ï»ż

 

Wikipedia:Hauptseite.html
Dieser Artikel befasst sich mit der Geschichte der deutschen Konzentrationslager in der Zeit des Nationalsozialismus. Weitere Bedeutungen der AbkĂŒrzung KZ finden sich unter KZ (BegriffsklĂ€rung), andere so bezeichnete Lager unter Konzentrationslager (historischer Begriff).

Die Konzentrationslager fĂŒr Zivilpersonen (KZ) wurden in der Zeit des Nationalsozialismus zwischen 1933 und 1945 im Deutschen Reich und in den besetzten Gebieten von Organisationen der NSDAP errichtet. Es waren schließlich mehrere Tausend Konzentrations- und Nebenlager und sieben Vernichtungslager.[1] Sie dienten der Ermordung von Millionen Menschen, der UnterdrĂŒckung politischer Gegner, der Ausbeutung durch Zwangsarbeit, medizinischen Menschenversuchen und der Internierung von Kriegsgefangenen. Das Lagersystem stellte ein wesentliches Element der nationalsozialistischen Unrechtsherrschaft dar.

Man geht heute davon aus, dass etwa zwei Drittel der sechs Millionen Juden, die der deutschen Judenvernichtung, spĂ€ter Shoah bzw. Holocaust genannt, zum Opfer fielen, in den Konzentrationslagern direkt ermordet wurden oder dort an Folgen von systematischer Aushungerung, den Misshandlungen und an unbehandelten Krankheiten gestorben sind. Das verbleibende Drittel starb in - von der SS so genannten - Ghettos, bei Massenerschießungen vor allem durch die Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD und auf den so genannten TodesmĂ€rschen. Es wurden in den Konzentrationslagern auch viele andere Menschen ermordet, wie politische Gegner, Sinti und Roma, Homosexuelle, geistig Behinderte und so genannte Asoziale. Die genaue Anzahl der Toten ist bis heute unklar, da die Mörder lĂ€ngst nicht ĂŒber alle Opfer Akten fĂŒhrten, am Ende des Krieges keine Ermordungen mehr dokumentarisch festgehalten wurden und viele Unterlagen ebenso wie die Zeugen gezielt vernichtet wurden bzw. durch Kriegsereignisse unwiederbringlich verloren gingen.

Neben dieser industriell organisierten Ermordung von Millionen Menschen starben weitere unzÀhlige Opfer durch Zwangsarbeit, UnterernÀhrung, Seuchen und Krankheiten. Weite Zweige der deutschen Industrie profitierten direkt oder indirekt durch das Lagersystem.

Wachturm des Vernichtungslagers Majdanek
Starkstrom-Stacheldraht
Gefangene im KZ Buchenwald, 1945
Gefangene in den Bettgestellen, Buchenwald, 1945
Verbrennungsöfen, Buchenwald, 16. April 1945

Inhaltsverzeichnis

Bearbeiten Historische Entwicklung

Man kann die Entwicklung der nationalsozialistischen Konzentrationslager in vier zeitlich zu trennende Phasen einteilen (1933–1935, 1936–1938, 1939–1941, 1941–1945). Diese lassen sich durch die Gruppen der Inhaftierten, den Haftzweck, die Art der DurchfĂŒhrung und die Haftfolgen beschreiben. Stand in der ersten Phase die Verfolgung politischer Gegner der NSDAP im Vordergrund wurde schließlich die massenhafte Ermordung jĂŒdischer BĂŒrger in ganz Europa (Shoa) zum Hauptziel.

Bearbeiten 1933–1935

WĂ€hrend der ersten Phase in den frĂŒhen Jahren der NS-Diktatur bis zum FrĂŒhsommer 1934 begann man ĂŒberall in Deutschland damit, grĂ¶ĂŸere oder kleinere Lager aufzubauen.[2] Diese Lager Ă€hnelten z. T. GefĂ€ngnissen - zum Teil Scheunen, wo die politischen Gegner des NS-Regimes außerhalb des normalen Rechtssystems in „Schutzhaft“ genommen wurden. Anfangs waren sie verschiedenen Institutionen unterstellt, unter anderem der zur Hilfspolizei ernannten SA, den verschiedenen nationalsozialistischen Polizeichefs und natĂŒrlich der SS. In dieser ersten Phase der Konzentrationslager waren etwa 26.000 Menschen inhaftiert, die der WillkĂŒr ihrer Bewacher ausgesetzt waren.[3]

SpĂ€testens mit der Entmachtung der SA im Röhm-Putsch unterstanden alle Konzentrationslager der SS, Theodor Eicke wurde „Inspekteur“. Auf ihn ging die rĂ€umliche Bauweise und die fast ĂŒberall gleich geltende Lagerordnung zurĂŒck. Die Konzentrationslager wurden zum rechtsfreien Raum und waren von der Außenwelt abgeschirmt. Selbst die Feuerwehr durfte das GelĂ€nde nicht betreten, zum Beispiel um etwa die Einhaltung feuerpolizeilicher Vorschriften zu prĂŒfen.[4] Im Sommer 1935 war die Herrschaft des Regimes gesichert und in den Lagern des Reichsgebietes befanden sich nur noch 4.000 HĂ€ftlinge.[5]

Bearbeiten 1936–1938

Die zweite Phase begann 1936 und dauerte bis 1938. In dieser Zeit stieg die Anzahl der HĂ€ftlinge an und ihre Zusammensetzung Ă€nderte sich grundlegend. WĂ€hrend in der ersten Phase noch hauptsĂ€chlich politische Gegner des Regimes inhaftiert waren, wurde in der zweiten Phase damit begonnen, diejenigen zu inhaftieren, die nicht dem nationalsozialistischen Bild der Volksgemeinschaft entsprachen: vor allem „Asoziale“, „Arbeitsscheue“, mehrfach Vorbestrafte und Zeugen Jehovas. Nach dem Anschluss Österreichs stieg auch die Zahl der „politischen SchutzhĂ€ftlinge“ auf etwa 7.000 an. [6]

In dieser zweiten Phase wurden auch die Konzentrationslager Sachsenhausen und Buchenwald gebaut, die schon ein Zeichen des drohenden Krieges und damit verbundenen steigenden HĂ€ftlingszahlen waren. Das Konzentrationslager Sachsenhausen wurde nach seinem Bau auch zum Zentrum der Konzentrationslager (Sitz des IKL).

