| Mumbai | |
|---|---|
| Basisdaten | |
| Staat: | Indien |
| Bundesstaat: | Maharashtra |
| Koordinaten: | 18° 57' 53" N 72° 49' 33"O Koordinaten: 18° 57' 53" N 72° 49' 33"O |
| Zeitzone: | UTC + 5:30 (Indian Standard Time) |
| Höhe: | 11 m ü. NN |
| Fläche: | 437,71 km² (Stadt) 4.355 km² (Metropolregion) |
| Einwohner: | 13.662.885 (Stadt)[1] 20.870.764 (Metropolregion)[2] (Stand 1. Januar 2008) |
| Bevölkerungsdichte: | 31.214 Einwohner/km² (Stadt) 4.792 Einwohner/km² (Metropolregion) |
| Telefonvorwahl: | 022 |
| Kfz-Kennzeichen: | MH-01 (Zentrum), MH-02 u. MH-03 (Außenbezirke) |
| Stadtgliederung: | 6 Zonen, 24 Bezirke |
| Offizielle Website: | www.mcgm.gov.in |
| Politik | |
| Bürgermeister | Shubha Raul |
| Verwaltungsleiter | Jairaj Phatak |
Mumbai (Marathi: मुंबई, Mumbaī ˈmumbəi), bis 1995 amtlich Bombay, ist die Hauptstadt des Bundesstaates Maharashtra in Indien und die wichtigste Hafenstadt des Subkontinents. Sie liegt auf der Insel Salsette, vor der Westküste Maharashtras. Das Stadtzentrum befindet sich auf einem schmalen Landstreifen, der von der sumpfigen Küste ins Arabische Meer hineinragt. Die Stadt ist das wirtschaftliche Zentrum Indiens und beherbergt die größte Filmindustrie der Welt, Bollywood. Sie ist Verkehrsknoten und Kulturzentrum mit Universitäten, Theater, Museen und Galerien.
Mumbai ist eine der bevölkerungsreichsten Städte der Welt mit 13,7 Millionen Einwohnern (2008)[1] in der eigentlichen Stadt (das heißt ohne Vorortgürtel) und die fünftgrößte Metropolregion der Welt mit 20,9 Millionen Einwohnern (2008)[2] in der „Mumbai Metropolitan Region“ (MMR), die auch die nördlichen Gebiete mit der Stadt Thane einschließt. In Indien existiert allerdings keine Behörde zur Registrierung des Wohnsitzes von Personen; die angegebenen Einwohnerzahlen sind deshalb Hochrechnungen auf Basis von Volkszählungsergebnissen.
Zahlreiche Gebäude der Altstadt Mumbais sind in einer regionalen Variation des Historismus erbaut worden, die teilweise britisch inspiriert und teilweise eine britische Interpretation des Mogul-Baustils ist. Zwei Baudenkmäler der Stadt, der Chhatrapati Shivaji Terminus und die Höhle von Elephanta stehen auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes.
Inhaltsverzeichnis |
Bearbeiten Der Name der Stadt
Seit Beginn der Kolonialisierung Anfang des 16. Jahrhunderts wurde die Stadt als Bombay bekannt. Der Name Bombay leitet sich von der portugiesischen Bezeichnung „Bom Bahia“ (Gute Bucht) und der späteren Abwandlung „Bombaim“ her.[3]
Der Name Mumbai wird angeblich von der örtlichen Bevölkerung schon genauso lange verwendet und der regionalen Hindu-Göttin Mumbadevi zugeschrieben. Am 4. Mai 1995 beschloss die Regierung Maharashtras, dessen Hauptstadt Bombay seit der Gründung des Bundesstaates am 1. Mai 1960 ist, die Umbenennung der Stadt in Mumbai. Die Namensänderung wurde vom indischen Parlament 1997 bestätigt.
Inder verschiedener Muttersprachen in Mumbai, die oft ohnehin auf Englisch kommunizieren, verwenden Mumbai und Bombay nebeneinander. Auch öffentliche Einrichtungen wie etwa die Börse, der Gerichtshof und die technische Eliteuniversität IIT tragen weiterhin Bombay in ihrem Namen.[4]
Bearbeiten Geographie
Bearbeiten Geographische Lage
Mumbai liegt an der Küste des Arabischen Meeres im Westen von Indien auf 18,57 Grad nördlicher Breite und 72,49 Grad östlicher Länge sowie im Durchschnitt elf Meter über dem Meeresspiegel.
Das administrative Stadtgebiet hat eine Fläche von 437,71 Quadratkilometern und erstreckt sich auf die der Westküste Maharashtras vorgelagerte Insel Salsette. Das Stadtzentrum von Mumbai befindet sich auf einer langgestreckten Halbinsel im Süden der 619 Quadratkilometer großen Insel. Die Außenbezirke von Mumbai und die Stadt Thane liegen im nördlichen Teil der Insel Salsette.
Von einzelnen steilen Erhebungen bis zu 496 Metern abgesehen, ist Salsette sehr flach, Teile im Süden der Insel liegen unter dem Meeresspiegel. Im Stadtgebiet befinden sich drei große Seen: Tulsi Lake, Vihar Lake und Powai Lake. Die ersten beiden Seen liegen im Sanjay Gandhi National Park (früher Borivili National Park). Die beiden kleinen Flüsse Oshiwara River im nördlichen Teil und Mithi River im südlichen Teil des Stadtgebietes münden in das Arabische Meer.
Östlich erstreckt sich der Konkan, ein bis zu 80 Kilometer langer ebener Küstenabschnitt, dahinter befindet sich das 1.600 Meter über der Tiefebene gelegene Hochplateau Westghats (auch Sahyadri). Die Verbindung nach Osten wird durch die sehr steilen Anstiege des Plateaus erschwert.
Die Mumbai Metropolitan Region (MMR) hat eine Fläche von 4.355 Quadratkilometern und erstreckt sich im Norden bis an den Tansa River, im Süden bis an den Patalganga River, im Westen bis an das Arabische Meer und im Osten bis an die Westghats. Zur Metropolregion gehören neben Mumbai weitere große Städte: Thane, Kalyan-Dombivli, Navi Mumbai, Mira-Bhayandar, Bhiwandi-Nizampur und Ulhasnagar.[5]
Bearbeiten Stadtgliederung
Mumbai ist in sechs Zonen aufgeteilt. Diese gliedern sich in 24 Stadtbezirke (Wards). Den Zonen wurden Zahlen und den Stadtbezirken Buchstaben zugeordnet. Die Stadtbezirke sind noch in 227 Wahlbezirke (Electoral Wards) unterteilt. Die folgende Tabelle zeigt die einzelnen Zonen mit den dazugehörigen Stadtbezirken.[6]
| Zone 1 | Zone 2 | Zone 3 | Zone 4 | Zone 5 | Zone 6 |
|---|---|---|---|---|---|
| Ward A | Ward F/North | Ward H/East | Ward P/North | Ward L | Ward N |
| Ward B | Ward F/South | Ward H/West | Ward P/South | Ward M/East | Ward S |
| Ward C | Ward G/North | Ward K/East | Ward R/North | Ward M/West | Ward T |
| Ward D | Ward G/South | Ward K/West | Ward R/South | ||
| Ward E | Ward R/Central |
Siehe auch: Liste der Stadtbezirke von Mumbai
Bearbeiten Klima
Die Stadt Mumbai befindet sich in der tropischen Klimazone. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 26,7 Grad Celsius. Die Temperaturen sind wegen der Nähe zum Meer ausgeglichen und unterliegen keinen großen Schwankungen. Der kühlste Monat ist der Januar mit durchschnittlich 23,9 Grad Celsius, der heißeste der Monat Mai mit 29,7 Grad Celsius im Monatsmittel.
Der Monsun beeinflusst das Klimageschehen stärker als die Temperatur. Er dauert normalerweise von Anfang Juni bis Ende September. Durchschnittlich 1.700 Millimeter, das sind 95 Prozent der jährlichen Niederschlagsmenge, regnen in dieser Zeit ab.
