition (Römisch-katholische Kirche ohne unierte Ostkirchen) erfuhr durch die Reformation des 16. Jahrhunderts eine neue tief greifende Spaltung. Sie betraf vor allem das Kirchen- und SakramentsverstĂ€ndnis und die Erlösungslehre. Die reformatorische Bewegung fĂŒhrte zu mehreren parallelen Kirchenbildungen, von denen sich im weiteren Verlauf neue Gruppierungen lösten, die sich aber auch wieder zu Kirchengemeinschaften zusammenfanden.

WĂ€hrend die verschiedenen Traditionen sich frĂŒher gegenseitig exkommunizierten, sind sie heute bei einer gewissen Akzeptanz und einer unterschiedlich stark ausgeprĂ€gten Zusammenarbeit in der Ökumene angelangt und sehen Konfessionen, die die zentralen Elemente der christlichen Lehre ebenfalls bejahen, als christliche Schwesterkirchen, oder zumindest christliche Kirchengemeinschaften (siehe Domine Jesu) an. In der evangelikalen Tradition ist die ökumenische Zusammenarbeit mit Kirchen, die dieser Tradition nicht angehören (z. B. im Weltkirchenrat), umstritten; auch die römisch-katholische Kirche arbeitet nicht in diesem Gremium mit.

Geschichtliche Entwicklung der traditionellen christlichen Gruppen

Östliche Tradition

Die Patriarchate von Konstantinopel, Alexandria, Antiochia und Jerusalem und einige seither neu dazugekommene nationale Kirchen, haben bis heute die gleiche Theologie und SpiritualitĂ€t, die sich, im Gegensatz zu einigen Teilen der protestantischen und katholischen Theologie, kaum verĂ€ndert hat, und sehen sich als Teil der ursprĂŒnglichen, von Christus gegrĂŒndeten Kirche. Allen ist gemeinsam, dass sie Bibel und Liturgie in der jeweiligen Landessprache haben. Die grĂ¶ĂŸte orthodoxe Kirche ist heute die Russisch-Orthodoxe Kirche. Heute haben die orthodoxen Patriarchate oft auch Kirchen im Ausland, die ihnen unterstellt sind. Es gibt signifikante Unterschiede zwischen den Orthodoxen und den westlichen Kirchen - dazu gehören z. B. die Interpretation der Dreieinigkeit und der Erlösungstat Christi, der Stellenwert der Liturgie, die Heiligungslehre, die SpiritualitĂ€t, die Bedeutung von Ikonen, oder die Lehre ĂŒber die Kirche. Die orthodoxen Kirchen haben ihre historischen Schwerpunkte in Osteuropa, im Balkan, im Nahen Osten, in Indien und in Nordostafrika, sind heute als Auswandererkirchen in allen Teilen der Welt zu finden.

Römisch-katholische Kirche und orthodoxe Kirchen unterscheiden sich also hauptsĂ€chlich darin, dass es in der orthodoxen Kirche keinen Papst gibt (obwohl der Patriarch von Konstantinopel einen Ehrenvorrang innehat) und die Orthodoxie von synodalen Prozessen geleitet wird. In beiden Kirchen gibt es 7 heilige Sakramente (Taufe, Heilige Eucharistie/Kommunion, Salbung bzw. Firmung, Sakrament der Versöhnung/Bußsakrament, Krankensalbung, Priesterweihe, Ehe). In orthodoxen Kirchen werden die Sakramente Taufe, Erstkommunion und Firmung zusammen im Kindesalter gespendet, wĂ€hrend dies in der römisch-katholischen Kirche zeitlich abgestuft wurde; in den katholischen Ostkirchen werden Eucharistie und Firmung ebenfalls unmittelbar nach der Taufe gespendet. Der Zölibat wird in der orthodoxen Kirche wie auch in den mit Rom unierten katholischen Ostkirchen nur fĂŒr das Bischofsamt und fĂŒr Ordensleute vorgeschrieben, wĂ€hrend er in der westlichen katholischen Kirche fĂŒr alle Priester vorgeschrieben ist. Die Lehre beider Kirchen basiert auf der Lehre Christi, deren VerstĂ€ndnis in der kirchlichen Tradition unter der Leitung des Heiligen Geistes fortschreiten kann, wobei eine „traditio constitutiva“ (unverĂ€nderbar) und eine „traditio divino-apostolica“ die sich in der menschlichen traditiones zeigt (Ausdruck, daher verĂ€nderbar) zu unterscheiden ist. Die Orthodoxie beschrĂ€nkt die „traditio constitutiva“ auf die von ihnen anerkannten ökumenischen Konzilien.