WĂ€hrend der Novemberpogrome 1938 wurden 26.000 Juden inhaftiert, so dass Ende 1938 fast 60.000 Menschen in Konzentrationslagern festgehalten wurden. [7]

Bearbeiten 1939–1941

Zur weiteren Entwicklung der Konzentrationslager in der dritten Phase, die nach Beginn des Polenfeldzugs bis Mitte 1941 bzw. Anfang 1942 andauerte, trugen mehrere Faktoren bei. Die HĂ€ftlinge wurden in SS-ProduktionsstĂ€tten wie SteinbrĂŒchen und Ziegeleien eingesetzt. Nach einer Inhaftierungswelle in Deutschland stiegen die HĂ€ftlingszahlen, die vor Kriegsbeginn auf 21.000 gesunken waren,[8] rapide an und verdoppelten sich binnen kĂŒrzester Zeit. Außerdem verĂ€nderte sich wieder die Zusammensetzung der HĂ€ftlinge. Waren es am Anfang vor allem noch Deutsche, so kamen mit Beginn des Krieges vor allem Menschen aus den von Deutschland eroberten Gebieten, also Zivilpersonen aus Polen, Frankreich, Tschechien, Jugoslawien, den Niederlanden, Belgien und Soldaten der Sowjetunion. Unter diesen HĂ€ftlingen waren viele Juden, Roma und Sinti.

Auch in den eroberten Gebieten wurden viele neue Lager errichtet; bald waren mehr HĂ€ftlinge in diesen Lagern eingesperrt als im Reichsgebiet (Deutschland und Österreich). Mit Beginn der dritten Phase wurden die Konzentrationslager in drei Kategorien eingeteilt, welche die HĂ€rte der Behandlung und die Lebensbedingungen der HĂ€ftlinge anzeigten. Die Sterblichkeitsrate unter den HĂ€ftlingen vervielfachte sich in der dritten Phase: So in Dachau von 4 Prozent auf 36 Prozent im Jahre 1942; in Buchenwald von 10 % auf 19 % im Jahr 1941.[9]

Bearbeiten 1941–1945

Transporte aus ganz Europa in die Todeslager.

Die vierte Phase begann etwa Anfang 1942 und endete 1945. Sie war vor allem durch die massive Judenverfolgung und durch den Krieg gegen Russland gekennzeichnet. In dieser letzten Phase lag die Verwaltung der Konzentrationslager beim SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt (WVHA) unter der Leitung von Oswald Pohl. Bedeutsamer als die Produktion in KZ-eigenen Betrieben wurde der HĂ€ftlingseinsatz in Privatunternehmen, so dass mehrere Tausend KZ-Außenlager entstanden.

Die Anzahl der KZ-HĂ€ftlinge erreichte im April 1943 bereits 203.000, stieg im August 1944 auf 524.000 und bis Kriegsende vermutlich auf ĂŒber 700.000 Menschen, von denen 90% keine deutsche Staatsangehörigkeit hatten. [10] Beim Ausbau von Stollen oder beim Arbeitseinsatz in unterirdischen ProduktionsstĂ€tten starben zahlreiche HĂ€ftlinge schon binnen weniger Wochen. Bei der Evakuierung der Konzentrationslager kamen bei den TodesmĂ€rschen vermutlich 240.000 HĂ€ftlinge zu Tode.[11]

Die Anzahl der HĂ€ftlinge, die fĂŒr Wochen oder Jahre in einem der Konzentrationslager eingesperrt waren, wird insgesamt auf zweieinhalb bis drei Millionen Menschen geschĂ€tzt[12].

Bearbeiten Begriff

Der Begriff bezeichnete in verschiedenen Epochen verschiedener LĂ€nder mehrere Arten von Internierungs- und Arbeitslagern. UrsprĂŒnglich stammt der Begriff aus dem Spanischen. Er wurde erstmals nachweisbar 1896 wĂ€hrend des kubanischen UnabhĂ€ngigkeitskrieges gegen die spanische Kolonialmacht verwendet.

Im deutschen Sprachraum steht der Begriff Konzentrationslager seit der Zeit des Nationalsozialismus (1933 bis 1945) in Verbindung mit der AbkĂŒrzung KZ, deren Herkunft ungeklĂ€rt ist, fĂŒr die Arbeits- und Vernichtungslagern des NS-Regimes. ZunĂ€chst wurde von nationalsozialistischen FunktionĂ€ren die AbkĂŒrzung „KL“ fĂŒr Konzentrationslager verwendet (auch in der Schreibweise K. L.). Nach Eugen Kogon (Der SS-Staat) gaben SS-Wachmannschaften dann der AbkĂŒrzung „KZ“ wegen ihres hĂ€rteren Klanges den Vorzug. In der NS-Zeit wurde umgangssprachlich mit der AbkĂŒrzung KZ oder dem Wort Lager wahrscheinlich in vielen FĂ€llen zunĂ€chst die Haftorte oder das nĂ€chstliegende KZ und die Haft auf unbestimmte Zeit unter unmenschlichen Bedingungen verstanden.

Arbeitslager Plaszow in der NĂ€he von Krakau, Polen

Bearbeiten Konzentrationslager als Arbeitslager

Die Inspektion der Konzentrationslager (IKL) war die zentrale Verwaltungs- und FĂŒhrungsbehörde innerhalb des SS-WVHA fĂŒr alle nationalsozialistischen Konzentrationslager (s. u.).

Im Unterschied zu Arbeitslagern des allgemeinen historischen Typus diente im nationalsozialistischen Deutschland die Ausbeutung der Arbeitskraft der HĂ€ftlinge in erster Linie der Vernichtung (insbesondere als "Endlösung") von verfolgten Bevölkerungsgruppen durch die Zwangsarbeit. Die ZustĂ€nde, unter denen Menschen in Arbeitslagern interniert wurden, waren in dem von der IKL zentral bestimmten Rahmen von der jeweiligen Lagerkommandantur abhĂ€ngig. Menschen, die keine Arbeit mehr leisten konnten, wurden, soweit sie nicht an den unmenschlichen Bedingungen oder der WillkĂŒr des Lagerpersonals zugrunde gingen, ermordet. Diejenigen Kranken, die nicht in voraussichtlich vier Wochen wieder arbeitsfĂ€hig waren, wurden vom medizinischen Personal mit Phenol oder anderen Mitteln zu Tode gespritzt oder in Sammeltransporten in die Vernichtungslager geschickt (Selektion). In den Arbeitslagern ĂŒberlebten viele Gefangene nur kurze Zeit.

Im Verlauf des Krieges erlangten die Arbeitslager zum Teil eine kriegswichtige Funktion, die zu dem Vernichtungsziel in einem partiellen Gegensatz stand. Die Lager waren ProduktionsstĂ€tten der SS, zunĂ€chst zur Gewinnung von Natur- und Ziegelsteinen, spĂ€ter in vielen anderen Bereichen. Außerdem wurden ArbeitskrĂ€fte an die RĂŒstungsindustrie ausgeliehen. Der bekannteste Fall betrifft die I.G. Farben, die auf dem GelĂ€nde der Buna-Werke ein eigenes Zweigwerk in Auschwitz, das KZ Auschwitz III Monowitz, erstellen ließ. Praktisch die gesamte Großindustrie machte von solchen Zwangsarbeitern Gebrauch.

