Micheil Saakaschwili (georgisch áááźááá áĄááááášáááá ËmÉȘxÉÉȘÌŻl ËsaËkâaÊvÉȘlÉȘ; * 21. Dezember 1967 in Tiflis) ist ein georgischer Politiker (Vereinte Nationale Bewegung). Seit 2004 ist er PrĂ€sident von Georgien. 2008 wurde er fĂŒr eine zweite Amtsperiode gewĂ€hlt. Saakaschwili ist westorientiert, will sein Land in die NATO und die EuropĂ€ische Union fĂŒhren.
Inhaltsverzeichnis |
Bearbeiten Leben
Bearbeiten Jugend und Studium
Er wurde als Ă€ltester von drei Söhnen geboren. Sein Vater Nikolos Saakaschwili ist Mediziner und seit den 1990er Jahren Kurdirektor von Tiflis. Seine Mutter Giuli Alasania ist Professorin fĂŒr orientalische Geschichte an der Staatlichen UniversitĂ€t Tiflis und Abteilungsleiterin an der Georgischen Akademie der Wissenschaften. Die BrĂŒder Giorgi und Nikolos arbeiten als Filmproduzenten in den USA.
1984 schloss er die 51. Oberschule in Tiflis mit Auszeichnung ab. Er begann ein Studium der Rechtswissenschaft am Institut fĂŒr Internationale Beziehungen der UniversitĂ€t Kiew, das er nach drei Jahren abschloss. Ende der 1980er diente er zwei Jahre bei den sowjetischen Grenztruppen in Tschop an der Grenze zur Tschechoslowakei und zu Ungarn.
1992 arbeitete er ein halbes Jahr am Norwegischen Institut fĂŒr Menschenrechte in Oslo und beim Georgischen Menschenrechts-Komitee in Tiflis. Er spezialisierte sich auf Minderheitenrechte, organisierte Konferenzen ĂŒber SĂŒdossetien und Abchasien. 1993 erwarb er ein Diplom am Internationalen Institut fĂŒr Menschenrechte, StraĂburg.
1994 wechselte er als Stipendiat des Edmund S. Muskie Graduate Fellowship Program in die USA und absolvierte das LL.M.-Programm der Columbia University. 1995 promovierte Saakaschwili an der George Washington University, Washington, D.C. Zugleich arbeitete er in der international tÀtigen AnwaltssozietÀt Patterson, Belknap, Webb & Tyler in Manhattan.
Bearbeiten Gefolgsmann Schewardnadses
Im FrĂŒhjahr 1995 bat ihn Surab Schwania, damals GeneralsekretĂ€r der PrĂ€sidentenpartei Georgische BĂŒrgerunion, im Auftrag Eduard Schewardnadses in die georgische Politik einzutreten. Von 1995 bis 1999 und 1999 bis 2000 war Saakaschwili Abgeordneter des georgischen Parlaments, 1995 bis 1998 Vorsitzender des Verfassungs-, Rechts und Rechtsstaatlichkeitsausschusses und 1998 bis 1999 Vorsitzender der Parlamentsfraktion der Georgischen BĂŒrgerunion, die den PrĂ€sidenten unterstĂŒtzte. 2000 wurde er VizeprĂ€sident der Parlamentarischen Versammlung des Europarats.
Von Oktober 2000 bis September 2001 war Saakaschwili Justizminister Georgiens. Er initiierte Reformen im hinfĂ€lligen, korrupten und politisierten Strafrechts- und Strafvollzugssystem Georgiens. Mitte 2001 geriet er in Konfrontation mit Wirtschaftsminister Wano Tschchartischwili, Sicherheitsminister Wachtang Kutateladse und dem Polizeichef von Tiflis, Soso Alawidse, denen er Verwicklung in korrupte GeschĂ€fte vorwarf und das auf einer Kabinettssitzung mit Fotos belegte. Im September trat er vom Ministeramt zurĂŒck und verlieĂ die BĂŒrgerunion, weil er vom PrĂ€sidenten nicht genug UnterstĂŒtzung im Kampf gegen die Korruption erhielt.
Bearbeiten Oppositionspolitiker
Im Juni 2002 wurde Saakaschwili vom WahlbĂŒndnis Tiflis ohne Schewardnadse zum Vorsitzenden der Stadtversammlung von Tiflis (georgisch Sakrebulo) gewĂ€hlt, wurde so zum De-facto-BĂŒrgermeister der Hauptstadt. Im Oktober 2002 grĂŒndete er die Oppositionspartei Vereinte Nationale Bewegung, wurde ihr Vorsitzender.