Westliche Tradition

Im weströmischen Reich entwickelte sich eine Lehre, dass der Bischof von Rom (Papst) eine AutoritĂ€t besitzt, die direkt auf den Apostel Petrus zurĂŒckgefĂŒhrt werden kann und die ihn zum Stellvertreter Christi und damit Inhaber des obersten Jurisdiktions-, Lehr- und Hirtenamts in der christlichen Kirche macht. Diese Entwicklung, die schon unter IrenĂ€us von Lyon angefangen hatte, vollzog sich schrittweise, bis im 1. Vatikanischen Konzil das Dogma der pĂ€pstlichen Unfehlbarkeit bezĂŒglich der ex cathedra verkĂŒndeten Glaubensaussagen promulgiert wurde. Um die Mitte des zweiten Jahrtausends entwickelte sich an verschiedenen Orten in Europa (Martin Luther und Ulrich Zwingli im deutschen Sprachraum, Johannes Calvin im französischen, und Thomas Cranmer im englischen) aus Protest gegen MissbrĂ€uche in der katholischen Kirche die Reformation. Nach der Reformation war die westliche Kirche weiter in eine römische Tradition (die in der Reformation zu Rom hielt) und eine reformatorische Tradition (die sich von Rom löste) gespalten. Im Ersten Vatikanischen Konzil trennten sich dann, unter FĂŒhrung des Erzbischofs von Utrecht, die Altkatholische Kirche von der römisch-katholischen Kirche; weil ihre historische Tradition zwischen dem 16. und dem 19. Jahrhundert mit Rom parallel lief, sie sich aber heute in ihrer Lehre mit der Anglikanischen Kirche, die aus der Reformation hervorging, einig ist, ist ihre Klassifizierung schwierig.

Römische Tradition

Der Römisch-Katholischen Kirche gehören weltweit etwa 1,1 Milliarden GlĂ€ubige an. Sie sieht sich – gemeinsam mit der orthodoxen Kirche – als alleinige Verwalterin aller Sakramente, da sie in ihr die Kirche Christi verwirklicht sieht (vgl. 2. Vatikanisches Konzil Lumen Gentium so wie Apostolicae Curae und Domine Jesu).

Die römisch-katholische Kirche ist die grĂ¶ĂŸte christliche Konfession und in regional unterschiedlicher StĂ€rke weltweit vertreten. Derzeit wĂ€chst die katholische Kirche um mehr als 15.000.000 Menschen jĂ€hrlich[2]. Die apostolische Sukzession spielt bei ihr eine Rolle bei der GĂŒltigkeit der Weihe von Bischöfen und daran anknĂŒpfend Priestern.

Im I. Vatikanischen Konzil trennten sich die Kirchen der römischen Katholiken und die der Altkatholiken; letztere lehnen das Dogma der Unfehlbarkeit des Papstes ab und ebenso den Pflichtzölibat, wÀhrend erstere die gegenteilige Position in diesen Fragen hat; die Leitung bei den Altkatholiken obliegt Àhnlich der Orthodoxie einer Synode.

Römisch-katholische Gottesdienste sind fĂŒr alle zugĂ€nglich; der Empfang der Kommunion ist jedoch nur Katholiken sowie Angehörigen orthodoxer und orientalischer Kirchen erlaubt, sofern diese in rechter Weise disponiert sind. Mitgliedern anderer Kirchen darf in Todesgefahr die Kommunion verabreicht werden, sofern sie bezĂŒglich dieses Sakraments den katholischen Glauben bekunden.[3][4] Die Interkommunion ist untersagt.

Evangelische Tradition

Die evangelischen Kirchen verstehen sich als aus der biblischen Schrift heraus begrĂŒndet (Sola scriptura), wĂ€hrend die römisch-katholische Kirche sich durch die Schrift und die Überlieferung begrĂŒndet sieht. Dennoch erkennen die evangelischen Kirchen die frĂŒhen kirchlichen Traditionen, ihre Synode, und die aus ihr stammenden Bekenntnisse (Apostolikum, NizĂ€isches Glaubensbekenntnis) an. Diese beziehen ihre AutoritĂ€t jedoch nur aus ihrem Einklang mit dem evangelischen VerstĂ€ndnis der Schrift, und nicht aufgrund der Ämter ihrer Autoren.

Die öffentliche Auseinandersetzung Luthers mit der römisch-katholischen Tradition begann – nach einer mehrjĂ€hrigen theologischen Entwicklung – mit den 95 Thesen; seine Lehre ist in zwei von ihm verfassten Katechismen (Großer und Kleiner Katechismus) u.a. Schriften festgehalten. Luther selbst war noch Verfechter der Kindstaufe, des Bußsakraments und der Marienverehrung. Der als Augustinermönch ausgebildete Theologe verfasste allerdings eine neue, auf Augustin fußende Rechtfertigungslehre, die besagt, der „Glaube allein“ (Sola fide) wĂŒrde den Menschen „coram Deo“ (vor Gott) gerecht machen und ihn so vor der gerechten Strafe Gottes erretten. Basierend auf dieser Rechtfertigungslehre, sowie dem Prinzip der Sola scriptura, erkennen evangelische Christen als Sakramente nur zwei Handlungen an: die Taufe, bei der Jesus selbst nicht Handelnder gewesen ist, sondern Johannes der TĂ€ufer, und das Abendmahl oder Herrenmahl, das Jesus selbst begrĂŒndete. FĂŒr beide Handlungen sind ein Wort und ein Element konstitutiv, die in der biblischen Überlieferung mit dem Gebot Jesu zu deren DurchfĂŒhrung verbunden sind. In der evangelischen Tradition gibt es unterschiedliche AbendmahlsverstĂ€ndnisse, die jedoch in der Leuenberger Konkordie fĂŒr nicht kirchentrennend gehalten werden. Die reformierte Tradition versteht das Abendmahl dabei als rein symbolisches GedĂ€chtnismahl, wĂ€hrend in der lutherischen Tradition der Gedanke der RealprĂ€senz Jesu „in, mit und unter“ den Elementen Brot und Wein betont wird (Konsubstantiation), ohne allerdings deren Wandlung (Transsubstantiation) wie im katholischen VerstĂ€ndnis. Es ist weiterhin möglich, die Beichte abzulegen und Absolution zu empfangen, aber dies sei weder notwendig, noch sei es ein Sakrament. In manchen evangelischen Kirchen (nicht jedoch den deutschen Landeskirchen, die in der Evangelische Kirche in Deutschland vereint sind) wurde die Taufe unmĂŒndiger Kinder oft durch die GlĂ€ubigentaufe ersetzt, da diese Kirchen davon ausgehen, ein persönlicher Glaube des TĂ€uflings sei neutestamentliche Voraussetzung fĂŒr den Empfang der Taufe (sola fide). Die vielfĂ€ltigen evangelischen Konfessionen sind institutionell autonom und haben keine offizielle gemeinsame Lehre, die ĂŒber die Schrift hinaus geht, und kein gemeinsames Oberhaupt außer Christus.