Bearbeiten Frauen-Arbeitslager

In der Regel waren die KZ strikt nach Geschlechtern getrennt (zum Beispiel das KZ Moringen, RavensbrĂŒck). Nur in wenigen Lagern gab es zeitweise oder dauernd gleichzeitig ein MĂ€nner- und ein Frauenlager (zum Beispiel KZ Auschwitz II). Vor allem hing dies mit dem geplanten Arbeitseinsatz der Gefangenen zusammen.

Bearbeiten Jugendschutzlager

Hauptartikel: Jugendkonzentrationslager

Jugendkonzentrationslager (zu Zeiten des Nationalsozialismus wurden sie „Jugendschutzlager“ oder „Jugendverwahrlager“ genannt) waren einige wenige Konzentrationslager, welche die Nationalsozialisten zur Internierung widerstĂ€ndiger, „schwer erziehbarer“ oder nonkonformistischer Jugendlicher und auch Kindern aus ganz Europa nutzten: KZ Moringen (offiziell „Polizeiliches Jugendschutzlager“; Juni 1940; bei Göttingen) fĂŒr Jungen, das KZ Uckermark (seit Juni 1942 in unmittelbarer NĂ€he des Frauenkonzentrationslagers RavensbrĂŒck in Mecklenburg) fĂŒr MĂ€dchen und junge Frauen und das Lager im Ghetto Litzmannstadt (ƁódĆș, offiziell: „Polenjugendverwahrlager“) mit insgesamt drei Außenlagern. Die GefangenkapazitĂ€t betrug dort mindestens 3000 heranwachsende Personen. Kinder und Jugendliche wurden aber auch in allen anderen Konzentrationslagern eingesperrt und ermordet.

Diese Lager unterstanden dem Reichssicherheitshauptamt und dienten offiziell der „JugendfĂŒrsorge“. Die Jugendlichen wurden zum Teil durch Robert Ritters „Rassenhygienische und Bevölkerungsbiologische Forschungsstelle“ nach „rassischen“ bzw. „kriminalbiologischen“ Merkmalen und auf ihre „Entwicklungs- oder ErziehungsfĂ€higkeit“ begutachtet.

Weiterhin gab es sogenannte „AuslĂ€nderkinderpflegestĂ€tten“ fĂŒr neugeborene Kinder von Zwangsarbeiterinnen, in denen unmenschliche Bedingungen herrschten.

Direkt im KZ Litzmannstadt wurden mindestens 500 Jugendliche ermordet. Das KZ Uckermark wurde im Januar 1945 in der Endphase des Kriegs zu einem Todeslager fĂŒr Erwachsene.

Standorte (Karte des heutigen Polen)

Bearbeiten Vernichtungslager

Hauptartikel: Vernichtungslager, vgl. den Artikel zum Begriff Aktion Reinhardt

Vernichtungs- oder Todeslager wurden zu dem einzigen Zweck errichtet, Juden, Roma und Sinti und auch andere Minderheiten zunĂ€chst mit Hilfe von Gaswagen, spĂ€ter vor allem in Gaskammern massenhaft zu ermorden. Der nationalsozialistische Mordapparat konzentrierte sich dabei auf Juden. Andere Gruppen, die zu den Opfern zĂ€hlten, insbesondere russische Kriegsgefangene wurden ebenfalls dort ermordet. Lager dieses Typs wurden zwischen Dezember 1941 und Juli 1942 im besetzten Polen in Chelmno im Wartheland bei ƁódĆș, Belzec bei Lublin, Sobibor und Treblinka im Generalgouvernement, sowie Maly Trostinez in Weißrussland errichtet.

Etwas anders war die Entstehungsgeschichte der Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau (bei KrakĂłw) und Majdanek (ebenfalls bei Lublin). In beiden Konzentrationslagern wurden erst nach ihrer Inbetriebnahme zusĂ€tzlich Gaskammern zur Perfektion des Massenmords an den Juden eingerichtet. Auch Auschwitz-Birkenau und Majdanek werden wegen der ungeheuren Opferzahlen zu den Vernichtungslagern gezĂ€hlt. Anders als die erstgenannten Vernichtungslager funktionierten sie fĂŒr die SS durch die praktizierte Vernichtung durch Arbeit als Konzentrationslager im herkömmlichen Sinn.

Alle diese Vernichtungslager unterscheiden sich von den anderen Konzentrationslagern durch die enorme Zahl jĂŒdischer Opfer.

Bearbeiten Durchgangs- und Sammellager

Es gab zahlreiche Sammellager fĂŒr Juden, die oft jĂŒdischer Wohnbezirk oder, besonders in der Nachkriegszeit, Ghettos genannt wurden.

Im ebenfalls verwendeten Ausdruck Durchgangslager wird dieser Zweck direkt benannt. Sie lagen in der Regel an den Bahnlinien, die direkt zu den Todeslagern fĂŒhrten. Das Wort Wohnbezirk oder Ghetto wurde einzig aus TarngrĂŒnden verwendet, denn eine lĂ€ngere Überlebenszeit der dort gefangen gehaltenen Personen war von den Verantwortlichen nie beabsichtigt. Sie hatten organisatorisch den Vorteil, dass keine ZĂŒge, Wagenmaterial und Personal, beim Warten auf VernichtungskapazitĂ€ten durch die darin gefangenen Opfer blockiert wurden.

Organisatorisch waren einige Konzentrationslager direkt mit dem Betrieb der Vernichtungslager verknĂŒpft: die Sammellager oder Ghettos der Endlösungs-Aktion Reinhardt hatten einzig die Funktion, Transporte auf dem Weg in die Vernichtungslager so lange aufzunehmen, bis wieder VernichtungskapazitĂ€ten in den Todes-/Vernichtungslagern zu ihrer fabrikmĂ€ĂŸigen Ermordung und der Beseitigung der Leichen frei waren.[13]

Insbesondere in den besetzten LĂ€ndern ohne Vernichtungslager (zum Beispiel Frankreich, Italien, Niederlande, Griechenland) dienten diese Zwischenlager auch dem Zusammenstellen von Transporten mit jeweils etwa 1.000 Gefangenen. Das war die Zahl, die von der SS als RichtgrĂ¶ĂŸe fĂŒr Todestransporte angestrebt wurde, um die Vernichtungslager mit gleichmĂ€ĂŸig großen Mengen an Opfern zu versorgen. Im Unterschied dazu waren die anderen Konzentrationslager oft bestrebt, eine hohe KontinuitĂ€t in der Zusammensetzung ihrer Zwangsarbeiter zu erreichen. Dies schloss nicht aus, HĂ€ftlinge zur Ermordung an die Todeslager, zum Beispiel wegen Krankheit oder KrĂ€fteverlust, auszusortieren (Selektion). Dies konnte regelmĂ€ĂŸig geschehen, zur Anpassung an neue HĂ€ftlings-Richtwerte („Belegung“) oder im Rahmen von befohlenen „Aktionen“.

