| Wappen | Deutschlandkarte | |
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| Basisdaten | ||
| Bundesland: | Niedersachsen | |
| Landkreis: | Gifhorn | |
| Samtgemeinde: | Brome | |
| Höhe: | 65 m ü. NN | |
| Fläche: | 30,9 km² | |
| Einwohner: | 4886 (31. Dez. 2007) | |
| Bevölkerungsdichte: | 158 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 38471 | |
| Vorwahl: | 05367 | |
| Kfz-Kennzeichen: | GF | |
| Gemeindeschlüssel: | 03 1 51 024 | |
| Gemeindegliederung: | 3 Ortsteile | |
| Adresse der Gemeindeverwaltung: | Am Schützenplatz 1a 38471 Rühen |
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| Bürgermeister: | Karl-Peter Ludwig (SPD) | |
Rühen ist eine Gemeinde im Landkreis Gifhorn im Osten des Landes Niedersachsen. Die Gemeinde Rühen ist gemeinsam mit den Gemeinden Bergfeld, Ehra-Lessien, Parsau, Tiddische und Tülau sowie dem Flecken Brome Mitgliedsgemeinde der Samtgemeinde Brome und liegt an der B 244 in unmittelbarer Nachbarschaft zur Stadt Wolfsburg.
Inhaltsverzeichnis |
Bearbeiten Geographie
Bearbeiten Geographische Lage
Rühen befindet sich am Rande des Naturparks Drömling und liegt direkt am Mittellandkanal. Ein Teil der Gemeindegrenze bildet zugleich die Grenze zwischen Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Rühen liegt in der geschichtlichen Landschaft des Vorsfelder Werders, einem eiszeitlichen Geestrücken.
Bearbeiten Nachbargemeinden
Die nachfolgenden Städte und Gemeinden grenzen an die Gemeinde Rühen. Sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Westen genannt:
Bearbeiten Gemeindegliederung
Die Gemeinde Rühen gliedert sich in folgende Ortsteile:
Bearbeiten Geschichte
Der Ort Rühen wurde bereits 1366 als Rughinghe urkundlich erwähnt. Erst ab 1658 ist Rühen geläufig. Die Bedeutung des Namens ist umstritten. Vermutlich bedeutet der Name „Salweidenstand“. Rühen entstand neben den anderen Siedlungen des Vorsfelder Werders im 12. Jahrhundert als wendisches Rundlingsdorf. Viele wendische Flurnamen und der gut erkennbare Rundling im Süden des Ortes erinnern daran. Jahrhunderte lang gehörte Rühen zum Einzugsbereich des Werder-Hauptortes Vorsfelde, das auch bis in die Nachkriegsjahre des Zweiten Weltkriegs Kirchort war.
Der Drömling spielte für die Rühener Bauern eine große Rolle, zunächst als Holzlieferant und Viehweide. Oft kam es aber vor, dass nach heftigen Niederschlägen das Heu auf den dann überfluteten Moorwiesen schwamm. Daher war auch der Holzeinschlag nur im Winter möglich, wenn das Niedermoor gefroren war. Der Baumbestand wurde parzellenweise abgeholzt, um Brennmaterial zu gewinnen; Weidenzweige wurden als Flechtmaterial für Körbe und Kiepen geerntet. Dadurch wurde der Baumbestand nie älter als rund zehn Jahre. Auch die umliegenden Ortschaften hatten ein Anrecht auf Holzeinschlag im Drömling, was sich noch in Flurbezeichnungen wie „Tiddischer Drömling“ oder „Hoitlinger Drömling“ widerspiegelt.
Ackerbau wurde auf den Niedermoorflächen erst durch die Rimpauschen Moordammkulturen möglich, die in den 1930er Jahren angelegt wurden. Dies geschah hauptsächlich durch den nationalsozialistischen Reichsarbeitsdienst, der auch für den Bau des Mittellandkanals eingesetzt wurde. In Rühen bestand ein Lager des Reichsarbeitsdienstes, das nahe am Kanal lag; eine Baracke dieses Lagers steht noch heute. Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Lager als Kinder- bzw. Pflegeheim für Säuglinge und Kleinkinder von ausländischen Zwangsarbeiterinnen genutzt (siehe unter NS-Gedenkstätten unten).