Saakaschwili profilierte sich als Vertreter einer stark westlich geprĂ€gten Demokratie in Georgien. Im November 2003 gehörte er mit Surab Schwania und Nino Burdschanadse zu den WortfĂŒhrern der Rosenrevolution. Unter seiner FĂŒhrung stĂŒrmten oppositionelle Demonstranten am 22. November den den Sitzungssaal des aufgrund von Wahlbetrug zustande gekommenen georgischen Parlaments, verschafften sich Zutritt zum Plenarsaal und unterbrachen die Eröffnungsrede PrĂ€sident Schewardnadses. Saakaschwili rief dem alten PrĂ€sidenten zu: "Treten sie zurĂŒck!" Es entstand ein Handgemenge. Der PrĂ€sident flĂŒchtete mit seinen LeibwĂ€chtern aus dem GebĂ€ude. Am Folgetag traf sich Schewardnadse mit Saakaschwili und Schwania, um zu verhandeln. Nach dem Treffen erklĂ€rte der PrĂ€sident seinen RĂŒcktritt.
Bearbeiten PrÀsident
Am 4. Januar 2004 wurde Saakaschwili mit 96 % der Stimmen zum StaatsprĂ€sidenten Georgiens gewĂ€hlt und am 25. Januar vereidigt. Er lĂ€sst sich von einem jungen US-amerikanischen Politikwissenschaftler beraten: Daniel Kunin war frĂŒher ReprĂ€sentant des National Democratic Institute (NDI) in Georgien und steht der Demokratischen Partei der USA nahe. In seine Regierung berief Saakaschwili viele junge Akademiker, die wie er im westlichen Ausland studiert hatten.
Saakaschwili ist fĂŒr emotional ĂŒberschieĂende Reden bekannt. So nannte er den frĂŒheren GeneralsekretĂ€r des Europarats, Walter Schwimmer, im Mai 2004 vor Studenten der UniversitĂ€t Batumi einen âunverschĂ€mten und gut bezahlten BĂŒrokratenâ, was zu diplomatischen Verwicklungen fĂŒhrte. Im Oktober 2004 protestierten 14 fĂŒhrende georgische Menschenrechtler in einem offenen Brief an Saakaschwili gegen dessen âherabwĂŒrdigende und verletzende ĂuĂerungenâ ĂŒber politische Opponenten.
Bearbeiten Liquidierungs-Skandal
Der frĂŒhere Verteidigungsminister und Saakaschwili-Vertraute Irakli Okruaschwili warf Saakaschwili am 25. September 2007 im georgischen Fernsehsender Imedi TV vor, ihn im Juli 2005 beauftragt zu haben, den georgisch-russischen GeschĂ€ftsmann Badri Patarkazischwili zu liquidieren. Saakaschwili habe gesagt, er solle versuchen, ihn wie den frĂŒheren libanesischen Premierminister Rafik Hariri loszuwerden. Er wisse zudem, dass Saakaschwili damals Innenminister Wano Merabischwili angewiesen habe, den oppositionellen Abgeordneten Waleri Gelaschwili (Republikanische Partei Georgiens) verprĂŒgeln zu lassen. [1] Als er 2004 als Innenminister Saakaschwilis Onkel, den Unternehmer Temur Alasania, wegen Bestechung verhaftet habe (mutmaĂliche Bestechungssumme: 200.000 US-Dollar), habe er ihn auf Anweisung des PrĂ€sidenten freilassen mĂŒssen. [2]
In einer Vernehmung der georgischen Staatsanwaltschaft widerrief Okruaschwili seine VorwĂŒrfe zwei Wochen spĂ€ter. Die VorwĂŒrfe seien Teil einer politischen Vereinbarung mit Patarkazischwili gewesen, die ihm eine positive Berichterstattung in dessen TV-Sender verschaffen sollte. Im November 2007 erneuerte Okruaschwili in Deutschland seine VorwĂŒrfe gegenĂŒber der Nachrichtenagentur Reuters. Die georgische Staatsanwaltschaft habe ihn zum Widerruf genötigt. [3]
Bearbeiten Proteste und Wiederwahl
Vom 2. bis 7. November 2007 kam es in Tiflis zu Massenprotesten gegen Saakaschwili. Die Demonstranten forderten den RĂŒcktritt des PrĂ€sidenten. Sie warfen ihm eine autoritĂ€re Politik sowie Versagen im Kampf gegen Armut und Korruption vor. Saakaschwili lieĂ die Menge von PolizeikrĂ€ften mit Wasserwerfern, TrĂ€nengas und akustischen Waffen auseinandertreiben, verhĂ€ngte am 7. November den Ausnahmezustand ĂŒber Georgien.
