Lambertiturm

Die Lambertikirche in Aurich (Ostfriesland) ist ein klassizistisches Gotteshaus mit reichhaltiger Innenausstattung. Der heutige Bau wurde in den Jahren 1833–1835 an Stelle des 1826 wegen Baufälligkeit niedergerissenen Vorgängerbaus errichtet, der wohl um 1270 errichtet wurde. Der Name der Kirche geht auf den Heiligen Lambertus zurück, dem sie ursprünglich gewidmet war.

Inhaltsverzeichnis

Bearbeiten Geografische Lage

Die Lambertikirche lag ursprĂĽnglich im Zentrum der Stadt Aurich, deren Besiedlung nach Bau der Kirche um den Lambertshof herum begann. Nach Stadterweiterungen liegt sie nun leicht westlich des neuen Zentrums um den Marktplatz der Stadt.

Bearbeiten Baubeschreibung

Eingang zur Lambertikirche Aurich

Die heutige Bau der Lambertikirche wurde in den Jahren 1833–1835 an Stelle des 1826 wegen Baufälligkeit niedergerissenen Vorgängerbaus im Stil des Klassizismus nach Plänen Conrad Bernhard Meyers durch Bauinspektor Reinhold aus Leer errichtet. Zuvor war der Vorgängerbau, der wohl um 1270 errichtet wurde wegen Baufälligkeit niedergerissenen. Der Kirchturm geht wohl im Kern auf das 14. Jahrhundert. Nach mehreren Umbauphasen erhielt er seine heutige Gestalt in den Jahren 1656 bis 1662. In dieser Zeit wurden ein zweites Stockwerk, die beiden Galerien und der Turmhelm errichtet.

Ăśber der TĂĽr zur KirchstraĂźe ist noch ein gotischer Sturzbogen zu erkennen. Der Lambertiturm ist heute das Wahrzeichen der Stadt und wurde 1994/1995 grundlegend renoviert.

Die Innenausstattung ist vom Altar des ehemaligen Zisterzienserkloster Ihlow geprägt. Dieser entstand zwischen 1510 und 1515 und ist das kostbarste Inventarstück der Kirche.

Bearbeiten Baugeschichte

Die Lambertikirche wurde 1270 vom Grafen Moritz von Oldenburg gestiftet und dem Heiligen Lambertus, dem in Jahre 703 getöteten Bischof von Maastricht, geweiht worden. Die Bedeutung des Heiligen Lambertus für das Haus Oldenburg zeigte sich auch in der Gründung der Oldenburger Lambertikirche durch die Oldenburger Grafen zwischen 1155 und 1234. Der Kern des Kirchturms geht wohl auf diese Zeit zurück. Innerhalb der mittelalterlichen Kirchengründungen in Ostfriesland bildet die Lambertikirche eine Besonderheit. Als bis dato einzige Kirche unterstand sie dem Patronat einer adeligen Familie, nämlich derer der Grafen von Oldenburg. Bei den anderen ostfriesischen Kirchen bestand ein Genossenschafts- oder Gemeindepatronat.[1]

Die Kirche war ein einschiffiger Bau. 1498/99 erhielt er ein südliches Parallelschiff[2]. 1514 wurde die Stadt Aurich und mit ihr die Kirche in der Sächsischen Fehde durch einen Brand nahezu vollständig zerstört. Anschließend wurde die Kirche in alter Gestalt wieder aufgebaut.

Nachdem Aurich im Jahr 1561 Residenz des Grafen und späteren Fürstengeschlechtes der Cirksena wurde, verlegten diese ihre Familiengruft von der großen Kirche in Emden in die Lambertikirche.

1806 wurde vor den Toren der Stadt der heute noch existierende Friedhof der Lambertikirche angelegt. Ursprünglich befand dieser sich unmittelbar an der Kirche und wurde in den Jahren 1815 bis 1818 nach Beilegung großen Widerstands in der Auricher Bevölkerung aufgegeben.