Im Juli 2005 kam es in Mumbai bei heftigen Monsunregenfällen zu den schwersten Überschwemmungen seit rund 100 Jahren. Mit 944 Millimetern wurde am 26. Juli 2005 ein Tagesniederschlagsrekord für den Bundesstaat Maharashtra gemessen. 447 Menschen ertranken oder kamen möglicherweise durch andere damit zusammenhängende Unfälle (Stromschläge, Erdrutsche) ums Leben. Die Infrastruktur, darunter das Straßen- und Trinkwassersystem, wurde beschädigt. Der Flughafen sowie Schulen und Universitäten mussten für mehrere Tage geschlossen werden. Viele Unternehmen stellten ihre Arbeit ein und schickten ihre Angestellten nach Hause. Die Stadt war zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten. Der Tagesniederschlagsrekord Indiens von 1168 Millimetern wurde am 6. Mai 2004 auf den Amindiven im Unionsterritorium Lakshadweep gemessen.[7][8]
Die Monate Oktober und November sind ähnlich heiß wie die Monsunzeit, doch überwiegend niederschlagsfrei. Mit Tagesmaxima von etwa 28 Grad Celsius sind die Monate Dezember bis Februar trocken und etwas weniger heiß als die Monate März bis Mai, in denen Tagesmaxima 33 Grad Celsius und mehr bei zunehmender Luftfeuchtigkeit erreicht werden.
| Jan | Feb | Mär | Apr | Mai | Jun | Jul | Aug | Sep | Okt | Nov | Dez | Jahr | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Durchschnittliche Höchsttemperatur (°C) |
30,6 | 31,3 | 32,7 | 33,1 | 33,3 | 31,9 | 29,8 | 29,3 | 30,1 | 32,9 | 33,4 | 32,0 | 31,7 |
| Durchschnittliche Tiefsttemperatur (°C) |
16,4 | 17,3 | 20,6 | 23,7 | 26,1 | 25,8 | 24,8 | 24,5 | 24,0 | 23,1 | 20,5 | 18,2 | 22,1 |
| Durchschnittlicher Niederschlag (mm) |
0,6 | 1,5 | 0,1 | 0,6 | 13,2 | 574,1 | 868,3 | 553,0 | 306,4 | 62,9 | 14,9 | 5,6 | 1848,2 |
| Durchschnittliche Regentage |
0,1 | 0,1 | 0,0 | 0,1 | 1,0 | 14,9 | 24,0 | 22,0 | 13,7 | 3,2 | 1,1 | 0,4 | 80,6 |
Bearbeiten Umweltprobleme
Zu den größten Umweltproblemen der Stadt gehören die unzureichenden Entsorgungs- und Reinigungskapazitäten für Abwasser, Abgase und Abfälle. Obwohl sich die Wasserversorgungslage der Haushalte seit Anfang der 1980er Jahre verbessert hat, verfügen nur wenige Haushalte über eine Abwasserentsorgung. Mehr als die Hälfte der Bewohner Mumbais lebt in Slums, ohne Wasseranschluss und Kanalisation.[10] Verschmutztes und verseuchtes Wasser tragen wesentlich zur Entstehung und Verbreitung von Infektionskrankheiten bei.
Probleme bereitet der jährlich auftretende Monsun. Nach acht Monaten Trockenheit kommt es während des viermonatigen Monsuns regelmäßig zu Überschwemmungen. Der Regen spült dabei immer wieder Müll in die Abflüsse und führt zu deren Verstopfung. Ein teilweiser Zusammenbruch der Kanalisation und eine Vermischung von Trink- und Abwasser sind die Folge. Auch hier kommt es zum Ausbruch von Infektionskrankheiten.
Die Luftverschmutzung in der indischen Metropole ist bedenklich. Der hohe Gehalt an Feinstaub stellt das größte Problem dar. Die Ursachen liegen sowohl in den zahlreichen Fabrikanlagen und Kraftwerken als auch im Verkehr und in den privaten Haushalten. Mumbai verfügt über ein im Vergleich zu anderen indischen Städten gut ausgebautes Eisenbahnnetz.
Öffentliche Busse, Autorikschas und private Personenkraftwagen tragen jedoch nach wie vor zur Luftverschmutzung bei. Der Ausstoß von Kohlenstoffdioxid nimmt in Folge der fortschreitenden Industrialisierung und eines stetig wachsenden Verkehrsaufkommens und Energiebedarfs schnell zu. Die Folgen der Luftverschmutzung sind Atemwegs- und Hauterkrankungen unter der Bevölkerung Mumbais. Die unzureichenden technischen Anlagen in den Fabriken führen immer wieder zu Beeinträchtigungen.
Bearbeiten Geschichte
Bearbeiten Ursprung
Die heutige Halbinsel im südlichen Teil der Insel Salsette mit dem Stadtzentrum Mumbais ist das Ergebnis intensiver Landgewinnungsmaßnahmen, die bis in die Gegenwart anhalten. Vor der Ankunft der Europäer und bis in das 17. Jahrhundert hinein bestand das Gebiet aus sieben voneinander getrennten Inseln, von denen sich fünf (Bombay, Mahim, Mazagaon, Parel und Worli) kreisförmig um eine Lagune gruppierten, während die zwei kleinsten (Colaba und Old Woman's Island) den südlichen Fortsatz bildeten. Bis 1862 waren die größeren Projekte der Landgewinnung beendet und aus ehemals sieben kleineren entstand eine große Insel. Diese wurde dann im 20. Jahrhundert, ebenfalls durch Landgewinnungsmaßnahmen, mit den nördlich gelegenen Inseln Salsette und Trombay zu einer Insel verbunden.
Auf eine frühe Besiedlung der Inselgruppe lassen archäologische Funde von Faustkeilen und anderen Steinwerkzeugen schließen. Drawidische Fischer (Kolis) bewohnten schon vor der arischen Einwanderung um das Jahr 1500 v. Chr. die Region. Erste Spuren hinterließen arische Siedler im 8. Jahrhundert v. Chr.
Während der nachfolgenden zwei Jahrtausende bis zur Ankunft der Europäer gehörte die heutige Region Mumbai verschiedenen Reichen an, unter anderem dem Maurya-Reich (bis 185 v. Chr.), dem Shatavahana-Reich (bis 220 n. Chr.) und dem Kshatrapa-Reich (bis etwa 300 n. Chr.). Anfang des 7. Jahrhunderts wurde das Land von den Chalukyas erobert, die nach einer jahrhundertelangen buddhistischen Periode den Hinduismus wieder in den Vordergrund stellten.
Ab dem 8. Jahrhundert siedelten an der Westküste Indiens Juden aus Jemen und Anhänger der Religion des Zarathustra aus Persien, die vor dem Ansturm der islamischen Eroberer dorthin geflüchtet waren. Bis Ende des 13. Jahrhunderts beherrschten verschiedene Dynastien diesen eher unbedeutenden und abgelegenen Landstrich. Die Ortschaft Puri auf der Insel Elephanta war bis dahin die größte Siedlung in der Region.
Im 13. Jahrhundert bestand in der Gegend das legendäre selbständige Königreich unter König Raja Bhimdev. Er gilt als Gründer von Bombay, da er seinen Regierungssitz in die Stadt Mahikavati auf der Insel Mahim verlegte und dort Befestigungsanlagen baute. 1348 wurde die Stadt von dem muslimischen Schah Murabak I. besetzt und als militärischer Außenposten in das Sultanat Gujarat eingegliedert.
Bearbeiten Portugiesische Kolonialzeit
1508 segelte der portugiesische Forscher und Händler Francisco de Almeida mit seinem Schiff in den tiefen natürlichen Hafen der Insel Bombay. Angenehm beeindruckt durch die Geographie und die Bedingungen, nannte er sie Bom Bahia (gute Bucht). 1533 eroberten die Portugiesen die unmittelbar nördlich von Bombay gelegene Festung Bassein. Zur gleichen Zeit wurde der in dem Gebiet herrschende Sultan Bahadur Schah von Gujarat im Norden von den Mogulen angegriffen. Der Sultan erkannte die militärische Stärke der Portugiesen und verbündete sich mit ihnen. Am 23. Dezember 1534 wurde der Vertrag von Bassein unterzeichnet, wonach der Sultan Bahadur Schah von Gujarat dem König von Portugal die Inseln Bassein, Bombay, Karanja und Salsette übergab und vermachte.
Mit der Errichtung eines Forts und einer Faktorei durch die Kolonisten auf der Insel Bombay begann die Ära europäischer Herrschaft, die über 400 Jahre bis zum 14. August 1947, dem Tag der Unabhängigkeit Indiens, andauerte. Weitere Kastelle, Befestigungsanlagen und Faktoreien bauten die Portugiesen in den folgenden Jahren auf den anderen Inseln des Archipels. Die Ländereien wurden nach einem feudalen Pachtsystem an Händler und katholische Ordensgemeinschaften, darunter vor allem Franziskaner und Jesuiten, vergeben. Viele einheimische Bewohner traten während der portugiesischen Herrschaft, nicht immer freiwillig, zum christlichen Glauben über.