Bearbeiten Lagerliste

Diese Liste umfasst deutsche Konzentrationslager unter SS-Verwaltung, Jugend-KZs, Vernichtungslager, Durchgangslager und sonstige KZ-Ă€hnliche Lager. Die Auflistung erfolgt unabhĂ€ngig von dem Standort (Standort damaliges bzw. heutiges Land). Viele Lager gehörten im Rahmen der NSDAP zur SS-Inspektion der Konzentrationslager (IKL) als zentraler Verwaltungs- und FĂŒhrungsstelle. Die Unterscheidung von Stamm- und Nebenlagern war eine organisatorische Aufgabenzuweisung innerhalb dieser Struktur. Eine Reihe von Lagern waren organisatorisch nicht an die IKL angebunden sondern z. B. an einen örtlichen SS- und PolizeifĂŒhrer.)

Sonstige KZ-Ă€hnliche Lager umfassen im Prinzip sĂ€mtliche Gefangenenlager im Deutschen Reich wĂ€hrend der Zeit des Nationalsozialismus. Hierzu zĂ€hlen beispielsweise Arbeitserziehungslager, Kriegsgefangenenlager oder Zwangsarbeiterlager. Diese Lager sind aufgrund der rassischen Hierarchie der Nationalsozialisten schwierig zu typisieren. So wurden westalliierte Kriegsgefangene als Angehörige der „nordischen Rasse“ in der Regel relativ gut behandelt, wĂ€hrend insbesondere Soldaten der Roten Armee in ihren Gefangenenlagern ZustĂ€nde unterworfen wurden, die sich nicht von einem Konzentrationslager unterschieden. Auch die Arbeitserziehungslager unterschieden sich oftmals nur formal von einem KZ.

Bearbeiten Organisation

Die SS-interne Verwaltung der Konzentrationslager wurde 1942 in das SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt (SS-WVHA) als „Amtsgruppe D“ eingegliedert und trug davor seit 1934 den Titel „Generalinspektion der VerstĂ€rkten SS-Totenkopfstandarten“. Damit waren die Konzentrationslager nicht in die ĂŒblichen staatlichen Hierarchien eingebunden und konnten als „Wirtschaftsbetriebe“ gegenĂŒber Behörden fĂŒr ihre „Leistungen“ Rechnungen stellen.

Siehe Hauptartikel SS-Inspektion der Konzentrationslager (IKL), die zentrale Verwaltungs- und FĂŒhrungsbehörde der nationalsozialistischen Konzentrationslager, ab 1942 Teil des SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt (WVHA)

Bearbeiten Der Lagerkomplex in Deutschland und dem besetzten Polen etc.

Insgesamt gab es unter der Inspektion der Konzentrationslager 24 KZ-Stammlager, denen zuletzt weit ĂŒber 1.000 Außenlager, zum Teil unter der Bezeichnung „Außenkommando, -lager, Nebenlager“, organisatorisch unterstellt waren. Diese Stammlager waren in Deutschland die Konzentrationslager Arbeitsdorf, Bergen-Belsen, Buchenwald, Dachau, FlossenbĂŒrg, Groß-Rosen, Hinzert, Dora-Mittelbau, Neuengamme, RavensbrĂŒck, Sachsenhausen und Niederhagen-Wewelsburg, in Österreich Mauthausen, in Polen Auschwitz I Stammlager, Auschwitz-Monowitz, Majdanek, Warschau, Plaszow und Stutthof, in Estland Waiwara, in Litauen Kauen, in Lettland Riga-Kaiserwald, in Frankreich (im eingegliederten Elsass) Natzweiler-Struthof sowie in den Niederlanden Herzogenbusch.

Waren die HĂ€ftlinge als ArbeitskrĂ€fte nicht bzw. nicht mehr einsetzbar, wurden sie direkt am Ort, zum Beispiel durch Schikane oder im Krankenrevier, umgebracht oder in die sieben Vernichtungslager transportiert. „Außenkommandos“ sind ansonsten Arbeitsstellen, zu denen die Gefangenen wĂ€hrend der jeweiligen Arbeitszeit vom jeweiligen Lager aus hinmarschieren mussten und dorthin auch wieder zurĂŒckkehrten.

Diesem System waren Durchgangslager und Sammellager vorgeschaltet. Sammellager, wurden von der SS vom ĂŒbrigen Ort abgetrennte Stadtteile, sehr oft als JĂŒdischer Wohnbezirk/JĂŒdische Wohnsiedlung bezeichnet. Damit wurde eine Bezeichnung aus dem Mittelalter aufgenommen, die es in Europa so lĂ€ngst nicht mehr gab. Allein in Osteuropa richtete die SS etwa 600 sogenannte Ghettos ein, in denen zwischenzeitlich mindestens vier Millionen Menschen interniert worden sind. Diese Wohnbezirke wurden von der SS meist von Beginn an nur fĂŒr den vorĂŒbergehenden Einsatz eingerichtet.

Bearbeiten Interne Organisation jedes Lagers

RĂ€nge und Abzeichen der SS-Aufseher (bis 1942)

Alle SS-Angehörigen zur Bewachung der Lager gliederten sich nach Aufgaben und ZustĂ€ndigkeitsverteilung in fĂŒnf (andere Angabe: sechs) Bereiche:

  • Lagerkommandant, Adjutant als Leiter der Kommandantur mit Personalverwaltung, Waffenkammer und der Postzensurstelle. Darunter die anderen Abteilungen
  • Politische Abteilung und der Erkennungsdienst. ZustĂ€ndigkeiten: Registrierung von NeuzugĂ€ngen, Entlassungen, Verlegungen, Tod oder Flucht der HĂ€ftlinge, deren Vernehmung, FĂŒhrung der HĂ€ftlingskartei. Leiter war immer ein Beamter der Geheimen Staatspolizei oder der Kriminalpolizei
  • SchutzhaftlagerfĂŒhrer und Adjutant. ZustĂ€ndigkeiten: der „Betrieb“ des Lagers im Sinne aller Befehle zur inneren Ordnung, Tagesablauf, Appelle etc.
  • Verwaltung; dazu gehörten die örtliche Bauleitung, Wirtschaftslager und evtl. SS-Landwirtschaft.
  • SanitĂ€tswesen mit dem Krankenrevier fĂŒr SS-Angehörige, Apotheke
  • eventuell Abteilung VI zur FĂŒrsorge, Schulung und Truppenbetreuung der SS
Die Hierarchie der WĂ€chter

Die RapportfĂŒhrer, der ArbeitseinsatzfĂŒhrer und evtl. die Oberaufseherin (in Frauenlagern) unterstanden dem SchutzhaftlagerfĂŒhrer. Sie waren fĂŒr die Ordnung im ganzen Lager und die Zuteilung der HĂ€ftlinge in Außenkommandos zustĂ€ndig.