Im Verlaufe der Jahrhunderte war die alte Stadtkirche immer baufälliger geworden, so dass 1826 ihr Abbruch erfolgte. An ihrer Stelle wurde in den Jahren 1833 – 1835 nach Plänen Conrad Bernhard Meyers (der nie eine Bauschule besucht hatte) durch Bauinspektor Reinhold aus Leer der heute noch erhaltenen klassizistische Bau im Stil einer Predigtkirche errichtet. Bankreihen und Emporen sind hier von drei Seiten auf Kanzel und Altar an der Nordwand ausgerichtet. Auch die Farbgebung im Inneren der Kirche entspricht dem Klassizismus. Ein schlichter, quer gegliederter Raum ist in gedeckten Farben gehalten. Durch hohe Fenster dringt viel Licht ins Kircheninnere.

Beim Neubau der Kirche wurde der Grabkeller tiefer gelegt, was zu einem Grundwassereinbruch in die Cirksena Gruft führte. Dadurch wurden die Särge arg in Mitleidenschaft gezogen. 1875/76 wurde für sie das Mausoleum auf dem Auricher Friedhof errichtet und die Särge in einer feierlichen Prozession im September 1880 Nachts bei Fackellicht überführt.

1959/60 wurde die Kirche erneut von Grund auf renoviert und dabei in ihrem Inneren weitgehend verändert.

Bearbeiten Innenausstattung

Bearbeiten Altar

Altar der Klosterkirche, geöffnet
Altar der Klosterkirche, geschlossen

Der Altar der Lamberti-Kirche in Aurich ist ein spätgotisches Antwerpener Retabel, das im Verlauf der Reformation 1529 zusammen mit der Orgel aus dem Kloster Ihlow nach Aurich kam. Es wurde zwischen 1510 und 1515 von der Lukasgilde hergestellt. Darauf deuten Brand- und Hohleisenzeichen auf der Rückseite des Altars hin. Dort finden sich eingebrannte Hände (Symbole aus dem Antwerpener Stadtwappen, die von der örtlichen Lukasgilde genutzt wurden).

Der Mittelteil des Altars besteht aus sieben Feldern und zeigt Szenen aus dem Leben Christi: Verkündigung, Begegnung zwischen Maria und Elisabeth, Geburt, Beschneidung, Kreuztragung, Grablegung, Auferstehung und im Zentrum, die anderen Szenen überragend, die Kreuzigung. In den drei größeren Feldern sieht man seitlich weitere drei Szenen aus dem Leben Christi sowie die sieben Sakramente auf kleinen Konsolen. Die geschnitzten Figuren treten aus dem Hintergrund hervor, sie agieren mit bewegten Gesten. [3]

Bearbeiten Kanzel

Die barocke Kanzel der Lambertikirche ist die Stiftung eines Emder Amtmannes aus dem Jahre 1692. Der Kanzelkorb ruht auf einer schlichten Säule und fünf Fabeltieren getragen. Die Hauptzone ist durch fünf korinthische Säulen in Felder eingeteilt, auf denen Moses mit den Gesetzestafeln und die Figuren der Propheten Jeremia, Jesaia, Hesekiel und Daniel stehen. Damit ist die Auricher Kanzel eine der wenigen, auf der Darstellungen von fünf Propheten zu finden sind.[4]

Bearbeiten Taufstein

In der Lambertikirche gibt es zwei Taufsteine. Der heutige wurde 1971 vom Bildhauer Siegfried Zimmermann aus Hannover geschaffen, der auch Lesepult und Kerzenständer schuf.

Der ältere Taufstein stammt aus dem Jahr 1915. Er wurde vom Oldenburger Künstler Prof. Winter geschaffen und präsentiert sich als große Marmorschale, die auf einem hohen Eichenschaft liegt. Für das Relief, das zeigt, wie die Kinder zu Jesus gebracht werden, hat der Künstler Auricher Bürgerinnen und Bürger als Modell genommen.[5]

Bearbeiten Orgel

Die heutige Kirchenorgel wurde 1961 von der Firma Ahrend & Brunzema (Leer-Loga) nach den traditionellen Handwerkstechniken angefertigt. Sie verfĂĽgt ĂĽber 2 Manuale, Pedal und 25 Register. Ihren Prospekt entwarf der Auricher Baurat D. MĂĽller-StĂĽler.