Am 8. November 2007 erklĂ€rte sich Saakaschwili bereit, im Januar 2008 vorgezogene PrĂ€sidentschaftswahlen durchzufĂŒhren. Am 25. November trat er von seinem Amt zurĂŒck, um den Weg fĂŒr Neuwahlen frei zu machen. [4] Am 5. Januar 2008 wurde er bei den PrĂ€sidentschaftswahlen in Georgien mit 53.47% der ausgezĂ€hlten WĂ€hlerstimmen erneut zum PrĂ€sidenten gewĂ€hlt. In diesen PrĂ€sidentschaftswahlen nahmen nur 59% aller Wahlberechtigten teil.[5]Die OSZE zeigte sich mit der Parlamentswahl in Georgien mehrheitlich zufrieden. [6] [7]Unter ihren Wahlbeobachtern gab es jedoch auch abweichende Auffassungen.[8]Am 20. Januar 2008 wurde Saakaschwili in seine zweite und damit nach der georgischen Verfassung letzte Amtsperiode eingefĂŒhrt. [9]
Bearbeiten Krieg um SĂŒdossetien und Vorwurf der Kriegsverbrechen
Hauptartikel: Kaukasus-Konflikt 2008
WĂ€hrend und nach der militĂ€rischen Auseinandersetzung um SĂŒdossetien im August 2008, die Georgien gegen die russischen Truppen verlor, wuchs im Land die Kritik an Saakaschwilis Politik. Ihm wird vorgeworfen mit der breit angelegten MilitĂ€roffensive gegen die sĂŒdossetischen Separatisten die massive Intervention Russlands provoziert zu haben, die mit einer Besetzung auch georgischen Kernlandes durch russische Truppen endete sowie die Aussichten auf eine Reintegration SĂŒdossetiens und Abchasiens drastisch verschlechterte. Die von Saakaschwili versprochene Wiederherstellung der vollen territorialen IntegritĂ€t seines Landes ist nach der russischen Anerkennung der von SĂŒdossetien und Abchasien proklamierten UnabhĂ€ngigkeit in weite Ferne gerĂŒckt, wenn nicht gar unmöglich gemacht.[10] Abgesehen davon wird Saakaschwili v.a. von russischer und sĂŒdossetischer Seite fĂŒr Kriegsverbrechen gegen die sĂŒdossetische Zivilbevölkerung verantwortlich gemacht.[11]
Den georgischen Soldaten werden unter Leitung von Saakaschwili mittlerweile auch von westlichen Medien massive Kriegsverbrechen vorgeworfen. Im Oktober veröffentlichte die BBC mehrere Reportagen darĂŒber, dass georgische Soldaten beim Artilleriebeschuss von Zchinwali den Tod von Zivilisten in Kauf nahmen und bei der ErstĂŒrmung der Stadt wahllos auf WohnhĂ€user und zivile Autos schossen.[12] In Keller, in denen sich Zivilisten versteckten, wurden Granaten geworfen. [13]. Die Belege basieren auf Zeugenaussagen und auf Videos, die georgische Soldaten bei der ErstĂŒrmung Zchinwalis mit Mobiltelefonen gemacht haben. Darauf lĂ€sst sich wahllose und genĂŒssliche BeschieĂung von WohnhĂ€usern und FlĂŒchtlingsautos erkennen, die spĂ€ter identifiziert werden konnten.
Die New York Times berichtete darĂŒber, dass internationale MilitĂ€rexperten, die vorort Untersuchungen durchfĂŒhrten, die Version Saakaschwilis ablehnen, wonach Georgien SĂŒdossetien aus "Verteidigungszwecken" angriff.[14]
Bearbeiten Auszeichnungen
2005 erhielt Saakaschwili den Preis des Crans-Montana-Forums fĂŒr Demokratie und Weltintegration in Osteuropa [15] sowie den Preis der American Bar Association fĂŒr die StĂ€rkung von Recht und Ordnung [16]. Im gleichen Jahr wurde er von den US-Senatoren Hillary Clinton und John McCain fĂŒr den Friedensnobelpreis vorgeschlagen [17]. Er ist zudem Ehrendoktor der Nationalen Taras-Schewtschenko-UniversitĂ€t in Kiew. [18]
Bearbeiten Privates
Er ist seit Ende 1993 mit der NiederlÀnderin Sandra Roelofs verheiratet und hat zwei Söhne: Eduard und Nikolos. Saakaschwili spricht die Fremdsprachen Russisch, Englisch, Französisch und Spanisch.