1585 gehörten den Franziskanern und Jesuiten die Inseln Salsette, Bombay, Mahim, Parel und Worli. Die Einnahmen der Ordensgemeinschaften aus dem Handel mit Gewürzen waren beträchtlich. Sie herrschten dabei über die Einheimischen mit Gewalt und Ignoranz, die sich in der Zerstörung zahlreicher hinduistischer Tempel und islamischer Moscheen äußerte. 1629 schrieb der Erzbischof von Goa Sebastião de São Pedro an den König von Portugal Philipp IV. : „Die größten Feinde der Interessen Portugals sind die Jesuiten. Sie scheren sich weder um die Anordnungen des Erzbischofs noch um die des Vizekönigs“. Die katholischen Orden schadeten somit der portugiesischen Herrschaft und waren nicht zuletzt auch verantwortlich für den Machtwechsel zugunsten Großbritanniens.
Bearbeiten Britische Kolonialzeit
1583 kamen die ersten englischen Kaufleute an die indische Westküste. 1612 besiegte die englische Flotte in der Schlacht von Swally (Suvali) nördlich von Surat die Portugiesen. Daraufhin errichtete die Britische Ostindien-Kompanie die erste feste Handelsniederlassung in der Hafenstadt Surat. 1626 griffen die Briten Bombay an und verbrannten das portugiesische Herrenhaus. Am 23. Juni 1661 wurde der Hafen und die Insel Bombay durch einen Heiratsvertrag zwischen dem englischen König Karl II. und der portugiesischen Infantin Katharina von Braganza an den König von England übergeben.
Die Stadt behielt den vom portugiesischen „Bom Bahia“ abgeleiteten, anglisierten Namen Bombay bei. Dies war das erste Stück Land in Indien, das wirklich als Kolonie bezeichnet werden kann. Überall sonst auf dem Subkontinent wurde den Briten nur das Recht eingeräumt, Faktoreien, das heißt Handelsposten, zu errichten. Aufgrund seines geschützten Naturhafens und der strategisch günstigen Handelsposition bemühte sich die in Surat stationierte Britische Ostindien-Kompanie um den Erwerb dieses Landes. 1668 war der Handel perfekt, und Karl II. überließ ihr Bombay für den Betrag von jährlich zehn Pfund Sterling.
In den folgenden Jahren nahmen die Briten auch die Inseln Mahim, Mazagaon, Parel und Worli in ihren Besitz. Die Engländer bemühten sich, ihren Außenposten zu festigen. Sie ließen sich in einem Gebiet nieder, das heute als Fort bekannt ist. Doch sie hatten auch zahlreiche Probleme: Die Stadt war einer ständigen Bedrohung von außen durch Portugiesen, Franzosen, Marathen, Mogulen und Piraten ausgesetzt. Die Gouverneure wechselten häufig, und Malaria und Cholera töteten viele der ersten Siedler. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts schrieb ein Kaplan der Britischen Ostindien-Kompanie, Reverend John Ovington:
- Eine der schönsten Stellen Indiens schien nichts weiter als ein Kirchenfriedhof, ein Leichenschauhaus... Das gewöhnliche Schicksal hat unter den dortigen Engländern ein Sprichwort geprägt, welches besagt, dass die Lebenszeit eines Mannes zwei Monsune umfasst.
Gerald Aungier, der sechste Gouverneur (1669-1677), machte es sich zur Aufgabe, „die Stadt, die mit Gottes Hilfe gebaut werden soll“, zu planen. Anfang des 18. Jahrhunderts war die Niederlassung tatsächlich Verwaltungssitz der Britischen Ostindien-Kompanie geworden. Auf Aungiers Initiative geht jene ethnische Vielfalt zurück, die immer noch zum Erfolg der Stadt beiträgt, denn er ermutigte den Zuzug von Hindu-Händlern aus Gujarat, Goanern (auf der Flucht vor der Verfolgung durch die Jesuiten), islamischen Webern und geschäftstüchtigen Parsen.
1803 vernichtete eine Feuersbrunst einen Großteil der britischen Siedlung im alten Fort, und bis weit in das 19. Jahrhundert hinein blieb der Anteil der europäischen Bevölkerung vergleichsweise gering. Die Ankunft der Great Indian Peninsular Railway in den 1850er Jahren brachte eine Verbesserung der Kommunikationswege und noch mehr Einwanderer aus allen Teilen Indiens. Mitte des Jahrhunderts war das erste von zahlreichen Landgewinnungsprojekten fertiggestellt und verband die sieben Inseln miteinander. Am 18. November 1852 wurde die erste Eisenbahnlinie Asiens nach Thane eröffnet und 1864 die Strecke nach Ahmedabad, der zweitwichtigsten Textilstadt Indiens.
Die Vollendung der Eisenbahnstrecke zu den Baumwollfeldern des Dekkan fiel genau mit der US-amerikanischen Baumwollkrise nach dem Ende des Sezessionskrieges im Jahre 1865 zusammen, so dass ein mächtiger Baumwollboom ausbrach, der die Stadt zu einer bedeutenden Industrie- und Handelsstadt machte. Nach der Eröffnung des Sueskanals am 16. November 1869 und dem Bau riesiger Hafendocks verstärkte sich Bombays Einfluss auf die europäischen Märkte noch.
In den folgenden Jahrzehnten hinterließen Briten, reiche Jains und Parsen mit gewaltigen Bauten ihre Spuren in der Innenstadt. Als wohlhabendste Stadt der Nation stand Bombay in der vordersten Front des Unabhängigkeitskampfes. Mahatma Gandhi (1869-1948) benutzte dort drei Jahrzehnte lang ein Haus zur Organisation des Widerstands; heute ist dieses ein Museum. Passenderweise endete das Zeitalter der britischen Herrschaft in Bombay: Im Februar 1948 marschierte das letzte Kontingent britischer Truppen durch das Gateway of India.
Bearbeiten Nach der Unabhängigkeit
Bombay entwickelte sich nach der Unabhängigkeit Indiens von Großbritannien im Jahre 1947 zur Handels- und Kulturhauptstadt Indiens. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts verzehnfachte sich die Einwohnerzahl von 813.000 (1901) auf 8,2 Millionen (1981), und die Infrastruktur Bombays fing an, unter dem Druck der Überbevölkerung zu versagen.
Ein anderthalbjähriger Streik der Textilarbeiter 1982 und 1983 trieb Zehntausende von Fabrikarbeitern in die Armut. Grund war die von den Besitzern vorgesehene Schließung zahlreicher veralteter Fabriken. Der Streik scheiterte, die Betriebe wurden stillgelegt und die Arbeiter entlassen. Der Zustrom von Landflüchtlingen hielt an, die Zahl der Arbeitslosen und die Kriminalitätsrate stiegen. Die rechtsextreme Maharashtra-Partei „Shiv Sena“ gehörte zu den wenigen, die von der Verschärfung der Situation profitierten. Bal Thackeray, laut Eigenaussage ein Bewunderer von Adolf Hitler, gründete die Partei 1966.
Die kompromisslose Haltung der „Shiv Sena“ bezüglich Zuwanderung und Arbeit fand besonders große Zustimmung unter den hauptsächlich Marathi sprechenden, enttäuschten Hindus der unteren Mittelschicht, die in den ärmeren Vororten lebten. Die Partei, die anfänglich ihre verbalen Angriffe gegen die zahlenstarke südindische Gemeinde der Stadt richtete, griff bald vor allem die muslimische Minderheit Bombays an. 1984 kamen bei städtischen Unruhen 90 Menschen ums Leben, und 1985 als die Shiv Sena bei den Stadtwahlen die Kongresspartei besiegte, flackerten die Kämpfe erneut auf.
Bearbeiten Terroranschläge in Mumbai
Mumbai wurde als Wirtschaftszentrum Westindiens seit den 1990er Jahren wiederholt Ziel von Terroranschlägen.