Die gemeinsamen Grundgedanken der evangelischen Kirchen lassen sich durch die „vier Solas“ zusammenfassen:

  • „solus Christus“: Allein die Person, das Wirken und die Lehre Jesu ist Grundlage des Glaubens.
  • „sola scriptura“: Allein die Bibel ist Regel und Richtschnur des Glaubens („regula fidei“).
  • „sola gratia“: Allein die Gnade Gottes bringt Erlösung.
  • „sola fide“: Allein der Glaube rechtfertigt vor Gott.

Ein besonderer Fall ist die Anglikanische Kirche, die an der apostolischen Sukzession(obwohl die römisch-katholische Kirche an der GĂŒltigkeit der anglikanischen Bischofsweihe zweifelt), an vielen katholischen BrĂ€uchen in der Liturgie und an eucharistischem VerstĂ€ndnis festhĂ€lt. BezĂŒglich Einstellung zur Kirchentradition gibt es alle Zwischenstufen von der Anglikanischen Kirche bis zu den calvinistisch-reformierten Kirchen, die jede Kirchentradition außerhalb der Bibel ablehnen.

Über Lehre und Praxis wird in den meisten Konfessionen durch Synoden oder Konferenzen auf internationaler Ebene entschieden, in anderen Konfessionen auf der Ebene der lokalen Kirche.

Heute sind die Unterschiede zwischen liberalen und konservativen FlĂŒgeln innerhalb einer Konfession oft grĂ¶ĂŸer als die Unterschiede zwischen einzelnen Liberalen bzw. zwischen einzelnen Konservativen aus verschiedenen Konfessionen.

WĂ€hrend die evangelischen Konfessionen frĂŒher sehr stark die Unterschiede betonten, gibt es heute einige AnsĂ€tze zur AnnĂ€herung: Viele evangelische Konfessionen in Europa haben sich in der Leuenberger Konkordie zusammengeschlossen, konservative Konfessionen arbeiten in der evangelischen Allianz zusammen, in einigen FĂ€llen ist es sogar zu Wiedervereinigungen gekommen (United Church of Canada aus Lutheranern, Methodisten und Presbyterianern; Uniting Church of Australia aus Presbyterianern, Kongregationalisten und Methodisten; United Church of Christ aus sieben Konfessionen). Mit dem Weltkirchenrat gibt es auch ein Gremium der ökumenischen Zusammenarbeit nicht nur zwischen den verschiedenen evangelischen Kirchen, sondern auch mit den orthodoxen Kirchen zusammen.

Andere Konfessionen

Verschiedene andere Konfessionen, fĂŒr die Jesus Christus ebenfalls eine zentrale Figur ist, sehen sich weder in der orthodoxen, katholischen noch in der evangelischen Tradition. Gruppen, die sich selbst so einordnen, sind beispielsweise die QuĂ€ker, die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage und andere Gemeinschaften der Mormonen, die Ernsten Bibelforscher, die Vereinigungskirche, die Freien Bibelgemeinden und die Zeugen Jehovas. Diese Neureligiösen Gemeinschaften haben oft von den oben skizzierten großen Konfessionen abweichende Auslegungen. Beispielsweise haben sie Ansichten ĂŒber die Dreifaltigkeit, die nicht mit den ökumenischen Konzilen ĂŒbereinstimmen oder gleichwertige Schriften neben der Bibel oder bestimmte sog. "Sonderlehren" die sich bei den großen Konfessionen und/oder in der Bibel in dieser Form nicht finden oder den Lehren der Bibel und/oder der ĂŒbrigen Konfessionen sogar offen widersprechen. Wegen dieser Abweichungen ist es innerhalb der großen Konfessionen umstritten, ob diese oft auch als "(christliche/religiöse) Sondergruppen/-gemeinschaften" oder "Sekten" bezeichneten Gruppen ĂŒberhaupt zu den christlichen Konfessionen gezĂ€hlt werden können/sollten. Die besagten Gruppen haben teilweise die (allerdings unterschiedlich stark ausgeprĂ€gte) Tendenz, ihre eigene Sicht des Christentums absolut zu setzen. Die Unitarier bezeichnen sich als Grenzchristen (borderline Christians), da Jesus Christus keine zentrale Rolle in ihrem Glaubenssystem spielt.