Bearbeiten Schriften
- Trade and Investment in Georgia. In: SEEL Survey of East European Law 5, no. 7 (August 1994), S. 1 ff. [mit David Aptsiauri, Scott Horton]
- The Stage Is Set for the Russian Securities Market. In: Parker School Journal of East European Law 2, no. 2 (1995), S. 245-246 [mit Scott Horton]
- Growing Attraction of the Georgian Alternative. In: Caspian Crossroads, vol. 1, no. 1 (Winter 1995)
Bearbeiten Literatur
- Zurab Karumidze, James V. Wertsch: "Enough!": The Rose Revolution in the Republic of Georgia 2003. Nova Science Publications, New York 2005, ISBN 1-59454-210-4
- Pamela Jawad: Democratic consolidation in Georgia after the "Rose Revolution"? Peace Research Inst. Frankfurt, Frankfurt 2005, ISBN 3-937829-26-1
- Bruno Coppieters (Hrsg.): Statehood and security: Georgia after the Rose Revolution. MIT Press, Cambridge, Mass. [u.a.] 2005, ISBN 0-262-03343-7
- Sergei Kara-Mursa: Export rewoljuzii: Juschtschenko, Saakaschwili. Algoritm, Moskwa 2005, ISBN 5-9265-0197-0
Bearbeiten Weblinks
| PND: Datensatz zu Micheil Saakaschwili bei der DNB |
| Kein Eintrag im DNB-OPAC, 10.11.2007 |
- Website des georgischen PrÀsidenten (englisch, georgisch)
- Offizielle Biografie Saakaschwilis (englisch)
- Antrittsrede Saakaschwilis am 25. Januar 2004
- Konzeptionelle Rede Saakaschwilis auf der MĂŒnchner Konferenz fĂŒr Sicherheitspolitik, 2006 (englisch)
Bearbeiten Einzelnachweise
- â Civil Georgia: Okruashvili Ups Ante on Former Allies, 26.9.2007
- â Civil Georgia: Irakli Okruashviliâs Speech at Presentation of his Party, 25.9.2007
- â Der Spiegel: Gegenspieler von PrĂ€sident Saakaschwili in Berlin festgenommen, 28.11.2007
- â Civil Georgia: Saakashvili Steps Down, as Parliament Calls for Early Polls, 25.11.2007
- â Civil Georgia: Saakashvili Re-Elected as CEC Approves Final Vote Tally, 13.1.2008
- â Tagesschau: [1]
- â Focus: [2]
- â Zeit Online: Wahlbeobachtung: OSZE uneins ĂŒber Georgien-Wahl
- â Civil Georgia: âI'm President of Entire Nationâ â Saakashvili, 20.1.2008
- â The Washington Post: Georgians Question Wisdom of War With Russia. President's Future At Stake, Some Say.
- â Russia Today: Saakashvili may be put on trial in Russia, say prosecutors
- â BBC: Georgia accused of targeting civilians, 28.10.2008>
- â BBC: What really happened in South Ossetia?, 28.10.2008
- â New York Times: Claims on Russia War Called Into Question, 07.11.2008
- â Monegassisches Generalkonsulat, New York: Monaco Hosts The Cran Montana Forum, 23.6.2005
- â Georgische Botschaft, Washington: Georgian President Pays Visit to Atlanta, 7.8.2004
- â The Washington Post: Georgia's Ex-Leader Puts In Final Spurt On Comeback Trail, 2.1.2008
- â Kiev Ukraine News Blog: Georgia, Ukraine Form "New Axis", 28.3.2005
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Saakaschwili, Micheil |
| ALTERNATIVNAMEN | áĄááááášáááá, áááźááá (georgisch) |
| KURZBESCHREIBUNG | georgischer StaatsprÀsident |
| GEBURTSDATUM | 21. Dezember 1967 |
| GEBURTSORT | Tiflis |
