In der Antike war Kolchis (altgriechisch Κολχίς; lasisch/mingrelisch Κolcha; georgisch კოლხეთი Kolcheti) eine Landschaft zwischen Kaukasus und der Ostküste des Schwarzen Meeres. Es ist daher auch die Bezeichnung für das antike Königreich, das sein Zentrum in dieser georgischen Landschaft hatte.
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Bearbeiten Mythologie
In der Argonautensage war Kolchis die Heimat der Medea und das Ziel Jasons und der Argonauten. Nach der Sage wurden in Kolchis auf dem kirkäischen Feld die verstorbenen Männer in Stierfelle genäht und in Weiden aufgehängt. Die Frauen wurden hingegen in der Erde bestattet.
Das Kolchis der Mythologie soll auch einen weltbekannten Garten mit Heil- und Giftpflanzen gehabt haben. Auch Aietes, der König von Kolchis, soll ein wichtiger Magier und Giftkundiger gewesen sein. Aietes war der Vater der Medea.
Bearbeiten Geschichte
Schon vor 1,8 Mill. Jahren war die fruchtbare Ebene des Kaukasus von Jägern und Sammlern bewohnt.[1] Östlich im nahen Gebrigsmassiv wurde bereits 6000 v. Chr. Kupfer abgebaut und der Fund alter Weintrauben zeugt vom Weinanbau um 5000 v. Chr.[2]
Bearbeiten Kura-Arax-Kultur
Östlich der eigentlichen Kolchis ging der Kolchiskultur des 2. Jahrtausends die nach den Flüssen benannte bronzezeitliche Kura-Arax-Kultur des 3. Jahrtausends v. Chr. voraus. Rund um ein altes Goldbergwerk und einer größeren Siedlung entwickelte sich eine Metallverarbeitende Kultur, die Handelsbeziehungen bis nach Mesopotamien aufwies.[3]
Bearbeiten Kolchiskultur
Archäologisch ist die als Kolchiskultur der Bronzezeit benannte materielle Hinterlassenschaft bereits seit dem 2. Viertel des 2. Jahrtausends v. Chr. in Westgeorgien nachzuweisen. Die Kultur ist durch Holzblockbauarchitektur, spezifische Keramik, landwirtschaftliche Bronzegeräte und Waffen gekennzeichnet.
Bearbeiten Antike Berichte
Ab dem 12. Jahrhundert v. Chr. existierte in der Kolchis der Staat Kolcha. Nach einer Inschrift des Tiglat-pileser I. waren bereits Stämme der Kolcher als Kolchii im 12./11. Jahrhundert v. Chr. in Assyrien bekannt. Kolcha oder Kolchu wurde auch in urartäischen und assyrischen Quellen im 8./7. Jahrhundert v. Chr. erwähnt. In die selbe Zeit fällt auch die erste Erwähnung bei den Griechen, und es taucht erstmals griechische Keramik auf. Herodot erwähnt das Volk der Kolcher und schreibt, es ähnele dem Ägyptischen. Eumelos von Korinth nennt das Land Kolchida.
Dieser Staat wurde Ende des 8. Jahrhunderts von den Kimmerern und Skythen vernichtet. Später sollen kleinere Reiche dieser Völker dort entstanden sein. Die frühe Kultur der Kolcher ist durch zahlreiche Werkzeugfunde aus Bronze und Eisen bezeugt, die für eine hochentwickelte Landwirtschaft sprechen, sowie der frühe Weinbau. Besonderes Zeugnis dieser Kultur ist das religiöse Zentrum von Vani.
Bearbeiten Selbstständiges Königreich und griechische Kolonisation
Ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. war das Königreich Kolchis als Sklavenhalterstaat am Schwarzen Meer nachweisbar.
Das Hauptgebiet des Königreiches war zwischen der Hafenstadt Suchumi im Norden und der Mündung des Tschorochi im Süden. Es gehörte nie dem Perserreich der Achämeniden an, sondern übergab nur gelegentlich Geschenke nach freiem Willen.
Kolchis entwickelte anscheinend schon früh eine große Militärmacht, da auch der Sklavenhandel blühte. So konnte es über lange Zeit seine Unabhängigkeit bewahren.
Nachdem Alexander der Große das Perserreich erobert hatte, soll ein gewisser Ason aus Pontos ganz Georgien erobert haben, auch Kolchis und seinen Nachbarstaat Iberien. Nachdem Ason unter Führung des Königs Parnawas von Iberien vertrieben worden war, fiel Kolchis in lose Abhängigkeit von dessen Reich und war somit der einzige Teil Georgiens, der nun nicht zu Iberien gehörte. Es blieb jedoch nicht lange unter dem Einfluss Iberiens. Im 2. Jahrhundert v. Chr. verlor es seine Selbstständigkeit an Pontos.
Bearbeiten Teil von Pontos
Ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. war Kolchis Teil des expandierenden Pontos. Mithridates VI von Pontos ließ Kolchis von seinem Sohn Mithradates Chrestus regieren, der jedoch bald wegen des Verdachts auf Verrat hingerichtet wurde. Während des dritten Mithridatischen Kriegs wurde sein Bruder Machares Herrscher über die Kolchis. Als Pontos jedoch 66 v. Chr. nach drei Kriegen von Rom endgültig besiegt wurde, geriet auch Kolchis in den römischen Machtbereich.