OberhÀupter einiger christlicher Konfessionen

OberhÀupter einiger christlicher Konfessionen
Konfession Oberhaupt Erstes Oberhaupt Aktuelles Oberhaupt Anzahl Apost. Sukzession
Katholische Kirche Papst Simon Petrus Benedikt XVI. 265 Ja
Orthodoxe Kirchen Patriarch von Konstantinopel (nur Ehrenvorsitz) Apostel Andreas BartholomÀus I. 273 Ja
Anglikanische Kirchengemeinschaft Erzbischof von Canterbury Thomas Cranmer Rowan Douglas Williams 35 Umstritten
Koptische Kirche Papst Johannes Markus Shenouda III. 116 Ja
Syrisch-Orthodoxe Kirche Patriarch Simon Petrus Ignatius Zakka I. Iwas 122 Ja
Armenische Apostolische Kirche Patriarch Judas ThaddÀus Karekin II. 152 Ja
Assyrische Kirche Patriarch Apostel Thomas Dinkha IV. Khanania 115 Ja
Neuapostolische Kirche Stammapostel Friedrich Krebs Wilhelm Leber 8 Nein
Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage PrÀsident Joseph Smith Thomas S. Monson 16 Nein

Geschichte

Hauptartikel: Christentumsgeschichte

Christentum heute

Klosterportal

Das Christentum wĂ€chst heute in den meisten Erdteilen der Welt sehr stark, wobei sich sein Schwerpunkt vom "alten" Kontinent Europa hin zu den "neuen" Erdteilen verschiebt. Besonders stark wĂ€chst es in Asien und Afrika. Dieses Wachstum verteilt sich gleichermaßen auf die katholische Kirche, evangelikale Konfessionen und lokale Kirchen der Pfingstbewegung. Der Anteil der traditionellen evangelischen Konfessionen geht somit langsam zurĂŒck. Hinzu kommt ein leichtes Erwachsen von eher kirchenfernen christlichen Gemeinschaften, wie der CommunautĂ© de TaizĂ©. In Europa kann man auf Grund des GeburtenrĂŒckganges und gleichzeitiger Migration einen schwachen RĂŒckgang der Gesamtzahl der Christen verzeichnen.

Die AufklĂ€rung hat das Christentum im 17. und frĂŒhen 18. Jahrhundert politisch in erheblichem Maße geschwĂ€cht. Der bedeutendste Wandel bestand in der teilweisen Distanzierung von Kirche und Staat. Seither ist es in vielen Staaten möglich, die Ansichten der jeweiligen Kirche offen abzulehnen oder aus der Kirche auszutreten.

Lehre

Die zentralen Elemente der christlichen Lehre sind die Auferstehung Jesus Christi, die Liebe zu Gott (Gottesliebe) und die Liebe zum NĂ€chsten (NĂ€chstenliebe). Die Menschwerdung Gottes im Messias Jesus, sein Opfertod in Form der Kreuzigung sowie der Glaube an seine Auferstehung nach dem Tod. Die Christen glauben, dass diese Ereignisse die Basis von Gottes Werk bilden, welches die Menschheit mit ihm aussöhnen soll. Die christliche Lehre schloss jĂŒdische Urchristen, die diesen Glauben annahmen, von der Gemeinschaft der Juden untereinander aus, da diese es unter anderem ablehnten, einen Menschen anzubeten, denn sie sahen in Jesus Christus nicht den verheißenen Messias und Sohn Gottes.

Jesus ist nach einem mehrheitlich akzeptiereten christlichen GlaubensverstĂ€ndnis ganzer Gott und ganzer Mensch – mit der Betonung: ganzer Mensch, jedoch ohne menschliche SĂŒnde und von der ErbsĂŒnde frei. Zudem wird gelehrt, dass Jesus Christus nicht gesĂŒndigt hat und nicht sĂŒndigen könne. Er wird als Mensch und als Gott angebetet. Im Gegensatz dazu lehnen der jĂŒdische Glaube sowie Lehre und Auslegung des Islam sowohl die Möglichkeit der Inkarnation Gottes als Mensch als auch dessen Anbetung ab.

Es existieren allerdings viele Meinungsunterschiede, was nun wirklich das entscheidende Kriterium fĂŒr das Christ-Sein darstellt. Zum einen gehen sehr viele davon aus, dass zum Christ-Sein sowohl das Befolgen der ethischen Prinzipien, wie auch aktive Teilnahme an der christlichen Kirche dazugehört. Andere Menschen sehen sich selbst als Christen, weil sie gottesglĂ€ubig sind und die christliche Ethik achten, ohne dass sie allerdings selbst (aktives) Mitglied in einer Kirche sind. Der Ausdruck humanistische Christen bezeichnet wiederum Menschen, welche weder in einer Kirche sind noch an Gott glauben, jedoch ihre Ethik als christlich betrachten. Anonyme Christen (nach Karl Rahner) sind hingegen diejenigen, welche das Christentum nicht kennen oder es sogar bewusst ablehnen, aber dennoch den moralischen Prinzipien folgen. Evangelikale Christen lehren, dass es einer bewussten Entscheidung fĂŒr den christlichen Glauben bedarf (Bekehrung, Wiedergeburt), die eine radikale VerĂ€nderung des Lebens mit sich ziehen wĂŒrde.