Zwischen Dezember 1992 und Ende Januar 1993 erschütterten zwei Aufruhrwellen Bombay. Sie beschränkten sich nicht auf die muslimischen Ghettos und die armen Industrie-Vororte, sondern wurden zum ersten Mal auch in großen Teilen der Innenstadt ausgetragen. Laut offiziellen Statistiken kamen 900 Menschen ums Leben und etwa 5.000 erlitten Verletzungen, 70 Prozent von ihnen Muslime.[11] Gerade als Bombay im Begriff war, zur Normalität zurückzukehren, erschütterten am 12. März 1993 zehn Bombenexplosionen das Zentrum der Stadt (Bilanz: 257 Tote und 713 Verletzte).[12] Niemand bekannte sich zu den Anschlägen, doch wurden von offizieller Seite islamistische Gruppierungen mit Verbindungen nach Pakistan der Urheberschaft bezichtigt.[13]
Die Stadt erholte sich sehr schnell von den Bombenattentaten. In der Absicht den Stolz und die Betriebsamkeit, mit der Indiens Metropole früher ihren Geschäften nachgegangen war, wiederzugewinnen, wurden am Rande der Autobahnen Stellwände („Bombay Bounces Back!“, „It's My Bombay“, „Bombay, I Love You“) errichtet, und bis zu einem gewissen Grad besaßen die Bürger Mumbais für einige Jahre ein Gefühl von Frieden und Sicherheit. Aber schon am 27. Februar 1998 starben bei einem Bombenanschlag im Stadtteil Virar neun Menschen, und zwischen Dezember 2002 und August 2003 erschütterte eine ganze Serie von Bombenexplosionen Mumbai:[12]
- 2. Dezember 2002 – Ghatkopar (drei Tote, 31 Verletzte)
- 27. Januar 2003 – Vile Parle (ein Toter, 25 Verletzte)
- 13. März 2003 – Mulund Railway Station (elf Tote, 80 Verletzte)
- 14. April 2003 – Bandra (ein Toter, keine Verletzten)
- 29. Juli 2003 – Ghatkopar (drei Tote, 34 Verletzte)
- 25. August 2003 – Gateway of India und Zaveri Bazaar (50 Tote, 150 Verletzte)
Bombenanschläge am 11. Juli 2006 auf Vorortzüge forderten 181 Tote und 890 Verletzte.[12] Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass die islamistische Terrorgruppe Lashkar-e-Toiba, welche von Pakistan aus operiert, für den Anschlag verantwortlich ist.[14]
Bei Terroranschlägen am 26. November 2008 in der Stadt griffen Terroristen Passanten an mehreren Zielen mit Handgranaten und Schnellfeuerwaffen an. Betroffen waren von Ausländern besuchte Orte wie der Hauptbahnhof und mehrere Luxushotels. Bei den Anschlägen kamen mehr als 195 Menschen ums Leben, mindestens 295 Menschen wurden verletzt.[15]
Bearbeiten Bevölkerung
Bearbeiten Einwohnerentwicklung
Seit Beginn der britischen Kolonialisierung verzeichnete das ehemalige Bombay ein schnelles Bevölkerungswachstum. Von 10.000 im Jahre 1661 verzehnfachte sich die Einwohnerzahl bis 1764 auf 100.000. 1845 hatte die Stadt schon eine halbe Million Einwohner. Bei der ersten Volkszählung im Jahre 1864 waren es 817.000. In den 1860er und 1890er Jahren ging die Bevölkerungszahl bedingt durch Seuchen etwas zurück. 1911 überschritt Bombays Einwohnerzahl die Millionengrenze.
1950 wurden die nahen und 1957 die weiter entfernt liegenden Vororte eingemeindet. Dadurch erhöhte sich die Einwohnerzahl weiter. Von 1911 bis 1991 verzehnfachte sich diese nochmals; in der eigentlichen Stadt ohne Vorortgürtel lebten über zehn Millionen Menschen, im Jahre 2008 waren es 13,7 Millionen.[1] Die Metropolregion Mumbai hat mit 20,9 Millionen (2008)[2] eine höhere Einwohnerzahl als das dichtbesiedelte Nordrhein-Westfalen (18,0 Millionen).
Die Bevölkerungsdichte in Mumbai erreicht Werte, die in kaum einer Agglomeration in Europa erzielt werden. In der Stadt leben 31.214 Menschen auf einem Quadratkilometer, in Berlin sind es zum Vergleich 3.800. In Europa kommt Paris mit 20.290 Einwohnern pro Quadratkilometer Mumbai noch am nächsten. Der Stadtteil Marine Lines erreicht mit 114.001 Einwohnern pro Quadratkilometer (Volkszählung 2001) den Spitzenwert und damit eine der höchsten Wohndichten der Welt (zum Vergleich: im Stadtteil „La Florida“ der spanischen Stadt L’Hospitalet de Llobregat leben 75.000 Menschen auf einem Quadratkilometer).[16] Nach Schätzungen der Vereinten Nationen werden im Jahre 2020 im Ballungsraum Mumbai 28,5 Millionen Menschen leben. Ein ungelöstes Problem ist die Bildung von Slums, die nach wie vor in zahlreichen Stadtvierteln existieren.
Ein erheblicher Teil des Bevölkerungswachstums im ehemaligen Bombay wird seit Beginn der kolonialen Entwicklung durch Zuwanderung verursacht. Die Zuwanderer kommen, entsprechend der internationalen und überregionalen Bedeutung der Stadt, nicht nur aus dem angrenzenden Hinterland, sondern aus ganz Indien und den benachbarten Staaten. Das Ergebnis ist ein Konglomerat von Menschen mit unterschiedlichem ethnischen und sprachlichen Hintergrund. Die einheimischen Marathen und die nördlich benachbarten Gujaratis – Gujarat gehörte bis 1960 zum ehemaligen Staat Bombay – bilden die größten Bevölkerungsgruppen. Die Bengalen, Marvaris, Panjabis und Tamilen stellen bedeutende Minderheiten. Ausländischer Abstammung sind vor allem die Sindhi aus Pakistan sowie Afghanen, Chinesen und Nepalesen.
Bei der Volkszählung 2001 lebten in Mumbai 11.978.450 Menschen. Davon waren 6.619.966 Personen (55,3 Prozent) männlich und 5.358.484 Personen (44,7 Prozent) weiblich. Die Analphabetenrate ist besonders bei Frauen immer noch sehr hoch, liegt aber unter dem Durchschnitt des Bundesstaates Maharashtra. Sie betrug in der gesamten Stadt 13,1 Prozent (Männer: 8,4 Prozent, Frauen: 18,9 Prozent). In Maharashtra lag sie zum Vergleich bei 23 Prozent (Männer: 14 Prozent, Frauen: 33 Prozent).[17]
Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Bis 1845 handelt es sich meist um Schätzungen, von 1864 bis 2001 um Volkszählungsergebnisse und 2008 um eine Berechnung.
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Bearbeiten Sprachen
In Mumbai werden etwa 200 verschiedene Sprachen und Dialekte einheimischer und ausländischer Herkunft gesprochen. Die am meisten in der Stadt gesprochene Sprache ist mit einem Anteil von 43 Prozent Marathi. Es ist die erste Amtssprache im Bundesstaat Maharashtra und deren Lokalsprache. Es folgen mit einem Anteil von 19 Prozent Gujarati, die Sprache des nördlich gelegenen Nachbarstaates Gujarat und mit zehn Prozent Anteil Urdu. Letztere wird von den in Mumbai lebenden Muslimen als Muttersprache gesprochen. Urdu wird in arabischer Schrift geschrieben und war im Mogulreich offizielle Hofsprache.
Mit einem Anteil von acht Prozent liegt Hindi nur auf dem vierten Platz. Im restlichen Teil Nordindiens ist sie die am meisten gesprochene Sprache. Die bisher erwähnten Sprachen gehören zur indoarischen Sprachgruppe. Die dravidischen Sprachen Tamil und Telugu werden von etwa 2,5 Prozent der Einwohner gesprochen. Sie stammen aus Südindien und sind mit den indoarischen Sprachen nicht verwandt.
Nur auf dem zwölften Platz liegt Englisch, die zweite Amtssprache in Indien. Sie wird in Mumbai überwiegend von der Oberschicht als Umgangssprache verwendet und bei amtlichen Befragungen nur von circa einem Prozent der Menschen als Muttersprache angegeben. Für viele ist Englisch jedoch eine Art Zweitsprache. Alle amtlichen Dokumente und Publikationen in der Stadt werden neben Marathi auch auf Englisch herausgegeben. Die beiden bedeutendsten Tageszeitungen in Mumbai erscheinen in englischer Sprache. Das Missverhältnis zwischen der hohen Bedeutung als Verwaltungs- und Schriftsprache und der geringen Bedeutung im alltäglichen Sprachgebrauch der Bevölkerung ist dadurch zu erklären, dass Englisch als neutrale Verständigungsbasis von allen Sprachparteien anerkannt wird, während Hindi von den Menschen im Süden Indiens generell abgelehnt wird.
Bearbeiten Religionen
Wie bei den Sprachen findet man auch bei der religiösen Zusammensetzung der Bevölkerung in Mumbai ein ähnlich komplexes Muster. Der überproportionale Anteil religiöser Minderheiten im Vergleich zu anderen Metropolen in Indien ist das auffälligste Merkmal. Buddhisten, Christen, Jainas, Juden, Parsen und Sikhs gehören zu diesen Minderheiten. Die Buddhisten haben laut Volkszählung 2001 einen Anteil von 5,2 Prozent an der Gesamtbevölkerung, die Jainas von 4,0 Prozent und die Christen von 3,7 Prozent. Der Anteil der Juden, Parsen, Sikhs und Atheisten liegt zusammen bei 1,1 Prozent.