Sie standen den BlockfĂŒhrern vor, die jeweils einen oder wenige Blocks beaufsichtigten, fĂŒr die sie gegenĂŒber der Lagerleitung verantwortlich waren. (Die BlockfĂŒhrer bestimmten die Zusammensetzung der Arbeitskommandos, die jeweiligen BlockĂ€ltesten und StubenĂ€ltesten aus den Reihen der HĂ€ftlinge.

Die Teile-und-Herrsche-Strategie

Als „FunktionshĂ€ftlinge“ wurden in einer weiteren „Teile-und-Herrsche-Strategie“ HĂ€ftlinge quasi als Hilfspolizei eingesetzt (siehe Kapo). Ein Kapo musste fĂŒr die SS die Arbeit der HĂ€ftlinge anleiten und wurde fĂŒr die Ergebnisse verantwortlich gemacht. Kapos erhielten fĂŒr diese Dienste besondere (letztlich geringfĂŒgige) VergĂŒnstigungen (zum Beispiel Alkohol, bessere Essensration).

Bearbeiten Arbeitskommandos der HĂ€ftlinge

Kennzeichnung der Lagerinsassen

Als Beispiele fĂŒr den tĂ€glichen Arbeitseinsatz der HĂ€ftlinge in den sogenannten Arbeitslagern wird hier eine AufzĂ€hlung der internen und externen Arbeitskommandos aus dem KZ Gusen I wiedergegeben:

  • I. TĂ€tigkeiten fĂŒr Deutsche Erd- und Steinwerke GmbH (DEST, SS-Betrieb):
    • Kommando Steinbruch Gusen, Kastenhof und Pierbauer (1940–1945): 2.800 HĂ€ftlinge
    • Kommando Ziegelwerk Lungitz
    • Kommando RĂŒstung Wien (1943): 300 HĂ€ftlinge
    • Kommando RĂŒstung Messerschmitt (BA II) (1943–1945): 6.000 HĂ€ftlinge
    • Kommando RĂŒstung Steyr-Daimler-Puch AG (GeorgenmĂŒhle) (1942–1945): 6.500 HĂ€ftlinge
    • Kommando Siedlungsbau St. Georgen (1940–1942): etwa 300 HĂ€ftlinge
    • Kommando Gusenregulierung (1941): etwa 150 HĂ€ftlinge
    • Kommando Strassenbau
    • Kommando Gleisbau
  • II. fĂŒr die Bauleitung der Waffen-SS und Deutschen Polizei Gusen bei St. Georgen a.d. Gusen:
    • Kommando Bauleitung
    • Kommando EntwĂ€sserung
    • Kommando Holzplatz
    • Kommando Bahnbau (1941–1943)
    • Kommando Donauhafen (1942–1943)
  • III. fĂŒr die SS-LagerverwaltungsfĂŒhrung (interne Arbeitskommandos):
    • Lager-Kommando (1940–1945): etwa 400 HĂ€ftlinge
    • Kommando Barackenbau (1940–1944): etwa 100 HĂ€ftlinge
  • IV. fĂŒr sonstige Auftraggeber:
    • Kommando Bombensucher bzw. Kommando BlindgĂ€nger (1944–1945)

Bearbeiten Medizinische Experimente

An Inhaftierten wurden von Ärzten, wie Josef Mengele (Auschwitz), Robert Ritter (KZ Buchenwald) u. a. medizinische Experimente vorgenommen, in deren Verlauf die HĂ€ftlinge meist qualvoll starben. Sie wurden beispielsweise mit Fleckfieber ([1]), Malaria- oder TBC-Erregern infiziert, um Impfstoffe zu testen, ihnen wurden Brandbombenverletzungen zugefĂŒgt ([2]) und an ihnen erfolgten Salzwasserversuche. Der NĂŒrnberger Ärzteprozess fand vom 9. Dezember 1946 bis zum 20. August 1947 vor dem Ersten Amerikanischen MilitĂ€rgerichtshof in NĂŒrnberg statt. Angeklagt war unter anderem der Abteilungsleiter fĂŒr Tropenmedizin am Robert-Koch-Institut in Berlin, Dr. med. Gerhard Rose fĂŒr die Fleckfieberversuche an Sinti und Roma in Buchenwald ([3]). Weiterhin wurde der SS-HauptsturmfĂŒhrer Dr. med. Waldemar Hoven, Lagerarzt KZ Buchenwald angeklagt.

Quellengrundlage fĂŒr die Experimente in Buchenwald sind das Stationstagebuch von Dr. med. Erwin Ding-Schuler SS-HauptsturmfĂŒhrer, Aussagen von europĂ€ischen Medizinern, die im KZ inhaftiert waren, sowie HĂ€ftlingen wie der österreichische Soziologe und Philosoph Eugen Kogon, der 1946 unter dem Titel Der SS-Staat ĂŒber das Leben in Buchenwald berichtete. Die Publikation der vollstĂ€ndigen Dokumentation, der Wortprotokolle, des Anklage- und Verteidigungsmaterials erfolgte erst 1999 durch den Saur-Verlag MĂŒnchen. Die Analyse dazu lieferte 2001 Angelika Ebbinghaus/Klaus Dörner (Hg.): Vernichten und Heilen. Der NĂŒrnberger Ärzteprozess und seine Folgen. Die BundesĂ€rztekammer weigerte sich, diese Edition finanziell zu unterstĂŒtzen. Erst Einzelspenden von 8000 Ärzten ermöglichten sie.

Bearbeiten Todesarten der KZ-HĂ€ftlinge

Todesbenachrichtigung, Dachau, 1944

Die Todesursachen der HĂ€ftlinge wurden im Aktenverkehr der NS-Organe zum Zweck der Geheimhaltung hĂ€ufig chiffriert. Als KĂŒrzel wurden die Aktenzeichen verwendet, unter denen der Aktenvorgang bei der ĂŒbergeordneten Inspektion der Konzentrationslager (IKL) bearbeitet wurde.

Folgende Chiffre-Formen wurden verwendet:

  • 14 f 1 – „natĂŒrliche TodesfĂ€lle“
  • 14 f 2 – „Freitod oder Tod durch UnglĂŒcksfall“
  • 14 f 3– „Erschießung auf der Flucht“
  • 14 f I – „Exekution“
  • 14 f 13 – „Sonderbehandlung kranker und gebrechlicher HĂ€ftlinge“ (siehe auch: Aktion 14f13, mit dem Tarnbegriff Sonderbehandlung war in der Regel die Ermordung (z. B. durch Vergasen oder mittels Giftspritze) gemeint. Diese Morde fanden zum Teil in den Euthansie-Tötungsanstalten statt.