Ursprung und EinflĂŒsse

Christusdarstellung aus dem Jahr 1310

Die ersten Christen waren Juden, die sich zum Glauben an Jesus Christus bekannten. In ihm erkannten sie den bereits durch die jĂŒdischen Propheten verheißenen Messias (griechisch: Christos latinisiert Christus), auf dessen Kommen das Judentum bis heute wartet. Die Christen ĂŒbernahmen aus der jĂŒdischen Tradition sĂ€mtliche alttestamentarische Schriften, wie z. B. die fĂŒnf BĂŒcher Mose, so wie auch viele grundsĂ€tzliche Lehren wie den Glauben an einen Messias oder Christus (aus dem griechischen: christos: Gesalbter). Von den Juden ĂŒbernommen wurde auch die Art der Gottesverehrung sowie das Gebet und die Verwendung der Psalmen. Eine weitere Gemeinsamkeit mit dem Judentum besteht in der Anbetung des gleichen Schöpfergottes. Jedoch sehen die meisten Christen Gott als einen dreifaltigen Gott an (TrinitĂ€t): Den Vater, den Sohn (Christus) und den Heiligen Geist, die zusammen eine Einheit bilden. Jesus Christus ist nach christlicher Lehre zugleich ganz Mensch und ganz Gott. Christentum basiert auf dem Glauben, dass Jesus von Nazareth der Christus ist, sowie auf den Lehren Jesu und dem Glauben an seine Auferstehung. Die Lehren Jesu wurden im ersten Jahrhundert der (nach Jesus Christus benannten) christlichen Zeitrechnung (A. D. = anno domini = im Jahr des Herrn) von Urchristen entscheidend entwickelt und ausgearbeitet.

Bezugsquellen und heilige Schriften

Die zentrale Bezugsquelle fĂŒr den Inhalt und das Wesen des christlichen Glaubens ist die Bibel, wobei ihre Wertung und Auslegung stark variiert.

Die christliche Bibel besteht aus zwei Teilen: dem Alten Testament und dem Neuen Testament. Das Alte Testament entspricht inhaltlich bis auf Details dem jĂŒdischen Tanach und wurde von Jesus und den Urchristen ebenso wie von den Juden als Heilige Schrift gesehen. Das Neue Testament enthĂ€lt Berichte vom Leben Jesu (Evangelien), der frĂŒhen Kirche (Apostelgeschichte; Urchristentum), Briefe der Apostel, sowie die Offenbarung des Johannes. Die Begriffe „Alt“ und „Neu“ fĂŒr die Testamente bezeichnen den Tatbestand, dass es aus Sicht der Christen einen alten und einem neuen Bund zwischen Gott und den Menschen gibt.

Der Umfang des Alten Testaments wird von verschiedenen Konfessionen unterschiedlich bestimmt, da die griechische Überlieferung der Septuaginta auch mehrere Texte enthĂ€lt, die in der hebrĂ€ischen Überlieferung nicht enthalten sind. Die Teile, die nur in der Septuaginta stehen, werden je nach Sichtweise als deuterokanonische Schriften bzw. Apokryphen bezeichnet. Einzelheiten sind im Artikel Kanon des Alten Testaments aufgefĂŒhrt.

Über den Inhalt des Neuen Testaments besteht bei allen großen Konfessionen ein Konsens, der sich in den ersten vier Jahrhunderten entwickelt hat. (Der Artikel Kanon des Neuen Testaments geht dazu in Details.)

Durch zahlreiche Funde von Kodizes und Papyri in den letzten zwei Jahrhunderten kann der ursprĂŒngliche Text des Neuen Testaments heute mit großer Genauigkeit wissenschaftlich rekonstruiert werden. Einzelheiten dazu sind in der Thematik Textgeschichte des Neuen Testaments beschrieben. Jedoch gehen die Meinungen der Theologen und der einzelnen Christen heute weit auseinander in der Frage, in wie weit es sich bei diesem Text um exakte Überlieferungen von Jesus und den Aposteln oder um ZusĂ€tze der frĂŒhen Kirche handelt.

Ebenso gibt es sehr unterschiedliche Sichtweisen bezĂŒglich der richtigen Methode der Übersetzung, die im Artikel BibelĂŒbersetzung und bei Artikeln ĂŒber die einzelnen BibelĂŒbersetzungen detailliert dargelegt sind.

Auch bezĂŒglich Exegese (Auslegung) der biblischen Texte und ihrer praktischen Anwendbarkeit auf Ethik und tĂ€gliches Leben gibt es eine große Bandbreite von Meinungen, sowohl unter den Konfessionen als auch bei einzelnen Christen innerhalb der Konfessionen. Die offiziellen Aussagen und Bibelinterpretationen seitens der Kirchen spielten vor allem in frĂŒherer Zeit eine große Rolle, wĂ€hrend die Menschen heute sich oft eigene Interpretationen zurecht legen, wobei sie darin nicht selten offen den Vorgaben ihrer jeweiligen Kirchen widersprechen. Wieder andere Christen gehen davon aus, dass allein die persönliche FĂŒhrung durch den Heiligen Geist ihr eigenes VerstĂ€ndnis fĂŒr das Wort Gottes öffnet.