Die beiden größten Religionen sind Hinduismus und Islam. Zu Lasten des Hinduismus geht die zahlenmäßige Stärke der religiösen Minderheiten. Während in ganz Indien 80,5 Prozent dieser Glaubensrichtung angehören, sind es in Mumbai nur 67,4 Prozent. Die Hindus sind aber die mit Abstand dominierende Religionsgemeinschaft. In Mumbai spielen die Jainas und die Parsen eine wichtige ökonomische Rolle, obwohl es sich um kleine Religionsgemeinschaften handelt.
Nur die Muslime können hier mit einem Anteil von etwa 18,6 Prozent an der Bevölkerung mehr als die religiösen Minderheiten noch ein gewisses Gegengewicht schaffen. Sie fallen durch ihre Dominanz in einzelnen Branchen und ihr teilweise geschlossenes Auftreten in einzelnen Stadtvierteln von Mumbai wie zum Beispiel in Mahim und Dongri stärker ins Gewicht.
Die römisch-katholische Kirche der Region ist im Erzbistum Bombay organisiert. Das Apostolische Vikariat Bombay wurde 1820 errichtet und am 1. September 1886 von Papst Leo XIII. zum Erzbistum erhoben. Es ist einer der typischen Kardinalssitze der Katholischen Kirche, dessen Erzbischof zur Erledigung seiner Hirtenpflichten vier Weihbischöfe zur Verfügung stehen. Die Kirchenprovinz umfasst die Suffraganbistümer Kalyan, Nashik, Poona und Vasai. Seit 2006 ist Oswald Gracias Erzbischof von Bombay.
| Mumbai City |
Anteil in % |
Mumbai Suburban |
Anteil in % |
Mumbai Gesamt |
Anteil in % |
|
|---|---|---|---|---|---|---|
| Hindus | 2.119.750 | 63,50 | 5.953.475 | 68,90 | 8.073.225 | 67,40 |
| Muslime | 734.484 | 22,00 | 1.488.987 | 17,23 | 2.223.471 | 18,56 |
| Buddhisten | 161.417 | 4,84 | 464.354 | 5,37 | 625.771 | 5,22 |
| Jainas | 159.021 | 4,76 | 319.339 | 3,70 | 478.360 | 3,99 |
| Christen | 106.240 | 3,18 | 340.166 | 3,94 | 446.406 | 3,73 |
| Sikhs | 16.330 | 0,49 | 53.271 | 0,62 | 69.601 | 0,58 |
| Andere | 39.482 | 1,18 | 17.833 | 0,21 | 57.315 | 0,48 |
| Keine Angabe | 1.307 | 0,04 | 2.994 | 0,03 | 4.301 | 0,04 |
| Gesamt | 3.338.031 | 100,00 | 8.640.419 | 100,00 | 11.978.450 | 100,00 |
Quelle: Census of India 2001
Bearbeiten Wohnsituation
Ansprüche und Lebensstile der Eliten Mumbais äußern sich vor allem in den Wohnvierteln der reichen Oberschicht, Malabar und Cumballa Hills, auf der Westseite der Innenstadt (Mumbai City District) und Hiranandani Gardens am Powai Lake auf der Nordseite. Die alten Villen in den großzügig angelegten Parks dieser Gegenden wurden abgerissen und Appartementhochhäuser an ihre Stelle errichtet. Eigene Stromaggregate, Wassertanks und Wachpersonal ermöglichen der Elite schon seit den 1960er Jahren eine weitgehende Abkoppelung von der Lebenswelt der großen Mehrheit der Bevölkerung und die Verfolgung eigener Lebensstilkonzepte. Die wachsende städtische Mittelschicht zog aufgrund der Kommerzialisierung vieler Bereiche der Innenstadt überwiegend in die Außenbezirke (Mumbai Suburban District).
Im Gegensatz dazu steht die Verelendung großer Teile der städtischen Bevölkerung. Laut Daten der Volkszählung von 2001 lebten in Mumbai 6,5 Millionen Menschen (54,1 Prozent) in Slums.[10] Viele Arbeitsuchende können sich das tägliche Pendeln mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht leisten, das heißt der Wohnort muss sich in Gehdistanz zum Arbeitsplatz befinden. Die gewinnbringende Vorhaltung von Brachflächen durch einflussreiche Gruppen verhindert oft sozialen Wohnungsbau selbst dann, wenn finanzielle Mittel dafür zur Verfügung stehen. Die Probleme der Metropole Mumbai treten in den Slums besonders deutlich zutage: Unterernährung, Hunger, mangelnde Entsorgung und unzureichende Wasserversorgung führen zu erhöhter Säuglingssterblichkeit und zum Ausbruch von Tuberkulose, Lepra und Malaria, soziale Auswirkungen – Kriminalität, Prostitution, Alkoholismus – wachsen ebenfalls unter solchen Rahmenbedingungen.
Viele Slumbewohner leben unter der ständigen Drohung verjagt zu werden. Ein Beispiel dafür ist Dharavi, mit mehr als einer Million Menschen der größte Slum Asiens.[18] Das 1,75 Quadratkilometer große Viertel, das ursprünglich am Rand von Mumbai lag, wurde von der Stadt umwachsen, sodass es heute – unüblich für einen Slum – mitten in der Stadt liegt. Es bestehen Pläne der Stadtverwaltung, die Slumhütten von Dharavi abzureißen und (teilweise) durch soziale Wohnungsbauten, aber auch kommerzielle Bauprojekte, zu ersetzen. Kritiker befürchten, dass die Pläne zur Vertreibung der Bewohner in erster Linie dazu dienen, die attraktiv in der Innenstadt gelegene Bodenfläche des Slums für wirtschaftliche Zwecke nutzbar zu machen.[19]
Bearbeiten Politik
Bearbeiten Stadtregierung
Seit den Wahlen am 10. März 2007 ist Shubha Raul von der Partei Shiv Sena Bürgermeisterin (Mayor) der Stadt. Sie löste ihren umstrittenen Vorgänger und Parteikollegen Datta Dalvi ab, der seit Februar 2005 regierte. Shubha Raul ist seit Einführung des Amtes erst die dritte weibliche Bürgermeisterin Mumbais[20]. Verwaltungsleiter (Municipal Commissioner) ist seit 4. Mai 2007 Jairaj Phatak. Vorgänger im Amt war seit Februar 2004 Johny Joseph. Er wird von der von der Kongresspartei beherrschten Staatsregierung ernannt. Der Verwaltungsleiter übt die Exekutivmacht (ausführende Gewalt) in Mumbai aus. Die Legislative (gesetzgebende Gewalt) wird vom Bürgermeister und dem Stadtrat (den Municipal Corporators) gestellt. Die Bürgermeisterin ist Vorsitzende des Stadtrates und wird von diesem alle zweieinhalb Jahre gewählt.
Die Gründung der Stadtverwaltung (Municipal Corporation) erfolgte 1872 mit 64 Mitgliedern (Bombay Act No. III). Die erste Sitzung fand am 4. September 1873 statt. 1931 wurde die Amtsbezeichnung „Präsident“ in „Bürgermeister“ geändert (Bombay Act No. XXI). 1963 hatte der Stadtrat 140 Mitglieder. 1982 wurde die Anzahl der Ratsmitglieder auf 170 und 1991 auf 221 erhöht (30 Prozent der Sitze waren für Frauen reserviert). Seit 2002 zählt der Stadtrat 227 Mitglieder und repräsentiert die 24 Stadtbezirke (Wards). Fünf Sitze sind für Frauen bestimmter Kasten reserviert und 50 weitere Sitze für kastenunspezifische Frauen. Der Stadtrat wird von der Bevölkerung Mumbais gewählt. Zu seinen Hauptaufgaben gehört es, Vorschläge über das Budget von neun ständigen Behörden an den Verwaltungsleiter zu geben. Letzterer entscheidet dann allein über die Annahme der vorgeschlagenen Maßnahmen.