Nahe dem Ortsteil Brechtorf lag bis zum 19. Jahrhundert der Wipperteich. Er war bis zu seiner Trockenlegung 1841 mit 200 Hektar Fläche das größte Gewässer im Lande Braunschweig. Er diente der Fischzucht und dem Betrieb der Wippermühle.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war Rühen bis zur Wende Zollhafen für den Güterverkehr durch die DDR nach Berlin.
Bis zur niedersächsischen Kommunalreform am 1. Juli 1972 gehörte Rühen zum Landkreis Helmstedt.
Nach dem Krieg wuchs die Gemeinde Rühen sehr schnell. Waren es zunächst Flüchtlinge und Vertriebene, die im Norden des Ortes Rühen bauten, so bauten in den 1970er und 1980er Jahren vor allem Mitarbeiter des Volkswagenwerkes Wolfsburg im Ostteil des Ortes. Inzwischen sind auch im Westen Rühens Baugebiete ausgewiesen und bebaut worden. Die Einwohnerzahl stieg von 679 (1939) auf rund 2.955 (30. Juni 2008). Die Einwohnerzahl der Gemeinde Rühen nähert sich 5.000.
Bearbeiten Eisenbahngeschichte
Rühen besitzt einen stillgelegten Bahnhof sowie 2005 stillgelegte Gleisanlagen, die von der Kleinbahn Wittingen-Oebisfelde GmbH und ab 1944 von der OHE (Osthannoversche Eisenbahnen) genutzt wurden. Die Strecke verband ab 1909 Rühen mit Oebisfelde und Wittingen. 1944 wurde ein Zug östlich der Kanalbrücke von einer Bombe getroffen. Es gab drei Tote. Durch die deutsch-deutsche Grenzziehung kam der Zugverkehr nach Oebisfelde 1945 zum Erliegen. Die Strecke wurde zunächst noch in nördlicher Richtung (Wittingen) genutzt. Sie hatte eine gewisse Bedeutung für Pendler zum VW-Werk in Wolfsburg, die allerdings ab Rühen mit dem Bus nach Wolfsburg fahren mussten. 1974 wurde der Personenverkehr eingestellt.
Bearbeiten Religion
Bis 1951 war Rühen keine selbstständige Kirchengemeinde, sondern Diakonat der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde St. Petrus in Vorsfelde; bis 1958 wurde die Gemeinde von St. Johannes (Vorsfelde III) aus verwaltet. Durch den Umbau der ehemaligen Volksschule erhielt Rühen in der Ortsmitte eine Kirche. Seit 1958 besteht die Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde St. Paulus Rühen; zum Pfarramt Rühen gehören auch die ev.-luth. Kirchengemeinden Brechtorf und Eischott. Die Rühener Kirche heißt ebenfalls St.-Paulus-Kirche, während die Brechtorfer Kirche St.-Markus-Kirche heißt. In Eischott gibt es seit 2004 einen kirchlichen Andachtsraum im Gebäude des ehemaligen „Kalthauses“, dem früheren Kühlhaus der dörflichen Gefriergemeinschaft.
Bearbeiten Politik
Bearbeiten Gemeinderat
Der Rat der Gemeinde Rühen hat 15 Mitglieder. Folgende Fraktionen sind seit dem 12. September 2006 vertreten:
Bearbeiten Wappen
Die Wappenbeschreibung lautet: In Grün ein aus einem silbernen (weißen) Rundlingssymbol herauswachsender silberner (weißer) dreiblättriger Salweidenzweig.
Bearbeiten Kultur und Sehenswürdigkeiten
Bearbeiten NS-Gedenkstätten
Etwa einen Kilometer nördlich von Rühen an der B 244 befindet sich eine Kriegsgräberstätte mit einem Denkmal und einem Kreuz. Hier sind während des Zweiten Weltkrieges 76 Tote bestattet worden, die in Zwangsarbeiterlagern der Umgegend verstorben sind. Es handelt sich überwiegend um sowjetische Kriegsgefangene, die Zwangsarbeit im Volkswagen-Werk im nahem Wolfsburg leisteten.