Neben der Bibel spielen bei den meisten Konfessionen auch andere Überlieferungen wie Glaubensbekenntnisse, Weltkatechismus, Tradition, Liturgie und christliche Vorbilder wie Heilige eine wesentliche Rolle in der Ausformung der kirchlichen Praxis.

Heute lassen sich einige Christen auch durch andere, insbesondere östliche Religionen oder durch neutestamentarische Apokryphen inspirieren, Texte aus den ersten zwei Jahrhunderten, die nicht in den Kanon der Bibel mit aufgenommen wurden. Beides gehört in keiner Kirche zur offiziellen Lehre.

Christliche Lehre

WĂ€hrend in den verschiedenen Konfessionen zahllose Varianten der zentralen Elemente der christlichen Lehre existieren, gibt es doch einige Punkte, die orthodoxe, katholische und evangelische Konfessionen ĂŒber die meiste Zeit in den letzten 2.000 Jahren fĂŒr unverzichtbar fĂŒr den christlichen Glauben gehalten und mehrfach offiziell bestĂ€tigt haben:

  • Es existiert nur ein einziger Gott, Gott ist dreieinig – ein einziges ewiges Wesen, das in drei Personen existiert: Vater (Schöpfer), Sohn (Jesus Christus) und Heiliger Geist. Insofern Gott fĂŒr Menschen auf schwer verstĂ€ndliche Weise handelt, wird er auch als deus absconditus (der verborgene Gott) bezeichnet, insofern er sich dem Menschen zuwendet und offenbart, als deus revelatus.
  • Jesus Christus ist der Sohn Gottes und der Messias der jĂŒdischen Vorhersage. Die jĂŒdische Mutterreligion erwartet nach wie vor einen Messias. Auch im Islam trĂ€gt Jesus (Isa) den Titel al-masih und nicht wenige Muslime sind ĂŒberzeugt, dass seine Wiederkehr die Endzeit einleiten wird.
  • Jesus Christus hat das kommende Gottesreich verkĂŒndet und ist selbst vorweggenommener Beginn, mit seiner leiblichen Auferstehung hin zu Gott im Himmel. Jesus konnte nicht sĂŒndigen. Durch sein Selbstopfer am Kreuz ist allen Menschen ihre Schuld der ErbsĂŒnde vergeben, welche ihnen seit ihrer Geburt anhaftet, und sie sind durch das Blut Christi mit Gott versöhnt, sofern sie dies annehmen. Jesus ist ganz Gott und ganz Mensch, zwei Naturen in einer Person.
  • GlĂ€ubige werden mit Wasser und nach der trinitarischen Taufformel (Mt 28,19 EU) getauft. Durch den Glauben leben sie spirituell und werden vom Tod in ein ewiges Leben auferstehen, sofern sie an dieses Erlösungswerk Gottes fĂŒr sie glauben. Sie empfangen mit ihrer Bekehrung den Heiligen Geist, der Hoffnung bringt und die Kirche in Gottes Wahrheit und gemĂ€ĂŸ Gottes Absichten fĂŒhrt.
  • Jesus sitzt zur Rechten Gottes in aller Vollmacht und AutoritĂ€t in leiblicher Auferstehung. Er wird zu den Menschen wiederkehren, um die GlĂ€ubigen zu sich zu holen, damit sie ewig in der heiligen Gegenwart Gottes leben werden, in Macht und Herrlichkeit, um zusammen mit den Seinen gemeinsam zu regieren. Bis er „am Ende der Zeiten“ zurĂŒckkehrt, hat die Kirche den Auftrag, jedem die Frohe Botschaft zu predigen.
Wiederherstellung des Paradieses
  • Die Lehre, dass der Mensch durch ErbsĂŒnde und persönliche SĂŒnde von der Gemeinschaft mit Gott getrennt ist und aus eigener Kraft diese Gemeinschaft nicht wiederherstellen kann, sondern dass sie durch den Glauben an Jesus Christus wiederhergestellt wird. Über die genaue Art dieser Erlösung der GlĂ€ubigen und den Weg dazu gibt es innerhalb der verschiedenen christlichen Konfessionen unterschiedliche Auffassungen.
  • Die christliche Bibel ist das Wort Gottes bzw. von Gott inspiriertes Werk und es gibt keine anderen BĂŒcher, als die BĂŒcher der Bibel, die einen gleichen Stellenwert fĂŒr die Christen haben. Obwohl die Christen sich nicht einig sind, wie wörtlich die Bibel genommen werden sollte und es unterschiedliche Interpretationen vieler Stellen gibt, ist sie dennoch generell anerkannte Quelle von Informationen ĂŒber Jesus und Gott.
  • Maria, die Mutter von Jesus, gebar den Sohn Gottes, der, obwohl in Ewigkeit existierend, in ihrem Leib gezeugt wurde durch den Heiligen Geist. Von ihrer Menschlichkeit empfing er menschlichen Verstand und Willen und all das, was ein Kind natĂŒrlicherweise von seiner Mutter mitbekommt.