Die Shiv Sena ist die mit Abstand größte Partei in der Metropole Mumbai. Während in den anderen großen Städten Indiens die Kommunistische Partei (Kolkata) oder die Kongresspartei (Delhi) regiert, wird Mumbai von der hindunationalistischen „Shiv Sena“ (Shivas Armee) beherrscht. Die Partei des Hitler-Verehrers Bal Thackeray tritt in Mumbai überwiegend mit promarathischer und antiislamischer Propaganda auf. Sie stellte zwischen 1985 und 1992 und wieder seit 1995 den Bürgermeister Mumbais. Eines ihrer wichtigsten Ziele ist es, die Zuwanderung südindischer und muslimischer Migranten zu stoppen beziehungsweise generell die illegalen Einwanderer (zumeist Muslime aus Bangladesch) aus der Stadt zu vertreiben. Die Shiv Sena wird auch für die immer wieder aufflammenden gewalttätigen Ausschreitungen gegen die muslimischen Bewohner Mumbais verantwortlich gemacht. Seit 2008 macht zunehmend die Maharashtra Navirman Sena (MNS) des Thackeray-Neffen Raj Thackeray mit Polemik und Ausschreitungen gegen Nordinder auf sich aufmerksam. Raj gründete die MNS, nachdem er bei der Besetzung des Parteivorsitzendenposten bei der Shiv Sena zugunsten von Uddhav Thackeray verzichten musste.
Bearbeiten Städtepartnerschaften
Mumbai unterhält mit folgenden Städten Partnerschaften:[21]
| Berlin, Deutschland | |
| London, Großbritannien | |
| Los Angeles, USA | |
| Sankt Petersburg, Russland | |
| Stuttgart, Deutschland | |
| Yokohama, Japan | |
| Izmir, Türkei |
Bearbeiten Kultur und Sehenswürdigkeiten
Bearbeiten Musik und Theater
Mumbai ist ein kulturelles Zentrum und zieht die begnadetsten Künstler klassischer und moderner indischer Musik sowie Tanz- und Theaterkunst des ganzen Landes an. Die Stadt besitzt zahlreiche Bars und Klubs, Jazzkneipen konkurrieren mit Salsa-, Tabla-Tanzmusik- und Funklokalen. Namhafte einheimische und westliche Rockstars treten in den Stadien und Konzerthallen Mumbais auf.
Zahlreiche Konzerte und Vorstellungen finden im Bharatiya Vidya Bhavan statt, dem Hauptsitz der internationalen hinduistischen Kulturorganisation, aber auch in der Cowasjee Jehangir Hall gegenüber dem „Chhatrapati Shivaji Maharaj Museum“, im Birla Matushi in Marine Lines, im Tejpal Auditorium in Nayak Marg, in der Shanmukhananda Hall in Yagnik Marg oder im MMRDA Ground, einer großen Konzerthalle im Bandra-Kurla Complex. Das National Centre for Performing Arts (NCPA) bietet auch moderne Gujarati-, Hindi-, Marathi- und englischsprachige Theateraufführungen sowie westliche Kammermusik. Im NCPA hat das 2006 gegründete Symphony Orchestra of India seinen Sitz.
Eines der bekanntesten Theater Mumbais ist das Prithvi Theatre. Es wurde 1944 vom Film- und Theaterschauspieler Prithviraj Kapoor gegründet. Es ist seit 1975 Teil des Shri Prithviraj Kapoor Memorial Trust and Research Foundation. Diese künstlerische Einrichtung verfolgt ausschließlich nichtkommerzielle Ziele. Neben dem normalen Theaterbetrieb führt sie Freiluftveranstaltungen, Theaterfestivals und gesonderte Veranstaltungen für Kinder durch. Gezeigt werden Stücke in verschiedenen Sprachen, darunter Englisch, Hindi und Gujarati.
Bearbeiten Museen
In einer Grünanlage Richtung Norden liegt das „Chhatrapati Shivaji Maharaj Museum“ (früher Prince of Wales Museum). Das Bauwerk aus der britischen Kolonialzeit, gekrönt von einer weißen Kuppel im Mogul-Stil, beherbergt eine Sammlung von Gemälden und Skulpturen. Den Grundstein legte König Georg V., damals noch Prince of Wales, im Jahre 1905.
Das Gebäude gilt als „aufgeklärte“ (europäische) Interpretation der Gujarati-Architektur des 15. und 16. Jahrhunderts und verbindet islamische Feinheiten mit der typisch englischen Ziegelbauweise. Man spricht dabei von Anglo-Sarazenischem Stil. In der Zentralhalle ist eine kleine Auswahl der umfangreichen Sammlung, wie einige Mogul-Gemälde, Waffen, Jadearbeiten und Miniaturfiguren aus Ton und Terrakotta der Maurya-Periode aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. und der Kushana-Periode aus dem 1. bis 2. Jahrhundert n. Chr., zu sehen.
Nahe dem Chhatrapati Shivaji Maharaj Museum befindet sich die „Jehangir Art Gallery“, Mumbais bekannteste Galerie für zeitgenössische Kunst, bestehend aus fünf kleinen Ausstellungsräumen, die Kunst und Kunsthandwerk aus aller Welt gewidmet sind. Die Ausstellungen dauern meistens nur eine Woche, und die Stücke sind oft käuflich zu erwerben. Die Galerie wurde 1952 vom parsischen Prominenten Cowasji Jehangir, 2nd Baronet von Bombay, auf Anregung des Malers Kattingeri Krishna Hebbar und des Physikers Homi Jehangir Bhabha gegründet.
„Mani Bhavan“ war zwischen 1917 und 1934 Stützpunkt Mohandas Gandhis in Bombay. Das in einer gutbürgerlichen Straße gelegene Haus ist heute eine Gedenkstätte für den als Mahatma bekannten Politiker und beherbergt neben dem Mahatma Gandhi Museum eine umfangreiche wissenschaftliche Bibliothek. Die Wände im Inneren, mit Holzmöbeln ausgestattet, zieren Fotos historischer Begebenheiten und Gegenstände aus dem Leben dieses ungewöhnlichen Mannes. Hinter Glas befindet sich Gandhis schlichter Wohn- und Schlafraum.
Bearbeiten Bauwerke
Bearbeiten Colaba
Ende des 17. Jahrhunderts war Colaba eine von mehreren Inseln, die sich zu dem am südlichsten Punkt von Mumbai stehenden Leuchtturm hin erstreckte. Heute sind die ursprünglichen Konturen des Landvorsprungs (dessen Name von den frühesten Siedlern, den Koli, abgeleitet wurde) unter den zahlreichen Kolonialwohnhäusern, Hotels, Bars, Restaurants und Kunsthandwerksläden kaum noch zu erkennen.
In Colaba befindet sich eines der Wahrzeichen von Mumbai, das Gateway of India, 1924 nach Plänen von George Wittet (1878-1926) erbaut. Das Bauwerk, errichtet zur Erinnerung an den Besuch von König Georg V. und seiner Frau Maria von Teck im Jahre 1911, war ursprünglich als feierlicher Landungspunkt für mit P&O-Dampfschiffen ankommende Passagiere gedacht. Am 28. Februar 1948 verließen von hier aus die letzten noch auf indischem Boden verbliebenen Truppen – das First Battalion of the Somerset Light Infantry – an Bord der R.M.S. „Empress of Australia“ das unabhängig gewordene Land.
Ein Ende des Platzes rund um das Gateway säumt die lebensgroße Statue von Shivaji, dem bedeutendsten Anführer der Marathen im 17. Jahrhundert. Gleich hinter dem Gateway erhebt sich der Taj Mahal Palace & Tower. Er wurde am 16. Dezember 1903 im Auftrag des parsischen Industriellen Jamshedji Tata eröffnet. Im Hotel übernachteten berühmte Persönlichkeiten wie Mick Jagger, Marianne Faithfull, Prince Charles, The Beatles, Bill Clinton und Jacqueline Kennedy Onassis.
Bearbeiten Gebäude am Oval Maidan
Am südlichen Ende der Bhaurao Patil Marg steht eine Statue von Bhimrao Ramji Ambedkar (1891-1956), von Geburt ein „Unberührbarer“, der zum Buddhismus übertrat. Eine beträchtliche Anzahl von Mitgliedern seiner Kaste folgte seinem Beispiel; viele von ihnen sind inzwischen in einer militärischen Bewegung organisiert, die sich Dalits (Parias, Kastenlose) nennt.
Einige der bedeutendsten viktorianischen Gebäude Mumbais säumen den Ostrand des weitläufigen, grünen Oval Maidan, hinter der Statue, wo fast täglich Cricket-Turniere ausgetragen werden. Das 1874 fertiggestellte Old Secretariat (Old Customs House) dient heute als städtisches Gerichtsgebäude.
Auf der anderen Seite der AS D'Mello Road, gegenüber dem Old Secretariat, stehen zwei große Gebäude, die zur Mumbai University (eingeweiht 1857) gehören und von George Gilbert Scott im neugotischen, an Oxford angelehnten Stil, entworfen wurden. Die von dem parsischen Philanthropen Cowasji Jehangir Readymoney, erster Baronet von Bombay, gestiftete Convocation Hall ähnelt einer Kirche. Über ihrer Eingangstür ist ein rundes Buntglasfenster eingelassen, die Darstellung eines Rades, dessen Speichen griechische Pilaster bilden, die wiederum die Trennlinien zwischen den Tierkreiszeichen formen.