Seit 1944 bestand am Ortsrand an der B 244 zwischen Rühen und der Brücke des Mittellandkanals ein Lager. Dies war, ebenso wie die Ausländerkinder-Pflegestätte Velpke, ein Sterbe-Lager für Säuglinge und Kleinkinder von ausländischen Zwangsarbeiterinnen, die in der Industrie in Wolfsburg und in landwirtschaftlichen Betrieben eingesetzt waren. Wegen der mangelhaften hygienischen Verhältnisse und der schlechten Versorgung starben die meisten Kinder. Es kamen etwa 300 Säuglinge um.
Der verantwortliche Arzt Dr. Hans Körbel, ein Werksarzt des Volkswagen-Werkes, wurde bei dem Kriegsverbrecherprozess in Helmstedt am 24. Juni 1946 zum Tode durch den Strang verurteilt und am 7. März 1947 im Zuchthaus Hameln hingerichtet. Eine Frau, die für das Heim zuständig war, wurde ebenso zum Tode verurteilt; ihre Strafe wurde in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt. Eine weitere Frau wurde mit fünf Jahren Zuchthaus bestraft. Auf dem Friedhof in Rühen erinnert heute eine Gedenktafel an das Schicksal der polnischen und sowjetischen Kinder mit der Aufschrift (auszugsweise):
- Hier ruhen über 100 russische und polnische Kinder, die im Kinderlager Rühen 1944-1945 Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurden. Im Alter von wenigen Tagen wurden sie ihren Müttern weggenommen und kamen jämmerlich zu Tode.
Bearbeiten Freizeit
- Der Naturpark Drömling liegt in unmittelbarer Nähe und bietet Möglichkeiten zu Spaziergängen, Wanderungen und Radtouren.
- Das Vereinswesen ist mit 13 Vereinen sehr rege. Einer der größten Vereine in Rühen ist die Kyffhäuser Kameradschaft mit 234 Mitgliedern.
Bearbeiten Sport
Der größte sportliche Erfolg in der Gemeinde gelang der Gruppe Happy Beatles im TV Jahn Rühen. 2006 wurden die jungen Frauen als Team Deutscher Meister im Jazz und Modern Dance.
Die 1. Herren-Tischtennismannschaft des TTC GW Rühen spielt in der Bezirksliga und ist damit ranghöchste Ligamannschaft Rühens.
Bearbeiten Wirtschaft und Infrastruktur
Rühen hat mehrere handwerkliche Kleinbetriebe sowie eine relativ zur Größe hohe Zahl an Einzelhandelsbetrieben. Ärzte und Apotheke befinden sich ebenfalls am Ort. Vom einstigen Hauptwirtschaftszweig, der Landwirtschaft, existieren nur noch drei Haupterwerbsbetriebe und ein Nebenerwerbsbetrieb.
Nordöstlich von Rühen befindet sich das im Jahre 1977 in Betrieb genommene Wasserwerk Rühen der LandE - Stadtwerke Wolfsburg mit insgesamt elf Tiefbrunnen, über welche die Stadt Wolfsburg mit Trinkwasser aus dem Drömling versorgt wird. Das aufbereitete Trinkwasser befindet sich im weichen bis mittleren Härtebereich. Etwa ein Drittel des Wolfsburger Trinkwassers wird hier gefördert. Die Einwohner der Gemeinde Rühen erhalten ihr Trinkwasser hingegen überwiegend aus Eischott.
Bearbeiten Bildung
In Rühen befinden sich ein Kindergarten, eine Grund-, eine Real- und eine Hauptschule. Bis zum September 2005 waren die Haupt- und Realschule in einem Gebäudekomplex vereint und unter dem Namen HRS am Drömling bekannt. Mit dem Wegfall der Orientierungsstufe in Niedersachsen wurden die Haupt- und Realschule durch die Samtgemeinde Brome unter massivem Protest getrennt. Die Hauptschule befindet sich jetzt im Gebäude der ehemaligen Orientierungsstufe.
Bearbeiten Literatur
- Johann Dietrich Bödeker: Das Land Brome und der obere Vorsfelder Werder, Geschichte des Raumes an Ohre, Drömling und Kleiner Aller. Braunschweig 1985, ISBN 3-87884-028-4
- Günter Barthel u.a.: Rühen, Brechtorf und Eischott in Bildern. Horb am Neckar 2004, ISBN 3-89570-929-8
Bearbeiten Weblinks
- Website der Gemeinde Rühen
- Ausländerkinder-Pflegeheim Rühen bei Wolfsburg in Baracken des KdF(VW)-Werkes
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