Ein politisches Schlagwort entsteht, wenn eine politische Situation auf ein besonders einprägsames Wort oder einen Satz zusammengefasst wird. Dieses Schlagwort findet danach in der Presse ein großes Echo und wird kurz- oder längerfristig mit der Situation zusammen wahrgenommen.
Manche politischen Schlagwörter haben den Charakter von Pseudo-Fachwörtern; beispielsweise Tätervolk.
Gezielte Versuche, politische Schlagwörter bzw. -worte bewusst zu prägen (etwa: Du bist Deutschland), können Teil einer PR-Kampagne sein. Wer einen Begriff prägt und ins Gespräch bringt, hat zunächst die Deutungshoheit inne. Im weiteren Verlauf des politischen Diskurses kann diese jedoch auch verlorengehen.
Beispiele für prägnante politische Schlagworte sind unter anderem John F. Kennedys Satz: „Ich bin ein Berliner“, der im Folgenden vor allem im Ausland mit der Situation Berlins im Kalten Krieg zusammengebracht wurde, die von der Bush-Regierung postulierte Achse des Bösen, der Neoliberalismus [1][2] oder der Islamfaschismus – wobei es selbst Teil des Ringens um Deutungshoheit ist, welche Ausdrücke man als Schlagwörter verbreitet; für nicht Wenige handelt es sich bei der Bezeichnung „Islamfaschismus“ (angelehnt an Klerikalfaschismus) um einen Begriff, der diskursiv und heuristisch sehr viel präziser als etwa die Rede von „islamistischen“ Terroristen den Kern der Problematik auf den Punkt bringt.
Während zum Beispiel Globalisierung für zahlreiche Zeitgenossen eine deskriptiv durchaus plausible (zusammenfassende) Bezeichnung aktueller wirtschaftlicher und politischer Tendenzen ist, kritisieren andere sie als pseudobegriffliche Phrase.
Politisches Schlagwort der ersten Jahre der Kohl-Regierung war die „geistig-moralische Wende“.
Bearbeiten Weblinks
- Patrick Honecker: Vorreformatorische Schlagwörter. Spiegel politischer, religiöser und sozialer Konflikte in der frühen Neuzeit, Inaugural-Dissertation, Universität Trier 2002, 209 Seiten (PDF)
Bearbeiten Literatur
- Gerhard Strauss, Ulrike Haß & Gisela Harms: Brisante Wörter von Agitation bis Zeitgeist. Ein Lexikon zum öffentlichen Sprachgebrauch. de Gruyter, Berlin/ New York 1989. ISBN 3-11-012078-X. (Im Vorwort werden S. 32-38 „Schlagwörter in der Politik: Fahnen- Kampf- und Feindwörter“ behandelt, im Text werden viele Stichwörter entsprechend charakterisiert.)