In der katholischen und orthodoxen Kirche wird Maria verehrt, laut frĂŒhchristlichem Konzilsbeschluss Theotokos = Muttergottes genannt und um FĂŒrsprache gebeten (Marienverehrung). Die evangelischen Kirchen messen Maria unterschiedliche Grade der Bedeutung bei und lehnen den Begriff „Muttergottes“ zumeist ab. WĂ€hrend Martin Luther den GlĂ€ubigen noch die FĂŒrsprache Mariens empfahl, hat sich dies, besonders bei den Evangelikalen, nicht bis in die Gegenwart gehalten. Vereinzelt finden sich noch Marienstatuen oder -bildnisse in anglikanischen Kirchen, nur selten in lutherischen Kirchen, und in den ĂŒbrigen evangelischen Kirchen fehlen sie ganz. Ähnlich das VerhĂ€ltnis zu anderen so genannten „Heiligen“ und ihren bildlichen Darstellungen.

Siehe auch: christliche Ethik, christliche Eschatologie, christliche Moral

Beziehung zu anderen Weltanschauungen

Das Christentum hat andere Religionen beeinflusst, deren AnhĂ€nger sich zwar nicht als Christen sehen, aber Jesus als Propheten Gottes anerkennen. Der Islam ist die grĂ¶ĂŸte dieser Religionen, Jahrhunderte christlich-islamischer Auseinandersetzungen haben jedoch das Jesus-Bild im Koran undeutlich werden lassen. So trĂ€gt Jesus im Koran einerseits positive Titel wie Messias, Wort Gottes und auch Geist Gottes; ebenso wird er, wie manche biblische Propheten, als ein solcher angesehen. Scharf zurĂŒck gewiesen werden im Koran jedoch die Dreieinigkeit und jede Anbetung Jesu. Umstritten (und nach mehrheitlicher, nicht ausschließlicher Auffassung geleugnet) ist die Kreuzigung. Erst sehr langsam beginnt der entfaltende Dialog hier anzusetzen.

Dem Christentum wird generell unter Nichtchristen Positives wie Negatives zugesprochen. Positiv wird meist die Lehre der NĂ€chstenliebe gesehen. Auch setzen sich weltweit viele Christen fĂŒr den Frieden und fĂŒr barmherzige Konzepte gegen die Armut ein. Negativ wird die Geschichte des Christentums mit KreuzzĂŒgen, Hexenverfolgungen und Antijudaismus gesehen. Die Positionen zu ethischen Reizthemen wie kĂŒnstlicher EmpfĂ€ngnisverhĂŒtung, HomosexualitĂ€t und Schwangerschaftsabbruch sind auch innerchristlich umstritten.

Es ist ein Anliegen vieler christlichen Kirchen, sich untereinander zu versöhnen und eine gemeinsame Basis zu schaffen (Ökumene). Außerdem fĂŒhren einige das GesprĂ€ch mit anderen Religionen (interreligiöser Dialog). Ziel ist ein friedliches Koexistieren der Religionen.

Nicht ĂŒbersehen darf man, dass die frĂŒhen Christen stark verfolgt wurden und dass es auch heute, gerade in kommunistischen und islamischen LĂ€ndern, eine starke Christenverfolgung gibt.

Dem Christentum wird teilweise der Vorwurf gemacht, eine Mitschuld an der Judenverfolgung gehabt zu haben, da z. B. im Mittelalter Juden verfolgt wurden, weil man ihnen die Schuld am Kreuzestod Jesu gab. Ursache fĂŒr diese Verfolgung war die Vermischung der historischen und der theologischen Schuldfrage, die dazu fĂŒhrte, dass gegenwĂ€rtig lebende Juden fĂŒr die (historische) Schuld am Tod Jesu haftbar gemacht wurden und beispielsweise als „Gottesmörder“ bezeichnet wurden. Die heutige theologische Forschung unterscheidet zwischen der Frage nach der historischen Schuld fĂŒr einen Justizmord, die gleichberechtigt fĂŒr Jesus ebenso wie fĂŒr jeden anderen Justizmord der Weltgeschichte gestellt werden kann und muss, und der theologischen Frage nach der Bedeutung des Todes Jesu Christi fĂŒr jeden Einzelnen. Die historische Frage nach der Schuld am Tode Jesu wird heute relativ einhellig so beantwortet, dass hier die römische Besatzungsmacht die Verantwortung trug, da die jĂŒdischen AutoritĂ€ten gar keine Befugnis zur Hinrichtung von Menschen hatten. Die theologische Frage wird im christlichen GlaubensverstĂ€ndnis so beantwortet, dass ein jeder SĂŒnder selber die Schuld am Kreuzestod Jesu trĂ€gt.

Kultureller Einfluss des Christentums

In der Geschichte des Abendlandes haben sich Glaube, Kultur und Kunst wechselseitig beeinflusst. Eine entscheidende Station war beispielsweise der Bilderstreit im frĂŒhen Mittelalter. Im Abendland beschĂ€ftigte sich Kunst oft mit christlichen Themen, obwohl seit der Renaissance stĂ€rker auch RĂŒckgriff auf nichtchristliche Motive aus der Antike genommen wurde.

