Otto Stich

Otto Stich (* 10. Januar 1927) ist ein Schweizer Politiker (SP). Er war von 1984 bis 1995 Mitglied der Schweizer Regierung, des Bundesrats.

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Bearbeiten Biografie

Bearbeiten FrĂĽhe Jahre

Otto Stich wuchs in Dornach im Kanton Solothurn auf. Seine Eltern waren beide sozialdemokratisch engagiert, sein Vater Otti Stich im Gemeinderat. Die Politik war immer ein wichtiges Gesprächsthema in der Familie, gerade auch durch den Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg.

Stich studierte an der Universität Basel bei Professor Salin Wirtschaft. 1953 wurde er diplomierter Handelslehrer, und 1955 promovierte er zum Doktor der Staatswissenschaften. Danach unterrichtete er an der Gewerbeschule die Fächer Deutsch, Geschäfts-, Wirtschafts- und Staatskunde.

Bearbeiten Gemeinderat und Nationalrat

1947, im Alter von 20 Jahren, wurde Otto Stich Mitglied der sozialdemokratischen Partei des Kantons Solothurn. Mit 26 Jahren begann seine politische Karriere mit einem Sitz in der Dornacher Rechnungsprüfungskommission. Vier Jahre später, im Jahre 1957, wurde er in den Gemeinderat gewählt und konnte nach einer familieninternen Aussprache mit seinem Vater auch dessen Amt des Gemeindeammanns übernehmen.

1959 kandidierte Stich für den Nationalrat. Da aber die Bisherigen wieder antraten, war Stich chancenlos. Vier Jahre später jedoch konnte Stich für Willy Ritschard, der zugunsten eines kantonalen Amtes auf ein nationales verzichtete, nachrutschen und wurde knapp in den Nationalrat gewählt. 48 Stimmen Vorsprung waren es bei der ersten Zählung, 24 bei der zweiten und 12 bei der dritten und letzten Zählung.

Im Nationalrat machte Stich nicht viel von sich reden. Er war aber seit 1971 Präsident der Wirtschafts- und Finanzkommission. 1970 erhielt er von der Coop die Stelle als Personalchef.

1983 wurde Stich von seiner kantonalen Partei indirekt aufgefordert, nicht mehr für den Nationalrat zu kandidieren. Vor allem Ernst Leuenberger und Rolf Ritschard wollten den „Sesselkleber“ Stich von seinem Sitz drängen.

Bearbeiten Bundesrat

Willi Ritschard kündigte am 3. Oktober 1983 im Parlament seinen Rücktritt an. Stich war zu diesem Zeitpunkt bereits abgewählt und die letzte Woche im Parlament. Die SP votierte in dem folgenden Wahlkampf für Lilian Uchtenhagen, eine von Stichs Studienkollegen, als Ritschards Nachfolger. Uchtenhagen wurde während den Wahlvorbereitungen entsprechend auch als Favoritin behandelt. Am 7. Dezember 1983 wurde Stich dann aber unerwartet in den Bundesrat gewählt. Im ersten Wahlgang wurde Stich mit 124 Stimmen gewählt; Uchtenhagen musste sich mit 96 Stimmen begnügen. Gewählt wurde Stich von der bürgerlichen Mehrheit, die Frau Uchtenhagen teils als Person, teils als Vertreterin der Linken nicht zur ersten Bundesrätin wählen wollte.

Kurz nach seiner Wahl in den Bundesrat erhielt Otto Stich eine Einladung zu einem Arbeitslunch mit Ringier-Publizist Frank A. Meyer, dem er ausrichten liess: "Erstens pflege ich beim Arbeiten nicht zu essen und zweitens beim Essen nicht zu arbeiten. Und drittens möchte ich beides eigentlich ohne Frank A. Meyer tun."

Während seiner Amtszeit stand er dem Finanzdepartement vor. In den Jahren 1988 und 1994 war er Bundespräsident. Am 31. August 1995 kündigte Stich seinen Rücktritt aus dem Bundesrat per 31. Oktober an. Er begründete seinen Rücktritt vor allem mit seinem Alter. Später gestand er, dass es einen Zusammenhang gab mit einer Niederlage im Bundesrat beim Entscheid, die NEAT mit dem Lötschberg-Basistunnel zu bauen.[1]

Im Gegensatz zu fast allen ehemaligen Bundesräten mischt sich Stich auch nach seinem Rücktritt immer wieder in die politische Diskussion ein; er meint, das Recht dazu habe er genau so wie jeder andere Bürger.

Bearbeiten Literatur

  • Peter Graf und Jean-NoĂ«l Rey (Hrsg.): Otto Stich und die Kunst des Möglichen. Ein politisches Lesebuch. Zytglogge, GĂĽmligen 1987
  • Martin Beglinger: Otto Stich, der rote Eidgenosse. Werd, ZĂĽrich 1996

Bearbeiten Weblinks

Bearbeiten Einzelnachweise

  1. ↑ SRG SSR Timeline