An die KZ waren zum Teil separate StandesĂ€mter angeschlossen, die auf Grund gefĂ€lschter Ă€rztlicher Bescheinigungen der SS-Ärzte Todesscheine und Todesbenachrichtigungen erstellt haben. Die darin genannten Todesursachen hatten in der Regel keinen Zusammenhang mit der individuellen Todesursache.

(Hinweis auf die spĂ€tere Beurkundung der SterbefĂ€lle von HĂ€ftlingen der ehemaligen deutschen Konzentrationslager in der Nachkriegszeit; dafĂŒr ist laut § 38 des Personenstandsgesetzes i.d.F. von 2007[14] ausschließlich der Standesbeamte des Sonderstandesamtes in Bad Arolsen zustĂ€ndig.)

Bearbeiten Die Befreiung und RĂŒckfĂŒhrung der Überlebenden

1944

  • Am 23. Juli 1944 befreit die Rote Armee das KZ Majdanek als erstes der großen Vernichtungslager in Polen. Wie bei allen folgenden Lagern sterben noch in den nĂ€chsten Wochen zu Skeletten abgemagerte Überlebende an den Folgen der MangelernĂ€hrung und dort erworbener Krankheiten. Nur wenige der SS-Wachen können direkt festgenommen werden. Der Großteil entkam vorher. Vereinzelt kommt es durch bisher Gefangene, aber auch durch Truppenteile der Alliierten zu Racheakten an den Festgenommenen.
  • Im August 1944 gelangen westliche Journalisten zu einer Besichtigung in das von der SS hastig gerĂ€umte Vernichtungslager Majdanek. Daraufhin wurden Darstellungen des Massenmords auf die Titelseiten US-amerikanischer Zeitungen und in US-Zeitschriften gesetzt (Life-Magazin 28. August und New York Times 30. August 1944).

1945 (hier nur wenige Eckdaten als Beispiel)

  • 27. Januar: Zuerst wurde Auschwitz-Monowitz am Vormittag durch sowjetische Truppen (322. Infanteriedivision der 60. Armee der I. Ukrainischen Front befreit.
  • Das Stammlager Auschwitz I und das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau wurden – auch durch die Soldaten der 322. Division – am frĂŒhen Nachmittag des 27. Januar befreit.[15] In Birkenau waren bei der RĂ€umung (Todesmarsch) fast 5.800 entkrĂ€ftete und kranke HĂ€ftlinge, die meisten waren Frauen, unversorgt zurĂŒck geblieben.
  • Konzentrationslager Buchenwald: Die illegale Lagerleitung der Gefangenen setzte am 8. April 1945 ĂŒber einen heimlich installierten Sender einen Hilferuf an die herannahenden amerikanischen Truppen ab. Die Amerikaner rieten zur Ruhe bis zur Befreiung. Am 11. April 1945 kam es zu FrontkĂ€mpfen in unmittelbarer NĂ€he des Lagers. Um etwa 14.30 Uhr erreichte eine Vortruppe der 6. Panzerdivision der 3. US-Armee den SS-Bereich des Konzentrationslagers.
  • Am 12. April 1945 wurde das KZ Westerbork in den Niederlanden von kanadischen Soldaten befreit.
  • Am 15. April erfolgte die Übergabe des KZ Bergen-Belsen an britische Truppen.
  • Am 29. April 1945, rĂŒckte die 45. Infanterie-Division der 7. US-Armee und die 42. Infanterie-Division von Westen zur Befreiung im KZ Dachau ein. Die amerikanischen Truppen befreiten zuerst das Konzentrationslager und marschierten einen Tag spĂ€ter in MĂŒnchen ein.
  • Gegen Ende April 1945 werden die letzten 600 bis 700 HĂ€ftlinge aus dem Konzentrationslager Neuengamme von der SS abtransportiert. Am 2. Mai 1945 finden britische Truppen das KZ Neuengamme leer vor.
  • Am 3. Mai 1945 wird die Cap Arcona vor Neustadt mit etwa 7.100 Opfern, darunter sind 6.600 KZ-HĂ€ftlinge, versenkt.
  • Die letzten HĂ€ftlinge können am 10. Mai 1945 in Flensburg befreit werden.[16]

Die RĂŒckfĂŒhrung in die Heimat:
Nachdem die Repatriierung der HĂ€ftlinge und Zwangsarbeiter im Sommer 1945 zĂŒgig anlief (Oberbegriff Displaced Persons – DPs), kam sie im strengen Winter 1945/1946 fast vollstĂ€ndig zum Erliegen. Die dann verbliebenen DPs wurden großenteils (aus verschiedenen GrĂŒnden) nicht mehr repatriiert.

HĂ€ftlingsvereinigungen:
Fast ĂŒberall in den befreiten Lagern entstanden HĂ€ftlingsvereinigungen (Komitees, AusschĂŒsse, Amicales). Beispiele: Internationales Sachsenhausen-Komitee, Amicale de Mauthausen, FĂ©dĂ©ration Internationale des RĂ©sistants.

Bearbeiten Konzentrationslager im ĂŒbrigen von Deutschland besetzen Europa

Bearbeiten Internierungs- und Konzentrationslager im besetzten Frankreich (Vichy)

Im besiegten und teilweise besetzen Frankreich gab es keine Konzentrationslager, wenn man darunter ein Lager der Deutschen im Zweiten Weltkrieg versteht, dessen Wachmannschaften einer SS-Organisation unterstellt waren. Das KZ Natzweiler lag im Elsass, der faktisch ins Deutsche Reich eingegliedert war („Heim ins Reich“ geholt) und in dem es keine französischen Verwaltungsorgane mehr gab. In Frankreich gab es aber Lager, die Ă€hnliche Bezeichnungen trugen und deren Funktionen unterschiedlich, jedoch teilweise Ă€hnlich waren: Durchgangs- und Sammellager (frz.: Camp de transit, Camp d'internement, Camp de rĂ©fugiĂ©s, aber auch Camp de prisonniers de guerre, Camp de prisonniers, Camp de concentration pour dĂ©tenus politiques, Camp d’accueil, Camp de sĂ©jour, Centre de sĂ©jour surveillĂ©.)

Es konnte sich um seit Jahren bestehende Lager fĂŒr FlĂŒchtlinge aus Spanien handeln. In einigen Lagern wurden Sinti und Roma gefangen gehalten. Wieder andere waren ursprĂŒnglich Kriegsgefangenenlager, die nun als Internierungslager fĂŒr Zivilisten genutzt wurden. Allerdings dienten einige Lager aufgrund der Kollaboration des Petain-Regimes (État français) mit den deutschen Besatzern im Rahmen der Shoa, vor allem der Zusammenstellung von Deportationstransporten in die deutschen Vernichtungslager im besetzen Polen. Die Lager wurden unterschiedlich streng bewacht und organisiert.