Musik gehört von jeher zur liturgischen Ausdrucksform des christlichen Glaubens. In allen Epochen der Musikgeschichte schufen die bedeutendsten Musiker ihrer Zeit Werke auch fĂŒr die Kirchenmusik, so beispielsweise Georg Friedrich HĂ€ndel, Wolfgang Amadeus Mozart, Felix Mendelssohn Bartholdy; an herausragender Stelle aber vor allem Johann Sebastian Bach. Dichter wie Martin Luther oder Paul Gerhardt schufen im deutschsprachigen Raum Texte von hohem Rang und beeinflussten die weitere Entwicklung der Kirchenmusik maßgeblich. Der Einfluss des christlichen Glaubens ist dabei nicht auf die so genannte klassische oder E-Musik beschrĂ€nkt: So greift beispielsweise die Gospelmusik vor allem im amerikanischen Kulturkreis unterschiedliche Stilrichtungen des 20. Jahrhunderts auf und entwickelt diese weiter.

Auch im Bereich der Sprache hat das Christentum in vielen LĂ€ndern maßgeblich gewirkt. Im deutschsprachigen Raum hatte Martin Luther durch seine BibelĂŒbersetzung prĂ€genden Einfluss auf die Entwicklung und Verbreitung der hochdeutschen Sprache. Die Bibel als meistĂŒbersetztes Buch der Weltliteratur machte es insbesondere in kleineren SprachrĂ€umen z. T. ĂŒberhaupt erst einmal erforderlich, eine Schriftsprache zu entwickeln, wodurch kleinere Sprachen hĂ€ufig in ihrem Wert und ihrer IdentitĂ€t gestĂ€rkt wurden.

Musste der christlichen Mission frĂŒher teilweise der Vorwurf gemacht werden, zugleich mit dem christlichen Glauben auch die Kultur des Abendlandes (z. B. in Form von Kleiderordnungen) zu exportieren, ist das SelbstverstĂ€ndnis von Mission heute eher auf Inkulturation ausgerichtet.

Belege

  1. ↑ CIA (Hrsg.): The World Fact Book 2008. (online).33,32% von 6,707 Milliarden Menschen Weltbevölkerung.
  2. ↑ Offizielle Statistik der Katholischen Kirche
  3. ↑ Ă€hnliche Regeln gelten fĂŒr den Empfang der Sakramente der Versöhnung und der Krankensalbung
  4. ↑ siehe CIC Can. 844, §§ 1-4

Literatur

Auf neun BĂ€nde angelegte Gesamtdarstellung, die den aktuellen Forschungsstand miteinbezieht.
  • Bruce Bawer: Stealing Jesus: How Fundamentalism Betrays Christianity. Three Rivers Press 1998. ISBN 0-609-80222-4. (Kritik an fundamental-dogmatischen Tendenzen.)
  • Eugen Biser, Ferdinand Hahn, Michael Langer: Lexikon des christlichen Glaubens, 2004, ISBN 3-629-01667-7
  • Die Geschichte des Christentums. Religion ­ Politik ­ Kultur, herausgegeben von Jean-Marie Mayeur, Charles und Luce Pietri, AndrĂ© Vaucher, Marc Venard. Deutsche Ausgabe herausgegeben von Norbert Brox, Odilo Engels, Georg Kretschmar, Kurt Meier, Heribert Smolinsky, 14 Bde., Verlag Herder, Freiburg i. Br. 1991ff. (Aktuelle Gesamtdarstellung: Besprechung)
  • Handbuch der Kirchengeschichte, herausgegeben von H. Jedin u. a., 7 Bde., Freiburg 1962 - 1979, ISBN 3-451-20454-1
Standardwerk zur Geschichte (des Christentums aus dem Blickwinkel) der katholischen Kirche
  • H.-P. Hasenfratz: Das Christentum. Eine kleine Problemgeschichte. Theol. Verlag ZĂŒrich, 1992. – ISBN 3-290-10151-7
Das Buch behandelt Fragen, die in der Geschichte des Christentums immer wieder zu Problemen fĂŒhrten.
Rezension: „Was ist das Christentum? Was ist das wirklich Christliche? Was hĂ€lt die so vielfĂ€ltigen und in sich verschiedenen christlichen Kirchen ... ĂŒberhaupt zusammen?“ Fragen, auf die die Kirchen klare Antworten finden mĂŒssen, wenn sie die augenblickliche große Krise des Christentums ĂŒberwinden wollen.
KĂŒng liefert mit seinem Buch eine umfassende Analyse von zwanzig Jahrhunderten der Kirchengeschichte und damit den Grundstock, auf dem sich eine fruchtbare Diskussion ĂŒber die Zukunft des Christentums fĂŒhren ließe.
Ratzinger stellt in seiner Darstellung das spezifisch Christliche in großer PrĂ€gnanz dar.
  • Stolz, Fritz u. a.: Art. Christentum, in: Religion in Geschichte und Gegenwart, 4., völlig neu bearbeitete Auflage, Band 2, 1999, 183-238. – ISBN 3-16-146942-9

Weblinks