Disposition seit 1961:

II Hauptwerk C–f3
Praestant 8′
Quintadena 16′
Hohlflöte 8′
Oktave 4′
Spitzflöte 4′
Quinte 22/3′
Oktave 2′
Mixtur IV-VI
Trompete 8′
I Rückpositiv C–f3
Praestant 4′
Quintadena 8′
Gedackt 8′
Rohrflöte 4′
Gemshorn 2′
Quinte 11/3′
Sesquialtera II
Scharff IV
Dulcian 8′
Tremulant
Pedal C–f1
Subbass 16′
Oktave 8′
Oktave 4′
Mixtur IV
Posaune 16′
Trompete 8′
Schalmei 4′

Bearbeiten Kronleuchter

Im Innern der Kirche hängt ein flämischer Kronleuchter aus Messing, der 1630 entstand. Daneben gibt es noch zwei kleinere Leuchter, welche aus dem 18. Jahrhundert stammen.

Bearbeiten Sonstige Ausstattung

Bearbeiten Glocken

Täglich um 21 Uhr erklingt das Rüm Straat Lüden, das angeblich in der Stadtgründungsurkunde angeordnet wurde. Die Glocken wurden im Laufe der Jahrhunderte immer wieder eingeschmolzen und meist vor Ort neu gegossen. Auch im Zweiten Weltkrieg mussten sie abgegeben werden. Die Auricher Bevölkerung sorgte durch ihre Spenden immer wieder dafür, dass neue Glocken für das Gotteshaus gefertigt werden konnten.[6]

Bearbeiten Die Lamberti-Kirchengemeinde Aurich

Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Aurich gehört zum Kirchenkreis Aurich im Sprengel Ostfriesland der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Der Kirchengemeinde gehören auch die Ortschaften Egels, Extum, Georgsfeld, Haxtum, Kirchdorf, Popens, Rahe, Sandhorst, Tannenhausen, Walle, Wallinghausen an. Bis zirka 1900 zählten auch Plaggenburg, Pfalzdorf, Dietrichsfeld dazu.

Bearbeiten Einzelnachweise

  1. ↑ Karl-Ernst Behre, Hajo van Lengen: Ostfriesland. Geschichte und Gestalt einer Kulturlandschaft, Aurich 1995, ISBN 3-925365-85-0, S. 192
  2. ↑ Hinrich Schoolmann: Unsere liebe kleine Stadt- Ein Gang durch das alte Aurich. Verlag A.H.F. Dunkmann KG, Aurich ohne Jahr, ohne ISBN, S. 25 ff.
  3. ↑ Ostfriesische Landschaft- Ev.-luth. Lambertikirche Aurich
  4. ↑ Ostfriesische Landschaft- Ev.-luth. Lambertikirche Aurich
  5. ↑ Stadt Aurich: Die Lambertikirche
  6. ↑ Hinrich Schoolmann: Unsere liebe kleine Stadt- Ein Gang durch das alte Aurich. Verlag A.H.F. Dunkmann KG, Aurich ohne Jahr, ohne ISBN, S. 28

Bearbeiten Literatur

  • Robert Noah: Gottes Häuser in Ostfriesland , Norden, 1989, ISBN 3922365809
  • Karl Anklam: Die Lambertikirche zu Aurich, Aurich 1928
  • Ev.-luth. Lamberti-Kirchengemeinde Aurich (Hrsg.): Die Lamberti-Kirche in Aurich, Aurich 2006

Bearbeiten Weblinks

53.46986111117.479361111117Koordinaten: 53° 28′ 11″ N, 7° 28′ 46″ O