Meistens war die Verpflegung und die Hygiene ein massives Krankheitsrisiko, das zu vielen TodesfĂ€llen in solchen Lagern fĂŒhrte. Französische und internationale Hilfsorganisationen versuchten das Verhungern durch Hilfslieferungen in die Lager zu bremsen. In Frankreich gibt es eine Diskussion um die Schuldfrage bei der Kollaboration und Mithilfe bei der Deportation (insbesondere von jĂŒdischen Franzosen, aber auch von AuslĂ€ndern, insbesondere FlĂŒchtlingen aus Hitlers MachtsphĂ€re) durch Politiker und Polizisten. Nach Razzien und Durchsuchungen mit Festnahmen wurden die Gefangenen nur zum Teil direkt an die Deutschen ĂŒbergeben. Im Unterschied zu deutschen Konzentrationslagern kann der französischen Lagerleitung in der Regel nicht als Hauptgrund des Handelns ein Tötungswille an den Gefangenen zugeschrieben werden. Dort, wo deportiert wurde, war allerdings auch den französischen Stellen bekannt, dass es um Transporte in den Tod ging. Eine Besonderheit unter den vielen Opfergruppen waren deutsche Juden, die aus der Pfalz und Baden zur Internierung 1940 zuerst nach Gurs und von dort in die Vernichtungslager transportiert wurden (Wagner-BĂŒrckel-Aktion). Zuvor waren jĂŒdische Franzosen aus dem Elsass und der Moselle und Lorraine durch die Deutschen in das ĂŒbrige Frankreich vertrieben worden.

Eine Liste von ca. 50 Lagern, von denen Gefangene, Internierte, FlĂŒchtlinge vom Vichy-Regime an Deutschland ausgeliefert wurden:

KZ Schirmeck und KZ Natzweiler-Struthof, Elsass, die Geschichte beider Lager sind nahezu identisch; Zuordnung unterschiedlich; (Schirmeck im Arrondissement Molsheim; Natzweiler im annektierten Teil des Elsass).

Bearbeiten Italien

Die grĂ¶ĂŸten Konzentrationslager des faschistischen Italiens
Bezeichnung Von Bis GeschÀtzte
Anzahl
gefangener
Menschen
GeschÀtzte
Anzahl
ermordeter
Menschen
Arbe (Lager Kampor) Juli 1942 11. September 1943 15.000 1.500
Chiesanuova in der NĂ€he von Padua Juni 1942
Gonars in der NĂ€he von Palmanova MĂ€rz 1942 8. September 1943 7.000 453; >500
Molat
Monigo in der NĂ€he von Treviso Juni 1942
Renicci di Anghiari, in der NĂ€he von Arezzo Oktober 1942
Visco in der NĂ€he von Palmanova Winter 1942

In italienischen Konzentrationslagern im besetzten Dalmatien und der besetzten nordkroatischen KĂŒste Bakar, Kraljevica, Molat, Rab, Zlarin wurden von 1941 bis 1943 einige zehntausend gefangener Zivilisten festgehalten.

Zwangsarbeit und widrige LebensumstÀnde kosteten zahlreiche Insassen, die nicht gleich hingerichtet wurden, das Leben.

Die Lager in Molat und in Rab (34 Prozent der Insassen ĂŒberlebten nicht) waren als Todeslager besonders berĂŒchtigt.

Das KZ Villa Oliveto (Civitella) bei Siena wird in der italienischen WP als Juden-Sammellager und als KZ noch die Durchgangslager KZ Fossoli und das Sipo-Außenkommando Padua genannt.

Bearbeiten Lager in den Niederlanden und Belgien

Belgien: das Gestapo-GefĂ€ngnis im BrĂŒsseler GefĂ€ngnis Saint-Gilles/Sint-Gillis, das KZ Fort Breendonk bei Willebroek und Kamp/KZ Mechelen (SS-Sammellager Mecheln, von den 25.000 von dort Deportierten ĂŒberlebten 1.207 den Zweiten Weltkrieg),

In den Niederlanden: Die fĂŒnf Konzentrationslager Herzogenbusch (Kamp Vught) und Westerbork (Polizeiliches Judendurchgangslager), Kamp Amersfoort, Kamp Erika und Kamp Schoorl. Twilhaar war Rijkswerkkamp (Arbeitslager).

Bearbeiten Lager in DĂ€nemark und Norwegen

In DĂ€nemark gab es HorserĂždlejren in NordsjĂŠlland, etwa sieben Kilometer von HelsingĂžr und FrĂžslev (Gemeinde Bov) in SĂŒdjĂŒtland/SĂžnderjylland (als Gefangenenlager/FrĂžslevlejren II in der NĂ€he von Flensburg eröffnet am 13. August 1944 bis zur Befreiung am 5. Mai 1945, dt. Fröslee-Lager)

In Norwegen: Grini fangeleir, Falstad bei TrĂžndelag, Svanviken

Bearbeiten Kanalinseln

Das KZ Alderney (auch Lager Sylt genannt, von MĂ€rz 1943 bis Juni 1944) war ein Außenlager des KZ Neuengamme auf der von GB gerĂ€umten und seit 1940 besetzten Kanalinsel Alderney und damit das einzige deutsche Konzentrationslager in einem Gebiet des britischen Kronbesitzes.

Bearbeiten Jugoslawien

Zur Zeit der deutschen und italienischen Okkupation Jugoslawiens, wÀhrend des Zweiten Weltkrieges, wurden von der faschistischen Ustascha und der italienischen Besatzungsmacht im besetzten Teil Kroatiens und von Kollaborateuren in Serbien Konzentrationslager errichtet. Diese befanden sich in: Banjica, Belgrad, Jasenovac, Molat, Rab, Ơabac, Topovske Supe.

In den Konzentrationslagern wurden mindestens 66.000 jugoslawische Juden ermordet. Dies entspricht in etwa 83 Prozent der damals dort ansĂ€ssigen jĂŒdischen Bevölkerung. Es starben auch Regimegegner sowie Sinti und Roma. Die Gefangenen starben nicht durch Gas, sondern wurden erschlagen, erhĂ€ngt, lebend verbrannt und mittels anderer grausamer Tötungsarten ermordet.

Bearbeiten UnabhÀngiger Staat Kroatien

Der wĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges unabhĂ€ngige Staat Kroatien errichtete nach dem Vorbild des Deutschen Reichs fĂŒr seine kroatischen Regimegegner, aber hauptsĂ€chlich fĂŒr die serbischen bzw. jĂŒdischen Regimegegner Konzentrationslager. Die jĂŒdische Bevölkerung wurde willig den Mördern ausgeliefert. Im Konzentrationslager Jasenovac wurden gemĂ€ĂŸ heutiger Forschungsergebnisse etwa 100.000 Serben, Juden, Sinti und Roma und Kroaten umgebracht. Die Angaben schwanken stark und sind Gegenstand politisch-historiografischer Kontroversen.