Die Bibliothek auf dem Campus befindet sich unterhalb des 85 Meter hohen Rajabai Clock Tower. Der Glockenturm wurde zwischen 1869 und 1878 erbaut. Während der Kolonialzeit spielte er Klänge wie Rule, Britannia!, God Save the King, Auld Lang Syne und Home! Sweet Home!, nach der Unabhängigkeit nur noch alle Viertelstunde den Schlag der Glocke. Der Lesesaal ist mit einem Holzdeckengewölbe sowie hohen gotischen Fenstern und Glasmosaiken ausgestattet.
Zwischen 1871 und 1878 entstand nach Plänen des Architekten John Augustus Fuller das Bombay High Court (Oberster Gerichtshof). Es ist mit einer Länge von 170 Metern und einer Höhe von 60 Metern eines der größten viktorianisch-gotischen Gebäude der Stadt. In Kontrast zu den im gotischen Stil errichteten Bauwerken der Umgebung steht das 1869 fertiggestellte Watson's Hotel. Es ist das einzige noch erhalten gebliebene Gebäude in Gusseisen-Skelettbauweise in Mumbai. John Watson, ein wohlhabender Tuchhändler, ließ das komplette Bauwerk aus London importieren. Am 7. Juli 1896 fand im Watson's Hotel die erste Kinematograph-Aufführung der Brüder Lumière in Indien statt. Eine Gedenktafel am Gebäude erinnert an das historische Ereignis.
Bearbeiten Fort-Viertel
In South Mumbai befindet sich das Fort-Viertel, wo sich sämtliche Banken und große Geschäfte niedergelassen haben und zahlreiche Gebäude der Raj-Ära stehen. Den Nordrand nimmt der verzierte Sandsteinbau Chhatrapati Shivaji Terminus (CST), der frühere Victoria Terminus ein, einer der meistbenutzten Bahnhöfe der Welt.
Über dem Haupteingang des Bahnhofes befindet sich eine rund 100 Meter hohe, begehbare, achteckige Kuppel, die von einer Rippenkonstruktion getragen wird. Der Innenbereich ist mit offenen Säulengängen ausgestattet. Das Gebäude ist reich mit Steinskulpturen und Reliefs verziert. Auf der Kuppel thront die Skulptur Lady of Progress. Das von 1878 bis 1888 errichtete Bahnhofsgebäude ist ein Beispiel für die Zusammenführung viktorianischer Neogotik mit traditioneller indischer Architektur. Es steht seit 2004 unter dem Schutz der UNESCO und gehört zum Weltkulturerbe der Menschheit. Der Knotenpunkt des innerstädtischen Eisenbahnnetzes, die „Churchgate Station“ liegt vier Kilometer weiter westlich.
Der Hutatma Chowk mit der Flora Fountain inmitten des Fort-Geländes ist eine verkehrsreiche Fünf-Straßen-Kreuzung, ein Kreisverkehr. Er wurde zum Gedenken an die Freiheitskämpfer, die im Kampf um die Aufnahme des Bundesstaates Maharashtra in die indische Union ihr Leben ließen, in Hutatma Chowk („Platz der Märtyrer“) umbenannt. Im Mittelpunkt der Kreuzung steht eine Statue der Göttin Flora, 1869 zu Ehren von Gouverneur Sir Bartle Frere (1815-1884) aufgestellt.
Das älteste englische Bauwerk von Mumbai ist die kleine St. Thomas' Cathedral. Die im Jahre 1718 eingeweihte Kirche verbindet klassizistischen und gotischen Stil. Nach einem Zeitungsverleger, der sich für die Unabhängigkeit Indiens einsetzte, wurde der nahe gelegene Horniman Circle, ehemals Elphinstone Circle, benannt. Der Platz ist 1860 auf Veranlassung des früheren Municipal Commissioners Charles Forjett an der Stelle des „Bombay Green“ errichtet worden.
Bearbeiten Haji Ali Dargah
Haji Ali Dargah ist eine Moschee und ein Dargah (Schrein des Sufismus) und befindet sich auf einer kleinen Insel vor der Küste des Stadtteils Worli. Das Gebäude wurde 1431 auf Wunsch des muslimischen Heiligen und afghanischen Mystikers Haji Ali errichtet, der auf seinen weltlichen Besitz verzichtete und sich der Meditation widmete. Das Grabmal mit seinen weißen Minaretten und Mogul-Kuppeln ist durch einen schmalen, zementierten Dammweg, der zur Ebbe begehbar ist, mit dem Festland verbunden.
Die islamische Überlieferung weiß von zwei unterschiedlichen Gründungsgeschichten, die jedoch darin übereinstimmen, dass der Heilige auf dem Weg von Mekka, wo er zur Pilgerfahrt (Haddsch) war, nach Indien auf einem Segelschiff verstarb. Die eine Version besagt, das sein Sarg an der Stelle des Mausoleums strandete, nachdem er, wie von Haji Ali gewünscht, ins Meer vor dem heutigen Pakistan geworfen worden war. Die andere besagt, Haji Ali habe, als er erkannte, dass er Indien nicht lebend erreichen würde, seine Schüler, die Brüder Fazla, gebeten, an der Stelle, an der er sterben würde, ein Grabmal für ihn zu errichten. Die Brüder brauchten ein Jahr, bis der Bau fertiggestellt war.
Bearbeiten Elephanta-Höhlen
Die Höhlen befinden sich auf der Insel Elephanta, eine Bootsstunde von Colaba entfernt. Die kleine bewaldete Insel wird nur von wenigen Menschen bewohnt. Sie hieß ursprünglich Gharapuri, die „Stadt der Ghara-Priester“, wurde jedoch im 16. Jahrhundert von den Portugiesen nach dem steinernen Elefanten umbenannt, den sie im Hafen fanden. Die Statue des Elefanten ist im „Dr Bhau Daji Lad Museum“ (früher „Victoria and Albert Museum“) in den „Victoria Gardens“ in Bymulla zu sehen. Die Tempelhöhlen wurden im 8. Jahrhundert errichtet. Die große Elephanta-Höhle ist über Stufen erreichbar, die mit zahlreichen Elefantenfiguren flankiert sind. Die Tempelhalle im hinteren Teil ist von Seitenhöfen und einigen Kapellen umgeben. Die sich im Höhlentempel befindende Trimurti (dreigesichtige) Shiva-Skulptur ist ein Beispiel hinduistischer Bildhauerkunst. Die Höhlen von Elephanta stehen seit 1987 auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes.
Bearbeiten Türme des Schweigens
Auf dem Malabar Hill stehen, durch eine große Mauer und einen dichten Vorhang aus Grünpflanzen umgeben, die sieben parsischen Türme des Schweigens, die Dokhmas. Die Parsen bestatteten ihre Toten, indem sie die Leichen auf hohe, zylinderförmige Behälter legen, damit Geier die Knochen säuberlich vom Fleisch befreien können. Dieses uralte Bestattungsritual, von dem angenommen wird, dass es noch vor dem 2.500 Jahre alten Glauben entstand, wurde vom Propheten Zarathustra befürwortet, um eine Verschmutzung der vier heiligen Elemente (Luft, Wasser, Erde und – das heiligste von allen – Feuer) zu verhindern. In jüngster Zeit wird unter den Parsen die Frage diskutiert, ob nicht zur hygienischeren und praktischeren Alternative der elektrischen Verbrennung übergegangen werden sollte. Auf Balkonen, Hausdächern und in Gärten in der Nähe der Türme werden immer wieder von Geiern fallen gelassene Teile menschlichen Fleisches gefunden.
Bearbeiten Parks
Der 104 Quadratkilometer große Sanjay Gandhi National Park (bis 1981 Borivili National Park) liegt im Norden Mumbais. Bekannt sind die 109 Kanheri-Höhlen, die eine Felsenschlucht im Park säumen. Buddhistische Mönche nutzten die Höhlen vom 2. bis 9. Jahrhundert als Wohn-, Studier-, und Meditationsort. In der Großen Chaitya-Höhle befindet sich ein langer Säulengang und im hinteren Teil eine fünf Meter hohe Stupa. Ein Steinzaun und zahlreiche Torwächter- und Buddhafiguren sowie die Stupa verdeutlichen den buddhistischen Baustil.
Der 1969 eröffnete Park besitzt eine reiche Flora und Fauna, darunter mehr als 1.000 Arten an Pflanzen, 274 Arten von Vögeln, 5.000 Arten von Insekten, 40 Arten von Säugetieren, 38 Arten von Reptilien und 150 Arten von Schmetterlingen. Der Atlasspinner, einer der größten Schmetterlinge der Welt, lebt hier. Zu sehen sind zahlreiche Karvi-Pflanzen (Strobilanthes callosus), die nur alle sieben Jahre blühen.