Bearbeiten Kolchis im römischen Machtbereich
Gnaeus Pompeius Magnus übergab nach seinem Sieg über Pontos die Kolchis 65 v. Chr. Aristarchus zur Regentschaft. 47 v. Chr., nach dem Fall Pompeius', übernahm Pharnaces II als Günstling Ceasars die Regierung. Unter dessen Sohn Polemon I. gehörte Kolchis zum römischen Vasallenstaat des Bosporanischen Reiches. Später war die Kolchis ein eigenständiger Vasall Roms.
Nachdem das Römische Reich und das Partherreich bis an die Grenzen von Kolchis herangewachsen waren, wurden die Konflikte zwischen beiden Staaten auch oft in der Kolchis ausgetragen. Jedoch blieb sie immer ein römischer Vasall. Zu dieser Zeit umfasste das Land ein Gebiet des heutigen West-Georgien und der Nordost-Türkei.
In der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. wanderten aus dem Südosten lasische Stämme in die Kolchis ein und vermischten sich mit der ansässigen Bevölkerung. In dieser Zeit zerfiel das Königreich Kolchis in kleinere Reiche. Im Süden das Reich der Heniocher und das der Makronen, im Zentrum Lasika (Lazika), der Staat der Lasen, und im Norden die Reiche der Abschiler und Abasgen. Von diesen wurde Lasika bald das mächtigste und entwickelte sich zum Nachfolgestaat von Kolchis. Dort kam es in der ausgehenden Spätantike, im 6. Jahrhundert n. Chr., immer wieder zu heftigen Kämpfen zwischen dem Oströmischen Reich und den Sassaniden (vor allem zwischen 541 und 562). Heute gehört die Region zu Georgien.
Bearbeiten Stämme der Kolcher
In der Kolchis lebten unter anderem die Stämme der Machelones, Heniochi, Zydretä, Lazi, Apsilâ, Abasci, Sanigä, Koraxi, Koli, Melanchtâni, Geloni, Suani, Moschi und Bruchi.[4]
Bearbeiten Wirtschaft
Die Kolchis war bekannt für die dort gefertigte Leinwand.[4] Auch soll in der Kolchis schon früh Wein angebaut worden sein.
Die ersten griechischen Handelsniederlassungen an der Küste entstanden im 7. Jahrhundert v. Chr. Sie verbanden Kolchis mit dem Rest der antiken Welt, insbesondere Griechenland und Kleinasien und führten zu einer florierenden Wirtschaft. Die griechischen Kolonien nahmen jedoch kaum politisch Einfluss sondern beschränkten sich auf den Handel. Die wichtigsten Städte waren Dioscurias, Phasis und Gyenos. Dieser Handel wird auch durch zahlreiche Münzfunde belegt, so fand man Münzen aus Samos und Sinope. Es wurde auch eine eigene Münze, die sogenannte „Kolchuri Tetri“, geprägt.
Legendär war die antike Goldgewinnung, von der schon die Argonautensage zu berichten weiß. Tatsächlich wurde in den Flüssen Swanetiens Gold wahrscheinlich mit Widderfellen gewaschen. 50 km südwestlich von Tiflis fanden Geologen der Ruhr-Universität Bochum im Jahre 2004 das bisher älteste Goldbergwerk der Welt beim Örtchen Sakridissi, wo bereits 3000 v. Chr. Gold unter Tage abgebaut wurde. Die Siedlung für 2.000–3.000 Menschen, die sich um das Bergwerk gebildet hatte, ist heute eine eigene Ausgrabungsstätte der Archäologen. Seit dem 19. Jahrhundert wurden zahlreiche Funde von kunstvollen Goldprodukten vor allem an der Küste des Schwarzen Meeres gemacht, die die hochstehende Metallkunst der Kolcher belegen. Schläfenschmuck mit granulierten Goldperlen, Diademe, feinziselierte Anhänger in Gazellen- oder Schildkrötenform sind heute im Georgischen Nationalmuseum in Tiflis zu bewundern.
Bearbeiten Ausstellung
- Medeas Gold, Altes Museum Berlin vom 15. März bis 3. Juni 2007.[5]
Bearbeiten Siehe auch
Bearbeiten Literatur
- Ana Chkonia et al.: Medeas Gold – Neue Funde aus Georgien. Altes Museum Berlin, Tiflis 2007.
- Olaf Tarmas: Auf den Spuren von Medeas Gold. In: Epoc. Nr. 3, Spektrum, Heidelberg 2008, ISSN 1865-5718, S. 58ff.
- Heinz Fähnrich: Geschichte Georgiens von den Anfängen bis zur Mongolenherrschaft. Shaker, Aachen 1993, ISBN 3-86111-683-9.
Bearbeiten Einzelnachweise
- ↑ Hominidenfund von Dmanisi durch David Lordkipanidze 2001.
- ↑ Epoc, S. 65.
- ↑ Epoc, S. 63f.
- ↑ a b Pierer 1857
- ↑ Abenteuer Archäologie. Nr. 3, Spektrum, Heidelberg 2007, ISSN 1612-9954, S. 88.
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