Bearbeiten Polen, Weißrussland, Ukraine, Russland

Eine besonders hohe Dichte an Konzentrationslagern, Vernichtungslagern, Durchgangslagern und Ghettos gab es im Generalgouvernement in Ostpolen. Dort befanden sich auch die bekanntesten Vernichtungslager Auschwitz, Sobibor, Treblinka, Chelmno und Belzec. Das deutsch besetzte Polen war geradezu â€žĂŒbersĂ€t“ mit grĂ¶ĂŸeren und kleineren Konzentrations- und Außenlagern verschiedenster Art, denn zum einen war es das erste Land, das von den Nationalsozialisten erobert worden war. Außerdem war in Osteuropa allgemein die jĂŒdische Bevölkerung grĂ¶ĂŸer als in West- oder Mitteleuropa. Ein weiteres Vernichtungslager, Maly Trostinez, lag im heutigen Weißrussland. WĂ€hrend der Zeit der deutschen Besatzung Weißrusslands starben dort Hunderttausende Juden; die jĂŒdische Bevölkerung Weißrusslands wurde fast vollstĂ€ndig ausgelöscht. Auch die Ukraine war â€žĂŒbersĂ€t“ mit grĂ¶ĂŸeren und kleineren Lagern und Ghettos. So gab es etwa ein Ghetto in Winniza. (Übrigens befand sich in der NĂ€he dieser Stadt Adolf Hitlers FĂŒhrerhauptquartier „Wehrwolf“.) So weit das „eigentliche Russland“ von den Deutschen besetzt worden war, wurden auch hier die Juden als Partisanen verdĂ€chtigte Zivilisten und Kommunisten verschleppt oder erschossen. Allerdings gehörten die westlichen Gebiete des heutigen Russlands aufgrund der Kriegsereignisse zumeist zum „rĂŒckwĂ€rtigen Heeresgebiet“.

Aber nicht nur die Dichte an Konzentrationslagern und Ghettos unterschied die deutsch besetzten Gebiete Osteuropas von denjenigen Westeuropas. Denn nicht nur die Juden, sondern auch die nichtjĂŒdische Bevölkerung war von den Repressionen direkt betroffen. So wurde zum Beispiel die Stadt Charkow 1942 von Angehörigen der Wehrmacht (nicht SS-Angehörigen) ausgehungert. Solche und Ă€hnliche „Maßnahmen“ hatten ihren Grund in der rassistischen Ideologie des NS-Regimes, fĂŒr das die slawischen Völker nur „Untermenschen“ waren. So hatte ReichsfĂŒhrer-SS Heinrich Himmler vor Beginn des Russlandfeldzuges davon gesprochen, dass das Ziel des Feldzuges die Dezimierung der slawischen Völker um 30 Millionen bedeute.

Bearbeiten Siehe auch

Zu Einzelaspekten der deutschen Konzentrationslager siehe auch die Artikel ĂŒber:

Bearbeiten Literatur

  • Wolfgang Benz, Barbara Distel (Hrsg.): Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. 9 BĂ€nde (bis 2008 erschienen: 8 BĂ€nde). C. H. Beck, MĂŒnchen, 2005ff ISBN 3-406-52960-7 (Rezension der Reihe bei hsozkult.geschichte.hu-berlin.de)
  • Eugen Kogon: Der SS-Staat. Das System der deutschen Konzentrationslager. Alber, MĂŒnchen 1946 (Erstes weit verbreitetes Werk im Nachkriegsdeutschland. Zuletzt eine Auflage bei: Heyne, MĂŒnchen 2004, ISBN 3-453-02978-X)
  • Angelika Königseder: „Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager.“ Ein Kooperationsprojekt von Wissenschaft und GedenkstĂ€tten. In: Dachauer Hefte Nr. 17: Öffentlichkeit und KZ. Was wusste die Bevölkerung?, 2001.
  • Konzentrationslager Dokument F 321 fĂŒr den Internationalen MilitĂ€rgerichtshof NĂŒrnberg. herausgegeben vom Französischen BĂŒro des Informationsdienstes ĂŒber Kriegsverbrechen, Frankfurt am Main, 1988 (Erstveröffentlichung Paris 1945 unter dem Titel „Camps de Concentration. Crimes contre la personne humaine.“ Erste deutsche Buchausgabe 1947, hrsg. von EugĂšne Aroneanu)
  • Gudrun Schwarz: „SS-Aufseherinnen in nationalsozialistischen Konzentrationslagern (1933-1945)“. In: Dachauer Hefte Nr. 10: TĂ€ter und Opfer, 1994.
  • Dirk Riedel: „Privatunternehmer im KZ. Aufstieg einer Firma im NS-Staat“. In: Dachauer Hefte Nr. 19: Zwischen Befreiung und VerdrĂ€ngung, 2003.
  • Johannes Tuchel: Die Inspektion der Konzentrationslager 1938-1945. Edition Hentrich, Berlin 1994, ISBN 3-89468-158-6

Weitere Literaturhinweise siehe auch bei Shoa / Holocaust sowie Konzentrationslager (historischer Begriff).

Bearbeiten Quellen, Fußnoten

  1. ↑ Bislang wurden in die Datenbank keom.de der nationalsozialistischen HaftstĂ€tten und Lager ĂŒber 3.600 Orte aufgenommen.
  2. ↑ In Nohra, ThĂŒringen, wurde am 3. MĂ€rz 1933 in einer MilitĂ€rschule das erste Konzentrationslager des Dritten Reiches eingerichtet. Heute erinnert nichts mehr an das KZ, vgl.: Benz, Distel, Bd. 2, S. 174ff.
    Udo Wohlfeld, Das Netz. Die Konzentrationslager in ThĂŒringen 1933-1937, Weimar, 2000
    Katrin Zeiss: Die Spur nach Buchenwald. TAZ-Artikel (Vor siebzig Jahren ... In dem Dorf erinnert heute nichts mehr an den VorlÀufer von Buchenwald.
  3. ↑ Ulrich Herbert et al.: Die nationalsozialistischen Konzentrationslager – Geschichte. Erinnerung, Forschung. In: Ulrich Herbert, Karin Orth, Christoph Dieckmann (Hrsg.): Die nationalsozialistischen Konzentrationslager. Frankfurt/M 2002, ISBN 3-596-15516-9, Bd. 1, S. 25
  4. ↑ Dr. Zdenek Zofka, http://www.km.bayern.de/blz/report/01_04/1.html, Landeszentrale fĂŒr Politische Bildungsarbeit in Bayern, Aufruf vom 2. Februar 2007
  5. ↑ Ulrich Herbert et al.: Die nationalsozialistischen Konzentrationslager. Bd. 1, S. 26
  6. ↑ Ulrich Herbert et