Im Park lebt auch eine kleine Population von Leoparden. 2003 wurden erstmals seit Anfang des 19. Jahrhunderts wieder Spuren eines Tigers in der Region entdeckt. Außerdem befindet sich ein Mini-Zoo und ein Lion-Safari-Park in dem Gebiet. Nur ein kleiner Teil des Parks ist der Öffentlichkeit zugänglich. Probleme bereiten die seit Jahren stattfindenden Angriffe von Leoparden auf Menschen, bei denen beispielsweise 2004 rund 20 Personen starben, etwa die Hälfte außerhalb des Parks[22].
Auf dem Malabar Hill befinden sich die Hängenden Gärten von Mumbai (Ferozeshah Mehta Gardens), ein Kunstwerk des Gartenbaus. Zu sehen sind Büsche und Sträucher mit der Form von Affen, Elefanten, Giraffen und anderen Tierarten. Zahlreiche Menschen sorgen ständig für die Pflege der Ziergärten. Es gibt weitere kleine und große Parks und Gärten in Mumbai, darunter der Kamala Nehru Park, der Joggers Park, der grüne und üppige Mahim Nature Park und der bekannte Oval Maidan. Erwähnenswert sind auch der Priyadarshini Park und der Veermata Jeejabai Udyan.
Bearbeiten Freizeit und Erholung
Nicht weit von der Churchgate Station liegt die „Netaji Subash Chandra Marg“, auch bekannt unter der Bezeichnung „Marine Drive“. Als „Queen's Necklace – Halsband der Königin“ wird er von den Einheimischen bezeichnet. Es handelt sich dabei um Mumbais Meerespromenade, die in den 1920er Jahren auf aufgeschüttetem Land erbaut wurde, bestehend aus einer achtspurigen Stadtautobahn und einem breit angelegten Gehweg. Der Marine Drive beschreibt einen Bogen von den Hochhäusern des „Nariman Point“ bis zum Fuß des „Malabar Hill“ und dem „Chowpatty Beach“. Hier befinden sich verschiedene Sportanlagen und das „Taraporevala Aquarium“ mit Beständen tropischer Fische. Chowpatty Beach ist auch Mittelpunkt politischer Kundgebungen: Mahatma Gandhi hat hier oft gesprochen.
30 Kilometer nördlich vom Stadtzentrum liegt „Juhu Beach“. Hier befinden sich zahlreiche Hotels, Appartementhäuser und Geschäfte. Es gibt drei Haupteingänge, einer liegt in Vile Parle, ein anderer in Santacruz und ein dritter in Andheri. Am fünf Kilometer langen Sandstrand sind täglich Darbietungen von Straßenkünstlern und -akrobaten (Kalaabaaz) zu sehen. Abgelegene Strände Mumbais befinden sich in Versova, Madh Island, Marwe, Manori, und Gorai.
Bearbeiten Sport
In der Nähe des Marine Drive befinden sich zwei große Cricketstadien, das 1937 eröffnete Brabourne Stadium (Kapazität: 20.000 Zuschauer) und das 1975 fertiggestellte Wankhede Stadium (Kapazität: 45.000 Zuschauer) sowie eine Anzahl von Cricketplätzen, so genannte Gymkhanas, wo an fast jedem Wochenende Spiele ausgetragen werden. Einige sind für bestimmte Religionsgruppen reserviert, oder dienen als Kulisse für Parsenhochzeiten; andere sind für Katholiken, Muslime oder Hindus, ein Gymkhana besitzt einen Pavillon im klassischen Kolonialstil. Cricket ist Nationalsport in Indien und erregt dort ein ebenso lebhaftes Interesse wie Fußball in Deutschland und ganz Europa.
Der bekannteste und erfolgreichste Fußballverein Mumbais ist Mahindra United. Der Klub spielt in der höchsten Klasse des Landes, der National Football League. Mahindra United wurde 2006 Landesmeister und gewann im gleichen Jahr den Federation Cup, ein Fußball-Pokalwettbewerb, der dem DFB-Pokal ähnelt. Spielstätte der Mannschaft ist der 12.000 Zuschauer fassende Cooperage Ground Mumbai.
Sehr populär ist auch Indiens anderer Nationalsport Hockey. Zahlreiche Sportler aus Mumbais Vereinen spielen in der indischen Hockey-Nationalmannschaft. Weitere Sportarten werden in den Klubs und Gymkhanas ausgeübt, darunter Tennis, Squash, Billard, Badminton, Tischtennis und Golf. Mumbai ist eine der wenigen Städte im Land, wo auch Rugby gespielt wird. Beliebt bei der Bevölkerung sind auch Pferdesport, Volleyball und Basketball.
Bearbeiten Regelmäßige Veranstaltungen
Seit 1992 wird jährlich an zwei Tagen im Januar das „Banganga Music Festival“ veranstaltet. Am „Banganga Tank“ treten an beiden Tagen bekannte indische Musiker und Tänzer an acht kreisförmig um das Becken gebauten historischen Tempeln auf. Banganga Tank ist Teil des „Walkeshwar Temple Complex“ und wurde im 12. Jahrhundert während der Silhara-Dynastie errichtet. Der Legende nach stammt das Wasser im Becken aus dem für Hindus heiligen Fluss Ganges. Seinen Höhepunkt findet das Festival am Abend des zweiten Tages, wenn alle Tempelglocken gleichzeitig erklingen.
Seit 2004 findet jedes Jahr im Monat Januar der Mumbai-Marathon statt. Die Veranstaltung ist Teil der Serie The Greatest Race on Earth. Die anderen drei Läufe sind der Singapur-Marathon, der Nairobi-Marathon und der Hongkong-Marathon. Die Wettbewerbe werden von der Standard Chartered Bank gesponsert.[23]
Weitere bedeutende Veranstaltungen sind die Verleihung des indischen Filmpreises Star Screen Award (im Januar im Andheri Sports Complex) und das Mumbai International Film Festival (im Februar im Auditorium der Films Division). Ebenfalls im Januar/Februar finden das Mumbai Festival, das Kala Godha Arts Festival, die „Mumbai Motor Show“ im Grand Hyatt Exhibition Ground, die „Mumbai International Boat Show“ im Bandra-Kurla Complex und das „Elephanta Festival“ statt. Veranstaltungsort des Festivals im klassischen indischen Tanz sind die Höhlen auf der Insel Elephanta. Am 1. Mai feiert Mumbai aus Anlass der Gründung des Bundesstaates Maharashtra im Jahre 1960 den „Maharashtra Day“.
Jedes Jahr im Juni wird zu Ehren des Gottes Ganesh mit dem Elefantenhaupt das Fest Ganesh Chaturthi veranstaltet, das zahlreiche Menschen anzieht. Hindus in ganz Indien feiern diesen Tag, der aber in Mumbai eine ganz besondere Bedeutung hat. Für viele Hindus in anderen Gegenden Indiens bedeutet Ganesha nur eine untergeordnete Manifestation, hier dagegen ist er für die meisten die wichtigste Darstellung Gottes, hier ist er die Hauptgottheit. Ganesh Chaturthi ist darum für sie der bedeutendste Festtag des ganzen Jahres.
Am 9. August jeden Jahres begeht die Stadt den „Tag der Revolution“ (Kranti Divas). Es ist der Jahrestag von Mahatma Gandhis Ansprache im Jahre 1942, als er im „Gowalia Tank Maidan“ (heute August Kranti Maidan), ein Park im Zentrum Mumbais, die Unabhängigkeit Indiens von britischer Kolonialherrschaft forderte. Im August oder September wird die „Art Access Week“ in der Birla Academy of Art and Culture veranstaltet und die Homosexuellen der Metropole feiern „Gay Mumbai's Tribute to Ganesh“.
Von November bis April geht die Saison im Pferderennsport. Austragungsort ist der „Mahalaxmi Racecourse“, eine der bedeutendsten Pferderennbahnen der Welt. Traditionell am ersten Sonntag im Februar wird das „Indian Derby“ ausgetragen, der Höhepunkt der Pferderennsaison in Mumbai. Es wird als das „Crown Jewel of the Triple Crown“ bezeichnet. Der Triple Crown besteht aus drei Rennen für dreijährige Rennpferde. Der Gewinn aller drei Rennen ist die größte Herausforderung für Reiter und Rennpferd. Ein weiteres bedeutendes Rennen auf dem Mahalaxmi Racecourse ist das „Gool S Poonawalla Million Race“ im April.
